Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1928)
- Date
- 1928-12-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450495-2450545--75589-2533120- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Oettc 4 9lr. 51 Der üstael.n 20. Dezember 1928 tung deines geistigen Teils in Nahrung feines Körperwerkzeugs; daß du diesem nur solche Nahrung zuführest, die ihn tüchtig sein läßt, zum reinien, gefügigen Boten der Welt an den Geist, des Geistes an die Welt, und nicht Stumpfheit oder Kampf der Sinnlichkeit erzeugt." (19 Briefe, S. 153*). — Ausführlich im miri' Kap. 68. u. Kom. 3, 11,43 u. f.) (Fortsetzung folgt.) Die Einweihungsfeier der neuen Schulräume des Realgymnasiums der Israelit. Synagogengemeinde Adaß Jisroel zu Berlin. In einer Zeit, in der die drückenden wirtschaftlichen Verhältnisse für die selbständigen gesetzestreuen Gemeinden in Deutschland eine Lage geschaffen haben, die dazu angetan ist, jede ausbauende und schöpferische Arbeit aufs schwerste zu hemmen, ist es der Adaß Jisroel gelungen, einen weiteren Markstein in der jungen Geschichte ihres Schulwesens zu errichten. Einzig und allein dem in echtem pnv2 wurzelnden Optimismus dieser an Zahl verhältnismäßig kleinen Gemeinschaft verbunden mit einem nie erlahmenden Opfersinn, ist es zu verdanken, daß trotz aller materiellen Sorgen, von denen sie beherrscht wirddieses in/seiner Art im orthodoxen Schulwesen einzig dastehende Erziehungswerk von Stufe zu Stufe schreitet, um der Gemeinde den notwendigen, fest im Boden der Tradition verankerten Nachwuchs zu sichern. Wenn sich daher die Adaß Jisroel anschickt, die Einweihung neuer Räume ihres mit solcher. Hingabe betreuten Schulwerks festlich zu begehen, so bedeutet eine solche Feier mehr als die gebührende Würdigung eines wichtigen Augenblicks in der Geschichte dieser GemeindeMine solche Feier legt zu gleicher Zeit, das beredteste Zeugnis für die unversiegbare Kraft ab, die einör Gemeinschaft innewohnt, die zwar an Mitgliederzahl und materieller Machtentsaltung es mit dem großen jüdischen Gemeinwesen. nicht aufnehmen kann, dafür aber von einer einheitlichen, ewig m ihr dominierenden Idee und den hieraus hervorbechenden- Energiequellen getragen wird. Das ist die große Genugtuung, die man angesichts einer solchen Feier empfindet, wie sie. am Sonntag, den 9. Dezember im großen Saale des Tiergartenhofes den weitaus größten. Teil der Gemeindemitglieder mit ihren Damen sowie mehrere hundert Schüler *) In der Ahronsohnschen 2 Ausg. und Schülerinnen zu. einer unvergeßlichen Feier vereinigte. Dem kurzen Vorberichte folgt daher eine eingehende' Darstellung der denkwürdigen Weihestunde.. Eingeleitet wurde die Feier mit dem Largo arioso von C. F. Händel, vorgetragen vom verstärkten Orchester des Realgymnasiums und Oberlyzeums unter Leitung des Dirigenten Paul Klebs. Hierauf folgte ein von der Obersekundanerin Helena Haarpuder wirkungsvoll vorgetragenen Prolog, an den sich wiederum eine musikalische Darbietung, das Finale aus der Chorphantasie von L. von Beethoven, rrorgetragen vom vereinigten Chor der Adaßfchulen, reihte. Die Reihe der Redner eröffnete das Vorstandsmitglied Herr Martin B o n d i. Er begrüßte die Erschienenen, insbesondere die anwesenden Vertreter des Provinzial-Schulkollegiums der Provinz Brandenburg und der städtischen Schuldeputation der Stadt Berlin sowie die Vertreter des Rabbinerseminars, der Höheren Israelitischen Schule in Leipzig, des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer und der Vereinigung jüdischer Akademiker. ' Außerdem haben eine große Anzahl jüdischer Organisationen und Körperschaften in Deutschland Glückwunschschreiben gesandt. 