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Der Israelit · 1928-12-20 · Heft 51 (20.12.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 51 (20.12.1928)
Date
1928-12-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Nr. 51 Der Israelit 20. Dezember 1928 gärtnerischer und geweblicher Basis errichett werden. Sie fall den wirtschaftlich Entwurzelten zu einem Rückhalt, den gesellschaftlich Gebrochenen zu neuer Einordnung in die Ge^llschaft verhelfen. Der H»lfsverem der deutschen Juden für Bulgarien. Berlin, 13. Dezember. Für das Wiederaufbauwerk in den vom-Erdbeben rm 'upril .eses Jahres betroffenen jüdischen Gemeinden h'.r der oilfsverein der Deutschen Juden bekanntlich im Somu.er dieses Jahres eine Sonderaktion eingeleitet. Nachdem Ende September 15 000 Mk. überwiesen nr Jv i waren, hat der Hilfsverein vor einigen Tagen -eitere 5000 Mk. zur Verfügung gestellt. Insgesamt sind von ihm für die Wiederherstellung zerstörter Gemeindeanstalten 20 000 Mk. überwiesen worden. Das liberale Judentum in Deutschland und die Jewish Agency. ' Berlin, 13. Dezember. In der „Jüdisch-liberalen Zeitung" nimmt Herr Landgerichtsrat Dr. Arthur Lilienthal das Wort zur Frage der Beteiligung des liberalen Judentums an der Jewish Agency. Er faßt seine Wünsche folgendermaßen zusammen: 1. Einräumung eines entsprechende^ Einflusses auf die Palästina-Arbeit. 2. Respektierung unserer nichtnationalen siedlungsmätzigen Einstellung zum Palästinawerk auch nach außen. Eine Palästinawerbung auf der Grundlage nationaler Anschauungen ist nicht möglich. 3. Die Entpolitisierung der gemeinsamen Palästina-Arbeit, muß ihren Ausdruck findenin zweierlei: a) bei der Einwanderung in dem Grundsatz des Gleichgewichtes zwischen der Zahl der Einwanderer und den wirtschaftlichen Fähigkeiten des Landes; b) in der Herstellung eines vernünftigen Verhältnisses zu den Arabern. 4. Palästina-Abkommen als Teil eines Ges-amtkolonisationsabkommens mit dem Ziel einer planmäßigen Siedlung in der ganzen Welt. Tagung des Badischen Landesverbandes des Lenkral-Bereins. . Mannheim, 12. Dezember. Die Tagung des badischen Landesverbandes des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Mannheim war außerordentlich zahlreich besucht. Fast alle Ortsgrupppen des badischen Landes waren vertreten. Referate hielten der Vorsitzende des Landesverbandes Baden, Rechtsanwalt Dr. Jakob Marx (Karlsruhe) und Direktor Dr. Holländer. Eine vielstündige Aussprache, in der grundsätzliche und mehr örtliche Fragen ausgiebig erörtert worden sind, brachte Wesentliches zutage, so daß die Teilnehmer mit neuen Anregungen und Aufgaben reich versehen in ihre Heimat zurückkehren konnten. Biele -besuchten noch die an demselben Abend anberaumte, überfüllte Versammlung der Mannheimer, Ortsgruppe des E. V., in der Professor Dr. Goldstein (Darmstadt) über „Die Geistigen und die Judenfrage", Direktor Dr. Holländer über „Volk, Staat, Nation und Nationalität" berichteten. Badekuren rituell lebender Kriegsbeschädigter. Halb erst« dt, 8. Dezember. Auf Antrag des Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands in Halberstadt hat der Reichsarbeitsminister mit Verfügung vom 6. Dezember I b Nr. 5775,28 Dl sämtliche Hauptversorgungsämter angewiesen, jüdischen Versorgungsberechtigten, die auf rituelle Verpflegung Wert legen, die Wahl eines für ihren Krankheitsfall geeigneten und anerkannten Kurortes innerhalb Deutschlands selbst zu überlassen, und ihnen für die Dauer der genehmigten Kur- oder Heilstättenbehandlung eine Kostenbehilf« in Höhe der jeweils geltenden Durchschmttskosten zu zahlen (zurzeit also bei Badekuren 5,60 