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Der Israelit · 1928-11-29 · Heft 48 (29.11.1928) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 48 (29.11.1928)
Date
1928-11-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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29. November 1928 Der Israelit solchen nach Maßgabe seines Könnens trägt. Was von dieser Rechtslinie abweicht, ist unjüdisch, lieblos und ungerecht. Wir wollen in diesem Zusammenhänge nicht noch einmal betonen, welche Dankesschuld gerade in Sachsen, wie übrigens auch im Rheinlande, das einheimische jüdische Element den ausländischen Juden abzutragen hat, die manche Gemeinde vor dem numerischen Untergänge gerettet und darüber hinaus in Stadt und Land neues jüdisches Leben aus Ruinen aufblühe-n lassen. Aber nicht von Dank und Entgegenkommen, nicht von moralischer Verpflichtung soll hier die Rede sein, das eins ach e f o r m a l e R e ch t hat das Wort und ist hier auf Seiten derer, die in nicht zu verantwortender Weise in ihrem Wahlrechte beraubt werden. Die Regierung selbst hat bei wiederholter Gelegenheit bewiesen, daß sie für diese Zweiteilung in den Gemeinden nicht das geringste Verständnis hat- Darum: Weg mit den zwei Wahlkurien, auch wenn sie die Ausländer selbst wünschen sollten! Weg mit dem Z w e i k l a s s e n s y st e m, wodurch Gemeindemitglieder zweiten Ranges geschaffen werden! Dämmert es in Rumänien? Mart, hat das Gefühl, als gehe in Rumänien ein Aufdämmern vor sich, das wir Rumäniens Juden, und nicht zuletzt dem rumänischen Volke, von Herzen wünschen möchten. Und geschieht es fürs erste vielleiäst nur mit Hinblick auf den amerikanischen Dollar, den man im Moldaustaat sehr zu schätzen weiß, so gilt wohl auch im politischen Leben der Erfahrungssatz unserer, alten talmudischen Weltweisen!: xn natz^ xbv *]ina naffS . Rumänien hat seinem Gesandten in Amerika eine hohe Auszeichnung zuteil werden lassen, — weil es ihm gelungen sei, die amerikanischen Juden — lies: die amerikanischen Geldgeber — sowie Volk und Regierung in Amerika günstiger für Rumänien zu stimmen. Neuerdings wird über ein Abkommen! zwischen der „Union rumänischer Juden" und der Regierung zu Zwecken des Zusammengehens bei den Parlam e n t s w a h l e n berichtet. Als Preis wird der Union eine Anzahl jüdischer Mandate auf der Regierungsliste zugesichert. Außerdem wird für den ersten Dezember eine A m n e st i e für politische und Kriegsvergehen in Aussicht gestellt, mit der für Zehntausende von Juden, die des Paßvergehens bezichtigt sind, eine Erlösung kommen wird. In einem Lande, wo der Jude trotz der Altansässigkeit seit Generationen als Fremder oder Staatenloser betrachtet wird, ist es für diesen gar «ein Leichtes,- in Konflikt mit den Paßgesetzen und in den Ruf eines „Deserteurs" zu kommen. Deserteure waren bis jetzt in! Rumänien alle im Kriege vermißten Juden, auch die Gefallenen. Wer noch aus späterer Gefangenschaft aüftauchte, wurde kriegsgerichtlich verfolgt. Mit diesen Rechtskarrikaturen soll nun unter dem neuen Ministerpräsidenten gründlich aufgeräumt werden, und Rumänien kann des sichre sein, daß es dafür gut eine Million treuer und nützlicher Bürger und überdies die Freundschaft Europas und Amerikas eintauscht. In diesem Zusammenhänge scheint es auch von Interesse, daß der geplante Jüdisch-nationale Block für die nächsten Parlamentswahlen, der alle Schattierungen innerhalb .des nationalen: Judentums vereinen sollte, glatt g e - scheitert ist. Dagegen sollen sich die Jüdischnationalen Neurumäniens dem Regierungsblocke angeschlossen haben. Gelingt es der Union rumänischer Juden, der Regierung und den Regierungsparteien auf Grund eines guten Abkommens eine starke Resonanz in der jüdischen Bevölkerung zu verschaffen, dann kann Rumänien eine ähnliche Entwicklung wie Polen nehmen, wo nach einer Aera von Ausschluß und Unterdrückung sich ganz leidliche Beziehungen zwischen der Regierung und Juden — soweit diese nicht gar zu scharf eine eigene nationale Parteipolitik betonen — herausbildeten. Eine rationelle Lösung