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Der Israelit · 1928-11-29 · Heft 48 (29.11.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 48 (29.11.1928)
Date
1928-11-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 48 De r 6i roeltt 29. Novemter 1928 > R 1000 schreibfertige 1 Füllfederhalter H zu r Au s wahl ■ mit 14 Karat Goldfeder ab Rmk. 3.75 H Ceka, Juwel, Osmia || Parker-Duofold, Wahl, Waterman W Montblanc W und andere Marken CARL KUPPEL Kaiserstrasse 75 Schreibwaren jeder Art nach innen. Er hielt der zionistischen Welle stand auch damals, als die Zionisten in der Maienblütezeit des Balfoürmandates die Beherrscher der Situation wurden und viele andere den Verlockungen der Stunde erlagen. Ihn lockte keine Stellung noch Titel. Und jetzt galt es erst recht, die kleine Insel der willst die, unberührt von der nationalen Gasse, treu zur heiligen Thora hielten, auszubauen und zu betreuen. Die gesamte unabhängige Orthodoxie sammelte sich jetzt um den Mann, der ohne zu weichen und zu wanken, ohne irgendwie zu paktieren, nur die Wahrheit im Auge hatte und sie vertrat vor'äußeren und inneren Anstürmen. Was im G e m e i n d e g e - setze für die jüdische Orthodoxie gerettet werden konnte, ist in erster Reihe sein Verdienst. Daß die unabhängige Orthodoxie sich heute, gegenüber einem offiziellen Oberrabbinat von Englands und Weizmanns Gnaden, halten und in einer Organisation, einem „Waad Hoaschkenasim", ihr eigenes Leben leben kann,»dankt sie dem Manne un^ dem Namen, von dem Glanz und Kraft ausgehen, daß davor oft genug die Widersacher verstummen müssen. Wie die politischen Dinge heute in Palästina auch gelagert sind, vor der überragenden sittlichen Persönlichkeit Sonnenfelds beugt sich alles, bis hinauf zu den höchsten Regierungsbehörden und bis tief hinunter in den Arbeiterbaracken. Wie wach und kraftvoll der jugendliche Greis heute noch auf dem Posten als Hüter des letzten Restes in Erez Jisroel steht, das erzählt um ein Vertreter der I. T. A-, also ein Mann, der gewiß nicht im Verdachte besonderer Vorliebe für extreme Orthodoxie steht, der Sonnenfeld dieser Tage in seiner ärmlichen Behausung in der Altstadt besuchte. Der Rabbi führte in einem fließenden glänzenden Hebräisch in sefardischer Aussprache ungefähr folgendes aus: „Wie in. den Tagen von Esra, sagte er, mußten sich fetzt'die Vertreter ganz Israels versammeln und in feierlicher Form ihren Entschluß kundtun, daß das Judentum, das auf der Thora gegründet ist, die Lehre bis zum letzten beobachten und erfüllen will. Rur auf diese Weise können wir die Erlösung beschleunigen. Wäre eine solche Kundgebung des gesamten» Judentums sofort nach der britischen Okkupation Palästinas geschehen, unsere Position in Palästina würde jetzt eine viel gefestigtere sein. Würden nicht heute zahlreiche Juden in Palästina „trefa" essen, und den Sabbat entweihen, noch viele Tausende Juden würden nach Palästina strömen. .'v. ' MW wm Rabbi Chajim Sonnenfeld. „Die jüdische Orthodoxie," fuhr Rabbi Sonnenfeld fort, „wäre bereit, in die Jewish Agency einzutreten, wenn die Jewish Agency Bürgschaft gebenwürde, daß das gesamte palästinensische Aufbauwerk nach den Vorschriften der Thora vor sich gehen würde. Die Zionisten aber haben niemals mit voller Aufrichtigkeit um die Mitarbeit der Orthodoxie geworben. Niemals haben sie die Orthodoxie in den Fragen der Palästina-Arbeit zu Rate gezogen. Sie werden es bereuen müssen, sie werden es büßen müssen für alle jene, jüdische Arbeit in Palästina, die ohne Thora und ohne Mizwoth vor sich geht." Ueberall in der Welt, -wo jüdische Herzen für Israel der Thora im Lande Israels schlagen, wird man bei der Kunde dieses Geburtstages sich in dem aufrichtigsten Wunsche eins wissen:! nar v'-nrwi nsa w Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Zum Schuhe der Agunoth. Berlin, 23. Nov. In Warschau hat sich eine Vereinigung. „Agunoth" gebildet, die sich die Wahrnehmung der Interessen jüdischer Kr-iegerwitwen zur Aufgabe gesetzt hat. Es handelt sich darum, über den Derbleib der im Kriege vermißten Ehegatten dieser Witwen, die nach dem jüdischen Religionsgesetz 'nicht wieder heiraten dürfen, Nachforschungen anzustellen. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, Charlottenburg', Kan-tstr. 158, errichtet daher eine Sammelstelle, die alle Mitteilungen über die im deutschen Reiche verstorbenen jüdischen Kriegsgefangenen der alten russischen Armee zusammenstellt und der Agunoth zuleitet. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden richtet 'an alle Synagogengemeinden des Reiches die Bitte, ihm möglichst eingehende Mitteilungen über die auf den Friedhöfen der Gefangenenlager oder der Gemeinden bestatteten russischen Kriegsgefangenen^ zukommen zu lassen. Es wird in jedem Falle gebeten, soweit möglich, nicht nur die bürgerlichen, sondern auch die hebräischen Namen und Daten oder sonstige Kennzeichen der Verstorbenen anzugeben. Es sind daraus zahlreiche Mitteilungen eingelaufen, die der Landesverband zusammengefaßt dem Komitee der Agunoth nach Warschau weitergegeben hat. Wie die Warschauer Zentrale mitteilt, ist dieses Material beri-ets jetzt in einer ganzen Reihe von Fällen von Nutzen gewesen. Der Landesverband richtet noch einmal an alle Gemeinden, die ihm bisher keine Mitteilungenhaben zugehen lassen, die dringende Bitte, dies noch zu tun. Die Wichtigkeit dieser Angelegenheit braucht nicht noch -einmal hervorgehoben zu werden, auch hat die Erfahrunggezeigt, daß die staatlichen- und städtischen Behörden gern bereit sind, die Nachforschungen entsprechend zu unterstützen. Das Siedlungswerk des» Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten beginnt. Berlin, 26. Nov. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hielt seine diesjährige Delegiertentag,ung, zu der sich, mehrere hundert Teilnehmer aus dem Reiche eingefunden hatten, in Berlin ab. Sie wurde mit einer großen- Kundgebung für seine Siedlungsaktion ■ eingeleitet, die am Sonnabend Abend im ehemaligen Herrenhaus stattfand und von Vertretern aller führenden jüdischen Organisaseiner Freunde sagte, eine. Ahnung des Bevorstehenden. gehabt und wollte darum tnöglichst rasch noch möglichst Vieles sehen. 7 ' . nnw’trem nach dem Abendbrote, gegen 8 Uhr, erklärte Dr. Munk Wr zu Reb Jsser Salmast Metzer, gehen zu wollen. All unsere Bittest^ doch mit Rücksicht auf seine Gesundheit und Sicherheit sticht in so tiefer Nacht allein, im nicht ungefährlichen Jerusalem umherzugehen, waren, vergebens. Er ging — und eine Stunde später fand man ' ihn in ganz anderer als der beabsichtigten, Gegend auf.- Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ziel gesetzt. Zuerst wußte niemand, um wen -es sich handelte. Endlich wurde die letzte ni^v des Lebenden, des Toten, Rettung. Man fand in seiner Tasche einen Scheck auf Herrn Löbl, den Sekretär der P-ekidim und Amarkalim, und mit feister Hilfe gelang die Rekognoszierung, des Entschlafenen. Nach stundenlanger Bemühung erreichte Dr. Wallach die Freigabe der sterblichen Hülle seines -entschlafenen Freundes und überführtesie nachts um 2 Uhr in sein Spital. Die Morgenzeitung des "avn iki» brachte schon die Trauerbotschaft 02122 a^eni' H’smv Groß, herzlich und tief war die Anteilnahme. Und wenn auch die Quantität der Teilnehmenden, die für deutsche Begriffe, groß war, in b'^wit .wohl oft ihresgleichen' finden mag, so war die Qualität unüberbietbare Von den Großen und Größten fehlte wohl nicht einer.- Auch Chewron hatte Vertreter entsandt. I Zu Beginn des Trau-ertzuges. vor dem pis-'i?»