M. und bei Heilstätten- Die Woche. Berlin. Während einer Ehanukah-Feier, die der Israelitische Frauenverein zum Besten der Armen im Restaurant Metropol in der Rosenthalerstraße veranstaltete, wurde die Vorsitzende des Vereins, Frau Rabbiner Dr. Rosenthal, die Witwe des verstorbenen Rabbiners der Jüdischen Gemeinde, Dr. Rosenthal, plötzlich vom Herzschlag getroffen und war sofort tot. Das Fest wurde abgebrochen^ — In der Sitzung des Reichstags, vom 13. Dezember wurde über das Gesetz betreffend Ausdehnung der Unfallversicherung abgestimmt. Zum Artikel 6, der die Mitglieder geistlicher Genossenschaften und Schwestern von Diakonissen-Muiterhäusern, die lebenslänglich versorgt sind, von der Versicherungspflicht ausnimmt, wird - ein Zentrums-Antrag angenommen, der die Ausnahmebestimmung auch -auf die Schwestern von gleichartigen jüdischen Mutterhäusern ausdehnt.— Gegen die Einbürgerung zweier jüdischer Einwohner in den hamburgischen Staatsverband hatten Bayern und Württemberg Einspruch erhoben. Dieser Einspruch ist von den Ausschüssen des Reichsrats für unbegründet erklärt worden, und das Plenum schloß sich mit Mehrheit dem Ausschußbeschluß an. — Der Kriminalpolizei ist es gelungen, drei der Mittäter (junge Burschen) zu. verhaften, die kürzlich auf dem israelitischen Friedhof in Harburg zahlreiche Grabsteine umgeworfen und zerstört hatten. — Im Preußischen Landtag ist folgende Kleine Anfrage des Abg. Giefeler (Deutsche Frakt.) eingegangen: Bei den Rundfunkhörern herrscht allgemein Erbitterung über die fortschreitend« „Verjudung" der Vorträge. Selbst die Weihnachtslieder werden schon von jüdischen Sängerinnen gesungen. Wie entsetzlich! — Der Landwirt Emil Hewerer in Bergholz bei Michendorf, etwa eine Stünde von Berlin entfernt, hatte an seinem Gutshof eine Tafel mit folgender Inschrift anbringen lassen: „Juden, Agenten, Hausierern und Musikanten ist das Betreten meines Hauses untersagt!" Die Republikanische Beschwerdestelle Berlin wandte sich, nachdem alle Zwischeninstanzen versagt hatten, an den Regierungspräsidenten in Potsdam und dieser Hai unter dem 5. Dezember folgendermaßen entschieden: „Auf die dortige Eingabe vom 19. o. M. erwidere ich, daß ich den Landrat des Kreises Zauch-Belzig angewiesen habe, das Erforderliche zur Beseitigung der Verbotstafel an dem Bauerngehöft in Bergholz zu veranlassen." München. Der protestantische Pfarrer G l e n k aus Melkendorf bei Kulmbach traf vor kurzem in der Nähe seines Pfarrdorfes auf ein mit Hakenkreuzlern besetztes Auto. Als er an den Wagen herantrat, rief einer der Hakenkreuzler plötzlich: „Das ist ja ein Jude!" worauf die ganze Bande sich über den Pfarrer stürzte und ihn fürchterlich verprügelte. Hamburg. Professor Isaak M a r k o n wurde von der Jüdischen Gemeinde* zu Hamburg zum Leiter ihrer in der Ausgestaltung begriffenen Bibliothek berufen. Die Berufung des bekannten Gelehrten steht auch im Zusammen-, hang mit dem Bestreben, im Rahmen der Bibliotheksarbeit jüdisches Wissen in weiteren Kreisen der Gemeinde zu verbreiten. Zürich. In einem Schreiben, welches dem „Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz" vorliegt, erklärt Jacob Wassermann, die Behauptung, er habe sein unmündiges Kind taufen lassen, sei unzutreffend. Bukarest. In Leova (Beharabien) ist die Synagoge von bisher unerkannt gebliebenen Tätern demoliert worden. Die Thorarollen wurden von den Huligans zerrissen und beschmutzt. Der Innenminister ordnete eine strenge Untersuchung an und bedeutete den Behörden von Leova, daß er sie für dieses Vorkommnis verantwortlich machen werde. Luxemburg. Herr Dr. Sere-- b r i a n s k i wurde in