Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1928)
- Date
- 1928-12-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Nr. 80 Der Israel»! 13. Dezember 1928 1000 schreibfertige Füllfederhalter zur Auswahl mit 14 Karat Goldfeder ab Rmk. 3.75 Ceka, Juwel, Osmia Parker-Duofold, Wahl, Waterman Montblanc und andere Marken CARL KLIPPEL Kaiser Strasse 75 Schreibwaren jeder Art selber in ihren Handlungen als ehrfürchtig ahnende Bausteine zu dem gewaltigen Werke zusammen zusügen." So der stets wache, nie ermüdende Rufer Na than Birnbaum. Wahrlich, wenn man heute überblickt, wie aus allem befreien, beglücken wollenden Getöse des Jahres 1919 so wenig Befreiendes, Beglük kendes für die Menschheit herausgekommen ist wie sich im Gegenteil in jedem Volk die große Maste seelisch noch unbefriedigter und materiell noch schwerer belastet fühlt denn je zuvor, wie eine große Ratlosigkeit unter den Menschen herrscht dann hat Birnbaum wieder einmal recht. Das Judentum hat seinem Volk die weder nach rechts noch nach links schauenden, ganz der Befehle Gottes gewärtigen Cherubim über der heiligen Lade zum Wegweiser gesetzt. Dieses Symbol, dem der Prophet Secharja auch in seinem Worte „Nicht mit Heeresmacht, nicht durch irgendwelche menschliche Kraft, sondern nur mi: dem Geiste Gottes" Ausdruck verlieh, hat das jüdische Volk durch die Gefahren der Zeiten geführt gleich dem vierzigjährigen Durchwandern der weglosen Wüste am Anfang seiner Geschichte. Doch schon vorher begann das Problem. Es begann schon, als mit den Kindern des ersten Menschenpaares die Menschheit entstanden war. Kain und Scheth verkörpern bereits zwei Prinzipien, das Prinzip des der Macht seines freien Willens stöhnenden Menfchen und das Prinzip des den freien Willen durch die Gottesstimme in sich regulierenden, seiner Gottkindschaft bewußten Menschen. Als dem Stammvater des jüdischen Volkes Jakob im Dunkel der Nacht der Kampf mit dem Genius Efaus, seinem dem Kainsnahme eine überaus herzliche. Dichter, Regisseur und Darsteller wurden stürmisch gefeiert. Im Zusammenhang mit dieser Uraufführung veranstaltete die Städtische Kunsthalle Mannheim eine Ausstellung von Pastellzeichnungen Arno Nabels, welche Zeugnis von >der eminenten Vielseitigkeit des Künstlers ablegen. (B. ftutba. (Einsteins „Relativitäts-Theorie" hebräisch.) Professor Albert Einsteins epochales Werk „Die allgemeine und die spezielle Relativitäts-Theorie" ist soeben im Tel Awiwer Verlage „Dwir" in einer hebräischen Ausgabe herausgekommen. Die Uebertragung besorgte, von Einstein autorisiert, Dr. Jacob Greenberg. Professor Einstein schrieb für die hebräische Äusgabe ein Vorwort, in welchem er ungefähr sagt: „Das Erscheinen meines Buches in der Sprache unserer Väter macht mir besondere Freude; es ist ein Zeichen der Um- und Weiterbildung, die unsere Sprache erfahren hat, so daß sie nicht mehr darauf beschränkt ist, die Angelegenheiten unseres Volkes unserem Volke zu erklären, sondern bereits alles auszudrücken vermag, was für Menschen von Interesse ist. Sie ist ein wichtiger Faktor in unserem Streben nach kultureller Unabhängigkeit." Das Original-Manuskript der „Allgemeinen und speziellen Relativitäts-Theorie" befindet sich in der Hebräischen Universität zu Jerusalem; Einstein hat es mt April 1925 aus Anlaß der Eröffnung der Universität der Bibliothek gewidmet. Der hebräische Einstein- Uebersetzev Dr. Greenberg hat mehrere eigenwüchsige mathematische Arbeiten veröffentlicht und das Kapitel über Einstein in der im Eschkol-Verlag in Berlin erscheinenden Hebräischen Enzyklopädie geschrieben. Prinzip huldigenden Bruder, aufgezwungen wurde, da errang er am Ende wohl den Sieg und mit ihm den Namen Israel, Gotteskämpfer, ■— doch fein (Segner renkte Ujm ü'te Hüfte aus. Solche Zeiten find immer wieder gekommen und solange das Machtprinzip innerhalb der