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Der Israelit · 1928-11-29 · Heft 48 (29.11.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 48 (29.11.1928)
Date
1928-11-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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munm :; I \ '■. * Seite 2 Nr. 48 Der Israel, it 29. November 1928 R a w " genannt. Schon in dieser Bezeichnung ist der Beschluß für ewige Zeiten fundiert. Der Eingang zum Rabbinerstuhl in der großen Stadtsynagoge, nördlich der heiligen Lade, ist mit einem großenStei n versperrt, zum äußeren Zeichen dafür, daß diese Stelle für alle Zukunft unbesetzt bleibe. In dieser Schul wird auch keiner mit dem lama zur Thora ausgerufen, und wäre er auch der größte unter den Großen. Keiner von denen, die in der Folge in Wllna wirkten, nicht einmal Reb Abele Posw-eler und Rabbi Saul Katzenelnbogenführten mehr den Rabbinertitel, sie nannten sich nur „More horaah". Die 14 Mitglieder des Wilnaer Rabbinates, heißt es in der Denkschrift weiter, haben alle gleiche Stellung und gleiche Titel. Das Rabbinat. teilt sich in verschiedene Ressorts, deren jedem bestimmte Gebiete im religiösen Leben zugewiesen sind. Daß neben ihnen in der zarischen Zeit dem russischen Gesetze entsprechend ein Kronrabbiner, genannt „Kafioner Raw", die Matrikel führte, übte nicht den geringsten Einfluß auf die innere Struktur der Kehila aus. Man sah in dem aufgezwungenen Dualismus eines der vielen Verhängnisse, die man in der russischen Zeit zu tragen hatte und nahm die Sache nicht sehr tragisch. Man war aber glücklich, später mit vielem anderen auch mit dieser Institution ausräumen zu können. Das neue polnische Gesetz schreibt auch all die Rechte und Pflichten, die bis jetzt der Kronrabbiner inne hatte, dem eigentlichen Rabbiner zu- Nachdem so all diese Dinge nach ihrer historischen Entwicklung und ihrer Gegebenheit in der Gegenwart klargestellt sind, wird aus die unausdenkbaren Konsequenzen hingewiesen, die sich aus einer Neuerung in dem Sinne, daß ein Oberrabbiner, wenn auch nur unter dem Scheintitel „Kronrabbiner" über das altehrwürdige Rabbinatskollegium gesetzt wird, für die Kehilah und die Judenheit ergeben müßten. Abgesehen von dem Bruch mit der Tradition unerhörtester Art würde ein gut Teil der Rabbiner aus dem Budget nicht mehr besoldet werden können. Große und verdiente Männer würden aus dem Rabbinatskollegium austreten müssen, um ohne Brot und Stellung nach einem Leben für die heilige Lehre und die Gemeinde einem düsteren Alter entgegenzugehen. t Es gehe nicht an, heißt es in dieser letzten Mahnung, daß heute noch zwei Rabbinate gebildet werden, eines für die Gemeinde, und ein anderes für die R e g i e r u n g. Eine Täuschung der Regierung, wie in der russischen Zeit, ist heute nicht angebracht, um so mehr, als die Regierung selbst einzig in den wirklichen Rabbinern die geistigen Führer der Gemeinde sehen will, was sie damit dokumentiert hat, daß sie in hochherzigem Entgegenkommen bei den alten Rabbonim auf den B i l d u n g s z e n s v e rz i ch t e t h a t. Es muß, ganz abgesehen von den umwälzenden Konsequenzen für Wilna, mit dem Doppelgesichte des Rabbinats, unter dem das östliche Judentum lange und schwer genug gelitten hat, ein für allemal aufgeräumt werden. Cs wird zum Schluß an die Friedensliebe der Gemeinde, an den Rechts- und Billigkeitssinn der Gemeindeverwaltung, an.' ihre. Achtung vor den geheiligten Traditionen Wilnas appelliert, keine Umwertung vorzunehMen, die von unabsehbarer Tragweite für die weitere Entwicklung der gesamten östlichen Judenheit sein müßte. Wir wollen uns der Hoffn-untz hingeben, daß diese Mahnung in zwölfter Stunde nicht ungehört bleibt, daß in die dargebotene Friedenshand eingefchlagen wird. Sollte aber dieses wider Erwarten nicht der Fall sein, dann wäre es