Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1928)
- Date
- 1928-12-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Nr. 49 2 e r Israelit 6 Dezember 1928 1000 schreibfertige Füllfederhalter zur Auswahl mit 14 Karat Goldfeder ab Rmk. 3.75 Ceka, Juwel, Osmia Parker-Duofold, Wahl, Waterman Montblanc und andere Marken CARL KLIPPEL Kaiserstrasse 75 Schreibwaren jeder Art hochverehrten Herrn, Oberrabbiners ">"1 stets unermüdlich tätige Kuratorium immer und immer wieder aus hiesigen Kreisen, die mit der Gewaltpolitik der Gemeinde nicht einverstanden ist, aufbrngt. Das ist natürlich auf die Dauer keine ausreichende Existenzgrundlage. Eine Anzahl interessierter Gemeindemitglieder hat sich daher im Mai ds. Js. in einer längeren Eingabe an die Gemeinde gewandt und unter Hinweis der Verpflichtung der Gemeinde auch für die Bedürfnisse dieser orthodoxen Steuerzahler zu sorgen, um Unterstützung der Schule ersucht. Erst jetzt, nach Ablauf eines halben Jahres, fühlt man sich überhaupt bemüßigt unter Berufung auf eingehende Beratungen, eine von vornherein nicht anders zu erwartende Antwort zu erteilen,. Bei der Wichtigkeit der Angelegenheit für unsere Kehillo und bei der hohen Bedeutung Hamburgs für die deutsche Orthodoxie soll dieses Schreiben, das sämtlichen Unterzeichnern der Eingabe gedruckt; zugegangen i$, nachstehend wörtlich mitgeteilt werden: Deutsch-Israelitische Gemeinde. Hamburg, 13./16. November. 1928. An die Unterzeichner des Antrages auf Subventionierung der Israelitischen Mädchenrealschule (Bieberstraße). Der Vorstand hat Ihr Schreiben vom 28. Mai d. I. zum Gegenstand einer eingehenden Beratung gemacht und kann daher erst jetzt eine Antwort erteilen. Er versteht und würdigt die Anhänglichkeit zahlreicher ehemaliger Schülerinnen an eine Schule, mit der sie durch Kindheitserinnerungen einer glücklicheren Zeit verknüpft sind, ebenso den Wunsch der Eltern jetziger Schülerinnen, die Schule erhalten zu sehen. Die Frage der Unterstützung der Mädchenrealschule kann jedoch nicht gesondert betrachtet werden, sondern nur im Zusammenhang mit den Aufgaben, die der Gemeinde aus der Pflicht erwachsen, das Mädchenschulwesen zeitgemäß zu gestalten. (? D. E.) Zwei nebeneinander bestehende, auf traditioneller Grundlage aufgebaute Mädchenschulen sind schon .seit langer Zeit nicht mehr tragbar. Aus dieser Erkenntnis heraus haben sich die Gemeindebehörden schon.'-seit fünf Jahren bemüht, eine Vereinigung der - beiden Schulen herbeizuführen. Daß dabei Widerstände zu überwinden waren, war. vorauszusehen und ist bei der religiös und gefühlsmäßig verschiedenen Einstellung der am jüdischen Schulwerk Interessierten verständlich. Der Verlauf der Verhandlungen im einzelnen dürste den meisten Unterzeichnern des Briefes unbekannt fein. Diejenigen, die nähere Kenntnis hierüber zu erlangen, wünschen, werden gebeten, in den bereits veröffentlichten Briefwechsel und die Verhandlungsprotokolle...im Gemeindebüro Enisicht zu nehmen. Dem Vorstand ist bekannt, daß noch manche Mißverständnisse vorhanden sind, welche der Erreichung des unverändert erstreblenswerten Zieles entgegenstehen. Er nimmt deshalb Veranlassung, den Unterzeichnern des Briefes seinen Standpunkt in bezug auf einige Fragen, welche Schwierigkeiten blereitet haben oder noch bereiten, mitzuteilen. Die Frage, welche einen Teil der auf traditionellem