Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1928)
- Date
- 1928-11-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 48 De r Israelit 29. November 1928 7 Biebergasse. 7 PELZE stets niedrigste direkte Herstellerpreise Mit größter Aufmerksamkeit und freudiger Zustim mung wurden die beiden nun folgenden Referate von der Versammlung hiingenommen. Das erste erstattete Herr Bezirksrabbiner Dr. Bamberger, Kissingen. Es behau delte das Thema: „Der Einfluß der jüdischen Frau und Mutter im religiösen Leben der Gegenwart". Das zweite Referat, erstattet von Bezirksrabb. Dr. Stein, Schw'einfurt behandelte die rechte Art der Psalmenlektüre. Zahlreiche wohl ausgewählte Proben gaben -eine sachgemäße Anlei tung zum richtigen Verständnis der Psalmen, die mehr wie jedes andere Buch der heiligen Schrift der Anregung eines geläuterten religiösen Sinnes und einer praktischen Frömmigkeit dienen. Aus der Mitte der Versammlung heraus wurde die Anregung zur Drucklegung der Referate gegeben. Rumänien. Ein Wahlabkommen zwischen Regierung und Zionisten in Rumänien. Bukarest, 21. Nov Ein Wahlabkommen zwischen der Regierungspartei (Nationalzaranisten) und den Zionisten -rn- Siebenbürgen und in der Bukowina ist bereits offiziell geschloffen worden. Aus Grund dieses Abkommens erhalten die trans sylvanifchen Zionisten vier Mandate (Dr. Joseph Mscher, Dr. Marion und Dr. Nobiel für die Kammer und Dr Fischer für den Senat). Die Bukowinaer Zionisten er halten zwei Mandate (Dr. Mayer Ebner und Dr. Kins brunner). Die Frage -eines Wcchkabkommens zwischen der Regierung und der Union der Juden Altrumäniens bleibt noch offen. Ein Wahlabkommen zwischen! Regie rung und Sozialdemokraten ist ebenfalls zustande gekommen. Die Sozialisten erhalten 7 Mandate; zwei ihrer Kandidaten, Dr. Pistiner und Jliia Moscovioi, find Juden. Aus Kifchinew wird mitgeteilt, daß Rabbi Zirelsohn für das Parlament zu kandidieren gedenkt. Noch läßt sich die Lage nicht ganz üb-resehen, aber es scheint schon heute festzustehen, daß das zukünftige rumänische Parlament eine größere Zahl jüdischer Deputierter aufweisen wird. In den national-jüdischen Kreisen wird bereits die Frage der Bildung eines jüdischen Parlamentsklubs erörtert. Polen. Auch in Polen? Warschau, 19. Nov Das soeben erschienene „Statistische Jahrbuch der polnischen Republik für das Jahr 1928" enthält statistische Materialien, die die demographischen Wandlungen M der jüdischen Bevölkerung Polens eigentümlich beleuchten. 1926 wurden in Polen 15 415 jüdische Ehen, 60 518 Geburten, 30 360 Todesfälle registriert; der natürliche Zu wachs betrug 30 558 Seelen. Im Vergleich mit der katholischen Bevölkerung hat sich die Zahl der jüdischen Eheschließungen und Geburten nur sehr wenig erhöht; um so stärker aber die Zahl der Todesfälle. Im Jahre 1926 betrug der natürliche Zuwachs der Katholiken auf je 100 des Jahres 1923 92,1 der Griechisch-Orthodoxen 83,8, der Juden. 75,8 der Griechisch-Katholischen 68,5. Die Wilnaer Rabbinalskrise. Wilna, 16. Nov. Das zionistische Attentat auf die Wilnaer Gemeinde — wie gemeldet wollte man den Kronrabbiner Rubinstein zum Gemeinderabbiner machen — ist vorläufig gescheitert, da die Regierung der vollzogenen Wahl die Bestätigung versagt hat. Es handle sich vorläufig erst darum, ein Wahlregulativ zu beschließen. Inzwischen hat der Wilnaer Waad Horabonim ein in den schärfsten Protest ausklingendes Memorandum an die Gemeindeverwaltung gerichtet und gefordert, daß an dem feit 150 Jahren bestehenden Gemeindebefchluh, der die