Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1928)
- Date
- 1928-12-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 81 Der 3? t « e l it 20. Dezember 1928 . Proklamation des Oberkommissars Sir John Chancellor als Staatsfeiertag und als Tag der Befreiung und des Dankes begangen. In den Bethäusern aller Religionen fanden Dankgottesdienste statt. Die Arabische Exekutive Palästinas erließ einen Aufruf an die arabische Bevölkerung, in der diese aufgefordert wird, am Jahrestage der Einnahme Jerusalems durch britische Truppen für ihre festbegründeten Rechte in Palästina zu demonstrieren. Ein neuer Schechitakonflikt. Tel A w i w., 9. Dezembre. Bekanntlich besteht seit der vor zwei Jahren ergangenen Einschreibung des Obersten Gerichtshofes, der die Schechita frei gab, auch hier neben der offiziellen Sche- , chita des Rabbinats eine unter Aufsicht des Rabbiners von Makow stehende soziale Sonderschechita, die insbesondere von denen benutzt wird, die das mehr oder minder zionistische Stadtrabbinat von Jaffa nicht anerkennen. Als sich im Sommer Gerüchte verbreiteten, daß bei dieser Sonderschechita Unregelmäßigkeiten religiöser Natur vorgekommen seien, erklärte der verantwortliche Raw von Makow, daß er jederzeit bereit sei, die Nachprüfung der erhobenen Anklage einem , unparteiischen, paritätisch zusammengesetzten Besdin zu unterstellen, nicht aber dem am Ausgang interessierten Jaffaer Rabbinat. Las Jaffaer Stadtrabbinar weigerte sich jedoch hierauf einzugehen und veranstaltete eine eigene Untersuchung durch Zeugenvernehmung, die damit endete, daß die Schechita des Raw von Makow für Trefo erklärt wurde. Bon dessen Anhängern wurde hierauf ein Schreiben veröffentlicht, das schon vorher von dem Rösch Besdin des Sonnenfeldschen Rabbinats in Jerusalem, Rabbiner Rubin, nach Jaffa gerichtet worden war, worin sich dieser bereit erklärte an einem etwa zu berufenden Besdin teilzunehmen. Dem Schreiben ist eine kurze Erklärung Rabbiner Chajim Sonnenfelds beigefügt, die dahin läutet, daß der Waw von Makow eine unbedingt zuverlässige Persönlichkeit sei, auf dessen Entscheidungen man sich in jeder Hinsicht verlassen könne. Damit hat sich die Aneglegenheit zu einem schweren Konflikt zwischen der Autorität des Jaffaer Rabbinats und derjenigen von Rabbi Chajim Sonnenfeld ausgewachsen. Die Zeitungen bemächtigen sich des Falles zu Parteizwecken und beuten ihn zum Schaden der jüdischen Ehre aus. (Im hiesigen „Jüdischen Wochenblatt" veröffentlicht ein anonymer Korrespondent aus Palästina die lächerliche Behauptung, Rabbiner Sonnenfeld habe einer ihn in der Angelegenheit besuchenden Delegation geantwortet: „Besser trefo zu essen zu geben, als eine Schechita unter Aufsicht zionistischer ■ Rabbiner." Wenn der Konflikt an'sich schmerzlich ist,.so erscheint uns noch trauriger, die skrupellose Verbreitung einer so" unerhörten Verleumdung/ Da Rabbi -Chajim Sonnenfeld di-e Schechita des Rüws von .Makow fürkoscher hält, so liegt ja die Unm-ög-kichkeik^^er in den Mund gelegten Aeuherung für jeden,UxMs!