Boden stehenden Gemeindemitglieder am meisten bewegt hat, war während der Verhandlungen die Sicherung der Führung der vereinigten Schulen auf der Grundlage des überlieferten Judentums. Allseitig wurde in den Verhandlungen erklärt, daß die Gemeindeschule in der Earolinenstrahe gesetzestreu geführt wird, nach den gleichen religiösen Grundsätzen wie die Talmud- Thora-Realschule. Es ging jedoch die Sorge dieses Tolles der Gemeindemitglieder dahin, daß die Führung der Gemeinde in späteren Zeiten eine andere Richtung nehmen und daß die Mädchenrealschule, die ja dann eine Gemeindeschulie fei, in religiöser Beziehung Einflüssen ausgesetzt sein könne, die ihren traditionellen Grundcharakter verändern würde. Obgleich die Gemeindebehörden dieses Bedenken einer Minderheit nicht teilen könnten, haben sie ihm doch in weitgehender Weife Rechnung gelragen und. Vorschläge gemacht, die die Sicherung des traditionellen Charakters der vereinigten Mädchenschulen und der Unabhängigkeit des inneren Schuldedviebes für alle Zukunft gewährleisten. (? D. E.) Auf Grundlage dieser Vorschläge wäre (nach der Ueberzeugung des Vorstandes) eine Einigung längst erfolgt, wenn nicht, ehe die Verhandlungen voÜkommen zu Ende geführt waren, durch Zufall eine neue Schwierigkeit aufgetaucht wäre, die bis zu diesem Augenblick noch nicht überwunden ist. Es handelt sich um den Anspruch der Mädchenrealschule,' Kindern von Gememdemitgliedern in gewissen Fällen aus religionsgesetzlichen Gründen den Eintritt in die Schule oder die Teilnahme am jüdischen Unterricht oder an einem Teile dieses Unterrichts zu versagen. Diesen Anspruch mußten die Gemeindebehörden bei aller Bereitwilligkeit, auf Gewissensbedenken Rücksicht zu nehmen, ablehnen, da an der Gleichberechtigung aller Gemeindeangehörigen nicht gerüttelt werden darf. Die Gemeindeverfassung kennt nicht zwei Klassen von Gemeindemitgliedern und darf sie auch nicht kennen. Jeder Versuch, hiervon abzuweichen, würde die Grundlage unserer Gemeinde erschüttern. (!! D. E.) Wenn rekigionsgesetzliche Bedenken gegen die Aufnahme oder religiöse Unterweisung bestimmter Kinder sprechen sollten, so zeigt doch die geschichtliche Erfahrung einer langen Epoche, daß die Ueberbrückung eines aus solchen Bedenken und verfassungsmäßigen Erfordernissen sich etwa ergebenden Gegensatzes praktisch nicht ausge- Wilikommene Fest-Geschenke in I UHREN GOLD SILBER JUWELEN BESTECKEN Ttefzfda II* ■■■HaaMnaBaBGS&SSSfiSa unD sonn . - ZEIL 95 schlossen und eine Einheitsschule auf traditioneller Grundlage, die allen Kindern von Gemeindemitgliedern unterschiedslos in gleichem Umfange offensteht, durchaus möglich ist. Der Vorstand braucht nicht auf das Schulwerk anderer Einheitsgs meinden hinzu weisen. (! D. E.) Es bedarf nur des Hinweises aus unsere seil mehr als 120 Jahren bestehende Talmud Thora-Realschule. Der Vorstand will nichts anderes, als daß ln den vereinigten Mädchenschulen das gleiche Aufnahmeverfahren Geltung, habe und behalte wie in der Talmud-Thora-Realschule. Der 'Vorstand muß noch auf einen anderen Punkt eingehen. Unter den Unterzeichnern des Briefes befinden sich manche, die die Schule abgesehen von den bereits erwähnten Gründen, aus deswegen erhalten, sehen mochten, weil sie in ihr eine Standesschule sehen. (? D. E.) Dieselben Eltern, die ihre Söhne gern die Talmud-Thora- Realschule, die doch auch