Wahl eines Oberrabbiners verbietet, festgehalten werde. Auch in allen Kreisen der Gemeinde herrscht flammende Entrüstung über den unerhörten Ueberrumpelungsversuch, und es ist zu hoffen, daß eine Wiederholung des Versuches an dem Widerstand der gesetzestreuen Kreise scheitern wird. Auch von hervorragenden auswärtigen Größen, z. B. vom Chofez Chajim, sind schärfste Proteste eingegangen. Konstituierung der Gemeindeverwaltung in Lemberg. Lemberg, 18. Nov. Bei der Konstituierung wurde Prof. Moses Aller Hand zum Präses und- Leib Wahl von der Aguda zum Vizepräses der Verwaltung gewählt. Als Präsident im Rat wurde Rabbi Jakob Vittel, der Präsident der Agudazentrale in Ostgalizien- und Schöpfer des Wirtschaftlichen Blocks gewählt. Zum Vizepräsidenten Harr J ä g e r. Hier steht der Agudablock mit elf Mandaten gegen über den Zionisten, die nur neun Sitze erhalten haben Den Agudaführern wurde eine große Ovation dargebracht. Die jüdische Gleichberechtigung gefährdet? Warschau, 25. Nov. In der letzten Sitzung des polnischen Sejm legte Mi nisterpräsident Prof. Bartel eine Gesetzesbestimmung vor wonach die „religiösen oder nationalen Vegrenzungen in den Gesetzen -der russischen Zarenregierung, „die gegen die Polen gewendet sind", abgeschafst werden sollen. Das hieße also, daß die Beschränkungen gegen die Juden (die sich auf Erwerb von Boden, religiöse, kulturelle Auge legenheiten, u. a. m. beziehen) bestehen bleiben sollen Abg. Hartglas rief dazwischen: „Es soll ein neuer Ausnahmezustand gegen Juden, der bisher nicht existiert hat, eingesührt werden!" In der nachfolgenden Diskussion übte Hartglas scharfe Kritik an dem Entwurf. Im Namen des R egie r ung-s b lo cks gab Kwapinsky die Erklärung ab, daß der „unparteiische Block" mit der Regierung in diesem Falle nicht einverstanden ist; die Grundlagen der bürgerlichen Gleichberechtigung - dürfen nicht angetastet werden. Schließlich wurde der Ausbesse rungsvorschlag der Regierung abgelehnt; für -ihn stimm ten nur die Nationaldemokraten. In der Sitzung der Budgetkommission kam es zu charfem Zusammenstoß zwischen Innenminister Skladkowsky und dem Abgeordneten G r ü n b a u m. Grün bäum brandmarkte die Haltung des Premiers Bartel, der Mn 1926 gegebenes Versprechen eklatant gebrochen hätte und heute sogar di-e bürgerliche Gleichberechtigung der Juden dntasten wolle. Innenminister Skladkowsky unterbrach den Redner mit der Bemerkung, daß die Regierung die Einführung von antijüdischen Gesetzesbeschrän kungen nicht fordert und die Juden nicht verfolgt. „Sie können dies," sagte der Minister, „als eine offizielle Erklärung nehmen". Tschechoslowakei. Der Ausgang des Beleidigungsprozeffes Weber — Rlargulies. B ra ti slava, 13. Nov, Bekanntlich hatten die Herren Oberrabbiner Weber und Hirschler gegen ihre zionistischen Gegner Dr. Margulies und Genossen, die es gewagthatten-, Men die Führer der slowakischen Orthodoxie die - schilmmsien perönlichen Bekdächtigungen auszustreuen, einen Beleidigungsprozeß angestrengt. Die zionistischen Zeitungen hatten behauptet, die. Anklage sei unter der Wucht des Wahrheitsbeweises" zusammengebrochen und zurückgezogen worden. Nunmehr hat am 18. Oktober vor dem Ob-ersten Gericht in Brünn die Verhandlung in diesem Prozeß in letzter Instanz stattgesunden. Sie hat damit geendet, daß der Angeklagte feierlich -erklärte, er habe iemals behauptet und in seinen öffentlichen Artikeln sei die Behauptung niemals enthalten gewesen, daß die Kläger für egoistische Zwecke, d. h. für. sich irgendwelche Gelder erhalten