12 nnvV2i nb'äi '.i nw avn sin Jubeln wollen wir an diesem Tag, den die göttliche Fürsorge uns beschieden hat. Ihm schulden wir tiefsten Dank, daß er uns geholfen hat, ein Erziehungswerk zu errichten, welches vor zehn Jahren mit zwei Vorschulklassen eröffnet wurde und heute die stattliche Besucherzahl von über 700 Kindern mit 40 Lehrkräften aufzuweisen hat. Dank aber auch den Gemeindekörperschaften, insbesondere dem Schulrat und der Baukommission, jener mit der ständigen Sorge des unausgesetzten ^>3» *102 erfüllt, diese mit der sorgfältigen Ueberwachüng der Bauarbeiten betraut. Auch den Staatsbehörden sei für das bisher bewiesene Wohlwollen aufs herzlichste gedankt. Im Namen der Gemeindekörperschaften übergibt er sodann die neuen Schulräume ihrem Bestimmungszweck, die frohe Hoffnung daran knüpfend, daß die neuen Räume eine Quelle des Segens für die Kinder und dadurch, auch für die Gemeinde werden mögen. Eine außerordentlich bemerkenswerte Rede hielt im Anschluß daran der Vertreter des Provinzialschulkollegiums, Herr Geh. Regierungsrat Israel. Er beglückwünschte zunächst die Gemeinde im Namen der Behörden zu ihrem neuen Erfolg und. nahm hierbei Gelegenheit, die besonderen Verdienste, die sich Herr Rabbiner Dr. Esra lunt um das bisher Erreichte erworben hat, hexvorzuheben. In . den seit Jahren geführten Verhandlungen mit Herrn Rabbiner Dr. Munk war es ihm möglich, das reine Ethos und die religiöse Kraft seiner -Persönlichkeit auf sich wirken zu lassen, und diese Ueberzeugungskraft und Energie muß auch demjenigen hohe Wertschätzung gegenüber dem traditionellen Judentum abringen, der nicht geneigt ist, sich dieser Weltanschauung zuunterwerfen. In einer Zeit,, inder Oberflächlichkeit, Loslösen von allem Ueberkommenen und vorläufig noch Unklares Suchen und Tasten nach neuen Erziehungsformen kennzeichnende Merkmale der heutigen Generation sind,-- ist es besonders zu begrüßen, wenn eine Gemeinschaft wie die Adaß Jisroel an einem Erziehungswerke baut, welches es sich zur Aufgabe macht, inden ihm anvertrauten Kinhern Ehrfurcht vor der jüdischen Tradition und: ihren Glaubenslehren zu wecken und zu stärken. Solange er im Amte bleibe, so schloß er seine geistreichen Ausführungen, werde das Schulwerk der Adaß Jisroel sich seiner ungeteilten Sympathie und Unterstützung zu erfreuen haben. Ihm folgte der verdienstvolle Leiter des Realgymnasiums und Obssrlyzeums, Herr Direktor Nachman Schlesinger. Er dankte insbesondere den Gemeindekörperschaften für ihre hingebungsvolle Fürsorge an den Interessen des Schulwerks. Alsdann charakterisierte er die Erziehungsideale, welche dem Schülwerk -zugrunde liegen? Im Namen des Kollegiums versprach, er sein ganzes Streben darauf zu richten, daß die neuen Räume eine Pflanzstätte tiefenjüdischen Wissens gepaart mit den Elementen der Allgemeinbildung bilde. In