- Hospitäl-e, sprach-^Rabbiner Sonnenfeld bewegte Worten über die Tragik in der Vollendung dieses Menschenlebens. Im Namen der Adaß-Gemeinde Berlin, des i'yn 1x1, vpvx der Agudas Jisroel und desHerrn Dr. Esra Mun.k sprach sodann Rabbiner Horovicz. Ausgehend von dem- Schriftworte vna dt» wt kV ,'mpr kj. n:n entwarf er in -ergreifender Schilderung ein Bild von der Persönlichkeit des Verewigten als Gelehrter, als . Sohn großer Eltern, als seltener Mensch, wöbet -er. besonders hervorhob, wie sein gastzes Leben in den Bah mn--.der. nun vollendete Bewährung gefunden . - hat. Mit'-ldem Worte der Weisen? a’tPiip an mvK-,nv.i piK:i irm a’izmp 1 'pK2 B'112j? anv |BT2 * ■ schloß der Redner seine -gedankenreichen Ausführungen, indem er hinwies auf die heilige Tragik' des Verewigten-, dem es hergönnt war, seine durch nun und a/oia adv geadelte aaw im Schoße der . heiligest - Muttererde tn Reinheit und Heiligkeit auszuhauchen. Dann bewegte sich der Trauerzug durch die Jaffastraße nach ,iiin' mnv' woselbst vor der"a-'n py" Ansprachen der Rabbiner von- Lublin und- Sluzk, von RawRubin und Raw Tukazinski gehalten wurden. Im a’K'nin 2ini sprachen Rabbiner Kuk und im Namender Familie Dr. Engel Warmse Worte des Gedenkens. Dann zog die Menge, zum awriin, woselbst dem verehrten Meister in nächster Nähe von i’yn ’iwn die letzte Ruhestätte bereitet ward. Dr. Meier Munk Vxi ist nicht mehr. Ewig aber wird sein Gedächtnis weiterleben in dem Kreise treuester Freund-e, die er inso kurzer Zeit iM Lande der-Väter gefunden. K. N. Seelenbegegnung. , Erinnerungen aus der Grippezett 1917 von Das Ielpfchod. . Vater Zwerdling lag im Sterben. .Die Krankenschwester kam und sagte zitternden Herzens, man rstöge doch j bif. „jüdischen5Hervest,", -schicken. Die Männer der Chewro 'Kadlschö gingen zu dem 'Kranken, sagten;ihm die Sterbegebete vor, der fromme Kranke flüsterte mit — und starb. So der Vater. — Im Zimmer nebenan, lag Nechemja, sein Sohn, in hohem Fieber und Frost. „Mir ist,gut", sagte er, aber was sagt man» vom Vater?" - Der VaAr wurde b egraben noch litt-sein Sohn. Im dritten Zimmer. der engen Wohnung, -lag, Reb Simche, der. Untermieter, ist Schüttelfrost un-d schlimmen, Schmerzen. Der Arzt hatte jeden Besuch, verhohen. -Am Abend nach dem.Begräbnis des Daterch klopftenwir andas Küchenfenster — die Wohnung -lrtz Parterre — die Mutter Zwerdling setzte sich -auf ein paar Scheit'Holz, und so waren «mir menachem. owel —- vom.Festster aus! Dem Abend folgte eine wunderbare Äuguststacht; der Himmel war mit feinem reichsten Sternenschmuck angetan, die Silhouetten der Berge standen wie ausgemeiße-lt am Firmament: der ewige Schnee glitzerte als Wahrzeichen von den Firnen herab. Mitten indieser schönen Nacht ertönten schrill alle Glocken st-nseres Hauses. Wie auf Kommando öffneten sich ansämtlichendrei Stockwerken die Fenster. Vor dem Hause stand eine gebeugte Gestalt, in einen weiten Mantel.gehüllt,-nur zwei Worte esttrangen sich ihrer Kehle: „meist Schn" (Sohn). Wir wußten Bescheid. Mein Bruder ging der Frau, eiligst nach. Als-er gegen acht Uhr zurück^m, war auchdas zweite Zimmer bei Frau Zwerdling leer geworden-. Am Nachmittag wurde Nechemja begrabendicht neben dem Vater. Wiederum schlichen wir an das Küchenfenster, um mit der armen, zermürbten Frauzu weinen. Des Vaters Neschomo wandert, -erkestnt die ihr Begegnende und sagt: Nechemja, mein- Kind, was ist Dir, woher kommst du?, diese aber -antwortet'^ ich komme von her Mutter, uni> Peche-bei- Dir, -< Verantwortlich für s den allgemeine» Teil - und da« g4üilleto>t 8. Schachnowitz» Frankknrt a. M.;t?nserat? i. P.: «.Schack» «owitz, ebenda. — »für die pädaao'gische Beilage:. Lehrer L« Kaufmann in Sprendlingen (Kr.' OffenbÜch),^ Verlag .Israelit", V.m.b.-.. Frankfurt a.M. — Druck Sermon Verlag«' Mtiengrsellfchaii. Frankfurt a. M. )' ' >> 51'.- j - 1 -

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