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Der Israelit · 1928-12-20 · Heft 51 (20.12.1928) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 51 (20.12.1928)
Date
1928-12-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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20. Dezember 1928 an einen überschwenglichen Bericht über die ersten Sonntagsgcittesdienste in München noch einmal der V o l k s p a r t e i gut zugesprochen, dem Vorstände aber scharf ins Gewissen geredet, daß sie endlich ihren Widerstand gegen den „Zug der Zeit" aufgeben. Die Antragsteller hoffen, und wir fürchten, daß Vorstand und Repräsentantenversammlung darin noch nicht das letzte Wort gesprochen haben. > Zu einer Zeit, da die gesamte gesetzestreue Judenheit in Deutschland und der W e l t sich zusammenschließt und auf Mittel und Wetze sinnt, um.den Sabbat in Familie und Leben des Juden zu retten, muß das Unternehmen auf der linken Seite, die Sabbatfrage auf diese einfachste Art der Welt zu lösen, schon beinah als Provokation empfunden werden. Will man denen, die glauben, der. Mittel und Möglichkeit zur Sabbathaltung beraubt zu sein, druch das Opium einer Sonniagsweihestunde den Stachel aus der Seele nehmen, sie einschläfern für jede Kraftanstrengung, für jeden ernstlichen Versuch, den Sabbat als „Quelle des Segens" sich und ihren Kindern zu erhalten? ' Schaffet Möglichkeiten zur Sabbatheiligung. Könnt oder wollt Ihr es nicht, dann hütet Euch, mit dem Sonntagschoral zu der Tragik noch die Komik hinzuzufügen. Zum Problem einer jüdischen Symbolik. > VI. Von Rabbiner PH. Fischer in Sarofpakak. Ungarn. Die „mechanisch - dynamische^ Erklärungsweise der IVlXö» Sehen wir uns vor allem an, was Hirsch zu 1. SS. M. 47,22 über v'pn schreibt: pn ist das von den B e d i n g u n g e n; Bedürfnisien und Bestimmungen irgend eines Wesens, einer Sache oder eines Verhältnisses Geforderte, fließt somit tief aus dem Wesen der Dinge und der Bedingung ihres Daseins und ihrer Bestimmung" — — — „So sind denn auch wpin: unsere sittliche Nahrung, göttliche, tief aus der Natur unseres Wesens und unserer Bestimmung erflossene Feststellungen, deren Beachtung die Existenz und Zweckerfüllung unserer sittlichen Natur ebenso, wie das tägliche Brot die Existenz und Zweckerfüllung unserer leiblichen Natur, bedingt." Wenn wir nun aufmerksam diese Worte lesen, so werden wir finden, daß Hirsch unter der Bezeichnung a'pin gewiß in erster Reihe und Der Israelit hauptsächlich „tief aus der Natur unseres Wesens . . . „erflossene Feststellungen" begreift, aber er begreift hierunter auch „das von den Bedingungen eines Verhältnisse s Geforderte", tief aus .der Natur . . . unserer Bestimmung erflossene Feststellungen". — Und werden mit pin an manchen Stellen auch zweifelsohne r e fni fymboli s ch eni2a bezeichnet, wie z. B. bei nvs pnp 4. B. M. 9,3 irris .wjwvvmpin daselbst V. 12 nj?in *?aa /pi nosn; d. h. wohl Anordnungen, welche ags dem W es en dieses (symbolischen) Gesetzes fließen, welche symbolischen. Gesetze gewiß' ein treuer Ausdruck irgend eines Gottgewünschten Verhältnisses oder der Bestimmung des Menschen sind.. Und diese unsere Auffassung findet ihre kräftigste Stütze, ja ihre direkte Quelle m den Worten des Meisters zu dem Ausdrucke: nmnn npin nxt (4/ 19, 2). „Der Ausdruck kommt nur noch Kap. 31,22 als Einleitung zu pa ’Va nb'avi nts>an vor. Diese Institutionen und die hier folgende nam nns Institution haben das Gemeinsame, daß jene ebenso Herstellung und Wiederherstellung von Speisegeräten für nna nnna bezwecken, wie nans nns die Wiederherstellung der Menschen für nittmpnnna zu bewirken bestimmt ist. Beide sind wesentliche Grundbestimmungen des ganzen Gesetzes und die sie betreffenden Bestimmungen' bedingen in unumgänglicher Weise dessen Ausführung. Ohne Mittel zur Wiederherstellung des ninva unserer a^a und der nnnv unserer Personen von der unvermeidlichen na nrraiv wäre das Gesetz nicht ausführbar. Beide sind daher nmnn nipin: durch