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Der Israelit · 1928-12-13 · Heft 50 (13.12.1928) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 50 (13.12.1928)
Date
1928-12-13
Page
– (sequence 19)
Language
German
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E.D-CX. Bund gesetzeskreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Einladung zur Gen er alversammlun g am 1. Januar 1929, 10.45 sthr vorm., im Hörsaale der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft", Friedberger Anl. 5. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Kassenbericht. 3. Vortrag des Herrn Realschuldirettvrs Dr.Elias- Fürth: „Vom Wiener Kongreß bis zum Weltkrieg; Rückblick und Ausblick". 4. Anträge. Anträge zur Generalversammlung müssen bis zum 20. Dezember eingereicht. werden. Freunde unserer Be-' strebungen sind herzlich eingeladen. Zuschüsse zur Reise (25 Proz.) werden unseren Mitgliedern gewährt. Der Vorstand. Ferienkurse 1928 für jüdische Lehrer und Lehrerinnen. Auf Veranlassung des „Vereines gesetzestreuer jüdischer Lehrer und Lehrerinnen Berlins sollen seitens des „Rabbinerseminars zu Berlin" (Artilleriestraße 31) von Sonntag, den 30. Dezember 1928 bis Mittwoch, den 2. Januar 1929 für Lehrer und Lehrerinnen aus allen Teilen des Reiches Ferienkurse veranstaltet werden. Als Vortragende haben sich dankenswerterweise zur Verfügung-gestellt: die Herren Dozenten des Rabbrnerseminars Dr. II Woh5gemuth, Dr. S. Grünberg, Dr. Moses Auerbach, sowie die Herren Rabbiner Dr. Ed. Biberfeld, Dr. Isidor Bleichrode, Dr. Jul. I a c o b o v i t s , Dr: Esrä Munk (Berlin), Dr. Josef C a r l e b a ch (Altona), Dr. Jakob Horovitz (Frankfurt«. M.), Dr. S. I a mp e l (Schwedt), Dr. Saul K a a tz (Hindenburg), Dr. Jsaac Unna (Mannheim), Dr. Leopold Wreschner (Homburg), ferner Schuldirektor Nach. Schlesinger, Dr. Friedrich O l l e n d o r f (Z. W. St. d. D. I.), Dr. med. Jakob Lev y, Lehrer Heinrich En och (Berlin). Die Kurse gliedern sich in: a) Talmudkurse In zwei Abteilungen täglich (also viermal) 8% bis 10 Uhr: 1. Rabbiner Dr. E. Biberfeld im Hörsaale der Bethhamidrasch-Gesellschaft Heldereutergasse 4: ausgewählte Sugioth aus Dine momenaus. 2. Dozent Dr. M. Auerbach in den Räumen des Rabbinerseminars: aus dem 5. Abschnitt von Baba mezia. b) Vorträge, die täglich 10—1 und 15—18 zumeist in den Räumen des Rabbinerseminars stattfinden. Der genaue Stundenplan wird erst nach Anmeldung der Teilnehmer, deren Wünsche tunlichst Berücksichtigung finden sollen, festgelegt werden. Bisher sind folgende Themata angekündigt worden: „Vom Biblisch-Hebräischen bis zum Neuhebräischen", „Einleitung in Jesajah", „Von der Mischna bis zum Schulchaä Aruch, ein Gang durch die religionsgesetzliche Literatur", „Einleitung in die Mischnah und die" halachischen Midraschim", „Liebe und Gerechtigkeit in der Bibel", „Die Schicksale des Talmud", „Wie soll der Religionsunterricht für das praktische Leben nutzbar gestattet werden?", „Das Erleben 'Gottes", „Was wir aus dem Siddur lernen können", „Homiletische Winke", „Wege und Aufgaben der jüdischen sexual-ethischen Erziehung reisender Schüler", „Grundfragen der gegenwärtigen jüdischen Wohlfahrtsarbert". „Nietzsche und das Judentum", „Schachtschutz". „Schulhygiene" „Wie erwecke ich in der Gemeinde geistige Regsamkeit?", „Ziehe und Aufbau der höheren jüdischen Schule", c) Lehrprobe für den Elementarunterricht in den unteren Klassen wird im Schulhause der Ädaß-Jisorel-Gemeinde, Siegmundshof 11, an einem noch zu bestimmenden Armine abgehalten werden. ' d) Führungen durch jüdische Bibliotheken (Rabbinerseminar, Jüdische Gemeinde), das jüdische Museum, die jüdischen Wohlsahrtseinrichtungen, auf Wunsch auch durch andere Sehenswürdigkeiten Berlins unter Leitung sachkundiger Führer. Zuschüsse zu den Reisekosten und den Aufenthaltsspesen werden nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel erteilt werden; auch stehen Privatquartiere zur Verfügung. Meldungen zur Teilnahme an den Kursen sind zu richten an die Schriftführerin des „Vereins gesetzestreuer Lehrer und Lehrerinnen Berlins" Frl. Gertrud Bernstein, Berlin-Charlottenburg, Kaiserin Augustaallee 36, die auch über alle einschlägigen Anfragen Auskunft reteilt. Über den „Bund" und seine Lebensnokwendigkeik. Der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer hat seit feiner im Mai 1926 in Frankfurt stattgehabten Generalversammlung wieder begonnen, aus seinem Dornröschenschlafe, in welchen er durch die Schwere des Geschickes des vergangenen Jahrzehntes wider Willen versetzt worden war. zu regem Leben sich zu erheben. Zeuge dessen ist auch sein wieder regelmäßig erscheinendes Organ, düs die Aufgabe hat, in voller.Unabhängigkeit ein Sprachrohr zu sein, für alles das,! was die auf dem Boden der Taüroh stehende jüdische Lehrerschaft von ihrem Standpunkte der unverbrüchlichen Thoratreue aus zu sagen hat. Da dürfte es am Plätze sein, in diesem Blatte die Frage zu erörtern: Ist der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer auch heute izpch eine Notwendigkeit? Es liegt uns fern, eine Polemik heraufzubeschwören; wir richten unsre Ausführungen nicht an andersgesinnte "Kollegen, denn es liegt nicht in unsrer Absicht, Proselyten machen zu wollen. Wir reden nur zu den Kollegen, die in allen ihren Regungen sich einzig und allein von den Prinzipien der Tauroh leiten lassen. Wir wissen es wohl und verhehlen uns nicht, daß man in weiten Kreisen, auch der gesetzestreuen Judenheit, das Prinzip der Einigkeit a tout prix auf den- Schild erhoben hat. Wir bezweifeln jedoch, daß es möglich ist, seine gefetzestreue Anschauung in voller Bestimmtheit und ohne Rücksicht auf andersgesinnte Kollegen und Mitglieder, die mit in demselben Vereins- Hause wohnen, zur Darstellung zu bringen. Da ist man schon genötigt, Rücksicht zu nehmen, um den Mann anderer Anschauung nicht zu verletzen und ihm nicht wehe zu tun. Der Fall des Kollegen Wallach m Aachen beweist uns das, denn wir lasen nicht in einer andern jüdischen Zeitung, auch nicht in der Blättern für Erziehung und Unterricht, daß man dem Herrn, der die Erlernung der hebräischen Sprache nur für die religiösen Funktionäre für notwendig hält, die Meinung unge^ scheut ins Gesicht zu sagen wagte. Man muß eben dem Vereins- und Verbandsbruder, der mit uns an demselben Tische sitzt, Toleranz in weitestem Maße zeigen, auch wenn dabei die Tauroh klagend im Winkel steht und derer verlangt, die für sie und ihre Belange das Wort ergreifen. Die Blätter für „Erziehung und Lehre" allein haben damals sofort sich zum Worte gemeldet und den Kollegen in der alten Kaiserstadt zur Ordnung gerufen. Und wenn wir uns der Wirkung erinnern, die vor etwa 25 Jahren das damals viel Aufsehen erregende Dr. Gutmannsche Exposee auslöste, so war es nicht «in gesetzestreues Mitglied des Lehrerverbandes, an denen es damals doch sicher auch nicht gefehlt hat, sondern ein Außenstehender, Herr Mannheimer-Dettelbach, der kämpfend die Schanzen betrat, um für die Taurob einzutreten. Die Zeiten sind zwar vorbei, in denen man es wie vor einem Vierteljahrhundert wagen durfte, bildungsbeflissene jüdische Lehrer nicht zu dem ewig