Menschheit übermächtig ist, werden die der Hei ligung Nachstrebenden an sich Schaden erleiden — und doch sind sie es, denen schließlich der Sieg wird. Wo sich nur ein Lichtstrahl beginnenden Morgens in der Menschheit zeigt, haben sie ge siegt. Dem Judentum schwebt das Ziel vor, daß Gott als König auch der ganzen Erde anerkann' werde. Im Dienste dieses Zieles soll jeder ein zelne im jüdischen Volk die Thora, Gottes kund getanen Willen an den Juden leben. In jeder Zeit gilt, es wieder, sich zu dem reinen, lauteren Thorawort des Sinai emporzuarbeiten. Jede Zeit verlangt darum von dem Juden Regenerie rung, aber nicht Revolutionierung. Vielleicht hat in dem Chaos der jetzigen Nach kriegszeit der Widerhall des Thorawortes in der Seele auch des thoratreuen Juden mehr Hinder nifsen zu begegnen, als jemals? Vielleicht tut heute dringender als je der brüderliche Zusammenschluß all derer not, die gleichen Weges und Zieles sind, damit einer den anderen stütze? Nathan Birnbaum hat auch diesen Ruf erhoben. Seine erbarmungslose Kritik soll stets über ernsteste Selbstprüfung zur aufbauenden Tat führen, um nach der Weisung der Thora zur Gottinnigkeit aufzusteigen!. Nathan Birnbaum hat den Grundriß entworfen für den Zusammenschluß der Aufsteigenden („Aulim"), weil sie Ringende sind, die um des Göttlichen willen mit dem Göttlichen und mit dem Ungöttlichen ringen. Doch harthörig ist das Geschlecht der Zeit selbst unter denen, die seines Rufes würdig sind. Diesen wird jeder Tag, der entschwindet, ohne daß der „Ruf zu Gott" gehört wird, ein Unrecht vor Gott sein. Unsere Zeit ist eine große Zeit durch die Größe ihrer Aufgaben. Je größer aber die Aufgaben, um so verantwortungsvoller ihre Vernachlässigung. Darum haben die einzelnen Auserlesenen allein nicht die Kraft zu ihrer Lösung; darum kann sich keiner, der noch zur Thora halten will, freimachen und sagen, es komme nicht auf ihn an. Wie Schofar-Erweckung und -Sammelruf ist huete die Aufforderung, daß jeder, auch der einfachste Mensch in der thoratreuen Judenheit der Stunde bewußt und des Glückes teilhaftig werde, ich aus der Alltäglichkeit herauszuheben. Nur, wenn die Maste der thoratreuen Judenheit den Ruf Birnbaums vernimmt, kann das Werk gelingen! Erfreuliches und Anersteuliches vom Misrachi. Wir haben in' den letzten Wochen wiederholt Gelegenheit gehabt, die Aufmerksamkeit unserer Leser im Rahmen des Nachrichtenteils auf Vorgänge und Entwicklungen in der Misrachi-Organisation zu lenken, die vom Standpunkt der Solidarität der gesamten gesetzestreuen Judenheit besonderes Interesse verdienen. Zunächst war es eine Rede Rabbi Mosche Blaus in der Amsterdamer Aguda-Gruppe, die in misrachistichen Kreisen Aufsehen und Anstoß erregte. Rabbi Mosche Blau sprach über das palästinenische Schulwesen und nahm, als in der Dis- Assion von dritter Seite eine Erklärung über die Erfolge des Misrachi-Schulwerkes in Erez Jisroel gewünscht wurde, ziemlich scharf gegen dieses Schulwerk Stellung. Er behauptete u. a., daß die Erfolge der misrachistischen Schulen in religiöser Hinsicht äußerst schlecht seien, daß im einzelnen ein Lehrer einer Misrachi-Schule den Sabbat öffentlich durch Fahren entweiht habe, ohne daß man gegen ihn einschritt, und daß in einer Misrachi-Kolonie die Speisegesetze gegen den Protest der Misrachi-Leitung gröblich verletzt würden. Gegen diese öffentlich aufgestellten Behauptungen sind uns Berichtigungen^ sowohl von unserem Mitarbeiter, Herrn Sally Geis in Tel Awiw als auch neuerdings offiziell von der deutschen Misrachi-Föderation zugegangen. Die Berichtigung der letzteren geben wir hierdurch im Wortlaut wieder: „In den BeilagebMtern Ihrer Ausgabe Nr. 42 vom 18. Oktober ds. Js. brachten Sie eine Nachricht über den Misrachi in Palästina, die mehrere. Unrichtigkeiten enthält. Wir nehmen an, daß es keiner Bezugnahme auf