herzlichen Worten wandte er sich sodann an die Schülerschaft und forderte sie auf, sich des Geschenkes würdig zu erweisen, welches die Gemeinde in ihrer Liebe zur Jugend ihr heute gewidmet hat. Nach ihm sprach Herr Rabbiner Dr. Esra Munk. Mit den Worten des Psalmisten: 'n 'ivN" gab er im Namen der Gemeinde den Gefühlen des Dankes für den göttlichen Beistand Ausdruck. Die Erziehungsideale der Schule berührend, weist er darauf hin, daß die Adaß-Schulen mit ihrem Erziehungsprogramm nicht nur im Dienste ihrer engeren Gemeinde, sondern darüber hinaus im Dienste ewiger Ziele stehen und somit auf das Universale gerichtet sind. Die Frage ist angebracht/wÄrum unsere Gemeinde die Einweihung neu^k'-ScEstllräume zum Anlaß einer besonderen Feier' macht. Im Judentum herrschen starke Wechselbeziehungen zwischen Raum und Geist, was uns schon die jüdische Geschichte lehrt. So sagte Gott zu Möses am Berge:,„Ziehe-deine Schuhe aus, denn der Ort, auf, dem du stehst,- ist heilig", ebenso spielt Crez Jisroel als Territorium für die Er- -- higen über?t . . Mtzt'en. Cr schM-ehete .Mt der^ganzen ehernes Mast Mnes Geistes, feiner'? Ueberzeugung, * - /seiner ffcbäft Waffe«-»gegen diese VergewÄNgung/ ^Rechts- ... gefijhl und; Vaterlandsliebein. ihm würden in-gleichemj /Maße aüMstachelt,'/ gemartert, ^/fast der > VerKveiflung - tiahegLdrachk?51 Im''^Figaro..,' H.^ der ''Muröpe" er-' -? schietteM.i tzehösrnischte Anklagen; als "bedeutendste!, und de-' -<vedfM der schon er-vähnte Artikel HI,'acoÄL - 'Die Ant-; ' wort? Zolst, wurde wegen Beleidigung>!der Atülee zu, einem Jahr Gefängnisverurteilt, vom Pöbel umheult und begeifert. Das aus formalen Gründen vom Kassationshof annullierte Urteil führte am 18. Juli- 1898 zu einer zweiten Verhandlung,, bei der der Wahrheitsbeweis wiederum in einem Maße unterdrückt wurde, daß dieselbe Strafe mit Bestimmtheit zu ermatten war. Seine, Freunde hießen ihn fliehen. Feige Fahnenflucht lag . dem tapfer beherzten Mann, der dem ganzen Generalftab den Fehdehandschuh unerschrocken hingeworfen hatte, fern. Aber .das heilige Interesse der Sache, die seine i^uge, Beteiligung nicht entbehren konnte; erfor- 'derte die Flucht; Dem beugte er sich — innerlich schwer -bedrückt. Aus dieser Zeit seines Exils in England stammen die jetzt veröffentlichten Briefe, documents humains bedeutendster Art.- . Eine Seele schreit darin äuf oder versinkt auch in, müde Resignation, die nach Wahrheit ünd Gerechtigkeit lechzt, die im Innersten verwundet ist über den Triumph der Lüge und Mieder-! trächtigkeit. Hin-!und hergeschleudert, -je nach, den erhaltenen Nachrichten; wird sie zwischen bitterer,, bohrender Skepsis, brennender Scham, leidenschaftlichem Unwillen und leise dämmernder Hoffnung, „Dies alles ist ja verrückt! Großer Gott, wie wahnsinnig ist doch unsere' Zeit!" . . . „Ja, sie ist im'Anmarsch die Wahrheit, — aber in welchem Schneckenschritt! . . . „Wenn es Abend wird, glaube ich jedesmal, daß es mit der Wett zu Ende geht!" . . . Dann wieder erfüllt Zola Helden-^ 'i ■ , •: > •' ’ •. | Vi •1 zusammen, wenn ich an das arme Opfer; henke, das nun verurteilt wekdech soll; isies-läßt/! nür Mn einen Gedärmen Auskommen; mich selbst zu opfern, mich selbst dwrzübLehen." Er^hast/sich eidlich gebuiwen; Nicht