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Der Israelit · 1928-12-06 · Heft 49 (6.12.1928) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 49 (6.12.1928)
Date
1928-12-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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6. Dezember 1928 sind dem Verfasser nicht bloß die in den 19 Briefen sich vorfmid enden Aeußerungen* **)) gegen eine derartige Jnterpretationsrv eise* *) entgangen, sondern offensichtlich auch jene unwiderlegb a r e B e w e i s f ü h r u n g des Meisters, „daß wir in den Objekten und Zuständen der nrrviv via-Gesetze es nicht etwa mit einem mystischmagischen stofflichen, wenngleich unfaßbaren Miasma zu tun« haben-daßnrwiv nichts Konkretes, am Stoffe Haftendes fei, sondern ein Gedachtes, ein Begriff, eine Vorstellung fein muffe, die mit B e z i e Hungen des Menschen und der Dinge im Zusammenhänge stehen usw." (Korn. M, 11, 46 u. 47.). Auch das, was der Verfasser (S. 153) bezüglich der avp» n in Anlehnung an das talmudische Wort d'vn wbbvi niv-> rnnn iiLvb hd sagt, scheint uns zu dynamisch-magisch gefaßt zu sein,- Es klingt fast so, als sei das Schwenken des Feststraußes ein magisches Bannmittel, um böswillige Elemente zurückzudrängen. Nicht als würden wir rn etwas gegen die Betonung der Kausal! t a t zwischen menschlichem Tun und Lassen und dem Naturgeschehen, gegen diesen Eckpfeiler aller positiven Religiösität emzurveniden haben. Schreibt doch diesbezüglich auch Hirsch: „Keine Kluft ist zwischen der physischen Natur und der sittlichen Welt und Bestimmung des Menschen. In die sichtbare physische Welt hinein hat Gott den Sabbat als ihr Ziel und ihre Vollendung gesetzt. „Adamah", Boden und Bereich des Gott ebenbildlichen, die Welt nach Seinem Willen sittlich verwaltenden Menschen zu sein, ist die Bestimmung der Erdwelt: ihm, dem „Adam", ist sie wie die Gattin dem Gatten angetraut; die g anz e P hy sis che W e lt j auchzt aus un d b l ü h t m i t d e r s i t t l i ch h e i t e re n B l ü t e d es Mens chen g e s ch l e chts, sie trauert und weint, wenn das Menschengeschlecht sittlich welk wird und entartet- Das ist eine Wahrheit, die durch das ganze Gottes wortbisz um letzten Propheten führt, sie wurzelt in unserer Sabbaturkunde. Mit dem Menschen-Sabbat vollendete Gott die Schöpfung". (Zu I, 2, 2.) Und heißt es doch auch (Hl., 26, 3 u. f.) ausdrücklich: ‘ .'■di odmcß»aw ’wui. '■dvwVt) 'mpina dk Und bemerkt hierzu H. unter anderem: *) S, 143 u. 211. **) Cm derartiger Versuch wurde auch in neuester Zeit von C. Goldberg in seinem Buche „Die Wirklichkeit der Hebräer usw. 1925" gemacht. S. hierüber Jeschurun, 1926, S. 579, woselbst Dr. Wohlgemut das ganze Buch einer scharfen Kritik unterzieht. Der 8 , r a e l i t I „Mit 'if flipina naV und rnixa v'vxi mm fyaben wir!altes getan, was unsererseits zur Begründung unseres physischen, sozialen und politischen Heiles verlangt wird. Alles andere hab.en wir von Gott zu erwarten. Machen wir uns durch den Wandel in seinen Gesetzen zu sittlich reinen, durch das Studium und die Beherzigung feiner Gebote zu geistig erleuchteten und gewissenhaften Menschen, und durch Erfüllung seiner Gebote zu Vollbringern des Rechts und der Liebe, so hebt Gott unser Land aus dem physischen und politischen Nexus der übrigen Erdwslt und setzt zu solchen Menschen und ihren Bestrebungen Himmel und Erde in so harmonischen Einklang, daß nichts ' ihnen «ntgegentrete und alles zusammenwirke, um ihr Gedeihen, das ja twnm nichts ist, als die Verwirklichung des göttlichen Willens auf der Menfchenerde, zu fördern and zu vollenden. Was mit dem Hinaustritt der Menschheit aus dem Gottesge ho r fam gestört worden, was mit dem einstigen Wiedereintritt der Gefamtmenschheik wieder gewonnen werden wird, das sollte und soll als Anfang und Vermittlung, dieser Wiedergewinnung mit dem Eintritt Israels in den Gottesgehorfam sich für Israel in seine m Lande o erw