Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1928)
- Date
- 1928-12-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 50 Gene 5 13. Dezemoer 1928 Der otuem Willkommene Fest-Geschenke in UHREN GOLD SILBER JUWELEN BESTECKEN unD soHn z&L o« zu ehrwürdigen Führern der palästinensischen Judenheit. Es ist psychologisch leicht verständlich, daß der dieser brüchigen Grundlage angesichts der ungeheuren Versuchungen, die ja anjede junge Menschenseele, insbesondere in der intellektualvstischen Atmosphäre des modernen Palästina heran,treten, die Erziehung vor geradezu unlösbaren Aufgaben steht. Wir sind der Meinung, daß man sich bei der Würdigung der ganzen Sachlage auf agudistischer Seite gewiß vor jeder Uebertreibung und vor jeder Milbensucherei hüten sollte, daß aber umgekehrt die ehrlichen Führer des Misrachi ruhig und offen zugeben müßten, daß etwas faul ist im Staate Dänemark. Zugeben auch sollten sie, daß man Kindesseelen, denen von vorneherein aus nationalen. Gründen die höchste Verehrung für Atheisten vom Schlage Nord aus, ja selbst für Gesetzesübertreter vom Range Sok o l o w s, eingeimpft wird, und die umgekehrt gewöhnt werden, auf jmn Miau wie Rahln Sonnenfeld und Klatzkin usw. mit dem überlegenen Lächeln des guten Europäers herabzuschauen, daß Kindesseelen auf Grund solcher Imprägnierung nur sehr schwer für die alte Jüdischkeit erhalten werden können. Wenn man die Verhandlungen liest, die der deutsche Misrachi jüngst in Frankfurt geführt hat, so.muß man nun leider zu..der Ueberzeugung gelangen, daß zwar in der alten Generation der deutschen Misrachisten noch Männer vom Schlage Barths vorhanden sind, die sich der inneren Verbundenheit mit der mcht-zionistischen Orthodoxie bewußt sind und die die fortgesetzte Rücksicht auf die Liberalen allmählich als eine innere Unwahrhaftigkeit empfinden, daß es aber in der misrachistischen Jugend, selbst in Deutschland, nach dieser Richtung nicht zum Allerbesten bestellt ist. Wir können uns irren, aber es will uns doch scheinen, als ob Barth mit seinem Antrag auf Loslösung des Misrachi von der deutschen zionistischen Vereinigung wirklichen Anklang nur bei der älteren Generation gefunden hat, daß man dem angesehenen, bewährten Führer einen Achtungserfolg bereitete, daß aber im den Kreisen der Jugend des Misrachi die Verbundenheit mit den neologen Volksgenossen als ein stärkeres seelisches Bedürfnis empfunden wird, denn die Verbundenheit mit den Agudisten und den nichtzionistischen orthodoxen Volksmassen. Wie sollte es auch anders fein. Auf die Dauer muß die misrachistische Jugend jeden Respekt vor den rabbinischen Fühern der gesetzestreuen Judenheit verlieren, wenn diese in der misrachistischen Presse den ungeheuerlichsten persönlichen Kränkungerr ausgesetzt sind. Man beachte nur die literarischen Leistungen der Herren Adler.und Dr. Simon anläßlich der Stellungnahme Rabbi Ehajim Sonnenfelds zu dem politischen Taanis Zibbur in Jerusalem. - Uns liegt wirklich nichts daran, dem Misrachi etwas am Zeuge zu flicken oder die Parteisuppe der Agudas Jisroel zu kochen. Es ist uns vielmehr bitter Ernst mit der Sorge um die Zukunft einer Jugend, die erfüllt ist von edelstem jüdischem Idealismus, in deren Herzen das Thoraideal der Ethisierung der gesellschaftlichen Zustände glüht, und die durch eine falsche und kurzsichtige Politik vom Gesamtkörper der thoratreuen Judenheit geradezu mit Gewalt losgerissen wird. "" . v * Es sei