der Judensrage wird da wie dort damit noch nicht eintreten, aber eine stete Evolution nach dieser Richtung darf dem jüdischoptimistischen Auge nicht entgehen. Rabbi Chajim Sonnenfeld Zu feinem achtzigsten Geburtstage. Aus Jerusalem kommt die. Kunde, daß der Führer der palästinensischen Orthodoxie, Rabbi Chajim Jossef Sonnenfeld, am Donnerstag den 7. Kislew seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert hat. Gefeiert trifft insofern nicht zu, als er sich alle Ehrungen aus diesem Anlaß verbeten Hatte, wodurch geplante und bereits vorbereitete. Feste im letzten Augen,- blick abgesagt werden mußten. Er konnte es aber nicht verhindern, daß der Bürgermeister von Jerusalem, der t s ch e ch o s l o w a k i sch e Konsul und Vertreter attderer Behörden sich am Geburtstage im Hause des greifen Rabbi einfanden, um ihm ihre und ihrer Auftraggeber Glückwünsche zu überbringen. Rabbi Chajim Sonnenfeld, aus Ungarn stammend, aus der Schule des Kesaw Sofer hervorgegangen, aus dem Mllieu, das uns Männer Nr. 48 ,Sette 3 lllsgsnts und preiswerte Schuhe in selten grosser Auswahl Palast-Schuhhaus Das Haus der vornehmen Fussbekleidung ROSSMARKT 5 SCHÄFERGASSE 17 vom Format eines Breuer und Hofsmann geschenkt hat, ist vor bald einem Menschenalter nach Erez Jisroel ausgewändert. Es ist die alte unverbrüchliche Liebe, wie sie einen „Schelo" und andere Große der letzten Jahrhunderte zu einem Leben voller Leid ins heilige Land rief, die auch Rabbi Sonnenfeld bewegte, schon in jungen Jahren zu seinen Brüdern ins heilige Land zu gehen, und dortharrt der Greis, eine Thoraleuchte, die immer an Glanz zunimmt, heute noch in bescheidenster Behausung, bei primitivster Lebensweise in der Nähe der heiligen Mauer aus. Es erübrigt sich, unfern Lesern das geistige Gesicht dieses großen Mannes zu zeigen. Ueber seine Führerschaft in der talmudischen Gelehrsamkeit sind sich heute auch diejenigen in Palästina einig, die politisch andere Wege gehen. Was dieser große Gaon unserer Zeit in der adeligen, Reinheit und Heiligkeit seines Charakters auch als p o l i t i f ch e r Führer seinen in tausend Nöten sich befindenden Brüdern in Palästina in all den Jahrzehnten und insbesondere im letzten Jahrzehnte der inneren Kämpfe gewesen ist, ist in unseren Kreisen ebenfalls allzu bekannt, als darüber viele Worte verloren röerden müßten. Er hat Vieles vor 50 Jahren herausgesehen und vorausgesagt, was heute, zum Entsetzen derer, die damals auf seine Stimme nicht hörten, wörtlich eingetroffen ist. Fast ohne Amt und Titel wurde Rabbi Chajim Sonnenfeld in einem halben Jahrhundert unablässiger Arbeit für Gott, sein Volk und seine Thora zum Brennpunkt des echt jüdischen Lebens in Palästina. Und seit dem Tode von Rabbi Samuel Salant b"*! ergab es sich von selbst, daß das heilige Land wie die Diaspora zu ihm als dem geistigen Führer des jüdischen Palästina emporblickten. Als mit und nach dem Kriege die Umwälzung für Palästina kam, blieb Rabbi Chajim Sonnenfeld eine eiserne Mauer nach außen und ' INVX 'IN« den.Posuk in»2 bv ruj?*?x ‘jV'i einsetzt. Cr glaubt für den ersteren Posuk, den auch Tossasot als erklärt, den richtigen Ersatz gefunden zu haben, indem er sagt: inwx n wn- Wie kann man nun den letzteren Posuk zur Begründung heranziehen, in dem das Wort fehlt, auf das es hier doch gerade ankommt. Zur Kennzeichnung des Am haarez müßte es doch nach der Gemarah ' i n X in NX heißen. * K. Kleines Feuilleton. Dr. Meier Munk Vst* Erschütternd, herzerschütternd! Schwer zwar und ernst und bitter für alle, die ihn kannten und liebten, tief-traurig für die leidtragende Familie, -ganz unfaßbar aber und im Tiefsten ergreifend für uns, die wir während der vergangenen Wochen das Glück seiner Anwesenheit genossen, die wir noch eine Stunde vor dem unglücklichen Ereignisse ruhig und heiter mit ihm geplaudert. Meter Munk V"xt ist nicht mehr! Nichtdie allein weint ihm nach, wie dies vor wenigen Wochen noch der Fall gewesen wäre —die Spitzen der gesamten palästinensischen Orthodoxie tragen tiefes Leid ob des Hingangs dieses. Mannes, der in so