Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1928)
- Date
- 1928-11-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Nr. 48 Der Israelit 29 November 1928 nacht ein Lärm die Bewohner des Viertels „Schaare Chessed". Als die aus dem Schlafe Geschreckten Nachsätzen, fanden sie, daß Schüler und Schülerinnen des Misrachi-Seminars sich aus Anlaß einer Hochzeit am Tanze ergötzten und sogar selbst die Musik dazu machten. Die Braut und andere Tänzerinnen sind angehende Lehrerinnen an diesem Seminar. Der Geist 'dieser Schule ist damit gezeichnet. — Es scheint aber, daß es mit der profanen Bildung und der wirtschaftlichen Ertüchtigung der Schüler auch der zionistischen Schulen nicht sonderlich gut bestellt ist. Der „Doar Hajom" fragt, wo sich unter den Hunderten, die jährlich aus der Schule entlassen werden, nur ein einziger befindet, der Englisch und Arabisch — gar nicht zu reden von Hebräisch — genügend beherrscht, um im Staatsdienst oder sonst im Leben sich betätigen und bewähren zu können. Wer diese Kenntnisse sich erwerben will, ist auf Privatschulen angewiesen, die als „antinational" verschrieen sind. „Die Schüler unserer zionistischen Schulen werden gute Sportler, Spieler, Läufer, „Makkabäer" und „Hasmonäer", aber selten brauchbare Menschen. Schon wird im gleichen „Doar Hajom" ein großes Treffen des Makkabi von Palästina, Aegypten und Syrien auf Sabbat in der Peßachwoche angekündigt, mit Umzug und Musik, mit Wettspielen und allen denkbaren Sabbatentweihungen. Man ist überzeugt, daß auf diesem Gebiete die palästinensische Schuljugend ihren Mann stellt. (Inzwischen verlegt. Red.). Der Waad H a i r a s ch k e n a s i hat der Regierung ein Memorandum in Sachen des B e t t e l v e r b o t e s in Palästina überreicht. Der Standpunkt des Waad Hair wird ungefähr so präzisiAt: Obwohl grundsätzlich das ethische Prinzip des Verbotes anerkannt wird, so dürfe man doch die fromme Tradition des Gebens, die zum religiösen Pflichtenleben des frommen Juden in Palästina gehört, nicht ohne weiteres aufheben. Man darf bei einer Uebernahme europäischer Gepflogenheiten; auf diesem Gebiete -nicht außer Acht lassen, daß während in Europa Organisationen und Wohlsahrtseinrichtungen für die Armen sorgen, hier die Armen einzig auf die private Wohltätigkeit angewiesen sind. Das Almofengebep hat auch seine erzieherische Bedeutung und selbst der Aermste der Armen, der Almosenempfänger, hat noch von seinem Wenigen etwas für Arme übrig. Der Gouverneur versprach, die Eingabe einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. In den. Erbstreitigkeiten zwischen Aschkenasim und Sefardim aus Anlaß des Nachlasses der Mme. Blilus Hongkong kommt dieser Tage eine Schlichtung zustande, in der Weise, daß beide Parteien zu ihrem Rechte imumn. Die Feierlichkeiten aus Anlaß des zehnjährigen C - a a t s j u b i l ä u m s der Tschechoslowakei nahm ei; in hiesigen Synagogen einen schönen Verlauf. In der großen Synagoge der „Bothe Machst" hielt Rabb. I. B. Hurwitz in Gegenwart des Konsulats die Festrede. Die Führer des Waad hair statteten dann dem Konsul einen Besuch ab und überreichten eine kunstvoll gearbeitete Adresse zur Weiterbeförderung an den Präsidenten der Republik Masaryk. Im Beshamidrasch der Peruschim hielt Oberrabbiner Chasim Sonnenseld eine zu Herzen gehende Rede und sprach ein eigenes Gebet. Kantor und Chor trugen passende Gesänge vor. Von „ K o l e I Ungarn" wurde ein, Huldigungstelegramm nach Prag abgeschickt. Eine kleine Begebenheit, aber sehr bezeichnend: Als kurz vor Sabbateingang die Männer des Sabbatsich u tz e s vor der Redaktion des „Dabar" anhielten und höflich darauf aufmerksam machten, daß es nun Zeit fei, zu schließen,- kam der Geschäftsführer heraus und sagte, er sei wohl im Begriff gewesen, zu schließen, aber jetzt wolle er doch zum Trotz noch einmal die Lichter andrehen und die Arbeit wieder aufnehmen. Kommentar überflüssig! Personalien. Willy Birnbaum 70 Iahre alt. Amsterdam, 16. November. Eine der verehrtesten und »belieb testen Persönlichkeiten an der Spitze der Amsterdamer Judenheit, Herr Willy Birnbaum, seit Jahrzehnten Vorsteher der Amsterdamer Gemeinde, beging am letzten Sonntag seinen 70. Geburtstag. Von jugendlicher Begeisterung —jugendlich bis auf den heutigen Tag — für die Ideale des thoratreuen Judentums erfüllt, hat es Herr Birnbaum verstanden, sein ganzes Leben lang unbedingte Prinzipientreue im Geiste seines großen Lehrers, Samson Raphael Willy Birnbaum. Hirsch mit liebevollem Verständnis für die Meinungen anderer zu vereinigen und dadurch weit über den Kreis der ihm gefinnungsmäßig Nahestehenden hinaus nicht nur auf praktischem Gebiet alle Forderungen der Thora und ihrer rabbinischen Vertreter durchzusetzen, sonden auch rein theoretisch dem gesetzestreuen Judentum reichste Anerkennung zu werben. Als Mitglied aller mög>- lichen Institutionen für Thora, Awoda und Gemilus Chesed hat Birnbaum der Amsterdamer jüdischen Gemeinschaft seit 40 Jahren unschätzbare Dienste geleistet. Der Jubilar wird wohl ungeachtet seiner jedem Gepränge abholden Bescheidenheit den Ausdruck der Dankbarkeit der jüdischen Gemeinschaft Amsterdams an seinem Jubeltage über sich ergehen lassen müssen. Mögen die aufrichtigen Gebete um die Erhaltung seiner jugendfrischen Arbeitskraft für Klall Jisroel Erhörung finden, und dem Jubilar noch Jahrzehnte lang reichste Befriedigung in Familienleben und öffentlicher Wirksamkeit erblühen. Anläßlich feines 70. Geburtstages stiftete der Jubilar der großen Synagoge in Amsterdam eine neueSefer Thora, die am 18. November unter großen Feierlichkeiten eingeweiht wurde. Die Herren L. Wagenaar jr., und Rabbiner Saarlouis feierten in warmen Worten die außerordentlichen Verdienste des Jubilars um die Gemeinde Amsterdam und die holländische Judenheit überhaupt. Herr Birnbaum selbst erfreute die Versammelten durch eine warmherzige Ansprache, in der er dem Weltenlenker für die "27 dankte, daß es ihm beschieden sei, an der Spitze einer solchen jüdischen« Gemeinschaft zu wirken. - Oberrabbiner Samuel Gottlieb Papa (Ungarn), 15. November. In der Nacht von 9. zum 10. November ist der im besten Mannesalter stehende Oberrabbiner der orthodoxen Gemeinde von Papa, Rabbiner Samuel Gottlieb, plötzlich heimgegangen. Sein Tod ist mit tragischen Umständen verknüpft, die über den Kreis der Gemeinde hinaus Aufsehen erregt haben. Nach fast 20jährigen Kämpfen hatte man sich in Papa endlich soweit wieder geeinigt, daß die Berufung eines Rabbiners möglich wurde. Die große Mehrheit der Gemeinde stimmte für den als Charakter und Talmid Chochom bewährten Heimgegangenen Rabbiner Samuel Gottlieb, während eine chafsidische Minderheit in scharfer Gegnerschaft verharrte. Diese chassidischen Gegner verbitterten dem Heimgegangenen das Leben und gingen schließlich soweit, daß sie den bei der Wahl vor vier Jahren ihm gegenüber gestandenen Gegenkandidaten als Vereinsrabbiner beriefen. Dieser Akt, über den sich der Heimgegangene mit starker Bitterkeit geäußert hatte, scheint auf seinen Gesundheitszustand in verhängnisvoller Weife eing-ewirkt zu haben. Wenigstens ist das die Auffassung der hiesigen Oeffentlichkeit, so daß das Leichenbegängnis und die gehaltenen Hespedim einen ziemlich leidenschaftlichen Ehärakter trugen. Den stärksten Eindruck machte die Trauerrede des angesehenen Oberrabbiners von Raab, Rabbiner Sn y der s, die sich zu einer erschütternden Mussarrede und zu einer Mahnung zu endlichem Frieden an diesem offenen Grabe auswirkte. Die Gegner mußten sich in den Häusern halten, um einem verhängnisvollen Ausbruch der Leidenschaften vorzubeugen. maxan- Vermi chtes. Leipzig, 20. Nov. lieber die am 17. November stattgefundene Agudo-Bersammlung, zu der als Redner Herr Dr. Nathan Birnbaum-Berlin, erschienen war, ist im „Israelit" bereits kurz berichtet worden. Am nächsten Tage hatte eine große Anzahl von Gesinnungsgenossen und Freunden sich vereinigt, um den Beginn des Schreibens einer neuen, für die Jugendgruppe bestimmten mm mo zu feiern. Die ersten virnirr wurden von den anwesenden D'am und mm ->33 geschrieben, denen die übrigen Anwesenden folgten. Die anschließende Mahlzeit wurde durch herrliche miv-Worte, von denen nur die des Herrn Rabbiners Dr. Carlebach und des Herrn Dr. Birnbaum hervorgehoben werden sollen, zu einer wahrhaften niL» jnijrö. Auch die wam der orthodoxen Synagoge verschönten das Fest durch ihre Gesangsvorträge m entsprechender Weise. Für die leiblichen Genüsse hatte' die