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Der Israelit · 1928-11-29 · Heft 48 (29.11.1928) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 48 (29.11.1928)
Date
1928-11-29
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Nr. 24 Seite 3 29. November 1928 «Charakter eines Kulturkampfes gegen di« religiös« Aus- Msung vom jüdischen Leben angenommen habe. Dieser Kampf geht geradezu darauf hinaus, die Gemeinden vollständig zu reformieren, zu verweltlichen und ihnen ihren jüdischen Charakter zu nehmen. Agudas Jisroel, die sich .zur heiligen Aufgabe gestellt hat, die Jüdischkeit in ursprünglicher Reinheit zu erhalten, .hat darüber zu wachen und dafür zu sorgen, daß das Gesetz der Thora in den jüdischen Gemeinden die absolut dominierende und herrschende Macht sei. 3. Die Konferenz stellt fest, daß der „religiöse Oberrat", der vom Gesetzgeber als Wohltat! für die Entwicklung der jüdischen Gemeinden gedacht war, infolge der .aggressiven Haltung der freien Elemente in den Gemeinden, sich zu einem schweren Unglück für das polnische .Judentum auszuwachsen droht. Die neue Leitung der Aguda wird daher beauftragt,, in diesem Punkte die Interessen des orthodoxen Judentums mit größter Energie .zu wahren. 4. Die Konferenz stellt fest, daß die Bestimmungen des Gemeindegefetzes über die Gründung besonderer religiöser Verbände innerhalb der Gemeinden keine genügened Sicherung gegen die Vergewaltigung des Gewissens der Orthodoxen durch die freien Elemente darstell-e. Sollte die Refornrbewegung ernster« Formen annehmen, so erdachtet die Konferenz die Gründung ganz selbstständiger o r t h o d o x e r . G e m e i n d e n als das einzige RettungsmittÄ. Die Leitung der Agudo wird daher von der.Landeskonferenz beauftragt, in rechtlicher und fachlicher Hinsicht die nötigen Vorbereitungen zu treffen, damit, wenn die Schaffung solcher Gemeinden aktuell werden sollte, die Realisierung des Gedankens mit Zustimmung der Gedaule Tauröh gesichert ist. 5. Die Konferenz erkennt an, daß die Gemeinden bei der furchtbaren Armut der jüdischen Bevölkerung zu einer intensiven sozialen und philantropischen Tätigkeit gezwungen sind. Weil jedoch hierdurch die Fürsorge für die eigentlich religiösen Aufgaben leicht geschmälert werden kann, werden die Agudavertreter in den Gemeinden aufgefordert, ihre Bemühungen darauf zu richten, daß die Ausgaben für gesellschaftliche Schutzmaßnahmen soviel wie möglich durch die örtlichen kommunalen Instanzen geleistet werden. IV. E r z ie h u n g s we f e n. . 1. Angesichts der katastrophalen Lage der Jeschiwos, nachdem das amerikanische Central Relief-Committee seine Tätigkeit eingestellt hat und erfüllt von dem Bewußtsein, daß die'Jeschiwos der Lebensnerv des jüdischen Volkes .sind, appelliert die Konferenz an alle Juden, an Rabbinen, Rebbes und alle führenden Persönlichkeiten, sich an der Rettungsaktion für die Jeschiwos mit aller Kraft zu beteiligen. Sie spricht den amerikanischen Brüdern den wärmsten Dank aus und fleht sie an, den Thorainstitutionen die weitere Hilfe nicht zu entziehen. 2. Weiter« Resolutionen beziehen sich auf die l o k«- len Thorainftitutionen, das Das Jaumi, die Propaganda für die Jeschiwas Chachme. Lublin. Jeder orthodoxe,, begüterte Jude, soll mindestens die Pa-' tenschaft zur Erhaltung eines Jeschiwazöglings übernehmen. 3. Die Konferenz fördert , die politische Leitung auf, bei der Regierung unablässig daraus hinzuwirken, daß in den anerkannten agudistischen Jessode Thora-Schulen, wie auch in den andern religiösen Schulen di« Kosten für den profanen Unterricht vom Staate getragen werden. 