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Der Israelit · 1928-11-29 · Heft 48 (29.11.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 48 (29.11.1928)
Date
1928-11-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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29 November 1928 \ lionen Deutschlands besucht war, die ihre Verbundenheit iniidieser Idee des Reichsbundes zum Ausdruck brachten. Dr. Leo Löwen stei n, Vorsitzender des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und des Siedlungsausschusses, hieß die Delegierten und die ^Vertreter der jüdischen Organisationen rvillkonnnen, setzte das Programm der Tagung auseinander und stellte fest, daß alle Organisationen und die verschiedenen religiösen Richtungen im deutschen Judentum mit der Sredlungsidee des R. j. F! übereinstimmen. Herr Domänendjrektor S. Dyk hielt nun sein Referat: „Das Siedlu-ngsproblem— die jüdische Frage". Die Eignung des Juden zum Bauern war niemals, verloren gegangen, und heute gehen in Palästina, Rußland und Polen großartige Siedlungsaktionen vor sich. Auch in Deutschland wandten sich viele Juden nach der Sprengung der Ghetto-Mauern der Landwirtschaft zu. Gegenwärtig wird wegen des Erwerbs eines 15Ö0 Morgen großen Waldgutes verhandelt, das für die Unterbringung von .40—50 Siedlern ausreichen würde. Die jüdische Jugend, schloß der Redner, ist dieser Ausgabe gewachsen, schafft nur die Mittel herbei! Der Jude wird, wie überall, auch in der Landwirtschaft produktiv sein. Dr. Heinrich Elkeles, stellvertretender Vorsitzender des R. j. F., sprach .über „Ausgaben und Bedeutung des Reichsbundes fürjüdische Siedlung in Deutschland". Es 'folgten- Erklärungen der Vertreter der großen jüdischen Organisationen. Am Sonntag vormittag 11 -Uhr eröffnet« der Bündesvorsitzende, Häüptmann d. R/ D. Dr. Löwenstein, 'die Bundeshwuptverfammkung im Logenhaus, K-leiststr. 10, und gab .einen Jahresbericht über die Tätigkeit des Bundes, woran sich die internen geschäftlichen Verhandlungen schlossen. Behandelt wurden Probleme, die sich mit der sozialen' Arbeit ^des Bundes, der, Abwehr, und den weiteren Ausgaben des Bundes beschäftigen, der Anfang nächsten Jahves die Fenier seines 10jährigen Bestehens begehen wird. (Wir kommen noch auf die Siedlungsbestrebungen des R. j. F. zurück. D. Red.). , Ein Festlag der Württembergischen Orthodoxie. Stuttgart', 20. Nov. Das Fest aus Anlaß des 50jährigen Jubiläums der Israe li tis chen Reli gion sges ollschaf t nahm, wie schon kurz berichtet, .einen glänzenden Verlauf. Den Auftakt bildete ein Festgottesdienst mit Festpredigt in der Synagoge der Religivnsgesellschaft am Sabbat, den 10. November. Am Sonntagabend trafen sich sämtliche. Mitglieder und viele Gäste im „Oberen Museum" zu der akademischen Feier, der sich dann Festessen und Unterhaltungsabend anschlossen. Musikstücke und Gesängie leiteten die Feier ein, worauf der erste Vorsitzende, Herr Siegfried Kahn, die Festverfammlung begrüßte und all denen dankte, die zum Aufblühen der Religionsgesellschaft beitrugen. Darauf ergriff.Herr Rabb. Dr. Bamb erger das Wort zü feiner Festrede. Er gab einiges aus der Gründungsgeschichte der Israelitischen Religiynsgesellschaft bekannt, die aus einem früher schon bestehenden gesetzestreuen M injan hervorgegangen ist.. 1911 zählte die Gemeinde elf Mitglieder, heute umfaßt