frisch sprudelnden Ouell, dem o-»n d-» un* sondern zu den v'v .der Wellhausen und Genossen zu führen. Dafür hat die Wissenschaft selbst gesorgt, die daran ist, das einst so sehr gepriesene, stolze Gebäude Wellhausenscher Hypothesen zum Einsturze zu bringen. Es wankt der Berg, der in stolzem Uebermaße an das Thorajudentum herangetragen ward, es zu zerschmettern und zum Verlöschen zu bringen. Tempora mutantur. — Nos mutamur in illis, „wir ändern uns mit ihnen", das wagen wir jedoch von den Herren, die einst das Gift der Zersetzung und Zerstörung der jüdischen Lehrerjugend zu verabreichen versuchten, und ihren Nachfahren nicht zu sagen; denn noch immer nicht ist ihnen die Thora in der Totalität ihres Wesens der Leitstern, der uns in Beruf und Leben den Weg zeigt und zur vollen Auswirkung jüdischen Seins zu bringen berufen ist. Thoraleugnung und Thoratreue können und dürfen freundnachbarlich nebeneinander wohnen und in gemeinsamem Zelte hausen. Das ist der Standpunkt derer, die in Verbänden und Vereinen dem andersgesinnten Nachbar die Hände reichen. Die natürliche Folge ist, daß das gesetzestreue Judentum, das Thorajudentum sans Phrase, zu einer Richtung im Judentum degradiert wird. Es ist eine Frage der Taktik, die gesetzes- und thoratreue Brüder auseinanderreißt. Gewiß, wir geben zu, es sind materielle Erfolge und Vorteile zu erringen, wenn man mit an der großen, vollen Verbandskasse sitzt, die auch gesetzestreuen Belangen zugute kommen kann. Aber auch die grundsätzliche Stellungnahme derer' sollte Anerkennung verdienen, die den nvrr der Tauroh vor jeglicher Vermischung und Verwischung peinlich zu hüten gewillt sind. Das Ziel, das den beiden Richtungen in der gesetzestreuen Judenheit und der gesetzestreuen Lehererschaft vor Augen steht, ist das gleiche, nur der Weg, die Taktik sind verschieden. Und gerade darum ist der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer eine unbedingte Notwendigkeit. Notwendig in seiner vollen Unabhängigkeit, unbeeinflußt von Rücksichten auf andersgeartete Anschauungen ist seine Aufgabe Förderung und Vertretung des gesetzestreuen Judentums in seiner Integrität innerhalb der jüdischen Lehrerwelt, die Tauroh in ihrer Ganzheit und allein bestimmenden Herrschaft sein Grund und Boden. Wenn vor einiger Zeit ein Kollege, der selbst auf dem Boden, des gesetzestreuen Judentums steht, sich uns als Gegner des „Bundes" bekannt, da, wir er schreibt, „heute Einigkeit mehr als je notwendig ist", so bedeutet das eine Deklarierung -des Prinzips der Einigkeit, wie wir oben sagten, um jeden Preis, auch wenn der jüdische nvrr dabei Not leidet und nicht wagen darf, ohne Scheu und in gesunder Rücksichtslosigkeit sich zu seinen Prinzipien zu bekennen. Wir betrachten es darum als eine Lebensnotwendigkeit für das gesetzestreue Judentum, daß der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer die Sammelstätte aller Lehrer ist, die der Tauroh in Treue und Liebe anhangen, auch derjenigen, die eben in taktischer Beziehung seither die Mitgliedschaft des Bundes zu meiden glauben mußten. Der Bund wird weiterhin die Organisation sein, die ausschließlich in der gesetzestreuen Lehrerschaft rwia« pirnb zu wirken die Aufgabe hat. Sein Höhenzie-l ist und bleibt, sich einzusetzen für die Tauroh. in ihr und für sie zu arbeiten und zu streben. Welcher jüdische Lehrer, der sich mit uns eins weiß in diesem Streben, wollte da beiseite stehen und nicht mit eintreten in die Reihen derer, denen das Leben für die Tauroh der Odem ihres Lebens ist!?

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