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Der Israelit · 1928-12-06 · Heft 49 (6.12.1928) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 49 (6.12.1928)
Date
1928-12-06
Page
– (sequence 29)
Language
German
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/ Milo--0 ll o—o Ifö1 O 3üdiscncr GT L/ ^ii o—o irg FM 1) o f h s freund sum Organ des Vereins für die iiidi/cfien 3nf ere/fen 9lfiein(ands e.D. r$ti Rabbiner Dv. rvslf In Lsln n. Rtz. NFL ZFönn -O O- -o O- L„o: 22. Jahrgang Frankfurt a. M., 6. Dezember J928 / 23. Kislew 5689 Nr. 2 s Chanuka- Spenden nimmt dankend entgegen Der Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands (E. V.) Cöln, Hohenstaufenring 14. Postscheckkonto: Cöln 50648. Gedenke i Vergiß nicht! Chanukkah und Purim sind die einzigen Gedenktage, die von der Liste der geschichtlichen Gedächtnistage übrig geblieben sind, welche in der Megilath Taanith verzeichnet standen. Am Ende des Goluth Babylon war die Zahl der Gottreuen noch nicht auf das Mindestmaß eines einzelnen Hauses gesunken. Mordechai gehörte der großen Versammlung Esras an, die noch 120 Gelehrte aufzuweisen hatte. Und das waren doch sicherlich nur die Weisesten der Weisen. Selbst der Teil des Volkes, dessen Assimilierungsprozeß schon so weit fortgeschritten war, daß er nichtjüdische Frauen geehelicht hatte, besann sich wieder aus sich selbst und brachte die Stärke auf, sich von Frau und Kindern zu trennen, als Esra die Aufforderung dazu an ihn richtete. Purim galt nur der Erhaltung des Daseins, des Lebens. Zu Matitjahus Zeiten aber hatte der jüdische Geist nur noch eine einzige Stätte seiner Pflege gesunden. Ein einziges Priesterhaus diente ihm mit der Wärme und der Treue, mit der Wahrheit und der Liebe, mit der Opferfreudigkeit und Selbstverständlichkeit, wie sie mit den auch damals noch von vielen Lippen gesprochenen Worten: „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen" gefordert wird. Das Lebenslicht jüdischen Geistes drohte zu erlöschen. Seiner Erneuerung gedenkt Chanukkah. Wenn nun für Purim, dessen geschichtlicher Anlaß, mit dem Volksstamm Amalek verbunden ist, schon das Wort der Tauroh gilt: Gedenke! Vergiß nicht! Um wieviel mehr dürfen wir für den geschichtlichen Ursprung der Chanukkahfeier den gleichen Ruf zur Geltung bringen. Gedenke, vergiß nicht! Was der Inhalt dieser Aufforderung ist? Das besagt der Gedanke der Gebetseinschaltung, die für diese Chanukkahtage verfaßt ist. Die Schwachen und die Starken, die Unreinen und die Reinen ,die Wenigen und die Vielen standen sich gegenüber. Als wenn die Geschichte nichts gelernt und nichts vergessen hätte, so stehen wir noch heute den gleichen Gegensätzen gegenüber. Wenn auch der Kampf in der, Zeiten der Hasmonäer in der äußerlichen Erscheinungsform dem Wahne des rasenden Syrerkönigs galt, so war er in letzter Ursache doch ein Kampf unter Brüdern, ein Kampf der Treue gegen die Untreue, den Verrat am Gottesgesetz der Ewigkeit. Denn nie konnte ein, König oder ein Führer der Völker Israel ein Hemmnis in der Erfüllung seiner Pflichten entgegenstellen, wenn das Material dazu ihm nicht von Mitgliedern des jüdischen Volkes oder von Judenstämmlingen beschafft worden wäre. Die Verständnislosigkeit für eine andere, fremd gewordene, den Idealen zugewandte Welt inmitten einer mehr oder weniger erfolgreichen Kriegs¬ oder Wirtschaftspolitik mit dem Ziel der alleinigen Mehrung und Verehrung materieller Macht beherrscht den führenden Volkskreis und bildet sich der Tauroh abgewandte Idole, die als die einzigen Wirklichkeitsziele angestrebt werden, mit kalter nüchterner Gebärde wird über jede Poesie hinweggeschritten und den heiligsten Lebensgütern wird ein Hohnlachen entgegen gebracht. Die Ringschule der Hellenen wird wieder neben dem Tempel des wesenlosen Einzigen aufgerichtet. Ringen, Sport und Turnen nimmt den Geist unserer Kinder gefangen. Den Namen des Schnelläufers und der Sieger in modernen olympischen Spielen ist ihnen geläufiger als die der Leidens- und Dulder-Helden der jüdischen Geschichte, die mit Lehre und Leben der Welt einen ethischen Höhenweg wiesen, um ihr Jammertal m ein Paradies zu wandeln. Der Bilderdienst ist uns verboten, ja, die Herstellung plastischer Gestalten, weil die Idealisierung alles Körperlichen für Israel ein Zurücksinken in den Sumpf des Stofflichen bedeutet, und der Dekalog uns mit dem ersten Satz aufrufen will zum Geistigen, Unsichtbaren, zum Alleinwirklichen, dessen Wortkraft die Erde und das Irdische gestaltete. Nicht das Schöne, sondern das Gute bildet den Urboden, zu dessen Hut und Wardeiung Israel berufen ist. Denn es sei „Sein Diener", auf den Er sich stützen will, Sein Auserwählter, an dem Sein Wesen Wohlgefallen sucht . Seinen Geist hat er auf es gelegt, damit es Recht unter die Völker hinaustrage. Er braucht Sein Bekenntnis nicht hinauszurufen und soll es nicht mit Feuer und Schwert durch die Welt tragen«. Es braucht seine den andern doch nicht verständliche Stimme seines Herzens auf dem Markte des Lebens nicht erschallen zu lassen. Es genügt seine Erscheinung als ein gebrochenes ♦ ♦ ♦ r ♦ ♦ Es wird gebeten die rückständigen Mitgliederbeiträge für das Jahr 1928 auf unser Postscheckkonto Cöln Nr, 50648 baldigst überweisen zu wollen« Der Vorstand des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands (E. V.) Cöln, Hohenstaufenring 14. In keinem jüdischen Hause fehle die Bibliothek des jüdischen Volksfreundes.

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