Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1928)
- Date
- 1928-11-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Samson Raphael Hirsch^Schule. DM Miau V fStflg* i g. n B B B r-TJi Ein Roman der reinen Menschlichkeit. Keimxunkt und Seele des soeben erschienenen neuen Romans von S. Schachno w i tz „Feuerzeichen" (Frankfurt a. M., Hermon-Verlag) ist die reine Menschlichkeit. Sie formt sich unwillkürlich Gestalten von blühender Lebensfülle. Sie!umschlingt sie alle mit einem Bande des liebenden uri'd verzeihenden Verstehens. Sie läßt aus dem Verbrechergemüt noch den Drang nach Entsühnung hochwachsen. Adelt ergreifend den geistigen Träger des Inhalts,. Rabbi Raftali Hakohen, den Mann mit dem weltabgewandten, in höchste Sphären schwer-, senden Blick und zugleich doch den Mann des weltzugewandten tiefen menschlichen Begreifens, der, unerbittlich gegen sich selbst, duldsamer Liebe gegen andere voll ist. Das ganze alte Frankfurter Ghetto lebt auf in dieser Atmosphäre der reinen Menschlichkeit, bevölkert sich und rückt zum frohen Erstaunen der Leser in greifbare Gesichtsnähe. Das purzelt und wimmelt durcheinander, stößt sich ab und zieht sich an, stellt seine selbstischen Interessen in den Vordergrund und entrückt sich ihnen, lacht und schluchzt, droht und sänftigt, entwindet und verbindet sich über Schranken des Standes, über Schranken der Konfession« hinweg. Eine Frau schreitet hindurch, rein und fein geprägt, in klarem, ruhigem und gefestigtem Sinn zärtliche Sehnsucht für den Geliebten ihres. Herzens hegend und sie unentwegt trotz aller Schwankungen des Schicksals hochhalten'd. Ihr gesellt ein Mann, das Leben kräftig beherrschend, eigenes Glücksbedürfnis um des Wohles der Gesamtheit halber in den Hintergrund drängend. Von edlem Mitleid, von edlem Mitleiden für die Gesamtheit und ihre Einzhlglieder erfüllt alles, was sich im Ghetto regt und bewegt, mag es höfisch gewandt und klug bedacht Iudeninteressen vor Königsthronen vertreten, mag es mit fraulich bewegtem Gemüt Freud und Leid begleiten oder mag es an geweihter Stätte zu Gott aufjubeln und aufschluchzen. Diese blankgehaltene Menschlichkeit greift auch auf die Völker der Welt über, verbindet den ehrsamen Büchdrucker mit dem überragenden Thoragelehrten, flammt auf und überglänzt mit mildem und versöhnlichem Scheine brutales. Treiben roher, aufgewiegelter Hefe des niederen Volks. Grandios gesehen und grandios wiedergegeben ist die Nacht des Ghettobrandes, das' aufflutende und abebbende Eindringen des Rabbi in tiefste Erkenntnisse der Bedeutung von Leben und Seele, sein jähes Emporgerissenwerden aus der beschaulichen Ruhe durch den« Ausbruch des Feuers und dessen Darstellung. „Feuerzeichen" ist weit mehr als ein Buch der bloßen Unterhaltung, es führt zur Bereicherung des jüdischen Innenlebens. Und um desientwillen wünschen wir, daß es in vielen Häusern und Herzen Eingang finde. Max Speier. Die Woche. Israelitische Volksschule. Die Schüleranmeldung für das im April 1929 beginnende neue Schuljahr findet in der, nächsten Woche von Sonntag, den 2. bis Freitag, den 7. Dezember täglich von 11 bis 13 Uhr im Schulgebäude Röderbergr»eg 29 statt. Die Schäleranmeldung für das im April beginnende Schuljahr findet von Sonntag, den 2. Dezember bis Freitag den 7. Dezember, vormittags von 10 bis 12 Uhr im Schulgebäude, Am Tiergarten 8, statt. Das Lhanukafest der Jüdischen Frauenvereinigung. Die Vorbereitungen für das Fest am 10. Dezember find im vollen Gang und versprechen, den Abend zu einem Ereignis im Gesellschaftsleben unserer Gemeinde zu machen. Aus dem Programm sei der von Alfred Auerbach einige übte Sprechchor genannt. Neben Auerbach, der die Gesamtleitung in Händen hat, betätigt sich der Kunstmaler Fritz Schämes zur künstlerischen Ausgestaltung des Festes. Weitere Mitwirkung haben Künstler von Namen zugesagt. Der Kartenabsatz ist stark. Wer sich noch Platz sichern will, beeile sich, Einzelplätze oder Tische bei der „Jüdischen Frauenoereinigung" zu