Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1928)
- Date
- 1928-12-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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6. Dezember 1928_ ' _ die Liberalen 16 Sitze, auf dis Zionisten, 5 Sitze und auf die Orthodoxen 3 Sitze. Damit wäre die Wahl erledigt gewesen, hätte nicht plötzlich der Gesamtausschuß der Ostjuden— der sich zum größten Teil aus Zionisten zusammensetzt — mit einer planmäßigen. Hetze gegen die orthodoxe Fraktion, den Frieden gestört. Trotz der früheren Zustimmung gab man vor, die getroffene Lösung als eine Herabwürdigung zu empfinden, berief eine Protestversammlung ein, und nachdem bei dieser auch der Prügelknabe nicht fehlen durste, wurde die Orthodoxie zum Schuldigen gestempelt, die seit Jahrzehnten sich für die Rechte der Ausländer in geradezu beispielloser Weise eingesetzt hatte. Man begnügte sich aber nicht mit vollkommen unberechtigten Vorwürfen, sondern verkündete jetzt schon den Streit an „Ohel Jakob", an dem man sich in 2 Jahren bei den zu erwartenden Wahlen zu rächen gedenkt. Die dazwischen liegende Zeit soll der Vorbereitung dieses Bruderkampfes gewidmet fein. Oesterreich. Rechenschaftsbericht der Adas Iisroel. Wien, 28 .Nov. Die Adas Jisroel versendet ihren Rechenschaftsbericht. Derselbe gibt uns einen Ueb erblick der umfassenden Tätigkeit.einer ansehnlichen, altjüdischen Gemeinde im wahrsten Sinne. Zur Bestreitung der Kosten ist ein Jahreseingang von mehr als 2,3 Milliarden erforderlich. Davon werden ein vollständiges Rabbinat erhalten, sämtliche Bedarfsgegenstände eines jüdisch-rituellen Haushaltes besorgt, ein Bethaus erhaltenusw. Aber nicht damit erschöpft sich die Tätigkeit dieser Körperschaften. Sie entwickelt auch eine umfassende Fürsorgetätigkeit, die außer dem oben angeführten Betrage sehr ansehnliche Summen in Anspruch nimmt. Es werden Unterrichtsanstalten erhalten-, zum Teile reichlich unterstützt, Stipendien an Talmudschüler an auswärtigen Jeschiwohs verliehen. Ueberdies hat die Vereinsleitung allematz wenn der Versuch gemacht wurde, Kinder in der Schule zur Entweihung des Sabbat, zu zwingen,- mit vollem Erfolge interveniert und erklärt sich bereit, diese Intervention im Bedarfsfälle jedesmal zu wiederholen. Der Bericht weist auf die 80jährige Tätigkeit der Schiffsschul zurück, die als kleines Bethaus in der Ankergafse begann, vor 64 Jahren in die Schiffschul sich -umwandelte und vor 30 Jahren als Adas Jisroel sich organisierte. Er verweist darauf, daß die Arbeit nicht nur für die -eigenen Mitglieder geleistet wurde, sondern -daß alle Leistungen und Anstalten von allen Wiener Juden ohne Unterschied, die ihrer bedurften, -in Anspruch genommenwurden. Er rühmt, daß auch der Vorstand der Kultusgemeinde endlich für die -idealen Bestrebügnen der Adas Jisroel Verständnis gefunden hat. Das Ziel der Wünsche - jedoch könne nur erreicht werden, wenn es gelingt, daß alle religiösen jüdischen Kreise zur Erfüllung -der Aufgaben sich zusammenschließ-en. Generalversammlung der Adas Iisroel. W i e n-, 28. Nov. Sonntag den 25. November fand im Turnsaale der Talmud Thoraschule, Wien II, Malzgasse 16, unter Vorsitz des Herrn Siegm. B o nd -i die G -e n e r a l Versammlung der Adas Jisroel statt. Lange vor BegiUn der festgesetzten Zeit war der Saal überfüllt. Der Vorsitzende gedachte -der Heimgegangenen Mitglieder, die die Versammlung mit Aufftehen von dm- Plätzen ehrte. In -der Debatte ergriff zunächst zum Punkt 2, 3, 4 und 5 des Rechenschaftsberichtes Herr P-app enh-e-tm das Wort. Er ergänzte durch seine Aufklärungenden Bericht und setzte -m seinen allgemeinen Ausführungen die grundsätzliche Haltung der Adas Jisroel zu den Tagesfragen auseinander. Hierauf -erstattet Herr Sutern den Bericht über 'die Kassagebahrung. Er erläuterte die angeführten Ziffern und machte aus die notwendige Erweiterung des Budgets aufmerksam. Herr Lettner stellte namens des Vorstandes den Antrag, bei Bestimmung