eine Einheitsschule ist, besuchen lassen, haben vielfach den Wunsch, ihre Töchter in einer sogenannten Standesschule unterzubringen. (? D. E.) Es soll dahingestellt bleiben, ob solche Wünsche berechttgt sind oder dem Geiste der Zelt nicht entsprechen. Die Stellung, des Vorstandes zu dieser Frage ist jedenfalls: Für die Erhaltung einer Schule als Standesschule können Gelder der Steuerzahler in dieser Zeit wirtschaftlicher Not und angesichts zahlreicher, dringender Aufgaben, die mit den vorhandenen Mitteln kaum bewältigt werden können, niemals in Frage kommen. Eltern, die eine solche Schule wünschen, müssen die Opferwilligkeit besitzen, sie selbst zu erhalten. Im übrigen hat b'er Vorstand zu dem Gemein sinn dieses Teiles der Elternschaft das Vertrauen, daß sie, wenn die Zusammenlegung der Schulen erfolgt, ihre Töchter auch der zukünftigen Einheitsschule zuführen wird, wie dieses mancherfeits bereits geschehen ist. Gegenüber der Behauptung, daß die Mädchenrealschule Bieberstrahe keine Standesschule sei, da ein großen Teil der Schülerinnen aus unbemittelten Kreisen stamme und kein oder nur ermäßigtes Schulgeld zahle, ist zu sagen, daß dies zwar richtig ist, aber nichts daran ändert, daß ein Teil der Elternschaft di>e Schule als Stanüesschuile betrachtet und als solche erhalten sehen will. (! D. E.) Wir haben einen ganzen Tag lang die Uebersetzung ohne ' Blick m das Original auf uns wirken lafsenünd waren entzückt von der gemessenen Ruhe, von der Stilschönheit, der Reinheit ihrer Auffassung und ihrer gezirkelten und doch nicht eintönigen Abgewogenheit. Sie ist ein Hausbuch ersten Ranges. Hier einige kleine Proben: j Erstes Buch, Kap. 20, >Vers!!l6: Zu Sara ab ex sprach er: Hier gebe ich deinem Bruder tausend Silberlinge; dies diene dir zur Ehrenrettung!gegen.'alle, die bei dir sind, und vor jedem wirst du gerechtfertigt sein. Kap. 37, Vers 33: Er erkannte ihn und schrie auf: Der Rock meines Sohnes! Ein wildes Tier hat ihngefressen! Zerrissen ist Joseph! Zerrissen! 'Kap. 43, Vers 29, Schluß: .Und er sprach: Gott sei din hold, mein Kind! 1 Kap. 49, Vers 6: Nie tritt in ihren Rat, du, meine Seele! Fern bleibe ihrem Kreis, du, meine Ehre! Viertes Buch, Kap. 16, Vers 39: Sie sollen euch als Schaufäden dienen, daß, wenn ihr - sie sehet, ihr an alle Gebote des Ewigen denkt und sie hattet, und nicht nach dem umherspäht, was euer Herz und Auge begehrt, denen ihr sonst buhlerisch folgt. : . Fünftes Buch, Kap.' 17> Vers 15, Schluß:' und du sollst ganz Freude.sein. -■< . 5 '. :.i : liebsten in den Cheder stecken und, wenn sie könnten, alle herrlichen Errungenschaften der Emanzipation ungeschehen ^machen und mit ihren Frauen und Kindern wieder zurück ins Ghetto wandern'möchten,'mit „unserem" Schubert, mit „unserer" Bildung zu tun? So höre.' ich manchen Gegner der jüdischen. Schule ausrufen! Nun, Gemach, lieber Leser! Wärst Du bei dieser Feier gewesen, jDu wärst vielleicht ein für allenial von Deiner Gegnerschaft gegen di« jüdische Schule-kuriert, ja, aus dem Gegner war? vielleicht ein. Freund der.Mdischen Schule ge- Weltanschauungsgründen bekämpfen zu müssen, werden einsehen, daß die jüdische Schule dasselbe will, wie sie selbst: tüchtige Menschen zu erziehen, deren Judentum noch : einen, besonderen Lebensinhalt verleihen, vielleicht gar eine, höhere Bewertung des Lebens, einen Aufstieg zu höherssm Menschentum, bedeuten; Hann. Von diesem Gesichtspunkt gesehen, wird man die Ehrung Franz Schuberts an seinem 100. Todestage zu beurteilen haben. Der Krittter hat hier nicht den strengen Maßstab anzulegen, .wie anderwärts. .