irkli ch en." *) Doch lassen wir bei all diesem—DT»a mn: n*rmlieber die Tageshelle frei wirkender göttlicher Waltung schalten, als das mystische Helldunkel des Scheines von einem „magischen Wettenbaum", wogegen der Meister sich so ablehnend verhielt. Wie klar und nüchtern«, und doch so tief gläubig, gibt z. B. H. das Wort unserer Weisen: nv» as!? Twri» arm rvotV na 'tai aa1? aanp^i wieder, indem er schreibt: „Wohl begreift es (das Wort der Weisen) dieselben (die tri»» n) als Repräsentanten der Pflanzenwelt überhaupt und stellt die Erfüllung dieser Mizwah in Verbindung mit dem für das neue Pflanzenjahr von Gott zu erbittenden Regen, dessen wir uns eben durch diese Mizwah würdig machen sollen " (Korn, zu m, 23, 40.) Und nun wollen wir uns der Auffassung unseres Verfassers bezüglich des rr"O-Gesetzes zurvenden, das derselbe auf S. 152 ebenfalls auf irgend einen mystischen Grund zurückführen will. S. 135 versucht er einen Widerspruch zu konstatieren, in der Auffassung Hirschs bezüglich des Gesetzes der naiirr ms' ob dasselbe nämlich zu den a*pn gehöre oder ein symbolisches sei. Und doch ist das Gesetz der X"S — dies liegt klar auf der Hand — nach H. eben ein symbolisches, und gehört in die Kategorie der ■jvump, der Opfergesetzgebung, die doch nach H. ganz gewiß symbolischen Charakters ist. Den Verfasser führte hier offenbar die gewöhnliche Am nähme irre, wonach ein pn sei, für welche Auffassung auch die einleitenden Worte zum Gesetz der mwn npin nur K"s geltend gemacht werden. Doch sehen wir einmal genauer zu, dann *) S. auch Hirsch zu I, 3, 19. Nr. 49 Sette 3 Elegante und preiswerte Schuhe in selten grosser Auswahl Paiast-Schuhhaus Das Haus der vornehmen Fussbekleidung ROSSMARKT 5 SCHÄFERGASSE 17 werden wir vielleicht zur Einsicht gelangen, daß vielleicht neben dieser allgemein verbreiteten Annahme auch die symbolische Auffassung Hirschs ihren Platz behaupten kann, und daß er nicht ganz allein mit dieser seiner Auffassung der x"s -Institution dasteht, sondern sich vielmehr in ganz ausgezeichneter Gesellschaft befindet. (Fortsetzung folgt.) Zum Existenzkampf der jüdischen Mädchenrealschule in Hamburg. Aus früheren Mitteilungen ist es bekannt geworden, wie sich die Verhältnisse in Hamburg immer mehr zugespitzt haben, und wie insbesondere die Gemeinde und die in ihr herrschenden Parteien einen erbitterten Kampf gegen die Existenz der seit länger als 30 Jahren bestehenden, von dem verewigten Oberrabbiner Hirsch begründeten jüdischen Mädchenrealschule führen. Bekanntlich spielte die Existenz dieser Schule bereits vor einem Jahre gelegenAich der Wahlkämpfe im Synagogenverband eine ganz erhebliche Rolle. Durch den unglücklichen Ausgang der Wahl, welcher dem Delegierten-Kollegium des Verbandes eine Achduthmehrheit brachte, war es unmöglich geworden, daß der Synagogenverband seinerseits die Schule, wie bisher wiederholt unterstützte. Zwar hatte sich die Gemeinde in offensichtlicher Ueberschreitung der Kompetenzen bereits vorher gegen die Unterstützung der Schule durch den Synagogenverband gewandt. Allein die damalige Mehrheit hatte dennoch mit Recht mehrfach Unterstützungen bewilligt. Das wurde anders, als die strikt auf den Gemeindestandpunkt festgelegte Achduthmehrheit tti das Kollegium einzog. So wurde die Lage der Schule immer schwieriger. Bis heute besteht sie nur durch freiwillige Betträge, die das unter Leitung unseres gung und Roms Vernichtunq bezeichnen nach Rabbi Leoi das vierfache Geschick des Weinstocks, an das Kislew und Tewes gemahnen. Aber geläutert und veredelt ward der kostbare Saft, ohne den der Weinstock wertlos ist. Ist das Ziel der Läuterung erreicht, so Überwältigt er den, der ihn gepreßt. Seine Peiniger trifft das Verderben, vierfach wird ein. Taumelbecher gereicht, so meint Rabbi Levis Sohn der ins Schwanken sie bringt und ins Unglück sie stürzt. Dann winkt dem gequälten Rolke das Heil, vierfach wird ihm der Becher der Hilfe