uns gestattet, in diesem Zusammenhang auch ein Wort über die Taanis-Angelegenheit zu sagen, die nach den Herren Adler und Dr. Simon auch den Sekretär der Londoner zionistischen Exekutive, Herrn Paul Goodman, mit einem unverfrorenen Ausfall gegen „Agudas Jisroel" auf den Plan gerufen hat. Rabbiner Kuk hatte durch Maueranschlag einen „Taanis Zibbur" aus Anlaß der Vorgänge an der Westmauer angeordnet, worauf von seiten Rabbi Ehajim Sonnenfelds bekanntgegeben wurde, daß er diesem Taanis Nicht zustimmen könne. Hinzugefügt war, daß man die gerechte Regelung des Konfliktes der Regierung ruhig überlassen dürfe. Zunächst, sei bemerkt, daß diese Bekanntmachung Rabbi Chajitn Sonnenfelds der persönlichen Initiative des achtzigjährigen jugendlichen - vrmsn i'v' *pK’ m - entsprungen ist, eine Tatsache, die allein schon Zeugnis ablegt für die rein religiösen> Beweggründe der Publikation. Auch die verbissensten Gegner der Agudas Jisroel werden Rabbi Chajim Sonnenfeld persönlich nicht Zutrauen, daß er mit seiner Vekanntrnichung etwa Rabbiner Kuk ärgern oder eine loyale Verbeugung vor der Regierung machen wollte, wie die Pamphletschreiber insinuieren. Zwar hat Rabbi Ehajim Sonnenfeld seine Motive niemandem mitgeteilt, aber sie scheinen uns offen zutage zu liegen. Er wollte einmal nicht die Hand dazu bieten, daß die religiöse Institution des myiv die von jeher ein Appell zur aufrichtigen, unverkürzten rrntfn in allen irnx war, zu einer politischen nationalen Demonstration mißbraucht wird, die sie in der Hand der Waad leuMi-Politiker unbedingt werden mußte. Er wollte zweitens jeder Möglichkeit einer Verschärfung des Konfliktes mit dem Arabertum Vorbeugen und die jüdischen Kreise zur Ruhe und Selbstbeherrschung und zur Einstellung unnützer Protestaktionen mahnen. Nebenbei bemerkt: Rabbi Kuk war in dieser Sache ohne jede Fühlung mit seinem eigenen B e s d i -n> vorgegangen, dessen Mitglieder wahrscheinlich keinen wesentlich anderen Standpunkt eingenommen haben würden wie Rabbi Ehajim Sonnenfeld — wenn sie gefragt worden wären. r'/ys!" 8«^ Korrespondenzen « ßacbricbten. Deutsches Reich. Wellverband der Schomre Schabbos. Berlin, 9. Dezember. Vor kurzem ging die Nachricht durch die Oeffentlichkeit, daß ein Komitee aus führenden gesetzestreuen Persönlichkeiten zusammengetreten sei, um die Gründung eines interterritorialen Verbandes in die Wege zu leiten, der-den jüdischen Wirtschaftskreisen aller Stände die Forderung der Sabbatruhe als Grundsäule jüdischer Lehre und jüdischen Lebens wieder mit Macht ins Gedächtnis zurückrufen soll. Die Leitung des Komitees, dem zahlreiche Männer des Wirtschaftslebens angehören, liegt in den Händen des Dozenten am Berliner Rabbiner-Seminar, Dr. S. Grünberg. Jetzt erfahren wir nun, daß die umfassenden und außerordentlich enthusiastischen Zustimmungserklärungen auf den ersten Aufruf des Komitees, die aus Europa, Amerika und Palästina, Aegypten und Südafrika eingegangen sind, schon jetzt die Konstituierung des als Endziel der Komiteegründung gedachten Woltverbandes ermöglicht haben. Die in Betracht kom¬ » - m Tlacfif. 