Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1928)
- Date
- 1928-11-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 48 Seite 7 29. November 1928 Der Israelit Cifcmen. Litauischer Brief. Tifereth-Bachurim. — Zeire-Iisrael. — Iawneorganisafion, Gesamtbild. Kowno, 12. November. Die jüdische orthodoxe Jugend in Litauen hat in der letzten Zeit Fortschritte von . nicht zu unterschätzender Bedeutung zu verzeichnen. Man hat noch vor ein bis zwei Jahren oftmals geringschätzig aus die „Tif-ereth- Bachurim"-Gruppen herabgeblickt und erst in den letzten fünf bis zehn Monaten beginnt man allmählich zu ahnen, daß Tifereth-Bachurim heute das einzige Bollwerk ist, das die thoratreuen jugendlichen Masten schützen kann vor einem gewissen „Kulturfieber", das seit zehn Jahren vor allem die Bevölkerung der nach dem Kriege erst künstlich konstruierten östlichen Randstaaten ergriffen hat und das nun auch droht, unschätzbare jüdische Werte vor eigenem Charakter rücksichtslos zu zerstören. — Es bestehen zur Zeit ca. 45 Tifereth-Bachurim-Gruppen mit insgesamt 1700 Mitgliedern, die sich aus jungen Handwerkern, Arbeitern, Geschäftsleuten zusammensetzen, die Abend für Abend zusammenkommen und gemeinsam unter Leitung eines Dozenten Mischna, Tnach, Dinim usw. lernen. Diese Lernvereine haben sich nun zu einer einigermaßen straffen Organisation zusammengeschlossen. Es besteht leit -letzterem: eine Tifereth-'Bachurim-Zentrale, einige Kreiskomitees, die der Organisierung dienen und ein periodisch erscheinendes Journal „Jugend", das es sich zur Aufgabe setzt, den weltanschaulichen „Hintergrund" dieser Lernbewegung zu schaffen. Die Organisation ist unpolitisch. Aus der Zeire-Jisroel- Bewegung ist nicht viel Neues zu vermelden. Die monatlich erscheinende hebräische Zeitschrift „Haneemon" gewinnt immer mehr Fveunde — erfreulicherweise auch im Auslände — die das Blatt geistig und materiell unterstützen. Man kann innerhalb der Reihen der Zeire-Jisroel letzthin so etwas wie eine Umstellung konstatieren. Eine Absage an Parolen und Schlagwörter und ein Streben nach Verinnerlichung. Deo schlimmste Feind der Zeire-Jisroel ist hie Gleichgültigkeit der Orthodoxie. Die Behebung dieser Gleichgültigkeit durch die Erziehung von in sich selbst gefestigten jüdischen Persönlichkeiten ist die eigentliche Aufgabe der Zeire-Jisroel, «ine Aufgabe, der vor allem der „Haneemon" dienen soll. Interessant ist es zu beobachten, wie sich hier das sogenannte Thora im Derech erez-Prinzip immer weiter, Bahn bricht, wie sich vor allem die Gedaulim immer mehr der Erkenntnis erschließen, daß heute kein andrer Ausweg mehr möglich ist, als der der Einbeziehung profaner Wissenschaften in den Lehrplan der orthodoxen Erziehungsanstalten^ Die Schulorganisation „Jawne" hat hierin Vorbildliches geleistet. Es bestehen zurzeit drei hebräische Mädchengymnasien in Kowno, Telschi und Poniwesch. In Kowno existiert ferner noch eine „Universalschule" für Knaben unter der verdienstvollen Leitung des Herrn Rabbiner Dr. David Carlebach. Außerdem befindet sich in Rakischky ein Progymnasium für Mädchen, in Telsiai ein Lehrerseminar — zurzeit etwa 50 Schüler — und ein Pädagogium zur Ausbildung von Lehrerinnen, sowie Jawne-Kindergärten in drei Städten. Das Letztere ist insofern ein Novum, als es bis jetzt in Litauen nur Tarbuth-Kindergärten gab. Der Intervention des früheren SejmdepuUerten Herrn Dr. I. Holzberg ist es zu danken, daß bis auf weiteres auch die nicht staatlich geprüften Jawne-Lehrer an den jüdischen Schulen zugelassen werden, und daß ferner der von der Jawne-Zentrale vorgelegte Lehrplan der Chadorim, der 2 Stunden täglich für profane Fächer vorsieht, ministeriell genehmigt worden ist. Somit ist fürs erste die Sorge um den Fortbestand der Chedorim, die