Sache der gesetzestreuen Judenheit der ganzen Welt, hier einzugreifen. Die Zerstörung von altgeheiligten Traditionen im Wilnaer Rabbinate um politischer Parteizwecke willen kann auf keinen Fall als eine Wilnaer t o C cc I -e Angelegenheit betrachtet werden. Wochenrundschau. Wahlrecht und Wahlentrechtung in der jüdischen Gemeinde. Der Wahlraub an Ausländern in den sächsischen Gemeinden ist ein langes Kapitel, das durch den, chronischen Zustand, in den die Jahre das Uebel versetzt haben, gewiß nicht erfreulicher geworden ist. Dieser Tage versucht wieder einmal Dr. M. Schornstein von der Jüdischen BiOXULTDA Die sfarkschäumende Sauerstoff-Zahnpasta wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnpasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 60 Pf. BIOX-MUNDWASSER Flasche 1.— und 2.— Mk. Gegen lockere Zähne. Prob'e-Flasche gratis. Max Elb A. G., Dresden Bolkspartei? in Dresden gegen die bekannt ten Zustände in einer Broschüre Sturm zu laufen. Wir bekennen uns im allgemeinen nicht zürn Programme der Jüdischen Volkspartei. Aber was hier über die Ausländer in den Gemeinden, deren Recht und ihre Entrechtung gesagt wird, brauchen wir nicht-erst zu unterschreiben, — weil wir diese Selbstverständlichkeiten schon seit Jahr und Tag den Gemeindegewaltigen in Sachsen und anderswo vor Augen führen. In besonders grellem Lichte werden da die Verhältnisse in Leipzig gezeigt. In der Kultusgemeinde dieser internationalen Handelsstadt stehen 2942 deutschen, 6146 ausländische Wähler gegenüber. Die Gemeinde hat zwei Wahlkurien, eine d e u t s ch e und eine a u sl.ä nd i s ch e. Ist dieses Kurienfystem schon an sich eine traurige Grenzteilung Zwischen Brüdern und Brüdern, so sollte wenigstens dabei paritätisch verfahren werden. Wie wenig das geschieht, erhellt aus der Tatsache, daß der deutschen Kurie 25, der ausländischen nur 8 Mandate in der Gemeindevertretung zustehen. In Zahlen nach dem Wählerverhältnis ausgedrückt, heißt das: in der deutschen Kurie stellen 118 Wähler amen Vertreter, in der Ausländerkurie kommt erst auf je 768 Wähler ein Mandat. Äber damit noch nicht genug. Von diesen acht Vertretern, die über 6000 Gemeindemitglieder repräsentieren, darf k e ine r d e m V o r st a n d e angehören, lediglich der Repräsentanz. Das Amt eines Vorstandsmitgliedes ist an die deutsche R e i ch s an g e h ö ri g -. k e i t gebunden. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse in Dresden und ch C h e m n i tz. Es paßt schon rechtgut zu diesem Modus, daß auch einem inländischen Mitgliede die passiven Wahlrechte genommen oder beschnitten werden, wenn sich infolge wirtschaftlichen Rückganges seine S t e u e r l e i st u n g v e r m i n d e r t. Es ist oft gesagt worden und es ist keinem damit etwas neues gesagt: Solange die jüdische Gemeinde ihren religiösen Charakter behält — und das wird sie hoffentlich für alle Zeiten — solange die jüdische Gemeinde keine politischen Belange und keine rein kommunalen Angelegenheiten zu verwalten hat, sondern R a h m e n u n d Basis für das gesamte religiöse Leben auch in a l le n s e in e n so z i a l e n und p h i l a n t r o p i s ch e n A u s l ä u f e r n ist, solange dies der Fall ist, dürfte die deutsche Staatsangehörigkeit bei Ausübung des aktiven wie beim Genuß des passiven Wahlrechtes n i ch t d i e g e r i n g st e Rolle spielen. Wer seine Kultussteuer zahlt, ist Gemeindemitglied und ist im Vollbesitze aller Rechte eines Mitgliedes, wie er all die Pflichten eines Zu nbcri* Kurze Betrachtungen zum Wochenabschnitte.