rührige Mädchengruppe Sorge getragen. Malmö, 14. Noo. Einer Einladung des Vorsitzenden vom „Verein der evangelischen Geistlichkeit" in Malmö und Umgebung folgend, hielt Rabbiner- Dr. I., Wählst ein einen Vortrag über das religiöse Leben des jüdischen Volkes. Mit gespannter Aufmerksamkeit und.andachtsvoller Stimmung lauschte das Auditorium den interepamen Ausführungen des Redners, der die .Schönheit und Klarheit der jüdischen Gedankenwelt.in.'klarer und anschaulicher Weise zum' Ausdruck brachte. Nach Schluß des Vortrags wurde dieses von dem Vorsitzenden, dem Oberpfärrer Malmös, dankend hervorgehoben. Es folgte eine anregende Diskussion, die über ein« Stunde in Anspruch nahm, in welcher der Vortragende, alle an ihn gerichteten Fragen in ausführlicher Weise beantwortete. Kassel, 12. Nov. May. schreibt uns: In der letzten Nummer Ihrer Zeitung befindet sich eine Notiz, worin ein jüdischer Bäckermeister'nach Kassel gesucht wird. Ich fühle mich verpflichtet, auf die Kasseler Verhältnisse hinzuweisen und zwar aus folgenden.Gründen: In Kassel wohnt ein jüdischer Bäckermeister, der nach 15jährigem Bestehen am Sabbat und Feiertagen sein Geschäft öffnen mußte (?), weil er. nicht mehr bestehen konnte und von den Juden zu wenig unterstützt wurde. Der andere Bäcker, der am Sabbat und Feiertagen sein Geschäft geschlossen hatte, hat. vor kurzem sein Geschäft nach 22jähriger Tätigkeit. abgegeben, weil er nicht mehr bestehen konnte und in den vielen Jahren statt verdient zugesetzt hat. Dieser Bäckermeister hat das, Geschäft vor ca. 22 Jahren von einem anderen Bäcker übernommen, der alleiniger jüdischer Bäcker seiner Zeit in Kassel war und nach ca. 12 Jahren, vollständig verarmt, das Geschäft abgab. In Kassel kann kein jüdischer Bäcker bestehen, weil hier vorherrschend Geschäftsleute wohnen, die wieder von anderen Personen geschäftlich abhängig sind. Die meisten Israeliten wohnen vollständig zerstreut Und kann man ihnen nicht zumuten, ihre Backwaren bei einem Bäcker zu nehmen, der vielleicht 30 Minuten entfernt wohnt. Sollte ein Bäcker trotzdem nach Kassel kommen, so würde er auf außerordentliche Schwierigkeiten stoßen, zumal der Bäckermeister K., der bisher an Sabbat und Feiertagen, geschlossen hatte, seine Bäckerei an einen christlichen Bäcker abgegeben hat, der auf jüdische Kunden reflektiert und von seinem Vorgänger noch als Schomer beaufsichtigt wird. - ' Hannover, 26. Nov. Das Repräsentantenkollegium hat den Hundertsatz für die Veranlagung zur Kultussteuer auf. 13 Proz. festgesetzt, was eine Erhöhung gegen das Vorjahr um 1 Proz. bedeutet. Nachdem der Magistrat die Errichtung einer jüdischen Volksschule abgelehnt hat und ebenso auch die Erhöhung des Zuschusses zum Unterricht in den Volksschulen, wird wahrscheinlich die Entscheidung des Ministers angerufen werden. Die Neuwahlen zu Borstand und Repräsentantenversammlung finden am 9. Dezember statt. Briefkasten. Anonymus. , Staben Sis das Bedürfnis. den Zaren vor dem Vorwurf der Iudenfeindschast zu oerleidipkn, so müssen Sie uns Ihren N^men verraten. Zur Sache sei gesagt, daß der Umstand, datz er in der Land Rasputins war, nichts zu feiner Rechtsertiavnq beiträgt. Gin junger Jude. Nachdem sich vor noch nicht so langer Zeit ein ganzer Roman bei uns mit dem Gegenstände besaßt hat. wollen wir jetzt aus das Thema nicht mehr zurückgreisen. Besten Dank. Familiennachrichken. Barmizrvo: Chaim-Rebin. Röderbergweg 17. fl uns- Synagoge Unterlirdau. -- Karl Speier, Zögling der Israel. Waisenorstatt Frankfurt a. M. aff'l nins' in Alsfeld, Overhessin. - Willy. Sohn des Herrn Kontor F. Kahn. Harbourg, Ober-Elsaß roun 5122? 2ttn nunS’ Verm ählte: -foo nm Sonja Prussak» Gidanj mit Heinz Julius Schesielowitz, Breslau — naty msr. 30. November. Ruchama Weber. Jerusalem mit Hillel Schlesinger. Jerusalem. Silberne Hochzeit: Abraham Roos und Frau Betty geb. Roos, Frankfurt a. 221., Kleine Obermainstraße 15. Ouaütäts- Moritz Wolf Zigarren Lassen Sie Ihre UHREN bei Neeser-LAPP, Allegasse Z reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie. Garmisch - Part e n f i r che n ist der größte Wintersportplatz Deutschlandsder die höchste Sonnenfrequenz besitzt. Jüdische Gäste finden in der Pension- Wolfs beste Unterkunft.