sie fünfzig Familien. Er schloß mit einem Bekenntnis zum gesetzestr-euen Judentum und einem Appell, alle Kräfte dafür einzufetzen, daß der Gemeinde ein w ü r big e s G o tte s h au s> .errichtet wirb. Es folgten weitere Musikstücke, worauf Herr Rabb. Dr. Esra Mun k - Berlin sein großangelegtes, herrlich aufgebautes , Referat über „ K u l t u r a u f st i e g und T r a d i ti o n s tr e u e " hielt. Kultur ist die Pflege des Ackerbodens des menschlichen Geistes, ist Wirkung und Ursache, und hat ihre letzte Ursache im Crhaltungs- und Geselligkeitstrieb der Menschen. Er führte Oswald Speng>- lers Mahnung zur Besinnung an-, der Nachweis^ wie jede Kultur, wenn sie den Höhepunkt .erreicht hat, zum Untergänge verurteilt ist. 'Wie zur Zeit des Hellenismus die Makkabäer gegen die Kultur von Kraft und Schönheit anzukämpfen hatten, so haben wir heute noch gegen' Auswüchse einer solchen Kultur zu kämpfen. Die Kultur ist zu bejahen, wenn sie der Sittlichkeit dient. Was ist-aber Sittlichkeit?. Das sagt uns die Thora. Nur treu im Glauben der Thora, können wir emporsteigen zur wahren Kultur. Die fesselnden Ausführungen wurden mit größftp Aufmerksamkeit angehört und bildetenunstreitig den Höhepunk't der ganzen Veranstaltung. Das sich nun anschließende Feste ssen wurde von vielen trefflichen Worten geschmückt und gewürzt. Es sprachen Stadörabbiner Dr. R i e g e r - für den O b e trat, Der ö r a t i t t R.-A. Dr. Wolf für die Israelitische Landesv ersammlung, A. Essing für das Vorstehera m t, sodann, die Herren Rabbiner Dr. A n s b a ch e r, Wiesbaden, Dr. Kahn, Mergentheim, Lehrer Sulzbacher, Wiesbaden, A. Ko p s für den Kranken- Die Woche. Berlin. Der mit Spannung und Angst erwartete Hitler-Vortrag im Riefensaal des Sportpalastes am 16. November ist ruhig verkaufen. Der bayrische Antisemitenhäuptlmg sprach, nach dem Urteil der gesamten Presse, erstaunlich schlecht arbeitete mit den altbekannten Schlagworten und berührte kaum die brennenden Fragen des Tages.. — Dte Schändung auf dem jüdischen-Friedhof zu Köpenick erweist sich als eine der schlimmsten Schandtaten, die wir in den letzten Jahren erlebt und die bereits die Zahl' von 65 erreicht haben. Zwei jugendliche Täter wurden ergriffen. — Auf eine Rundfrage des Zentralvereins nehmen mehrere führende 'Geister des deutschen Volkes scharfe Stellung gegen die Friedhofrschänder, u.. a. Adolf von H a r n a ck und Wilhelm von S ch o l z.. Danzig. Vom Zentralwohl f a h r t s a m t im Freistäate Danzig wurde die Errichtung eines international^! Flüchtling sh e i m e s beschlossen: Gesif. In Gons fand eine Protestversammlung gegen die Vorgänge an der Klagemauer statt. Die Protestresolution ist u. a. auch von. der Genfer Kultu s g emein d e unterzeichnet. Paris. Der „Verband jüdischer /Frontsoldaten Frankreichs" beschloß die Errichtung eines .. Denkmals für die gefallenen jüdischen Soldaten in Frankreich. — Die vor zwei Jahren von russischen Emigranten gebildete- Gemeinde „Ohel Jakob" errichtet eine groß «Synagoge mit einem Kostenaufwand von V/2 SDlill. Frs., zu dem Baron Ginsburg den weitaus größten Teil beiträgt. Der 'Rabbiner dieser Gemeinde, Dr. M. E i s e n st a d t, wurde vom Konsistorium zum Mitglied des Bes-Din ernannt. — Mit der Verleihung des Nobelpreises an Prof. Henry Bergfan ist die Zahl der jüdischen Nobelpreisträger auf. elf