7Bieberc/asse. 7 PELZE stet» niedrigste direkte Herstellerpreise menden Persönlichkeiten und Organisationen von siebzehn Staaten, vertreten durch die bedeutendsten Vertreter des Judentums aller politischen Schattierungen, haben in einer noch bisher bei keiner anderen-jüdischen Die Woche. Berlin. Die 68. und 69. Friedhofsschändung sind in Fi schach und Rosenberg oorgekommen. Erster« Gemeinde liegt in Bayern, letztere in Ostpreußen. München. Der bayrische Landtag beschloß heute, den netto» nalsoMl'istlschen Abgeordneten Slreicher zur Strafverfolgung fveizugeben. Streicher hatte in seinem Nürnberger Blättchen „Der Stürmer" behauptet, der Gladbecker Primanermord sei ein Ritualmord, der von einem unbekannten Tater begangen worden sei. Köln.. Am Sonntag nachmittag wurde in der Rheinland-Loge zu Köln me Wander-Ausstellung der Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden „Ort" in Anwesenheit der Vertreter von Stadt und Staat eröffnet. Wien. Am Mittwoch den 5. Dezember verstarb in Wien im 70. Lebensjahre Universitätsprofessor Dr. Leon Kellner. Professor Kellner war inlimer Freund und Mitarbeiter Theodor Herzks. kowno. Der litauische MinisterpräsidentWolde ma ras lud die prominenten Vertreter des litauischen Judentums zu einer Zusammenkunft in seinem Hause ein. Er sprach einen Toast in hebräischer Sprache und schloß mit den Worten: „Lemaan Zion!" — Die litauische Regierung hat beschlossen, den Fachschulen des Verbandes „Ort" in Litauen in Anerkennung ihrer Wichtigkeit und ihrer hochwertigen Leistungen eine einmalige Subvention von 12.000 Lit zu gewähren. Die Abteilung „Ort" in Kowno hofft, daß sich die Regierung zu einer dauernden Subvention für die „Ort"-Schulen entschließen wird. Riga. Der 80jährige Oberrabbiner von Leningrad, Katzenellenbogen, befindet sich in großer materieller Not. Das kommunistische Komitee hat für seine Wohnung eine Monatsmiete von 100 Dollar festgesetzt. Sein ganzes Einkommen besteht aber darin, daß zwei Räume seiner Wohnung an Untermieter abgegeben werden und seine Töchter durch Erteilung von Unterricht etwas hinzuverdienen. Warschau. In Sosnowjoe hat soeben eine neue Tageszeitung in jiddischer Sprache, „Unser Tag", für die jiddisch sprechende Bevölkerung Polnisch-Schlesiens zu erscheinen begonnen. Die hebräische Tageszeitung „Hazephira", deren Erscheinen vor kurzem wegen Mangels an Mitteln eingestellt werden mußte, wird in kurzer Zeit wieder zu erscheinen beginnen, nachdem die Hazephira-Druckerei von einer Aktiengesellschaft erworben worden ist-und das notwendige Kapital sichergestellt wurde. Rewyork. Nach Mitteilung des Büros des zur Schaffung der nötigen Mittel für das Aufbauwerk des Joint Distribution Eommittee eingelefteten United Jewish Campaign sind bis zum 20. November, d. I. zugunsten des Joint-Aufbauwsrks 13 Millionen Dollar in bar eingegangen: viele gezeichnete Summen sind noch * ausstehend. Jerusalem. Das Budget der Palästinaregierung für die ersten neun Monate, des Jahres 1928 weist ein Defizit von 673.463 Pfund auf. Hauptsächlich ist das Defizit durch die im September getilgten Anleihe- und an- ... de re Schulden in Höhe von 579.299 Pfund verursacht worden. — Der Verlag des „Doar Hajom" wurde von -der Regierung aufgefordert, eine Summe von 100 Pfund als Garantie gemäß dem noch geltenden ottomanifchen Gesetz zu hinterlegen. Diese Maßnahme der Regierung, dje sich ausschließlich gegen „Doar Hajom" richtet, hat im Lande großes Aufsehen erregt; man bringt sie in Zusammenhang mtt der neuen politischen Richtung der Zeitung „Doar Hajom", die durch die Uebernahme der Redaktion durch Wladimfr Jabo t i n s k y bedingt ist. Aktion der Jetztzeit zustandegekommenen Einheitsfront ihre Mitarbeit zugesagt, um gemeinsam den großangelegten Versuch zu machen, den Juden in allen Wirt-