die presfegefeWchen Bestimmungen bedarf, um Sie zu einer Berichtigung zu veranlassen, wenn, Ihnen der wahre Sachverhalt bekannt wird/ Deshalb teilen wir Ihnen folgendes mit: 1. Es ist vollkommen unwahr, daß irgendwann in einer Misrachi-Kolonie die Speisegesetze verletzt worden wären. Es ist klar, daß ein solcher Vorfall in Palästina nicht hätte unbeobachtet vor sich gehen können. Eingehendste Nachforschungen haben ergeben;, daß an keiner Stelle etwas derartiges bekannt ist. Es kann also mit Fug und Recht diese Behauptung als aus der Luft gegriffen bezeichnet werden. 2. Die Angabe bezüglich des Lehrers trifft insofern zu, als ein Lehrer tatsächlich am Sabbat gefahren war. Dagegen ist es selbstverständlich unrichtig, daß gegen diesen Lehrer nicht eingeschritten worden ist. Er ist vlielmehr unverzüglich entlassen worden. Man hätte annehmen können, daß bei der Natur des Misrachi Ihnen von vornherein die Unmöglichkeit der aufgestellten Behauptungen hätte klar sein können,/ da dieses aber leider anscheinend nicht der Fall war und Sie die unrichtigen Nachrichten gebracht haben, erwarten wir, daß Sie wenigstens durch vollen Abdruck dieser Mitteilung dazu beitragen, den angerichteten Schaden wieder gutzumachen." Daß die deutsche Misrachi-Förderation bei der Einsendung dieser Berichtigung durchaus gutgläubig ist, kann gewiß nicht bezweifelt werden. Unser Gewährsmann jedoch, Herr Blau, teilt uns mit, daß der in Frage kommenide Lehrer, nachdem die öffentliche Sabbatentweihung festgestellt war, noch etwa drei Jahre im Amte geblieben und erst in allerjüngster Zeit, sicherlich aus Gründen, die mit jener Sabbatentweihung direkt nichts zu tun haben, entlassen worden ist. Auch der Name des'betreffenden Herrn ist jms genannt worden. Was die' Zweite Behauptung betrifft, so erklärte uns Herr Blau, daß es sich um die auf den Namen von R. Schemuel Mohilewer gegründete Kolonie „Gan Schemuel" handelte, die vom Misrachi gegründet, später allerdings vom Keren Hajesiod finanziert worden ist. Diese Misrachi-Kolonie sei ein förmliches „Nest von rww ‘piVn und niw-iv geworden. Herr Blau hat das auch in einer hier in Frankfurt 'tattgehabten Versammlung der Oeffentlichkeit mitgeieilt und der Führer des Misrachi, Herr Meier Berlin konnte lediglich antworten, daß der Misrachi nicht aufgehört habe, gegen die Zutände in „Gan Schemuel" zu protestieren. Wie dem aber auch fei, die hier diskutierten einzelnen Vorkommnisse sind für das Hauptproblem von verhältnismäßig untergeordneter Bedeutung. Was im wesentlichen zur Diskussion teht, ist die Frage, ob nach den Methoden, die der Misrachi bei dem Ausbau und der Führung eines Schulwesens anwendet, eine Möglichkeit öder eine Wahrscheinlichkeit besteht, Göneraionen wirklicher i | b'inn auf dem heiligen Boden Erez Jisroels zu erziehen. Die Führer der palästinensischen Agudas Jisroel betreiten diese Möglichkeit mit aller Energie "und verweisen — siehe hierzu die Jerusalemer Korreponde-nz in unserer vorletzten Nummer — auf die traurigen Früchte der misrachistischen Schulerziehungsarbeit. Man darf die Ursache dieser 'chlechten Erziehungsergebnisse keineswegs in dem mangelnden guten Willen der Schulleiter, der Lehrer' oder gar der Führer des Misrachi elbst suchen. Ihnen schwebt gewiß in aller Ehrlichkeit das Ideal, vor, jüdische Persönlichkeiten zu erziehen, die aufrichtige Glaubenstreue und reiche minn njpT mit weltlicher allgemein-wissenschaftlicher Ausbildung verbinden. Aber sie selber müssen zugeben, daß, wie die Dinge Heute liegen, chon das Schülermaterial des Misrachi von vorneherein ungünstig prädisponiert für die religiöse Beeinflussung ist. Diese Schüler betreten die Schulräume schon in einer mehr oder minder revolutionären Stimmung. Sie handeln oft gegen den Willen der Eltern, immer aber in dem Bewußtsein, daß sie sich im Gegensatz befinden