gestiegen. — Theodor Rei nach hat testamen- " tarisch seine Villa: zu einem Erho l u n g s - heim für Schriftsteller bestimmt. Das Haus umfaßt siebzig Räume. Lemberg. Beim Einsturz eines dreistöckigen Hauses wurde die jüdische Schneiderfamilie David Schnitz er bestehend aus drei Köpfen, verschüttet und tot aus den Trümmern gezogen. Ein dreijähriges Töchterchen konnte am Leben erhalten werden, kowno. Ministerpräsident Wöldemaras teilte mit, daß eine Erweiterung der j u d a 4 st i s ch e n Studien an der Kownver Universität durch Errichtung zweier Lehrstühle für jüdische Philosophie und jüdische Geschichte geplant ist. — Mehrere jüdische Juristen wurden in den' Regie.rungsrat berufen, der den Auftrag hat, den Entwurf des bürgerlichen und Strafgesetzbuches herzustellen. Bukarest. In Klausenb u r g fanden am 17. November -erneute S tud e n te ne!r.z esse gegen Juden stabt. Die Polizei griff 'ein. Moskau. Das Zentralkomitee der komMmstischen Jugendorganisation beschloß hurch Zeitschriften und Vorträge hie . russische Jugend über die I u d e n f r a g e aufzuklären. - Jerusalem. Das Ereignis des Tages ist, daß. Wladimir Jabo t i n s k y die Leitung des .führenden Blattes „ D o a r H ä j o m " übernimmt/ Der bisberige Leiter, Jtamar ben Abi, übernabm die Redaktion des „Palest i n e Weekly ", der mit Unterstützung der Regierung in englischer Sprache herausregsben wird. — Der Führer der indischen Mohammedaner, M o ha me d A li, der vom Moskemitischen Oberrat im Zusammenhang mit der Klagemaueraffäre nach Jerusalem geladen wurde, aber keine Einreiseerlaubniser- I hielt, darf jekt dennoch nach Jerusalem kommen. Unter Berufung auf den Fall Jabo- L i nsky haben die Moslemiten die Rücknahme des. Einwanderungsverbotes bewirkt, konstanklnovel. Laut der letzten offiziellen Statistik leben in Konstantinopel 46 620 Juden. ünterstütz-ungsverein und M. .Herz, Schwäbisch Hall für den .„Landesverband für das g s s e tz e s t r eu e I u d e n t u m ". , Zwischendurch; wurden hübsche Theaterstücke aufgeführt und gute Rezitationen zu Gehör gebracht, Musikstücks wechselten. Um all dieses machte sich ein aus bewährten Kräften zusammengesetzter DerMügungsausschuß sehr verdient. Das Fest wird allen Gemeindemitgliedern in steter Erirmerung bleiben und ein Ansporn sein, zu wei- ' __Nr. 48 Dene S terem Fortschreiten aus dem Wege zu jüdischen Zielen. Dte nächste Aufgabe der Gemeinde wird die Errichtung einer würdigen ihrer Entwicklung angemessenen Synagoge sein. Bund geseheslreuer Gemeinden Bayerns. S ch w e i n f u r t, 20. Nov. Die Generalversammlung des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns und der sich anschließende Bundestag fanden am 11. November hier statt. Beide Veranstaltungen nahmen einen erfreulichen Verlauf. Der von dem Vorsitzenden erstattete Jahresbericht erbrachte den Beweis, daß die Vorstcmdschaft an der Erfüllung der von der vorjährigen Generalversammlung erteilten Aufträge eiftig arbeitet. In der Frage der Versorgung lehrerloser Gemeinden mit Unterricht und religiöser Bekehrung der Erwachsenen hat der Bund einige vielversprechende Erfolge erzielt. In einer vom Bunde veranlaßten Versammlung am 29. Januar ds. Js. haben sich 14 Lehrer, voran Herr Lehrer Brückheimer, Marktbreit, für diese Arbeit zur Verfügung gestellt. Nunmehr hat der Verband bayerischer israekittscher Gemeinden