Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1928)
- Date
- 1928-12-13
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 Nr. 50 Ute 8 * r« eiit 13 Dezember 192h Mischer Geist in jüdischen Schulen.- Von Studienrat Louis Rosenblatt ln Berlin. (Fortsetzung.) Sahen wir schon bei den drei bisher behandelten Fragen, wie Grundprobleme der Geschichte in jüdischen Schulen spezifisch jüdisch betrachtet werden können, so ist das bei drei weiteren eine ebenso dankbare Aufgabe für einen jüdischen Lehrer. Zunächst die Frage der Buchstabenherkunst. Bekanntlich haben die Germanen ihre Schriftzeichen von den Römern, diese von den Griechen, letztere von den Phöniziern übernommen. (Vgl. Kadmus mit caip gleichzeitig ein treffendes Beispiel für die historische Bewertung von Sagen.) Wie aber die Phönizier in anderen Künsten nur die Vermittler, nicht die Erfinder waren, so haben sie die Schritfzeichen nicht selbst erfunden, sondern von den Juden übernommen. (Vgl das griechische a, b, g mit dem hebräischen a, b, g Namen und Reihenfolge -der Konsonanten sind semitischen Ursprungs, die Vokale, die bekanntlich im Urhebräifchen fehlen, sind griechische Neuerungen). Mögen nun die Aegypter in ihren Hieroglyphen und die Babylonier in ihrer Keilschrift schon eine Art Schrift vor den Juden besessen haben, (die Priorität der Erfindung beider zu untersuchen, ist vielleicht -eine müßige Arbeit, da wie bei anderen Erfindungen dieselbe Notwendigkeit dieselbe Erfindung zeitigt), aber daß für jeden Mitlaut ein besonderer Buchstabe gesetzt wird, ist eine sogar von weltlichen Gelehrten, als übermenschlich bezeichnete Erfindung, sie ist göttlichen Geistes, michtof, michtaf, elokim hu. Ein klassisches Beispiel aber, daß wir in unserer Thora die vortrefflichste Geschichtsquelle haben,, ist die von der Bibel in schlichten Worten angegebene Dreiteilung des Menschengeschlechtes. Ueber fünf Jahrtau sende menschlichen Daseins und jahrzehntelanger schwierigster Forschung hat es gekostet, um die „indogermanische" Sprachengruppe wiederherzustellen und die semitischen und haMitischen Völkerfamilien zu finden und zu welchem letzten Resultat gelangte man? Zu dem Resultat, das unsere alte und doch ste'ts neue Thora in di« schlichten Worte kleidet (I, 9,11): „Diese drei waren die Söhne Noachs und von ihnen ging die ganze Welt auseinander." Ein Problem für sich aber ist die Behandlung der vorhistorischen Epoche im Geschichtsunterricht. In fast sämtlichen modernen GEichtsbüchern wird in großen Abschnitten über diese prHistorische Zeit geschrieben; es wäre der größte Fehler, in jüdischen Schulen von diesem sogenannten geologischen Zeitalter überhaupt nicht zu sprechen; -im Gegenteil halte ich es für die vornehmste Pflicht eines jüdischen Geschichtslehrers, den wissenschaftlichen und jüdischen Standpunkt gegenüberzustellen. Auch wir können eine prähistorische Zeit annehmen; die Differenz besteht nur in der Zeitdauer; die Wissenschaft spricht von hunderttausend Jahren und noch mehr; aber solche Zahlen sind bis heute unbewiesene Hypothese ge blieben. Wie erklären wir uns aber die gewaltigen Umwälzungen der Erdformationen? Rabb. Dr. Wolf, Köln gibt darüber in seinem Bibelkommentar Auskunft. Wir lesen hier bei der!>iaa zu Vers I, 7,11, daß sich die Wassermassen nicht nur vom Himmel ergossen, sondern auch „aus dem Erdinnern heiße Wasser sprudelten, die uns die im Erdinnern wahrzunehmenden Veränderungen erklären.