4. Die Konferenz protestiert gegen den soeben vom Bildungsministerium veröffentlichten Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht an den öffentlichen Volksschulen, da der Lehrplan eine ganze Reihe von Stoffen enthält, die mit Religion nichts zu tun haben und nur schädlich wirken können. Sie verlangt eine Revision des Lehrplans unter Zuziehung : von Vertretern der Agudas Jisroel und der Agudas Rabbonim. 5. Die Konferenz protestiert gegen die einseitige Zusammensetzung der in Warschau und Lemberg gebildeten Prüfungskommissionen für Religionsle.hrer, in die kein einziges orthodoxes Mitglied berufen ist. Als erste Vorbedingung für die Qualifikation des Religionslehrers ist feine religiöse Lebensführung zu fordern. 6. Da orthodoxe Religionslehrer mit dem von der Regierung geforderten weltlichen Wissen und Examen vorläufig nicht vorhanden sind, verlangt die Konferenz, daß während meiner Uebergangszeit von 5 Jahren von Religionslehrern, die als solche fachmännisch gebildet sind, kein Qualifikationsnachweis in den profanen Disziplinen gefordert wird. 7. Zu fordern ist ferner, die Anerkennung der Quali-- ftkationszeugnisse der Bajs Jakauwlehrerinnen als Religion slehrerinnen an den öffentlichen Mädchenvolksschulen, sowie die Befreiung der Bajs Jakauwschülerinnen von der ^Teilnahme an dem Religionsunterricht an den öffentlichen Volksschulen. 8. Die Konferenz stellt fest, daß durch die weite Ausbreitung des Netzes öffentlicher Schulen der schlechten ökonomischen Lage der jüdischen Bevölkerung und der aggressiven Propaganda der linken Elements her historisch-religiösen Erziehung die höchste.Gefahr droht und daß das selbständige religiöse Schulwesen daher mit Aufgebot aller Kräfte erhalten und ausgebaut werden muß. - 9: Eine ganze Reihe von Resolutionen begrüßen in wärmsten Worten der Anerkennung und des Dankes an die Bajs Jakauw-Zentrale die Entwicklung des Bajs Ja¬ Der Israelit Blätter kauw-SchUlwesens und machen die Arbeit für dieses zur Pflicht. 10. Zum Zwecke der Zentralisierung des orthodoxen Erziehungswesens in Polen und zur Förderung seiner weiteren Entwicklung beschließt die 3. Landeskonferenz der Agudas Jisroel in Polen die Errichtung einer zentralen orthodoxen- Schulorganisation in Polen unter dem Namen „Choreb". Zu den Aufgaben der Organisation gehören: die Feststellung einheitlich er Programme und Lehrpläne für die orchodoxen Anstalten und ihre Beaussichtigung, die Gründung und Erhaltung von Elementar-, Mittel- und höheren Schulen, Handwerker und Gewerbeschulen, Waisenheime, Abendkurse für junge Leute und junge Mädchen, Seminare für religiöse Lehrer und Lehrerinnen für weltliche Lehrg-egenstände, pädagogische Kurse für Lehrer und Fortbildungskurse für Melamdim; ferner die Herausgabe von Schulbüchern und wissenschaftlichen- Werken, die Gründung von Bibliotheken und Veranstaltung von Vorlesungen; die Gründung von Sommerkolonienfür Kinder und Halbkolonien; 'die Unterstützung befähigter Schüler: die Vermittlung von Lehrer- und Melamdrmstellen; die Sammlung statistischen Materials über religiöse Erziehung und endlich die Vertretung, des religiösen Erziehungswesens nach außen und nach innen. - 11. Die Konferenz wählt als zettw-eise Leitung des „Choreb" ein Zentralkomitee von 25 Personen, daß die vorläufige Organisation und Legularisierung durchführen soll. Die- Schulorganisation „Choreb" hat mit ihrer Arbeit die Rabbonim und die mwn ’V-m zuzuziehen, denen die Aufsicht über die Erziehungsanstalten zusteht. Die Schulorganisation soll eine Propaganda auf breitester Basis betreiben und die religiöse Masse darüber aufklären, daß die Tarbuth- und anderen freien Schulen die höchste Gefahr für ihre Kinder Lavstellen. 