unter Danksagung an den Bund diese Aufgabe zu, lösen übernommen, indem er von den Lehrern verlangt, daß sie sich bis zum Höchstmaß von inslgesamt 28 Dienststunden' bereit finden mögen, lehrerlose Nächbargemeinden mit zu versehen. Wir sehen der Entwicklung der Angelegenheit, die nun in Händen des Verbandes liegt, mit Vertrauen entgegen'. Zur Anstellung eines Söfer hat sich der Verband bayerischer israelitischer Gemeinden bereit erklärt, Mittel zur Verfügung zu stellen. Sobald es uns gelingt, für den anzustellenden Sofer noch einen weite-. ren Posten;, etwa als Hilssschächder oder Aussichtsbeamter oder dörgk. zu erlangen, können wir unseren' diesbezüg!- lichen Plan zur Ausführung bringen. Es -ergeht an die größeren Gemeinden des Landes hiermit die Aufforderung, daß sie dem Bunde und seiner Dorstandschaft nach dieser Richtung hilfreich an die Hand gehen mögen. Die Anleitung der Jugend zur Erlernung der Thora- Vorlesung ist in einer Reihe von Gemeinden dank der. Tätigkeit der Herren Lehrer bereits zur Tatsache geworden und sie soll durch Prämien an die Lehrenden, und Lernenden werter gefördert werden. Der Erfolg des Bundes, den er durch Unterstützung der Rabbiner-Kon-, ferenz und des Verbandes -erzielt hat, daß nämlich die juristischen Staatsprüfungen künftig unter Fre'ihaltung der Sabbate stattfinden werden, wurde freudigst begrüßt. Zur Unterstützung notleidender Gemeinden in der Reparatur ihrer Thorarollen und Ausgestaltung der rituellen Tauchbäder hat der Verein im verslossenen Jahre ca. 1000 Mk. verausgabt. Es wurde der Vorstandschaft anheimgegeben, den rechten Zeitpunkt ausfindig zu machen, um durch eine Eingabe bei der Staatsregi-erung die Befteiung der jüdsichen Volksschüler an den Sabaten vom Schulbesuch sicherzustellen. Sodann berichtete der Vorsitzende über.einige, die jüdische Oeffentlichkeit zurzeit bewegende wichtige Fragen des religiösen Lebens. Ferner gibt er bekannt, daß er bei der Beratung der Musterfatzu-ngen des Verbandes für die Gemeinden von einigen Gemeinden um Aufklärung und Mitarbeit angegangen wurde und diese gerne geleistet hat. Auch hob er das von Vertrauen getragene Verhältnis bei der Arbeit zwischen Verband und Bund gebührend hervor. Des weiteren wurde eine Kommission ernannt, die auf eine Zusammenfassung der konservattven Juden Bayerns hinarb-eiten soll, deren Mitglieder alsdann im Bunde gesetzestreüer israelitischer Gemeinden auf Grund -geänderter Statuten als Förderer mit dem Recht der Antragstellung und beratender Sttmme wirken können. Der Kassenbericht ergab einen erfreulich gefunden Stand der Kasse. An die Generalversammlung schloß sich alsdann, der Bundestag an. Er wurde durch eine besonders herzliche Ansprache des Herrn Justizrat Dr. Hammel als Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt und durch eiste Begrüßungsr-ede des Bundesvorsitzenden eingeleitet. Letzterer schilderte im Anschluß an den Gegensatz zwischen Efau und Jakob den Widerstreit zwischen der idealistischen und materialistischen Lebensanschauung, die die beiden Pole des menschlichen Stveb-ens darstellen, und forderte die Mitgli-eder des Bundes auf, in diesem Kampfe sich zu Schildträgern Gottes, als Verfechter des Idealismus zu b-ewähren, in Befolgung des Prophetenwortes: „Reiniget Euch, Ihr Schildträger Gottes!"

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