*» Aehnlich erklärte mein hochverehrter Kollege, Herr Rabb. S. Munk, Berlin, daß die geologischen und biologischen Verhältnisse der vorsintflutlichen Zeit ganz andere gewesen sein mögen wie in unserer Zeit, so daß von heute aus gar nicht auf die Vorzeit geschlossen werden kann; was nach heutigen Berechnungen Zehnjahrtausende zur Veränderung braucht, konnte möglicherweise damals in viel kürzerer Zeit vor sich gehen. So müssen alle Zeitangaben der modernen Geologen Hypothesen bleiben und wir können auch in unseren jüdischen Schulen von der Eiszeit, den Steinzeiten, der Bronze- und Eisenzeit sprechen; nur erfolgten nach unserer Anschauung diese . Epochen in kürzeren Zeitabschnitten. Also, auch über dieses Problem erhalten wir die beste Auskunft bei unserer Thora, dem nie versiegenden Wahrheitsborne. *) Ditz bekannte Theorie, die sechs Schöpfungstage als 6 Schöpfungsperiaden zu werten, lehnt Rabbiner Dr. Wolf hier ab. •mm rn'V Das Deboralied. (Richter 4 u. 5.) Ueberfetzt und erklärt von Ruhelehrer B. Wolfs in Aurich. (Fortsetzung.) V. 6. Die Dichterin schildert uns kurz die politische und wirtschaftliche Lage der Gegenwart. „In den Tagen Samgars, von demdie Schrift berichtet, daß er 600 Philister geschlagen und Israel geholfenhabe. In den Worten unseres Liedes: „In Samgars Tagen feierten die Pfade", scheint ^ein Vorwurf zu liegen. Die Dichterin meint woh>l, daß der ganze Krieg mit Jabin erspart geblieben wäre, wenn Samgar, der Sieger über die Philister, nicht sobald die Hände müßig in den Schoß gelegt, sondern weiter zugegrisfen hätte. Er indes ließ es gewähren, mm« iinn, daß die Pfade feierten und kein Israelit« es wagte, die Heeresstraße zu ziehen, weil er befürchten mußte, von Räuberbanden überfallen lausgeplündert oder getötet zu werden. War aber doch!Zuletzt folgt als niiran qvx» die Infanterie. Die jemand genötigt, eine Reife zumachen, so suchte er auf > Dichterin steht sie aus der Ferne heranrücktzm Ihre Umwegen fein Ziel zu erreichen. Selbst in den Tagen Verdienste ^erhalten darum die einzelnen Stächime erst -der Jael, deren Gatte fein Gebiet als neutral erklärt später im" Laufe der Dichtung. Vorläufig fordert die hatte, waren die Keniten nicht sicher, in der freien >Prophetie alle aus: irrtesinget! Ausübung ihrer Berufe. ' ( V. 11 steht im engsten Zusammenhang mit dem oorig ^mma'pns -Hin 7. Sie feierten, die Führer in angehenden Verse. DR ’JiapET 111121 'napv : ^Rirna ON^ tr ,0'VIN D'pi>R 1N2' ran n«n dk pa /eve- :^>Rima rstrr DvaiRa Israel feierten, bis ich aufstand, Debora, aufftand ich, eine Mutter in Israel. 8. Da es sich neue Götzen ero’xsra i>ipa* imv- ' Das a in >ipa ist. als Comp, zu nehmen, also: „Singet noch lauter" als die ornna- Das Wort kommt" von pn spalten schneiden. Im Arabisch-Syrischen ^dagegen ist die Grundbedeutung der kor, heil Da war der Krieg Wurzel pn hell, klar, deutlich. Die -b-eidtzn. Grundbedeuoor den Toren! Ließ Lanze!tungen aus dem Hebräischen und Arabisch-Syrischen 'N 1212 DJT3 J>j> '2v' ,N11N» JlUlliR '221 IN'IV 11-7 by ’D^m ,pia ea'aRsm pa o'ssna hpa rips;n mpix urp ca»' 111' TR t“?R1tf’3 nipis :'n*Dff D'iy^ und Spieß sich wohl sehen bei 40 000 in Israel? Die Ursachen des Krieges sind in diesen Versen angegeben: Politische Ohnmacht und Abfall von Gott. 7. i!>in Der Plural dieses Zeitworts weist darauf hin, daß das Hauptwort lins. Einzahl von ns) kollektivifch zu nehmen ist: die Führerschaft. Das wiederholte 1^-tj soll andeuten, daß aber auch niemand in Israel den Mut aufbrachte, ein Führeramt in Israel anzunehmen, um das Volk aus feiner Lethargie aufzurüttein, bis ich aufftand und die Zügel nicht aus Be- ,|3n gierde zur Gewalt ergriff, sondern aus Besorgnis wie eine Mutter, die ihre Kinder schützen will. - posv is — map 1E7R is V. 8. Der Abfall von Gott war die zweite Ursache des Krieges n'Enn opR Parallelstelle s. 5. V. 32, 17. , oyh (der Ton auf der letzten Silbe, statt ist der Klein- ^0' krieg. Weil Israel sich die Götzen