*) Von Rabbiner Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren). Jakob ließ durch seine Boten seinem Bruder Esau sagen: 'ui ^ma pb tasr* Dazu bemerkt Raschi: Jakob ließ Esau sagen, er habe es in der Fremde nicht weit gebracht; er fühle sich vielmehr als Fremdling (■,*) und es liege für Esau kein Grund vor. ihn wegen des väterlichen Segens zu hassen, da der Segen n'nxb Taa mn an ihm nicht in Erfüllung ging ('2' na”pna kW* Die scheinbar weitfchweisiffe Erklärung Raschis stützt sich nämlich auf das vierbuchstabige Wörtchen Taa- Fehlen in diesem Wörtchen die mittleren zwei Buchstaben- (nämlich 2 und ->), dann bleibt nur das einsilbige t (Fremdling) zurück. Dies ließ auch — nach Raschi — Jakob seinem Bruder Esau sagen: Der Segen seines Vaters Ta* mn fei an ihm nicht in Erfüllung gegangen; er fei ein ia geblieben, weil das -»a (vom Worte Taa) fehlt ('2 na"pna ab). Raschi gibt noch eine zweite Erklärung zum obigen Verse. Jakob ließ Esau sagen: ich habe bei *) Nach pv-nn vipb'. i» Teil. Laban mich aufgehalten und die 613 Gebote beobachtet trnnvV ni2a Tim). Diese Erklärung Jakobs könnte Esau scheinbar wenig interessieren; ob Jakob bei Laban nach den göttlichen Geboten und Vorschriften lebte und handelte, könnte Esau höchst gleichgültig sein. Und doch war diese Bemerkung am Platze und durchaus dazu geeignet, Esau milder zu stimmen. Jakob ließ Esau sagen, er habe es in der Fremde nicht weit gebracht, er sei ein Fremdling geblieben und der väterliche Segen habe sich an ihm nicht erfüllt. Esau möge aber nicht glauben, daß sein Bruder Jakob sein trauriges Schicksal selbst verschuldet habe, indem er die väterliche Mahnung vbs? np-,si Tin nwxa "vn außer acht ließ. Deshalb ließ ihm Jakob sagen» er habe alle Gebote erfüllt und — des Vaters Segen ging an ihm trotzdem nicht in Erfüllung. Der Haß Esaus sei daher unbegründet. Jokob teilte das Volk rc. in zwei Lager. Er sprach: Wenn Esau über das eine Lager kommt und es schlägt, so wird das übrig gebliebene Lager entrinnen. War dies mit Bestimmtheit zu erwarten? Wäre es nicht einem Esau zuzutrauen, daß er über beide Lager hersalle und eines nach dem andern vernichte? Allein an diese Möglichkeit war überhaupt nicht zu denken. Das eine Lager war vom zweiten — wie der Midrasch behauptet — eine ganze Tagesreise entfernt (irw dt» -jbna)* Esau müßte demnach beide Lager an zwei Tagen angreifen und sie aufreiben, und dies wäre direkt unmöglich. Zum Verse va'iV öa bawx nab (..warum soll ich denn euch beide an einem Tage verlieren"), bemerkt Raschi, daß Rebekka unbewußt. Kraft einer prophetischen Eingebung im Voraus verkündete, daß ihre beiden Söhne, Jakob und Esau, an einem Tä g sterben werden, wie es auch tchlsächlich der Fall war. Wenn also Esau das eine Lager, an dessen Spitze Jakob steht, angreift, es schlägt und Jakob erschlägt, dann kann Esau am folgend en Tage unmöglich das. zweite Lager mehr angreifen. Denn der Sterbetag Jakobs mutz notgedrungen der Sterbetag Efaus fein. Daher die Gewißheit nanan-m "iai ixwan. Entgegnungen. 1. In Nr. 44 des Israelit: Herr Dr. Kanter spricht von der Stelle in Wajero. wo es 222b (Einzahl) und nicht tmnb heißt, weil öte Engel nur ein Herz hätten.' Anschließend erwähnt er die Talmudstelle (Baba Batra 12 b) ’baixw nnxb maab ib w' nrnp'i aix bax’tp dtd nnx ab 'lav Daraus ist laut Raschi zu folgern, daß das Erstrebenswerte für den Menschen wäre ein Herz zu haben. Dr. Kanter kommt demgegenüber zu dem Schluß, daß das Bessere für den Menschen zwei Herzen sind, weil der Mensch, wenn er hungrig ist, also vor dem Essen, zwei Herzen besitzt» nämlich auch ein Herz für andere, wenn er satt ist, ein Herz — für sich hat, wie es heißt: Der Satte glaubt nicht dem Hungrigen. Am Schluffe seiner Ausführungen kommt er jedoch zu einer entgegeni gesetzten Ansicht und erklärt, daß das Erstrebenswerte ist, wenn man ein Herz hat. Wie. stimmt 1 das? 2. In Nr. 37 vom Jahrgang 1927: Rabb. Dr. Kanter führt widerspruchslos Rabb. Aff. Glaser an, der an Stelle des in der Gemoroh zitierten, aber nicht existierenden Posuks napbx *]b’V

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