des Jahresbeitrages ebenso vorzugehen wie im Vorjahre. Namens der Revisoren teilte Herr Siegmund ftigbor mit, daß die genaueste Ueberprüfung der Bücher und Belege die vollkommene Richtchi-gkeit des Berichtes ergebe und er beantragt die Erteilung, des Absolutoriums. Herr Dr. Josef T i ch o brachte -den Dank und die Anerkennung der Kültusgemeinde an Ne Adas Jisroel zum Ausdruck, die ihren Ramm mit Stolz trägt, was -besonders -in einer Zeit her- Der Israelit_ vorzuheben ist, in der man den Ruhmestitel Israel, Gotteskämpfer, minder -einschätzt und hämisch nennt, neben der Bezeichnung Juden. Der Vertreter der Adas Jisroel, Herr Pappenheim, könne mit Recht Führer und Weiser des Vorstandes genannt werden und es wird ihm die größte Verehrung entgegeng-ebrächt. . Herr Hofbauer -erwähnt Mißstände in der neuen Halle des Mischen- F r -i-e d h o f -e s, deren Abstellung aus religiösen- Gründen -er wünscht. Herr Kommerzialrat Buchwald spricht seine Freude darüber aus, daß er Gelegenheit hat, hier zu sprechen. Das konservative Judentum allein erhält das Judentum. Dem Wunsche des Herrn Hofbau-er wird Rechnung getragen werden. Es sprechen nochdie Herren Frommer und Dr. Freudmann. Der Obmann dankt Herrn Pappenheim für das glänzende Referat und fpr-ichb den Wunfch aus, daß w-ir noch viele Jahre das Glück haben mögen, unserem verehrten Führer zu folgen. Dem Vertreter der Kultusgemeinde dankt er für die freundlichen Worte. Man schritt nun zu den- Wahlen. Es wurdengewählt die Herren Siegmund B -o n d r, Michael Sternfeld, Sa-lomon Schreiber, Berthold Stroh, Franz N -e u m -ann, Julius Steinf e l d, Emil K r -i tzler, Dr. Isidor Reiniger, Artur F e i g e l st o ck für eine sechsjährige Periode und Herr Josef- Herzog für eine dreijährige Periode. Herr Bondi dankt -im Namen der Gewählten und spricht sein tiefstes Bedauern darüber aus-, daß Herr Jakob Stern -aus dem Vorstände ausfcheide. Herr Stern ha-t in uneigennütziger -und vorzüglicher Weise mit besonderer Aufopferung zwanzig Jahre hindurch sein Amt versehen, -insbesondere während der schweren Kri-egszeiten hat er der Adas Jisrosb unschätzbare Dienste geleistet. Man wird ihm immer den wärmsten Dank schuldig sein. Forderungen der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde. Wi e n , 27. Nov. Im Zusammenhang mit der sehr lebhaft verlausenden Wahlbewegung anläßlich der bevorstehenden Wahlen zum Vorstand der Kultusgemeinde erfährt man, daß das Präsidium der Wiener Israelitischen Kultus-gemeinde vor kurzem dem Bundeskanzler Dr. Seipel ein Memorandum überreicht hat, in welchem angemessene Staatszuschüsse für religiöse und kulturelle jüdische Gem-einschaftszwecke gefordert werden. In seiner Erwiderung hat Dr. Seipel die prinzipielle Berechtigung der Forderungen der Kultusgemein-de anerkannt und eine definitive Antwort nach vorausgegangener Beratung mit den zuständigen Ministerien über die mögliche Höhe der Zuschüsse und nach Durchführung der erforderlichen Modalitäten in Aussicht gestellt. In unterrichteten Kreisen der Kultüsg-emeinde wird erwartet, daß schon in dem nächstjährigen österreichischen Staatsbudget ansehn-liche Zuschüsse für die religiösen und kulturellen Bedürfnisse der jüdischen Gemeinde vorgesehen sein werden. Das Resullal der Kultusgemeinde-Wahlen in Wien. Wien, 3. Dezember. Die Wahlen in den Vorstand der Wiener Kultusgemeinde, um die seit Wochen ein sehr lebhafter Parteikampf vor sich ging, sind am Sonntag den 2. Dezember durchgeführt worden. Die Wahlen verliefen ruhig. Trotz der lebhaften Agitation schritten nur etwa 50 Prozent der Wähler zur Urne. Die Union österreichischer Juden hat 17 Mandate fest -errungen ,während -ein 18. Mandat für sie noch zweifelhaft ist. Die Zionisten und Misrachisten hab-en zusammen 12 Mandate fest errungen (gegen- bisher 11), ein weiteres Mandat ist zwischen -ihnen und der „Union" noch strittig. Die „unpolitischen" Orthodoxen haben ein Mandat errungen. Die Partei der Werktätigen behauptete