öffentlich hejwo.rzutreten, Ms das Recht gesiegt : Hat. :: „Je früher^Wr (die Gerechtigkeit) ./siegt und wieder, gufer-/ -steht, dHd früher MDde auch ich wieder gMrsteh«n."i ^Jch bin rvre einiiToter, solange nicht-'die hÄlM Trompete der Gerechtigkeit mit ihrem Siegesgefchmetter mich zu neuem Leben weckt." . .... Aufmunternder Zuversicht gegenüber ruft er verzweifelnd aus: „Ich für meinen Teil gestehe, daß ich das Schlimmste befürchte. Man handelt nicht wie diese Verbrecher gehandelt haben, wenn man nicht unbedingt entschlossen ist,, die Meder--, tracht bis zum Aeußersten zu treiben. Sie werden vor keinem Mittel zürückfchvecken, um der Justiz, Gewalt anzutun . . . Ich -rechne mit einer Katastrophe — ich weiß nicht von welcher Art, die 'uns^alle verschlingt.". Wenn aber das Recht doch gesiegt hat, so will er gerne ölles vergessen und vergeben. / „Nun, -mein lieber Freund und Kollege, wollen wir froh sein, daß das Werk der Befreiung seiner -Erfüllung entgegengeht.. Ich habe keinen Groll.. Es genügt mir. vollständig, wenn die Schuldigen mit ewiger öffentlicher Wrachtung als einzige Strafe davonkommen. Ich. denke nur^an, den leidbeladenen Märtyrer da drüben. Welches Gefühl, wenn ich mir fage,/w i r haben ihn befreit!" '! Eine allgemeine Amnestie hat dann den imRevisionsversahren nochmals verurteilten Hauptmann Dreyfus befreit, sollte auch dem während seiner Ahwefenheit' zu einem Jahr Gefängnis und 3000 Fr. GeldAchftz. per-'' urteilten Zola Erlaß bringen. - Sein Edelmenschtum bäumt sich da nochmals mächtig auf. Er schreibt an ' Labore: „Sie kennen meinen Mut und meinen Wider-! willen. Soll ich nun die Amnestie anerkennen, die ich! sg. bekämpft habe, dieses .Schandghßetz/das-ich :als Einbekenntnis von Schp>äche. und/,Dhchach..verilporfen habe? Und dann — sollen wir; die HerähMÜMgung unserer Person, und' unserer Handlungen hmnehrüen. die man unß. -als Almosen'Hinwirst? Wir.'kgMpsteü' für-'Wahrheit . und Rech.,, wir^verteidigtenvML Migör Sache, deren Größe unseren Mut äüfr^chthieH Mr verrichteten in selbstloser Weise ein 'Werkder-.Billigkesi-und/,Menschlichkeit. Und nun beschmutzt manM^such es in''unseren Händen zu vernichten." ... Vielleicht entschließt sich der Verlag, dem Porträt von Zola, das uys hier so markant entgegenleuchtet, auch das Porträt von Dreyfus durch Veröffentlichung einer Uebersetzung seiner ..Linq annees de ma vie*. folgen zulassen. u}-."- j,- .:s.'- r Der Einfluß des 10. Tebelh auf die Kalenderbestimmungen. Daß in unserem Kalender zwei Mohate und zwar Chiefchwan und-'Kislew.k«ne feste/Anzahl ^von Tagen haben, sondern unabhängig von einander! variieren, ist eine Beobachtung,, die gewiß schon) jeder gemacht hat. Die Gründe hierfür hier auseinand?rzusetzen, liegt außerhalb des Rahmensdieser kleinen .Betrachtung und sind solche.übrigens durchdie vielen Arbeiten auf diesem Gebiet-für jedermann leicht zu übersehen; warurn jedoch gerade C!heschwan und Kislew zur Regulierung unseres Lüach^; bestimmt würden, habe ich .noch wenig behandelt-gefunden!. Der iriov, auf M-ambams w sowie'-dergeben ziemlich gleiche Gründe an, und zwar, nachdem man Tischri aus bestimmten Rücksichten in der Tageszahl.keiner Verfchiedenartigkeit aussetzen wollte, nahm man die' zwei folgenden- Monate, -uw