bestellen. Die Berichterstattung über die Aguda-Landeskonferenz in Polen. Daß Polen und polnische Aguda für die Frankfurter gar keine so fern liegende Dinge sind, bewies am Mittwoch-Abend der vollgefüllte Saal der Liederhalle, wo nach einleitenden Worten des Vorsitzenden der Ägudäs Jisroel-Ortsgruppe, Herrn L. Oppenheimer, Herr Jacob Rofenheim über die polnische Landeskonferenz Bericht erstattete. Ein Panorama des jüdischen Lebens in Polen in all seinen Schattierungen, Strömungen und Unterströmungen entstand vor unseren Augen. Die Einigung der verschiedenen Observanzen innerhalb des Chassidismus gehört mit zu den Verdiensten der Aguda. Die Gegensätze zwischen Litauen und Polen flackern noch einmal auf anläßlich der Errichtung der großen Lubliner Jeschiwa, für die sich bekanntlich der Piotrokower Raw mit seiner ganzen Kraft einsetzt. In Litauen, wo 5000 Jünger unter unsäglichen Entbehrungen dem Thoralernen obliegen, hat man für die Großzügigkeit und den Komfort des Lubliner Baus kein Verständnis und ist der Meinung, daß die Gelder für Brot und Nachtlager in den primitiven litauischen Lehrhäusern besser angewandt wären. Der, Piotrokower Raw, der unter größter Aufopferung große Summen in.Amerika für sein Werk aufgebracht hat, weiß aber, daß in Polen das Thoralernen nur mit modernen Mitteln' gerettet und erhalten werden kann. Man darf hoffen, daß ungeachtet dieses tragischen Gegensatzes, in dem beide Teile recht haben, die Aktionen da wie dort von Erfolg gekrönt sein werden. Die „Zeire Agudas Jisroel" waren mit 140 Delegierten bei der Landeskonferenz vertreten. Auch da fehlte es nicht an Spannungen und Gegensätzen. Hervorzuheben ist, wie das Problem der T ö ch t e r e r z i e h u n g durch Benoth Agudas Jisroel-Bewegung und Bajs Jakauwfchulen einer Lösung zugeführt wird. Die Arb e i - t e r fraktion in der Aguda zählt 25 000 Mitglieder, die sich aus allen Schichten der sozial Abhängigen, auch der Angestellten rekrutieren. Der Referent der Poale Agudas Jisroel wies in einem tief in Geschichte und Wesen der allgemeinen Arbeiterbewegung eingehenden Referat nach, daß das ivi' -Ideal der Thora die sozialistische Weltanschauung, soweit sie Weltanschauung und nicht Wirtschaftstheorie ist, fiir den jüdischen Arbeiter nicht aufkommen läßt. Es ergaben sich Differenzen, die beinahe dazu führten, daß die Arbeiterorganisation sich von der polnischen Landesorganifation lossagte, um nur im Rahmen der großen Aguda sich autonom zu betätigen. Es gelang noch, diesen Riß zu verhindern. Eine Schlichtungskommission soll für Abstellung der Uebel auf dem Arbeitsmarkte sorgen. Redner sieht in der Poalim-Organisation eine echte Mussarinstitution zur Schärfung des Gewissens der Arbeitgeber und der Aguda im Ganzen. Von der Bedeutung Polens für die Gefamtaguda bekommt man den richtigen Begriff, wenn man bedenkt, daß Amerika für die Aguda noch unverschlossen ist und Sowjetrußland uns verschlossen bleibt. Polen mit seinen 3 Millionen Juden bildet heute das große Reservoir unserer Kraft. Es mangelt dort an Führern. Aus der Mederj läge bei den letzten Sejmwahlen kann die Orthodoxie Vor-' teile ziehen. Es ist nötig, die Orthodoxie so zu stärken, daß ihre Vertreter auch ohne parlamentarisches Mandat in religiösen Belangen Gehör bei der Regierung finden. Redner kommt dabei auf. das neue Gemeindege'setz zu sprechen, das mit seinem Oberrate — eine badische Schöpfung — der Orthodoxie schwere Sorgen macht. Immerhin ist der religiöse Charakter, der Gemeinden gerettet und auch die Möglichkeit, eigene Kongregationen mit eigenen Kaschrusinstitutionen zu gründen. Zur Lösung der Wirtschaftsprobleme wird dort die. Schaffung von Hand werksschulen, möglicherweise in Verbindung mit dem „Ort" erwogen. Ein Bild von der Erziehungsmisere bekommt man, wenn man bedenkt, daß neben den 60 000 Kindern, die gut jüdisch in den geretteten Aguda- und sonstigen Chedarim erzogen werden, doch 280 WO Kinder ö f f e n H iche Volksschulen mit nur