Gottes kredenzt, ihn hebt es und schwingt es und preist seinen Gott. (Pf. 116,13). Kleines Feuilleton. Lhanukkah. " " Bon Zfaac Schönberg. Des Winters Troß sprengt wild heran, sein harter Tritt erschreckt das Land: läßt jäh der Erde Antlitz erblassen, erstarren der Lüfte kosende Hand. Früh jagt er die Sonne vom Himmelsbogen, den goldnen Strahl, noch kaum erwacht; die Flur, er ließ sie sterbend verstummest, hüllt auch l meine Seele in grausige Nacht. Doch sieh', vieltausend Lichtlem blinken, wie Hoffnungsschimmer durch die Nacht; — es hat ein irrender Funke der Seele glimmendes Feuer loh entfacht: „Lichtlein strahlet, leuchtet freudige bis in die fernsten Tiefen des Leids; kündet Jubel, Sieg verkläret, Triumph der Cffver in hehrem Streit!" Und gleich den Sternen, sonder Zahl, winkt's prächtig in das schweigende Land; und ein rosiger Schern huscht lächelnd über der Erde Totengewand .. Ein Hausbuch. Gebundenheit und Freiheit — das sind die beiden Achsen, um die sich jede Uebersetzung drehen muh. Gebundenheit. Denn der gegebene Text ist nun einmal da, verbietet willkürliches Schalten und Wallen mit dem Werk, zwängt Phantasie und eigenes Belieben «in. Und doch wiederum auf der anderen Seite Freiheit. Denn es wäre einem Autor schlecht gedient, wollte man sein Werk in unbedingter und knechtischer Anlehnung an den Urtext in eine andere Sprache übertragen, ohne in den Geist einzudringen, ohne den Geist auch mit — nicht aufzupfropfen, aber zu verpfropfen. GM diese grundsätzliche Erwägunge für jede Uebersetzung, wobei selbstverständlich völlige Beherrschung beider Sprachen stillschweigende Voraussetzung ist, so erhöht sich ihre Bedeutung und Schärfe um ein Beträchtliches für die Uebersetzung der Bibel. Denn hier ist es nicht Menfchemvort, das zu übertragen ist, sondern Gotteswort, ewig waltendes, über den Dingen schwebendes, jede menschliche EigenmÄchtigkeit in noch viel höherem Grade ausschaltendes Gotteswort . Zur immerhin menschlich beschränkten, menschb'' begrenzten Ehrerbietung vor dem Text eines Dichters, eines Denkers gesellt sich hier die menschlich unbeschränkte und unbegrenzte Ehrfurcht vor dem Urheber des Textes: vor Gott. Hier heißt es natürlich noch viel mehr, weife Maß zu halten, Form und. Inhalt mit tiefstem und ernstestem Bemühen zu ergründen und sie sinnvoll und würdig wiederzugeben, Ueberschwänglichkeiten und eigene selbstherrliche Zutaten zu meiden und, soweit die schwache irdische Kraft reicht, dem, auch ästhetisch betrachtet, unvergleichlichen und unnachahmlichen Kunstwerk .einen entsprechenden Rahmen zu schaffen. Wir müssen ehrlich sagen', uns scheint, als ob Dr. I. Wohlgemuth und Dr. I. Bleichrode mit ihrer gegenwärtig in neuer Auflage herausgekommenen Bibelübersetzung, Die fünf Bücher Moses mit de»utscher Uebersetzung von Dr. I. Wohlgemuth, Dozent am Rabbiner-Seminar zu Berlin und Dr. I. Bleichrode, Rabbiner und Schuldirigent zu Berlin. Nebst den Haftaroth übersetzt von Sy. L. L ö wen stein und den Megilloth. Fünfte, verbesserte Auflage. Frankfurt a. M. (Rödelheim). Druck und Verlag von M. Lehrberger u. Co., 1929 unter den angedeuteten Vorbehalten ein kleines Kunstwerk geglückt ist, als ob sie sich dem Urtext gehorsam, und gefügig anschmiegt und doch den deutschen Ausdruck gefunden hat, der eine annähernde Vorstellung von seinem Gehalt und seiner Hoheit gibt. .Sie tut nicht Gewalt an, aber sie wahrt den Stil. Und was noch wesentlicher ist — sie wahrt die Distanz zwischen Menschenwerk und Gotteswert. Der deutsche Leser erhält in dieser einfachen und dennoch ungemein vornehmen Form eine kleine Vorstellung von dem, was — rein ästhetisch angesehen — unsere Bibel ist: Epik von unerreichter und unerreichbarer Größe, Lyrik von tiefster, ob auch zusammengehaltener und gepreßter Innerlichkeit, Tragödie von erschütternder Hingegebenheit und Historie von kolossalen Ausmaßen.

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