-! fähigen klar auf der Hand/s Das Ganze ist also erhörtes si vv Ein. Red.) ' Gründungsversammlung der orthodoxen Gemeinde in Tel Awiw. Tel Awiw, 30. November. Gestern abend fand in gehobener Stimmung die Gründungsversammlung der Kehal Adas Jeschurun statt, die, nachdem die Genehmigung der Regierung erlangt ist, nunmehr ihre Tätigkeit eröffnen soll.. Der Vorsitzende, Rabbiner Lichtmann, schilderet in Anknüpfung an den Thoravers: „Heute bist du zum Volke geworden" die prinzipielle Notwendigkeit und die besondere Bedeutung einer orthodoxen Gemeinschaft inmitten der durch die zionistische Gedankenwelt entstandenen irrigen Vorstellungen über das Kehilläwesen. In markigen Worten rief der Rabbiner der jungen Gemeinde,' der Raw von Makow, die Genossen zu mutiger Tätigkeit auf. Cs gebe heute keinen anderen Weg zur Aufrechterhaltung der Thora als die-gemeindliche Trennung von denen, die das Joch des Gesetzes abgeschüttelt hätten. Der Vorsitzende, des vorbereitenden Ausschusses, Rabbiner D. N. D e i n ard, berichtete über die Arbeit des Komuees, insbesondere über die Bemühungen um die Erlangung der regierungsseitigen Genehmigung.; Alsdann fand die Konstituierung durch Wahl des Vorstandes statt. Zum Vorsitzenden wurde Rabbiner .Benzion Lichtmann gewählt. Alsdann gelangten Vorschläge zum Ausbau der rituellen Institutionen der Gemeinde zur Besprechung. Personalien. Goltlieb Lettner Marien bad, 15. Dezember. In Karlsbad starb nach kurzem eintägigem Krankenlager Gottlieb Lettner, der Inhaber des weltbekannten Restaurants „Goldener Schlüssel" in Marienbad im 53. Lebensjahre. Gottlieb Leitner war nicht nur eine der bekanntesten, sondern auch eine der beliebtesten jüdischen Persönlichkeiten. Ein Mann von unerschütterlicher Glaubenstreue und unbegrenztem Wohltätigkeitseifer, eine Erscheinung, wie sie unter den Westjuden selten, hierzulande — er war Marienbader — gar nicht zu finden ist. Sein Unternehmen führte er ohne Rücksicht auf feinen persönlichen Vorteil, von seiner ebenbürtigen Gattin unterstützt, wie es das strengste Kaschruth erfordert. Darum waren auch die bedeutendsten Rebbes und Rabbonim seine Stammgäste, ja darüber hinaus feine Freunde. Bei ihm verkehrten der Gerer Rebbe, der Radiner Rebbe, der Sochaczewer Rebbe, der Radomster Rebbe aber auch Rabbonim, die zu den Größten ihrer Zeit zählen, wie der Pinsler, der Plozker, der Rszeszower, der Samborer, der Piotrkower, die Warschauer und Wilnaer Gedaulim, bei ihm fühlten sich ungarische und deutsche Rabbonim zuhause. Gottlieb Leitner hat sein ganzes Lehen dahin gearbeitet, fein Unternehmen im jüdischen Sinne hochzubringen und hochzuhalten, er hat fein Beshamidrasch ausgestaltet, jederzeit neue wertvolle Seforim angeschafft. Seine Wohltätigkeit bewegte sich auch ganz im jüdischen Geiste-, daß er im Sommer täglich Dutzende von Armen unentgeltlich speiste, daß sein Restaurant stets von Armen und Hausierern umlagert war, denen er es trotz vielfacher Beschwerden seiner Gäste nicht verwehrte, die Hilfe. Anderer anzurufen, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist es, daß er den Krieg über durch Jahre eine Reihe von Kriegsfküchtigen in seinem Hause verborgen hielt oft mit Gefährdung feiner eigenen Existenz. In den letzten Jahren hat er im Einvernehmen mit orthodoxen Autoritäten sich bemüht, die Marienbader jüdische Gemeinde zu veranlassen, ihre Institutionen, vor allem die Schechita h «j bv umzugestalten, eine Mikwoh zu errichten und ein streng koscheres Hospital für Kurbedürftige zu gründen. Der Tod hat seinem Streben ein Ende gesetzt. Heute fand die miap unter riesiger Beteiligung von Juden und Nichtjuden statt. Nach der mnt3 wurde der Sarg in das Beshamidrasch getragen, daselbst sieben Hakofoth gemacht, worauf sich der lange Trauerzug zum Friedhof bewegte, wo des Chanukkah wegen die Bestattung ohne Trauerrede