diesen Tagen zum Oberrabbiner des Großherzogtums Luxemburg gewählt. behandlung 6 M. für den Tag). , Daneben können die, Reisekosten in dem gesetzlich begrenzten Umfang erstattet werden. / Eine Entscheidung darüber ob beituberkulös Erkrankten auch eine Heilstättenbehandlung in'Davos berücksichtigt werden kann, behält sich der Minister von Fall zu Fall vor, .Die Durchführung der Kur muß ständig ärztlich überwacht werden und der Verforgüngsbevechtig-te hat am Schluß der Kur -ein ärztliches Zeugnis über Dauer, und Erfolg der Kur dem Hauptversorgungsamt vorzülegen. Die Kosten für die Ausstellung dieses Zeugnisses werden mit 4 M. ersetzt. Da die Kostenbeihilfe erst am Schlüsse der Kur berechnet werden kann, ist das Hauptversorgungsamt. ermächttgt, auf Antrag angemessene Vorschüsse anzuweisen. Zweifelt das Hauptverforgungsamt daran, ob der Antrag überhaupt berechtigt oder am gewählten Kurort tatsächlich, Gelegenheit zur rituellen Verpflegung besteht, so ist es angewiesen, sich mit dem Bund gesetzestreuer - jüdischer Gemeinden m Halberstadt in Verbindung zu setzen, der sich zur entsprechenden Auskunfts-erteilung bereit erklärt hat. V Eine neue Synagoge für Plauen. Plauen, 14. Dezember. Die Israelitische Religionsgemeinschaft wird auf einem käuflich. erworbenen Grundstück an der Swefelderstraße in Plauen eine Synagoge erbauen. Die Pläne, die bereits die Genehmigung des Bauausfchuffes gefunden haben, stammen vom Architekten Dipl-Jng. Fritz Landauer, München, der als Spezialist auf dem Gebiete des Synagogenbaues gilt und erst kürzlich bei einem Preisausschreiben in München die beiden ersten Preise erhalten hatte. Ihm wurde auch die Bauleitung übertragen. Mit dem Bau wird in nächster Zeit begonnen werden. Voten. Grünbaums Antwort an Innenminister Skladkowsky. Warschau, 3. Dezember. Auf die Bemerkung des pvlnifchen Innenministers Skladowsky in der letzten Sitzung des Budgetausschusses des Sejm, die Regierung werde sich über die Köpfe der jüdischen Parlamentarier hinweg mit der jüdischen Bevölkerung verständigen, veröffentlicht Abg. Grünbaum einen Artikel in der polnisch-jüdischen Tageszeitung „Nafz Przeglond", der mit den Worten schließt: „Ich erkläre, daß, wenn die Regierung über unsere Köpfe hinweg Taben vollbringt, die der rechtlichen kulturellen und wirtschaftlichen Lage der Juden Rechnung tragen, wir jüdische Parlamentarier jederzeit bereit sind, zur Seite zu treten, soweit unsere Anwesenhett als störend empfunden wird. Wir müssen aber die Sicherheit haben, daß es sich um Taten handelt, nicht aber um leere Deklarationen oder sogar „Reformen", wie sie Herr Premier Barthel zuletzt empfohlen hat (gesetzliche Verankerung der aus der Zarenzeit; stammenden Ausnahmegesetze gegen Juden) . ." Erneute Zerwürfnisse. W a r s ch a u, 14. Dezember. In der letzten Sitzung der Budgetkommission des Sejm richtete der Deputierte Dr., Rosmarin im Namen des Jüdischen Klubs schwere Anklagen gegen das Außenministerium, das im Geheimen eine unglaubliche Propaganda betreibt, um das polnische Judentum vor dem Ausland zu kompromittieren und auf diese Weise dessen berechtigte Postulat« zu bagatellisieren. Während der Staatspräsident, der Premier und der Außenminister der zionistischen Bewegung Komplimente und Versprechungen machen, gibt das Auhenministerium für die ausländische Presse ein Informations-Bulletin über die Judenfrage in Polen heraus, in welchem drei Kategorien Juden in Polen unterschieden werden: ..Kommunisten, Zionisten und loyale Bürger. Die Mehrzahl der, Juden, heißt es in dem Bulletin, find Kommunisten,

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