das Gesetz b eedingte An o r d n u n ge n. Und wenn nun, wie wir sehen werden und wie sich ja auf den ersten Blick darstellt, K"D die ausgesprochenste öffentlichste Proklamierung der rnnv' dieses in der Tat das ganze Gesetz bedingenden Grundgedankens der sittlichen Freiheit ist, fo begreift sich um so mehr das Diktatorische der einleitenden Worte: nmnn npin nst!" Und so behandelt auch Hirsch dasN"S-Gesetz als ein durchaus s y m b o l i s ch e s , dem mit der Bezeichnung nrrvn der symbolische Charakter des Entsündigungsopfers aufgeprägt ist:,, Das ist die Bedeutung dieses nrrvn, dieses Entsündigungsaktes außerhalb des Heiligtums. Es ist nicht wie die Entfündigungsopfer im Heiligtum die Entsündigung einer bestimmten Persönlichkeit von einer bestimmten Verirrung durch den symbolischen Gelobunigsakt künftiger Pflichttreue. Es ist vielmehr die öffentliche Bezeugung der Möglichkeit der Sündenfreiheit, der Beherrschungsfähigkeit allen physischen Reizen gegen- Nr. 81 Seite 3 über, die Proklamierung der Tatsache des sittlichen Willensvermögens im allgemeinen." (Zu 4, 19,22.) Wohl sind uns bekannt die Worte:nmnnnpn na nai1? nrr paia abis?n niaixi sav?mr? ’sV npin na ana na aya nai nstn ,msan .nnnx nnnnV mn •f? p 'as^a rrnn nn'n Wir gestatten uns aber folgendes zu bemerken. Erstens besagen diese Worte nur, daß wir selbst dann, wenn wir nicht imstande wären, den diese Vorschrift kritisierenden Einwendungen gehörig zu begegnen, nicht das Recht haben, dieses Gesetz gering zu schätzen. Zweitens gibt schon Nachmanides z. St. den Grund an, warum eigentlich die „Völker der Welt" dieses Gesetz mehr zum Gegenstände ihrer Kritik machen als die anderen Opfergesetze, und dieser Grund ist nicht das Gesetz in seiner Totalität, sondern nur der einzelne Umstand, daß dieser Akt im Gegensatz zu den anderen Opferdarbringungen außerhalb des Heiligtumsraumes stattfindet nnataiz? anV nam fina nnz?3?a nmnn ’asa ’a •nai Q'vjwb Demzufolge beträfe das von Nachmanides nach Raschi zitierte Wort?,n nmn npin na ana p’sV iai eben nur diesen Emzelumstand, nicht aber das Gesetz in seiner Ganzheit. Wie auch im Midrasch Rabbah zu 4., Kap. 19 das Rätselhafte dieses Gesetzes darin gefunden wird, daß während diejenigen, die mit diesem Akte etwas zu tun haben, infolge ihrer Beschäftigung damit unrein werden, die infolge dieses Aktes gewonnene Asche die Kraft der Reinigung für die Unreinen besitzt, nnsn av ppoisrn ^a pan ]an •anaa nnnaanass? irm anaa jrrava «po nsn nVmna nnrr *>nppri ’pin mnra nmu mapn narr *p rr^rr ♦■»mnra narr nnnn^» ’kw Dann aber finden wir auch bei Änderen Exegeten und großen Denkern, daß sie das «"s-.Gesetz auch symbolisch zu erklären sich bestreben. Der Kürze halber verweisen wir bloß auf Seforno z. St. und auf R. Isaak Aramah im Akedas Iizchak, Porta 79. Die Definition über nvinp-S. 151: Kodausch, d. -i. heilig sein heißt: Von der Herrschaft des Iezer Hora befreit und vom Willen Gottes geleitet sein, scheint uns bloß eine homiletisierende Umschreibung des von Hirsch gegebenen mzmp- Begriffes zu sein: das „von allem anderen Losgesagte, absolut für Gott mit seinem Sein, Wollen und Vermögen Bereitstehende". (Kom. 2, 15,11.) Und auch was vom Verfasser in Verbindung hiermit über die Speisegesetze gesagt wird: „Abweisung des Iezer Hora in der Natur bezüglich der Ernährung usrv." ist bloß eine Paraphrasierung der Hirschschen Worte: „Achse gut werden sollen, wie nins sie kommen sieht, so muß ein jedes Jahr von Anfang bis Ende in feinen Grundzützen, dem anderen gleichen, in einem jeden muß die Witterung stetig dem Stand der Frucht entsprechen; da darf vom Anfang bis zum Schluß kein Mißtön herrschen, Regen und Sonnenschein müssen gleichmäßig verteilt, es darf nicht zum Schluffe noch ein Unwetter den Segen vernichten, kurz— der Gottessegen muß von Anfang bis zu Ende auf dem Jahre ruhen. Bei den schlechten Aehren fehlt das in« Siebrauchen einander nicht zu gleichen. Ja, es kann das . eine der Mißjahre bis zum Schluffe vielversprechend