durch der schon fast in ganz Litauen bestehenden Schulzwang aufs äußerste bedroht waren, behoben. Seit 1% Jahren sind in 24 Orten neue Jawne-Schulen gegründet worden, die unter der Leitung der jungen seminaristisch gebildeten Lehrer aufs beste gedeihen. In einem Städtchen, wie Kupifchki lernt z. B. die gesamte jüdische Jugend in der dortigen Jawneschule. Viele dieser Lehrer opfern ihre freie Zeit unentgeltlich der älteren schulentlassenen Jugend, sie erteilen Abend für Abend Unterricht in jüdischen und profanen Disziplinen. Große und heilige Verdienste um das Telscher Lehrerseminar und um seine Zöglinge haben sich vor allem durch ihre allgemein-pädagogischen und spezifischjüdischen Qualitäten erworben: die Herren Dr. Holzberg und I. Schmuelowitz. Der Gesamteindruck jedoch, den das jüdisch-kulturelle Leben in Litauen auf den Beobachter macht, ist trotz allem nicht gerade ausnehmend beruhigend oder gar vielversprechend, wenn sich auch in der letzten Zeit gar manches erfreulicherweise gebessert hat. Vielleicht ist c? die gewiß ungewollte Schuld der maßgebenden Führer, die zu sehr in ihren -eigenen höheren geistigen Sphären leben und denendeshalb das Verständnis für so manches abgeht, das die Herzen der jüdisch fühlenden Welt in Litauen bewegt, vielleicht ist es die „aristokratische" Haltung der Rabbinen und der Jeschiwoth, die die „Nichtlernenden" oftmals abstöht, oder vielleicht ist es gar der unselige Streit um das Rabbinat in Slabodka, der auch nicht gerade dazu angetan ist, der jüdischen Masse den nötigen Respekt einzuslößen vor den Trägern der Thora, vielleicht sind es'alle diese Tatsachen zusammengenommen und noch einige andere mehr, die eine starke Hoffnung auf eine Aenderung des Gesamtbildes zurzeit noch nicht aufkommen lasten. Was nützen schließlich — von einem großzügigen Standpunkt aus betrachtet — alle erfreulichen Einzelheiten, deren es immerhin recht viele gibt, wenn der ganze Organismus Willkommene Fesl-Geschenke >n UHREN GOLD SILBER JUWELEN BESTECKEN lefefdi ^3TunTTsoTTrT ZEIL95 noch krankt, was hilft der einzelne Maurer mit seinen paar Ziegelsteinen, wenn das ganze Gebäude zu wanken beginnt?! Immerhin wollen wir es doch einmal versuchen, allen trüben Ahnungen und Befürchtungen zum Trotz, noch eine Zei-tlang optimistisch zu bleiben. Lettland. Rabbinatsbesehungen. Li bau (Lettland), 21. Nov. Seit kurzem weilt hier Rabbiner I. Landa, der vor dem Weltkriege den Rabbinersitz in Kurenez (Wilnaer Gouvernement) innehatte. Rabbi Landa entstammt einer aktehrwürdigen RabbinerfamMe. Sein Vater war als einer der angesehensten Rabbinerautoritäten im ganzen Kreise bekannt. Rabbi Jakob Landa wurde nach dem Tode seines Vaters im 19. Lebensjahre zum Rabbiner erwählt und bekleidete dieses hohe Amt einige Jahre. Im Kriege verließ' Herr Rabbiner Landa seine Vaterstadt und blieb in Rußland, wo er sich mit gesellschaftlicher Tätigkeit befaßte .Durch sein Cingr-eifen wurden viele Synagogen, darunter alle kaukasischen (im Jahre 1923), vor der Hand der Jewsekzia gerettet. Rabbiner Landa ist es auch gelungen, die Vereine der jüdischen akademischen Jugend „Tiferet Bachurim" zu gründen, die zur Stärkung des religiösen Bewußtseins und zur Förderung jüdischen Wissens beitrugen. Jetzt hat sich die Libausche chassidische Gemeinde, -die durch die geisri und inhaltsreichen Reden Rabbiner Landas gewonnen wurde, dazu enstchlosten, ihn zum geistigen Führer zu -erwählen. Gleichzeitig wurde der nach dem Tode des Rabbiners Klatzk-in (des ehemaligen Rasteyner Raws) vakante Rab- RADIO Apparate jeder Größe m. Batterien od. Lichtanschluß ohneHochantenne Lauf spre G fl © I* besond. preiswert! Der Fachmann erleichtert Ihren Kauf durch sachgemäße objektive Beratung. 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