-' Wenn aber worden; denn diese Schubertfeier hat es wieder einmal .der „selige Franzel" alle die kleinen'Herren und DaMen, erwiesen: Die jüdische Schule hat nichts mit Bildungs-! welche auf dem Podium erschienen, selbst gesehen und feindlichkeit. nichts mit Abschließung von der Allgemein- 'musizieren gehört hätte, er hätte sicher seine helle Freude heit und Separation, nichts mit nationaler Beschränkti daran gehabt. heit'zu tun. Sie ist aus dem Bedürfnis heraus erwach-> Die Chöre, drei- und vierstimmig, klappten tadellos, fen, dem Antisemitismus, wie er seit Jahrzehnten unser Da war auch nicht, ein Einsatz verfehlt, und die kleinen Gesellschasts- und Wirtschaftsleben und schon das Leben Sänger hingen mit Andacht an ihrem Dirigenten, Herrn unserer Kinder vergiftet, einerseits, und der Gleichgültig keit und' Indifferenz im Judentum andererseits ein wirk- Lehrer Tichauer, der sich der Verantwortung für seine kleinen Musikanten vollauf bewußt' war. Recht frisch Die Schuberkfeier der Höheren Jüdischen Schule. : Bre s l äü,: den 261 Novembet 1928. . .Schubertfeier Jüdische Schule? 'Ist da nicht irgendwo ein Druckfehler? Wie kömmt der ' deutsche Komponist Schubert zur jüdischen Schule? Was haben denn diese Fanatiker und Scheuklappenleute, die ihre Kinder am sanres Paroli zu bieten. Nichts da von Fanatismus oder! klang, der Chor „Vorüber ist die Zeit", der von einem Beschränktheit den Förderungen de^ ' Tages gegenüber! Sekundaner auf dem Klavier flott h^gleitet wurde. Auch Davon verspürt niemand etwas, der'die Bestrebungen der Psalm „Gott ist mein Hirt", welcher in fetmm fugender jüdischen Schule näher kennt, und sie mit Interesse artigen Ausbau schon größere Musikalische.Ansprüche verfolgt.. UnÄ dies Äarf gleich'vorweg gesagt werden:-stellt, wurde mühelos bewältigt. Bädern Chdr „Heilig Die Schubertfeier schloß sich würdig.an die im Vorgänge-! ist der Herr" traten die Unterstimmest angenehm hervor, nen Jahre abgehalteNe Beethööenfei>er an .Wenn die; Sehr wirkungsvoll schien mir das Lied >,Der: Gondeljüdische Schule fprtfiihrt,^ getreu ihrem * Wahlspruch: fahrer". Moment mustcal op. 94, Nx. 3 und Scherzo Thora mit „Derech Hrez", die ^Forderungen, welche wir als deutsche Juden und Westeuropäer, nun einmal' an die Erziehung unserer Kinder stellert imüssen', mit den jüdischen Forderungen des jüdischen Vatörs und der jüdischen Mutter, die ihre Kinder im Judentum erhalten und in. B-dur wurde auswendig gefpieE- Beim Mimärrnarsch op. 61 Nr. 1 (vierhändig), fiel dien sichere Führung der Prirchr auf und es machte ,sich hier Usth da schon, so etwas, wie eigene Auffassung geltend. (Die. übereifrigen-Zu-^ Hörer klatschten schon nach dem «rsMi.iTÄl,..rwch?vör7dem zu bewußten Juden erzogen wissen wollen, so harmonisch Trio>. Bestall, aber die beiden klsinM^^DamM ließen sich in C'nklang zu bringen. wie es bisher geschehen, so wird Dadurch nicht aus dem Konzept bringen). Jn"Et h'öheder Kreis ihrer Freunde mehr und mehr wachsen, und jrem Maße geschah dies noch beim Impromptu op. 90 auch Gegner der jüdischen Schule, welche glauben, sie aus iNr. 4, as-dür, bei dem man sogar von nahezu vollendeter