erfolgte. Möge m-nn der schwerbetroffenen Witwe und den Kindern Kraft geben im Sinne ihres Familienhauptes weiter zu wirken. n"r:t:/i Fritzlar, 10. Dezember. Ihren 90. Geburtstag be-- ging am '°mp naw m größter körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische im Kreise ihrer vier Kinder die Witwe Amalie Löwenstein, die älteste Einwohnerin unserer Stadt. Sie wohnt seit 1865 in Fritzlar. Kassel, 10. Dezember. Im 59. Lebensjahre verschied hier der Inhaber des Hessischen Möbelhauses Leopold W e.i.ngar't e.n. Der Verschiedene erfreute sich, überall größter Beliebtheit und hgt es verstanden, durch ReeMtät und Biederkeit sein Geschäft zu einem führenden der Branche zu gestalten. Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung statt. Herr Lpndrabbiner,Dr. Walter Mit.' am Grabe eine wckrme Gedächtnisrede. jrawn M II Drebenstein, 10. Dezember. JhreSilberne - Hochzeit beging im nahen Meimbressen Herr.Levi FränkeEberg und Ehefrau Mathilde geb. Kander. j - V TNalsfeld, 10. Dezember, seinen 86. G^bsirtstflg beging vorgestern Herr KoppelMaitz hier inj größter, körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische.! £ . Karlsruhe, 17. Dezember. Herr'.Jsak Thalmänn, ein Sohn des unvergessenen R. Gümpel Thalmänn W ein verdientes Mitglied der hiesigen Religionsgesellschaft, feiert‘wi mna-'p m© seinen 60. Geburtstag. Bemerkenswert ist, daß' er als erster Barmizwoh jetzt vor nahezu 50 Jahren (im Jahre 1880) in der damals neuen Synagoge Karl Friedrichstraße fein Sidroh vortrug. U. a. war er stets eifriges Mitglied des Chores, um den ersich durch unermüdliche. Mitarbeit verdient gemacht Hai und, dem er seit über 40 Jahren angehört. Seine vielen Bekannten in Nah und Fern dürfte eg interessieren, daß Herr Thalmann seit etwa 50 Jahren ununterbrochen Teilnehmer des noch bestehenden historischen nvavn der Familie Ettling er, Herrenstraße, ist, Auch dort ist er beispielgebend und pünktlich. - Möge der Jubilar in gleicher Rüstigkeit und Frische diesen'schönen,-jüdischen Pflichten Nachkommen nrrv, 15? .ruv n»*»rjn . Hamburg, 15. Dezember. Die aus Mainz stammende Witwe Frau Rosa Goldschmidt geb. Goldner, wohnhaft in Hamburg. Kieltorallee 23. vollendet am 25. De-' zember das 80. Lebensjahr. - ' Bad Ems, 12. Dezember. Frau Vezirksrabbiner Dr. Weingarten in Bad Ems, die jetzt 23 Jahre im Vorstände des Vaterländischen Frauenvereins Bad Ems tätig ist, wurde in Anerkennung ihrer Leistungen auf dem Gebiete der sozialen Wohlfahrt mit der R 0 t e n K r e u z- Medaille 2. Kl. ausgezeichnet. Men, 8. Dezember. Am Donnerstag, den 6. Dezember. vollendete Herr Moses Hirsch Landau, derl bekannte Philantrop und Chowew Zion, seinen 80. Geburtstag und war aus diesem Anlaß Gegenstand großer Ehrungen seitens zahlreicher Kreise der Wiener Judenschaft. Aus dem Auslande langten Hunderte Glückwunschtelegramme prominenter jüdischer Persönlichkeiten ein, die mit Herrn Landau zu verschiedenen Zeiten in. philantropischen und anderen Werken verbunden waren.. Die Freunde des Jubilars ehrten ihn dadurch, daß sie seinen Wunsch «füllten und dem von ihm protegierten Waisenhaus der „Agudas Israel" in Baden b. Wien ansehnliche Beträge zuwandten. Herr -Landau, der in der Welt des Chassidismus eine Rolle spielt, erhielt Glückwunschschreiben von sehr vielen Rabbinern und Chassidim-Rabbis, so auch vom „Stoliner Rebbe", der ein Verwandter von ihm ist, und von verschiedenen Chassidim-Gruppen. Die in Wien lebenden Mitglieder der Rabbinerfamilie Friedmann, Abkömmlinge des berühmten . „Ruschiner Rebbe", erschienen persönlich, um Herrn Landau Glück zu wünschen. Herr Moses Hirsch Landau ist der Vater des Direktors der Jüdischen Telegraphen-Agentur, Herrn Jacob Landau. Vermischtes. Flieden. 