12. Angesichts der katastrophalen ökonomischen Lage der Juden in Polen im allgemeinen und der Orthodoxie insbesonderen, eine Erscheinung, die auf die allmähliche Vernichtung der am meisten von Juden betriebene Er- Postscheck - Konto Lamiesorpnisation Landesor@an§safion der „Agudas Jisroel“ in Oeutschiand, Hamburg: Ne. 50 204 Hamburg. werbszweige zurückzuführen ist, angesichts der Gefahren ferner, denen das religiöse Leben der im jugendlichen Alter dem Erwerb zugeführten jungen Leute ausgesetzt ist, hält es die Konferenz für ein Gebot der Stunde, einen großen Teil der orthodoxen Jugend systematisch für das Handwerk au s zu 6ii lben. 13. Zu diesem Zwecke soll die neue Leitung in gemeinschaftlicher Schulorganisation „Choreb" einen Plan zur Gründung von Werfftätten, Fachschulen und Fachkursen ausarbeiten, bestimmt für junge Leuth, die das Cheder und den Talmud Tauroh verlassen und nicht weiter -ausschließlich lernen können. Den Fachschulen usw. sind Kurse für Thovaunterricht einzufügen. 14. Im Interesse der die allgemeinen -Bolksschülen besuchend-en jüdischen Kind-er ist die für die Errichtung eines Lehrerseminars zur Ausbildung orthodox gesinnter Religionslehrer für die Volksschule zu sorgen! Auch bedarf es für diesen Unterricht der Beschaffung neuer, in religiösem Geiste geschriebener Lehrbücher, für die Kosten soll der Keren Hathora aufkommen. V. Sozial-ökonomische Resolutionen. 1. Die Landeskonferenz anerkennt die Wichtigkeit der kaufmännischen Kooperatiobewegung, die bereits bei ihrem Beginne wichtige Erfolge zu verzeichnen hat. Die Leitung der Aguda wird verpflichtet, sich um die Beschaffung der. notwendigen Kredite und um die Erlangung der gesetzlichen Rechte des neuen Verbandes zu bemühen. 2. Die 'Konferenz anerkent die Dringlichkeit der Schaffung eines zentralen Fmanzinstitutes für die kaufmännifchenKo operativen und fordert -alle interessierten Kräfte aus, der Errichtung eines solchen Institutes in naher Zukunft -angestrengte-Bemühungen zu widmen. 3. Die Konferenz anerkent die Wichtigkeit der Darlehenskassen für die jüdische Bevölkerung und dankt dem „Joint" für seine Mithilfe bei der Gründung dieser Kassen. Sie fordert alle orthodoxen Juden auf, an diesen Kassen mktzuarb eiten zum Wähle der jüdischen Bevölkerung. 4. Die Konferenz fordert alle Agudisten auf, an -den Versammlungen der philantropischen Institutionen, denen ie angchören, eifrig teilzunehmen und dafür zu sorgen, >aß möglichst viele orthodoxe Juden in die Vorstände dieser Institutionen gewählt werden. 5. Die Konferenz beschließt die Errichtung eines ständigen Schlichtungsamtes für soziale Streitigkeiten. Das Amt besteht aus 9 Personen, von denen drei durch den rabbinischen Rat ,drei von der Leitung der Aguda und drei von der Leitung der Poals Agudas Jisroel delegiert werden. Aufgabe des Amtes ist, dafür zu jvrgen, daß in allen Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern das Ideal der Thoragerechtlgkeit zur Geltung kommt. 6. Die Konferenz spricht ihren Unwillen und ihren schärfsten Tadel gegendiejenigen jüdischen Fabrikanten aus, die in ihren Fabriken keine jüdichsen Arbeiter beschäftigen; in erhöhtem Maße trifft dieser Tadel diejenigen religiösen Arbeitgeber, die in ihren Unternehmungen keine religiösen Arbeiter beschäftigen. Die Konferenz fordert alle Agudisten auf, ihre Arbeiter und Angestellten ausschließlich durch die Vermittlung der Poake Agudas Jisroel einzustellen. 