zur Verehrung erkor, deshalb durchzogen Räuberbanden das Land, und keine Stadt war sicher vor Belästigung; aber niemand erhob sich zum gerechten Widerstande — nan pa .irt dr non TiRT dr pa kann als Frage oder als Schwur aufg-efatzt werden. Die Frage stellen heißt sie verneinen. Die Mutlosigkeit in Israel war so groß, daß man sich alle Gewalttaten feindlicherseits gefallen ließ, unh keiner zum Schwerte greifen wollte, obwohl 40 000 Waffenfähige Soldaten aufgerufen werden konnten, wahrend doch nur 10 000 Mann den vollständigen Sieg über den mächtigen kriegskundigen Sißra errangen. Bei diesem Gedanken angelangt, wird die begeisterte und begeisternde Schilderung viel lebhafter als zuvor. '2imav $>riv ’ppmV ’2^> 9. Mein Herz gehört den Äbteilungsführern Israels, die freiwillig im Botte sich hingegeben. Preiset den Ewigen! 10. Die ihr reitet auf schimmernden Eselinnen, die ihr sitzet aus Sänften, und ihr, die ihr geht auf dem Wege — singet! 11. Lauter als die Jodler (der Hirten) zwischen den Schöpfbrunnen, so lassen sie dort erklingen die Wohltaten Gottes, Wohltaten seiner Führung in Israel. Hei, so ziehn sie der Heimat zu, des Ewigen Volk! 12. Sei wach, Debora, fei wach und fing ein Lied; auf, o Barak, führe dein gefang'nes Heer hinweg,' Abinoams Sohn! Um die obigen Verse recht zu verstehen, versetzen wir uns --im Geiste neben Debora und Barak, die von dem Vorsprung des Berges aus den ganzen heimkehrenden Heereszug im Tale überblicken können. Voran und an der Spitze jeder Abteilung erblicken wir die i»Ri2" 'ppiri, das find die Ordner, die Anführer, die Generale. Die Züge ziehen iy folgender Ordnung an uns vorüber: zuerst die Kavallerie, in der Mitte die Kranken, Verwundeten und Ermatteten und zuletzt die Jn- 'anterie. Sagen wir getrost: In Parademarsch mit Musik und Gesang ziehen sie an Debora und Va-rak vorüber. V. 9. Für die!>rip' 'ppin hat die Dichterin ein besonderes Wort der Anerkennung. Sie sagt iRirn npini"a^ Mein Herz, meine Liebe und mein Lob haben die Anführer gewonnen, die gesonnen waren, sich in der Schlacht den größten Gefahren auszusetzen. Es war keine kleine Aufgabe für die Führer, 10 000 Mann auf dem Berge Tabor längere Zeit in- Zucht und Ordnung zu halten und hernach die Mannschaften zur Verfolgung und Vernichtung der Feinde aufzubieten. V. 10. Debora redet die Abteilungen an. Zu ergänzen ist am Anfänge des Satzes og« „Ihr, die ihr reitet auf schimmernden Eselinnen . . . im?' zu ergänzen . vmR^ai!?aa- Im Orient sind die weiß und rötlich gefleckten Esel schöne und mutige Tiere, sie bilden mit den Reitern auf ihrem Rücken die schmucke Kavallerie. Es folgen pa bv 'am-, das sind diejenigen Krieger, die aus irgend einem Grunde nicht reiten oder mar- 'chieren tonnen unb fotten, und nun auf Sänften, bie mit Teppichen ausgelegt find, fortgetragen werden, pia von iar Plural eigentlich D'IO wie bi Plural crV* pia ist die chaldäifche-fyrrsche Pluralform und als Terminus technrkus gewählt für die mit sehr kostbaren Schabracken ausgepolsterten Sänften, die orientalische Herrscher auch benutzen, um verdienstvolle Männer öffentlich im Festzuge zu ehren. Die pa bv 'am* bilden aus"naheliegenden Gründen die Mitte des Zuges. treffen in dem Worte mssno zusammen und beziehen sich auf die Töne der menschlichen Stimme: es sind demnach abgeteilte, abgehackte, Helle Sing töne, etwa wie die Juchzer und Jodler der Sennehirten, D'aRtra pa, die sich am Abend nach getaner Arbeit mit dem Vieh bei der Tränke versammeln, und wo es dannallemal lustig hergeht. Die Dichterin meint also: „Noch lauter als die Juchzer der Hirten -bei den Schöpfbrunnen, 'in' om mögen die dort unten im Tale Dahinziehenden erklingen baffen das Lob Gottes über feine weife Führung." Piel von nun, tönen, klingen Gns' nai> rvnnV Richter 11,40). Es folgt der Abschlußsatz: .crnre^m'TR n Dy* . Hei wir herrlich, daß das Volk Gottes nun mit Lied und Gesang in die heimatlichen Städte ziehen kann, wo sie als Sieger begrüßt werden, im' ist Imperativ, meist wird TR mit dem Fut. verbunden. Die hier gewählte Zeitform entspricht der vorangehenden (Fortsetzung folgt.) 