mangelhaftem „Religionsunterricht" besuchen. Bei der Erörterung der ErezJisroel- Probleme machten sich die Enttäuschungen geltend, doch wurden auch hierin schwerwiegende Resolutionen gefaßt. Der Redner berichtet noch über die Behandlung organisatorischer Fragen und schließt mit einem Ausblick auf die Kenessio Gedaulo, die im nächsten Sommer zufammentreten soll. Im Verhältnis zu dieser wurde die Warschauer Konferenz die „Kenessio ktano" gnannt. Jüdisches Konzert. In dem am Sonntag, den 6. Januar unter Leitung von Max Neumann stattfindenden Konzert „Jüdische Musik" wird Oberkantor Alter-Hannover im ersten Teil des Programms Arien mit Orchesterbegleitung aus „Elias", „Schöpfung", „Jüdin", im zweiten Teil ein neues Programm von Synagogalgesängen und jüdischen Volksliedern bringen. Konzertmeister Hugo- K olb e r g von der hiesigen Oper, der sich zurzeit auf einer großen Konzerttournee durch Norwegen und Schweden befindet, wird Stücke von Achron, Ernest Bloch und Mischa Elmau spielen. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen und sind Karten zu den Originalpreisen von 2, 3, 4 und 5 Mk. im Pianohaus I. Neumann, Zeil 31, erhältlich. Die üblichen 1Ö Prozent Vorverkaufsgebühren werden nicht erhoben. Diese Vergünstigung hat aber nur bis einschließlich 20. Dezember Geltung. Es empfiehlt siry daher, jetzt schon die Karten zu besorgen. Neuestes aus der Agudas Jisroel Jugendgruppe. Die im letzten Programm für den Monat Kislew veröffentlichten Kurse haben nunmehr begonnen. Der Kursus „Jüdische Klassiker" unter Leitung von Herrn Dr. S. Ehrmann hat am 21. d. M. angefangen, nächster Kurs Mittwoch, den 5. Dezember, abends 9 Uhr. Der «Sanitätskurs unter Leitung des Herrn Dr. med. Adolf Hirsch hat bereits zweimal stattgefunden. Nächster Kurs Mittwoch, den 12. Dezember, abends 9 Uhr. Unter Bezugnahme auf das Programm vom Monat Kislew weisen wir nochmals darauf hin, daß daß Chanukafost der Jüdischen Frauenvereinigung (10. Dezember) unter unserer Mitwirkung" stattfindet, und das wir demgemäß auch den Vertrieb der Karten unterstützen wollen. Karten sind außer bei Frau Vesthoff, Palmstraße, im Agudoheim, Schanenstraße 12, bei den Vorstandsmitgliedern und in den jüdischen Buchhandlungen erhältlich. Am nächsten Frevtagibend spricht im Rahmen der gemütlichen Zusammenkunft Herr Hermann Fr an k en - t h a k. Wir geben nochmals bekannt, daß der Diskussionsabend „Moderne Großstadtjugend", Referent Herr Dr. Arnold Merzbach, Maüzoeh Schabbos, den 1. Dezember, abend 7,30 Uhr im Volksbildungsheim, Saal 2, stattfrndet. Einweihung eines Sefer. Am Sonntag, den 2., Dezember (19. Kislew) um 3 Uhr nachmittags findet im Beth-Hamidrasch, Rechneigrabenstraße 5, ein n-nn -laon ^ri statt, zu der alle Freunde der Thora höflich eingeladen sind. Das Sefer ist vom Thoraschreiber Herrn Färber hergestellt. Gemäldeausstellung. ' Die Kunsthandlung Heinrich T r i t t l e r, Goethestraße 37 (Eingang Neue Mainzer Straße) stellt zurzeit in ihren Räumen Gemälde und Aquarelle der beiden Frankfurter Maler Heinrich Gottselig und Friedrich Mook aus. — Von. den Porträidarstellungen Heinrich Gottseligs sei besonders das Bildnis des Malers Fried Stern erwähnt. — Die Ausstellung ist von 9 bis 6 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Jüdischer Turnerbund E. V. Als Auftakt - der Veranstaltungen, die die I. T. B. Frankfurt a. M. im Laufe des Winterhalbjahres 1928/29 abzuhalten die Absicht hat, wurde das „Interne Vereinswetturnen" durchgeführt. Es ist ja bekannt, daß die einzelnen Abteilungen des J.T. B. von einer großen Anzahl Turnfreudiger regelmäßig besucht werden, und es konnte als sehr erfreuliche Tatsache festgestellt werden, daß der-weitaus größte 5EetI ber Kursteilnehmer sich aktiv an dem Dereinswetturn-en beteiligte. In den 'einzelnen Abteilungen wurden teilweise sehr beachtliche Leistungen erzielt, die nicht zuletzt auf das Konto des großen Eifers unter Aufopferung der einzelnen Teilnehmer zu .fetzen sind. Die höchst erzielte