7. Die Konferenz macht es den agudistischen Vorstehern und Bermaltungsmitgliedern zur Pflicht, ihr Augenmerk auf die würdige und ausreichende Besoldung der Rabbmen, Dajonim, 'Schochtim Maschgichim usw. zu richten. Weiter sollen die agudistischen Gemeindeoertreter sich einsetzen für die Gründung von -unentgeltlichen Volkschadorim und für die Gründung von Abendkursen- und Lernschiurim für Arbeiter. VI. Crez Jisroel. 1. Die Konferenz drückt dem Gefchiäftsausschuß der Weltorganisation der Agudas Jisroel Dank und Anerkennung aus für den historisch bedeutsamen Erfolg, den ihm die Orthodoxie durch das Recht auf Gründung selbsttändiger religiöser Kongregationen in Erez Jisroel verdankt. Sie bittet den Geschäftsausschuß, weiter aus der Wacht zu stehen, bis die vollständige Gleichberechtigung dieser Kongregationen erreicht ist. 2. Die Konferenz appelliert anunsere religiösen Brüder in Erez Jisroel, sich des errungenen großen politischen Erfolges würdig zu zeigen und sich zu einer einhe i tli che n , die religiösen Juden aller Richtungen umfassenden orthodoxen Gemeinde, zusammenzuschliehen, auf daß kein Riß zwischen den innerlich Zusammengehörigen entsteht. 3. Die Konferenz appelliert an alle Agudisten, die Institutionen für Thora und Chinuch, die von der allweltlichen Palästina-Zentrale in Erez Jisroel gegründet worden sind, kräfti gund dauernd zu unterstützen. 4. Die Konferenz drückt ihren Schmerz und ihre Empörung über die traurigen Geschehnisse aus, die sich am Jomkippur vor der Westmauer in Jerusalem abgespielt haben. Sie fordert die politische Exekutive der Agudo auf, auch weiter wie bisher mit aller Energie dahin zu wirken^ daß sich solche Vorkommnisse nicht wiederholen. Die polnische Orthodoxie appelliert an die arabischen Geistlichen, in diesem kritischen Moment ihre Toleranz gegenüber den Juden zu bewahren, die nichts weiter, wollen, als an dem ihnen > heiligsten Orte der Welt ihr Herz vor Gott ohne Störung ausgießen zu können. 5. Die Konferenz fordert den neuen Waad hapoel auf, endlich die Keren Hajischuw-Arbeit in. Polen zu organisieren, damit, ohne Abschwächung der Arbeit für die Rabbi Meier baal Haneß-Büchsen, auch die orthodoxe Jischuwtätigkeit und der orthodoxe Chinuch gefördert werde. VII. Disziplin. 1. Ein Agudamiigtied, das eines feiner Kinder im schulpflichtigen Alter in eine nicht-religiöse Schule schickt, verliert fein passives Wahlrecht für alle Ehrenämter in den Agudainstanzen. 2. Die Konferenz fordert alle Agudisten, die um Eintritt in irgendwelche Agudainstanzen ersucht werden^ auf, sich zu vergegenwärtigen, daß die Annahme des Mandates die Uebernahme der Verpflichtung bedeutet, die mit dem Amte verbundenen Obliegenheiten gewissenhaft zu erfüllen. 3. Mitglieder des Waad Hapoel, die an drei Sitzungen nicht teilgenommen haben ohne genügenden Entschuldigungsgrund, können aus dem Waad Hapoel ausgeschlossen werden. 4. Wegen Bruches der Disziplin können gegen agudistische Vertreter in den Gemeinden-, Stadträten usw. Strafe verhängt und ev-entl. der Ausschluß aus der Agudo beschlossen werden. VIII. Chisuk Ha daß. 1. Zu diesem Kapitel wurden nicht weniger als 24 Resolutionen beschlossen, die sich auf das ganze Gebiet des religiösen Lebens erstrecken. Folgende Stichworte feien angeführt: Sonntagsruhe, Schomre Schabbosversin, Schiurim. am Schabbos, Arbeiterfrage, Schulbefwiung am Sabbat, Taharas hamifchpocho, Mikwoaus, rituelle Speisehäuser, Schutz der Koscherbezeichnung, Koscher-Milch, Soldatensürsorge, Gefangen enftirsorge, Znius der Kleidung, Zizis und Tefillin für arme Kinder, Hetter Jsko, Markttage am Sabbat, Protest gegen die Jewsekties in Rußland.

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