hätten. Infolge dieser Erklärung bestand keine Veranlassung mehr, die Klage weiter zu führen, und sie wurde zurückgenommen. Von der Preßburger Jeschiwa. Bratislava, 18. Nov. Seit einiger Zeit werden in Zeitungen und mündlichen Berichten im In- und Ausland allerlei tendenziöse Nachrichten über irgendwelche bevorstehende Aenderungen im Lehrplan und 6er Organisationder Preßburger Jeschiwa verbreitet. Im besonderen wird kolportiert, die Jeschiwaleitung hätte sich bereit erklärt, in bezug auf die profane Ausbildung der Schüler von den bisherigen Traditionen der Jeschiwa abzuweichen. Wir werden von zuständiger Seite gebeten, alle diese tendenziösen Nachrichten als -absolut unwahr zu dement ieren. Die Jeschiwa wird unverändert auch in Zukunft in demselben Geist, nach demselben Lehrplan und nur für dieselben Lehrgegenstände geleitet werden, wie in all den Jahrzehnten zuvor. Alle gegenteiligen Nachrichten sind g l a t t e r s u n d e n. — Die Repräsentanz der Preßburger Gemeinde faßte in ihrer Sitzung vom 4. November den Beschluß, an -die Errichtungeines Internates für die Schüler der Jeschiwa — dessen unabweisluhe Notwendigkeit seit Jahren unzähligemal dargelegt wurde — in kürzester Zeit heranzutrsten. Aus Gemsindem-itteln wird für den Bau des Internates ein größerer Betrag inder Höhe von tsch. K. 600.000 bis 800.000 zur Verfügung gestellt. Damit geht ein Wunsch seiner Erfüllung entgegen, der von allen nmn •>aniK im Interesse der thorabeflissenen Jugend innigst gehegt wird. Die Verwirklichung dieses Planes, um die sich die Jeschiwaleitung tatkräftig bemüht, kann — wenn sie mit der nun erst recht notwendigen Umsicht und von den hierzu geistig gerüsteten und vom hohen Ernst der Aufgabe erfüllten Männern durchgeführt wird — zum Markstein in der Geschichte des I es chi waleben s werden. Bulgarien. Jüdischer Wiederaufbau in Bulgarien. Sofia, 13. November. Von zuständiger Seite wird dem I. T. A.-Vertreter mitgeteilt, daß die Wiederaufbaukommission beschlossen hat, der Jüdischen Gemeinde von. Tatar Pazardjik den Betrag von 1 200 000 Leons für den Wiederaufbau der durch das Erdbeben in Südbulgarien zerstörten Synagoge zur Verfügung zu stellen. Inzwischen wurde mit den Wiederaufbauarbe-iten begonnen, di« Synagoge wird im Sommer 1929 sertiggestellt sein. Die jüdische Kooperativ-Bank „Gueoula" in Sofia, die von der JointJca-Recostruction-Foundation gestützt wird, hat der Jüdischen Gemeinde in Philipopel 3 Mllionen Levas für den Wiederaufbau zerstörter Wohnhäuser jüdischer Familien zur Verfügung gestellt. Mt Hilfe dieser Summe konnten etwa 100 Häuser wieder aufgebaut bzw. restauriert werden. In Philippopel wurde eine genossenschaftliche Darlehnskasse mit einem Grundkapital von 2 500 000 Levas begründet, deren Ziel es ist, kleinen jüdischen Handwerkern und Wanderhändlern Betriebsmittel zu verchaffen. Das Joint Distribution Committee hat zu dem Grundkapital 7000 Dollar beigesteuert. (J.T. A.) ♦I N O C E N JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-BÜRO FRANKFURT-MAIN UNGESIRASSE7 TEL. HANSA 4641 POSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 35a EINZIGE INSERAIEN-ANNAHME FÜR FRANKFURTER GESCHÄFTS INSERATE DES »ISRAELIT« U R m AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITU NGEN.WOCH EN- UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINAL-PREISEN ANNAHME VON DRUCKSACH EN HANDELGESCHAFTE.PRIVATE FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLERISCHER AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ UND BUNT-DRUCK