9. Dezember. Hier fand eine vom hiesigem jüdischen Jugendbund veranstaltete Chanukkahs e i e r statt, die zu gleicher Zeit eine Ehrung für den aus dem Amte geschiedenen Lehrer Freu den berge r darstellen sollte. Es wurden fast ausschließlich Darbietungen mit jüdischer Tendenz und religiösen Inhalten vorgeführt, was. allgemeine Befriedigung auch bei den mchtjüdifchen Teilnehmern, unter denen sich Kollegen des Herrn Lehrer Freudenberger befanden, auslöste. Als Gäste waren die Herren Provinzialrabbiner Dr. Eahn und Kreisvorsteher Dr. Herz von Fulda erschienen, derben Anlaß benutzten, sowohl Herrn Lehrer Freudenberger Worte des Dankes und der Anerkennung zu widmen wie auch ihrer Freude Ausdruck zu geben über die Wahl von dessen Nachfolger, des Herrn Lehrer Weinberg, den sie als einen Mann vom ernsten gotfesfürchtigen und bescheidenen Wesen schilderten. Der Letzterehat bei der Vorbereitung und Durchführung, des wohlgelungenen Abends hauptsächlich mitgewirkt. Ein Teilte s Verdienstes muh auch Frau Mi Goldschmidt zugeschrieben werden. Bad kissingen, 14. Dezember. Der Schochtimv e r b a n d in Bayern veranstaltet am 1. Januar 1929, mittags 1 Uhr in Würzburg im Gemeindelokal der dorigen Israelitischen Gemeinde seine 3. Mitgliederversammlung. Zur Tagesordnung steht: 1. Begrüßung,- 2. Rechenschaftsbericht, 3. Referat: Kann und darf man an die Hilchoth Schechitoh ubediko den medizinisch-wissenschaftlichen Maßstab anlegen? (Lubinski-Schweinfurt), 4. Kassenbericht, 5. Wünsche und Anträge. Antwerpen, 12. Dezember. Im schön geschmückten Lokale der Antwerpener Benoth Agudas Jisroel fand in Anwesenheit aller Mitglieder am Donnerstag, den 29. November, die Abschiedsseier für die' sich nun verheiratende Präsidentin, Frl. Recha Rottenberg:, statt. Das gefühlvolle Violinspiel von Frl. Regt 'Beck leitete den Abend feierlich .ein. Ein Mitglied der ältestem Gruppe ergriff dann das Wort "und begrüßte' Fräuleim Rottenberg als die Gründerin der Antwerpener B. I. I. und schilderte die Entwicklung der Gruppe, unter ihrer gewissenhaften Führung. Sie überbrachteH im . Namen, der ganzen Organisation herzliche Glückwünsche. Es wurde ihr' dann eine lederne Schrieibmappe als Abschiedsgefchenk überreicht. Fräulein Recha- Rotien- >erg.dankte gerührt für all das Liebe bas ie vM seiten ihrer Agudaschwestern erfahrest^ yafte, und - orderte die Mädchen. auf, ihre ganze Kra.^ i n den dienst der Organisation zu stellen, mit dem beglückenden ZewWtsein, für die Gesamtheit zu arbeiten nnd dieser Gesamtheit etwäs^zu sein. Fröhliche Gedichte und Lieder rSechWb.n einander ab und-verliehen dem durch die be- MrsMendie Trennung van der Präsidentin etwas ernsten. ÄbeM wieder einen, fröhlichen Charakters Mrsi daraüf- 'olgenden Schabbys hielt Fräulein R. Rottenberg ihren letzien Vortrag' im Kreise ihrer Ägüdaschwe'stöbn. Köln, . 14. Dezember. Dienstag und Mittwoch, dem. 25. und 26, Dezember findet in Köln a. Rh. eine rheinische Bezirkstag ung der Agudas' Jisroel statt. Die eierliche Eröffnung der Tagung durch Herrn Leo Munk 'indet bereits am Montag abend statt. In der Er- Zur Erwärmung der Wohnung. 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