gewesen sein, und es . kommr am Ende ein Hagel, der die Ernte zerstört, oder eine Heuschreckenplage, die den Segen vernichtet. Genau so im jüdischen Hause. — Sollen die Kinder niu». Arme, Lichtträger — oder, wie es >im Psalmliede heißt, bvm -i-d werden, so muß die Aufmerksamkeit der Eltern von Anfang bis zu Ende der Tirn Periode gehören, sie darf me erlahmen >1222 vnrr 7ns so wenig wie Gottes n’tnö nniun fehlen darf, wenn wir ein in allen Stücken gesegnetes Jahr erwarten wollen. Ein gutes Jahr wird nur das sein, wo na n rpy ' ' —-nw nnns ny mwn xviznna so wird ein tüchtiger, echt jüdischer Menschenschlag nur da gedeihen,' wo die Augen der Eltern stets über die Jugend wachen, ihr als schützende, panzernde Kelche -min undmn» mit auf den Lebensweg geben. 4 Kleines Feuilleton. Zola im Exil. „Rein und groß wird, wer für Wahrheit und Recht leidet." Zola. Man mag über das literarische Lebenswerk Emile Zolas denken, wie man will, mag die von ihm behauptete und bekräftigte Berechtigung der Darstellung des Naturhaften im Menschen, auch in feinen sinnlichen Aus- und Uebermaßen, gutheißen oder verwerfen — eines wird man ihm seit dem Dreyfusprozeß unbedingt zugestehen muffen: Er war ein Mann, nehmt alles nur in alle ml Just ein Menschenalter ist es her, daß Zola, der Erzähler von Weltruf und Weltgeltung das ganze Gewicht seines Einflusses, seines Namens in die Wagschale warf zu Gunsten eines ihm persönlich unbekannten jüdischen Hauptmanns im französischen Generalstab, Alfred Dreyfus, den man fälschlich des Landesverrats zieh. Just «in Menschen-, alter, daß uns das damals berühmt gewordene und berühmt gebliebene Blatt der „Aurore“ vor Augen trat, an dessen Spitze' wie rollende schwarze Kugeln die gewaltigen Worte standen: J’accu.ce!, in dem Zola, als Tapferster einer kleinen erlesenen. Schar von Tapfern, zu denen u. a. der spätere französische. Ministerpräsident Georges Clemenceau, der Vizepräsident des Senats S ch e u r e r - K e st n e r, der kürzlich verstorbene bekannte Historiker Joseph R e i n a ch, Zolas löwenhafte Verteidiger Labor r und Albert Clemenceau zählten, das stolze und fiegesgewiffe Wort formte: La vente est en m^rche et rien ne l'arretera! (Die Wahrheit ist auf dem Weg und nichts wird sie aufhalten.) Hätte es noch eines Beweises bedurft, daß der vielverschriene und viel angefeindete Romaneier nur aus dem Drange zur sittlichen Erhebung des Menschengeschlechtes heraus gestalkete — ob auch vielleicht auf Irrwegen bei der Wahl der Mttel —, eines Beweises, daß er persönlich ein goldreiner und krystallklarer Charakter war, so würde ihn das soeben erschienene Buch: „Emile Zola, Mein Kampf um Wahrheit und Recht. Meist unveröffentlichte Briefe aus dem Na'chlaß. Mit einem Bild seines Lebens von seiner Tochter Denise Zola. 16 Bildtafeln und Faksimiles, 1928, Carl Reißner Verlag Dresden" unwiderleglich erbringen. Köstlichkeiten für den literarischen Feinschmecker sind zunächst darin enthalten. Namen der Weltliteratur blitzen auf und huschen vorüber: Flaubert, Balzac, Goncourt, Strindberg, Tungenjesf, Daudet. Kein künftiger Biograph wird die Aufschlüsse entbehren können, die Zola von seinem eigenen Schaffen gibt. Höher aber stehen uns die Briefe, in denen Zola seinen Seelenzustand während des selbstgewählten und doch aufgezwungenen einjährigen Exils in England offenbart. Der äußere Tatbestand? Dreyfus sollte Geheimdokumente an Deutschland ausgeliefert haben. 1894 wurde er vom Kriegsgericht zu lebenslänglicher Verbannung auf die Teufelsinsel verurteilt. In Frankreich unerhört schmutzige Wellen des Antisemitismus brandeten auf. B e r - nard Laz/ire, ein Journalist, wies in einer Broschüre auf den furchtbaren Justizirrtum hin. Er warb sich eine Schär von Anhängern für den Kampf gegen eine übermächtige Kamarilla mit höchsten Beziehungen. Zola lohte in Flammen auf, als er die Machenschaften erkannte, die einen Unschuldigen einkerkerten, die Schul-

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