'IV '11V 11121 'IV '11V 1'2v na»i pia Dip i'v '121 OVI'2 Was solle« unsere Kinder lesen? Lin leises Wort der Kritik zur Jugendlyklüre. Bon Dir. Dr. Elias in Fürth. Die Frage: Was, wann und wie sollen unsere Kinder lesen? ist für jeden, der von der Notwendigkeit und Wichtigkeit aller Erziehung durchdrungen ist, also für jeden Erzieher und erst recht den jüdischen Erzieher von der größten Bedeutung. Wir wollen Kritik üben bei der Auswahl, also müst sen wir selbst bei der Prüfung gegen uns selbst kritisch fein, daß wir die Sache nicht aus die leichte Schulter nehmen. . * Wir Orthodoxen sind immer in Gefahr, daß man uns Einseitigkeit vorwirft. Um so mehr müssen wir alle unsere' Maßnahmen allseitig überlegen. Die Kommission, die vor zwei- Jahren von dem Keren Hathora eingesetzt war, um dtß große Frage der Jugendlektüre einer befriedigenden Lösung entgegenzuführen, hat eine schwere Aufgabe gehabt. Sie sollte die Jugendpsychologie, das - Jüdische, das Ethische und die Aesthetik zu Rate ziehen und danach ein Verzeichnis zusammenstellen von Büchern, die für unsere jüdischen Kinder geeignet sind. Die Kommission besteht aus Erziehern, von' denen ich weiß, daß sie Urteilsvermögen und die Fähigkeit zur Prüfung besitzen. Um so mehr bedauere ich, daß das, was in dem Verzeichnis jüdischer Jugendschriften (Päd.. Beilage zu Nr. 48) gegeben wurde, der Kritik so viele Handhaben bietet. Von allem andern abgesehen: Man kann doch nicht die Jugendlektüre so ordnen, daß man das 13. Jahr als Trennungslinie ansieht. Das erscheint unpsychologisch. Ferner: Wenn man eine ganze Anzahl von für. Kinder bis zu 11 Jahren geeigneter Bücher ausläßt, kann man nicht schreiben: „Was an Bekannterem ausgelassen wurde, ist abzulehnen." Das klingt provokatorisch. Endlich: Wie kann man — um von andern zu schweigen — Bia-liks Gedichte, Münz, Einsames Land, Zweig, Jeremias (!) für Kinder von 13 Jahren ab empfehlen? ■ Ich hoffe bestimmt, daß dre Kommission ihre Arbeit demnächst in einem abschließenden Bericht der Oeffentlichkeit unterbreitet und dabei manches, berichtigt, was ihre Mühe und ihr Verdienst illusorisch erscheinen lassen muß. Erklärung. In gegebener Veranlassung erwidern wir auf verschiedene Anfragen, daß für die in unserem Blatte erscheinenden Artikel, welche mit Namensunterschrift der Verfasser gefertigt sind, .die Schriftleitung keinerlei Verantwortung .'übernimmt. Mit dem Inhalte des in der letzten Nummer unseres Blattes -gebrachten Verzeichnisses jüdischer Jugendschriften, ,bezw. dessen- Empfehlung erklären wir uns darum in keiner Weife .identisch. Wir hielten uns berechtigt, um so eher das Jugen-dschriftenverzeichnis bringen zu können, als es die Arbeit einer Kommission -ist, welche ihr Mandat von der vom Keren »Hathora einberufenen Crz-iehungskonserenz erhalten hatte. Die Schriftleitung. ' Ehemalige Kölner! Am 1. Januar 1929, nachm. 3% Uhr findet unsere dritte Zusammenkunft -in Frankfurt a. M. im großen Zimmer des Kaffee Hauptwache stäkt. Tagesordnung: Berichterstattung, Rechnungsabla-ge, Wahlen, .Vortrag von Herrn Studienrat Gut-Köln, Verschiedenes."" Hieran anschließend gemeinschaftliches Essen bei Salomon-. Zu dieser Tagung lade ich Euch herzlich ein und hoffe, daß wieder recht viele „Ehemalige" erscheinen. Euer; Apt-Pattensen (Leine).