ihren bisherigen Vesitzstand von 5 Mandaten. Das Kultusministerium hat die von den antiz-ionistisch eingestellten „Werktätigen" eingereichte Liste wegen der Aehnlichkeit des Namens und gewisser Parolen mit der von früher bestehenden Partei der Werktätigen für ungültig -erklärt, da -eine solche Aehnlichkeit ge-eignet sei, die Wählerschaft -irrezuführen. Die abgewi-esene Partei überreichte eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof. Es ist somit möglich, daß die gesamten Wahlen für ungültig erklärt und Neuwahlen ausgeschrieben werden. Nr. 49 Seite 7 Lorey M Schilleritr.16 Schmuckkasten Haus u. Küche Schöne, praktische und preiswerte Geschenke für Damen und Herren Verlangen Sie meine Weihnachtsliste Polen. lieber die köpfe der jüdischen Parlamentarier hinweg. Warschau, 28. Nov. In der heutigen Sitzung der Budgetkommission des polnischen ©ejm antwortete der Innenminister General Skladkowsky auf die letzten Angriffe des Deputierten I. Grünbaum und führte aus, -es feienzwar von den lokalen Behörden Verstöße gemacht und Fehler begangen worden, die zu bedauern sind, Grünbaum habe aber Unrecht, wenn er alle diese Vorkommnisse zu einer Theorie zusammenknüpft und daraus auf die Gesamtpolitik der Regierung gegenüber den Juden- Schlüsse zieht. Dadurch führt Grünbaum seine Wähler -irre. Vor zwei Jahren hat die Regierung Zehntausenden Juden, die staatenlos waren und denen die Zwangsa-bschiebung nach dem bolschewistischen Rußland drohte, das Bürgerrecht verliehen. Im Verlauf der letzten zwei Jahre haben in Polen 600 000 Juden Bürgerrechte erworben-. Spricht Grünbaum im Namen dieser 600 000? Die Regierung wird den Juden über die Köpfe der Deputierten, hinweg- Gutes -erweisen. (Grünbaum ruft: „Das foll uns freuen!") In seiner Replik sagte Grünbaum, er wisse nicht, wie der Minister zu der Ziffer 600 000 kommt. In den polnischen Ostgebieten, um die es sich handeln könnte, gibt es keine 600 000 Juden. , Wer ist hier derjenige, der andere irre führt? Rumänien. Konferenz der jüdischen Gemeinden Rumäniens. Bukarest, 30. November. Auf Einladung des „Verbandes der jüdischen Gemeinden Altrumäniens" und des Landesrabbiners Senator Dr. Niomirow-er fand in Bukarest -eine Beratung der jüdischen Gemeinden Großrumäniens statt. Die spaniolischen Gemeinden wurden durch Dr. Galimir und Almosnino vertreten. Die Orthodoxen Transsylvaniens lehnten -eine Beteiligung -an der Konferenz ab. Es wurde-ein vom Generalsekretär Schweig ausgearbeitetes G emeindestatut angenommen. Man erörterte sehr lebhaft die Frage des Wahlrechtes der Frauen. Der demokratische Block forderte aktives unpassives Wahlrecht für die Frauen. Rabbiner Zirel>- sohn lehnte kategarisch seine Zustimmung zur Verleihung des Wahlrechtes an Frauen ab und erklärte, bei weiterer Beratung des Gegenstcm-des die Konferenz verlassen zu müssen. Rabbi Zirelsohns Standpunkt fand eine Mehrheit; der demokratische Block meldete ein Votum sepavatum an. Das Wahlalter wurde mit 21 Jahren festgesetzt. Das Wahlrecht -ist proportional. Griechenland. Der historische und jüdische Friedhof von Saloniki von Enteignung bedroht. Saloniki, 29. November. Der jüdische Friedhof von Saloniki, der für die Juden des Orients von der gleichen kulturhistorischen und religiösen Bedeutung -ist, wie der -alte jüdische Friedhof in Prag für die Juden des Okzidents ist von Enteignung bedroht. Die Universität von Saloniki fordert diese Enteignung, um auf dem Platz des Friedhofs ein neues Universitätsviertel nebst Wohnhäusern für Professoren und Studenten zu entrichten. Der Dekan der Rechtsfakultät Prof. Bijoukides hat sich eigens nach Athen -begeben, um bei -der Regierung die Enteignung durchzusetzen. Die Repräsentanz der jüdischen- Gemeinde hat bei -der Zentralregrerung einen scharfen Protest gegen jeden Gedanken einer Antastung.des historischen jüdischen Friedhofs eingelegt und zum Ausdruck gebracht, daß die Judenschaft schmerzlich davon berührt ist, daß man ihren-