kurzer Zeit ihrer atter Herzen im Sturm erobert, den ein jeder hier liebt, ein jeder verehrt, über den Tod hinaus. Wenig mehr als zwei Wochen weilte Dr. Munk! ^2» m pa, und dennoch wird fein Andenken hier ewig weitevleben. * Was ihn uns allen so teuer machte? Sein tiefer, aufrichtiger, ernster Wille zum tho-vagemäßen Frieden vor allem, der ihn in wahrhaft jüdischem Geiste mit allen Kreisen unseres Volkes, vor allem mit. allen orthodoxen Kreisen, ft-eunÄschaftlichst verkehren hieß. Seine Lebenseinstellung ferner, seine Weltanschauung, feine unvergleichliche Heiterkeit -und Zufriedenheit. Immer heiter und zufrieden, wenn die Wege Jerusalems noch so schwer, wenn die Sonne Palästinas noch so glühend brannte! Glücklich und dankbar für jeden Stein unseres Landes, an dem er sich stieß, voll inniger Freude ob jeden Denkmales jüdischer Geschichte, das er erblickte. Vor einem halben Jahre erst war seine Gattin bn ihm vorausgegangen. Nie aber hörte man von ihm ein Wort der Klage, niemals -einen Laut der Unzufriedenheit. Einverstanden mit allem, was auch -gewesen und was -auch kommen möge, wenn es auch noch so schwer erträglich, wenn es auch kaum mehr begreiflich für unfern menschlichen Verstand. Einverstanden-, völlig einverstanden gewiß auch mit dem Tode, der ihn, den Fürsten der Freude und des Friedens, ihn, den Frommen, den Edlen, in tiefer Einsamkeit aufsuchte. Uns Zurückbleibenden tut der Gedanke -an den einsamen Tod dieses i'on bitter weh; er selbst war gewiß auch damit restlos einverstanden. Auf Fri-ede und Freude war dieses Mannes Leben gegründet. Daß ohne Frieden die Welt nicht bestehen kann, ist uralte Erkenntnis; daß sie ohne Freude nicht fein kann, war immer nur Wenigen klar. Und Meier Munk schöpfte diese lebensnotwendige Freude aus ihrem reinsten Borne, aus ttesinnerstem EinverstandenfÄn, tiefinnerstem Sich-eins-Fühlen mit dem göttlichen Plane im Größen und im Kleinen, in Welt- und Menschenleben. Wenn auch sein jüdisches Herz ihn jedes Juden Freund sein-hieß, so gehörte doch seine herzlichste Sympathie der Organisation, der er angehörte, der Aguda. Besonders warme Anteilnahme bekundete er ihrem Schulwerke. Dr. Munk i>«2rr wMe zufällig bei Rabbiner Horovicz zu Besuch, als eine Sitzung der Mädchenschulkommission stattfand. Seine Anteilnahme ging so weit, daß er unserer Bitte um Eintritt -in diese Kommission nachgab und uns schon in dieser ersten Besprechung vielen wertvollen Rat, viele nutzbringende Anregung brachte. Rabbiner Horovicz hatte die Absicht, mit ihm zusammen den Aguda- Mädchenschulen mit Hilfe der deutschen Frauenvereine zu herrlichster Entfaltung, zu verhelfen durch eine großzügige Aktton zur Aufbringung des -einzigen, was neben harter Arbeit diesen Schiul-en zu -ihrer Entwicklung fehlt, des elenden unentbehrlichen Mammons. Auch ihn schmerzte es, dieses Schulwerk, das nur 02 -pia und dank hohem Idealismus trotz der bitteren Armut der Jerusal-eme-r Orthodoxie sich halten konnte, das aber jegliche innere Vorbedingung zu herrlichster Entfaltung aufweist, des drückenden Geldmangels wegen, zu bitterer Mittelmäßigkeit, zu schlechtesten Räumen, billigsten Lehrer, pvimittvster Einrichtung, unhygienischen Verhältnissen verdammt zu sehen. Mehr als jeder andere muß daher das palästinensische Aguda-Schulwerk dem Tode dieses tatkräftigen Freundes, der uns so rasch wohl nicht -ersetzt werden wird, nachweinen. Neben dieser und anderer geistiger Arbeit unterzog sich Dr. Munk großen körperlichen Strapazen. Am vorigen Mittwoch fuhr -er nach Chewron, um alle dortigen Stätten jüdischer Tradition und zugleich die „Slobodker" Iefchiwa zu besuchen. Von dort kehrte er sehr erschöpft zurück. Am Freitag unternahm er,, gewiß gegen den Willen der Aerzte, die ihm größte Schonung anempsohlen hatten, einen mehrstündigen Marsch nach dem liirp. An rov durchmaß er die Stadt von einem Ende zum -andern — des Vormittags weilte -er im fernsten Westen bei Herrn Dr. Wallach; des Nachmittags im äußersten Osten, am '21s» ^02. Er hatte wohl ,wie einer

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