Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1928)
- Date
- 1928-11-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450495-2450541--75483-2533010- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 47 D e r Irr a e l it 22. November 1928 Feldrabbiner "in Wilna viel für die östjüdische Bevölke-1 auf die Schultern der jüdischen Bevölkerung schwer drückt imemdestube beherrschen, hatten ein Prägramm fiir Zie rung getan.. Auch Dr. Leoi hat bereits erklärt, daß er dem Rufe nach Berlin Folge leiste. Weiter hat die Gemeinde Herrn Rabbiner Dt. Emil Cohn zum Gemeniderabbiner gewählt. Dr. Cohn, «in geborener Berlinernder in jungen Jahren, bereits Prediger der Berliner Gemeinde war, amtiert seit einigen und über Hinausdrängen der Juden aus verschiedenen Positionen. — Die Selbsthilfeanstrengung der'jüdischen Gesellschaft nach der.Richtung einer Berufsumschichtung und der Findung neuer Verdienstmöglichkeiten finde auf der Seite der Regierung keinerlei Unterstützung, ja sie wird direkt unterbunden. Die Regierung führe nun eine jüdrsche Beteiligung am zehnjährigen S tädtjubiläums aufgestellt, das den Festzug der Die Koche. Jahren an der Grunewald-Synagoge im Berliner Westen I Rachepolitik gegen die Juden, die ihr die unbedingte Ge und ist durch, seine literarische Tätigkeit, insbesondere auch als Dramatiker unter dem Namen Emil Bernhard weitesten Kreisen bekannt geworden. Er wird sich speziell sozialen Aufgaben widmen. Seinen Amtssitz im Grurtewald behält er. Weiter wurde mit der Betreuung und Organisation sozialer Institutionen Dr. Martin Salomonski, früher Rabbiner in Frankfurt a. O., zurzeit akademischer Relkgionslehrer der Berliner Gemeinde, betraut und zum Gemeinderabbiner gewählt. . r Siedlungsarbeit des R. j. 5. Berlin, 17. November. Vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten wird uns geschrieben- Die kürzlich gegründete gemeinnützige Siedlungs gesellschaft „Jüdische Landarbeit G. m. b. Sy" wird sich auf rein siedlüngstcchnkschem Gebiet beMgen und schon in der allernächsten Zeit mit der Ansiedlung wohlerprobter Siedlungswärter beginnen. Sie hat laut § 2 des Gesellschaftsoertrages: „Die Förderung der Ausbildung und Änsiedlung jüdischer Landwirte und Gärtner in Deutschland und di« Förderung bestehender jüdischer landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kleinbetriebe" zu ihrer Aufgabe. Um aber die Idee der Anstedlung jüdischer Bauern und Götner weiterhin propagieren zu können, ist für notwendig erachtet worden, ein neues Vereinsgebilde, einen „Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland ins Leben zu rufen. Er wird zum Ziel haben, di« Siedlungsidee weiterhin ins deutsche Judentum zu tragen und wird an seinem Teil die Mitte! zu beschaffen trachten, die die „Jüdische Landarbeit G. m. b>. H." zur Durchführung ihrer Aufgaben braucht. Dem neuen- Bund sollen möglichst alle Teile des deutschen Judentums angehören, denn der R. j. F. steht auf dem Standpunkt, daß die Siedlungsaufgabe auf den Schultern des gesamten Judentums ruhen muß, um durchgeführt werden zu können. In einer Versammlung im ehemaligen Herrenhaus, am Sonnabend, den 24. d. M., 8,30 Uhr abends, wird die Gründung dieses neuen Bundes vorgenommen werden. Sämtliche jüdische Organisationen, viele leitende Persönlichkeiten des deutschen Judentums, die gesamte jüdische Presse und zahlreiche Vertreter der 800 Ortsgruppen des R. j. F., vor allem die Landesverbands Vorsitzenden, werden dieser Versammlung beiwohnen und ihren bewegenden Gedanken ins Reich tragen. Die Versammlung wird geleitet werden von dem Bundesvorsitzenden Dr. L o w e n st e i n, der zugleich Vorsitzender des Siedlungs-Ausschusses ist. Er wird die Versammlung begrüßen und eine kurze Einführung geben. Es spricht alsdann der Sachberater des R. j. F. in landwirtschaftlichen Fragen, Herr Domänendirektor S. Dyk - Berlin, der sich das Thema gewählt hat: „Die Siedlungsfrage — die jüdische Frage". Kamerad Dr. E l k e l e s spricht hernach über Aufgaben und Bedeutung des neuen Bundes. Der Eintritt zur Versammlung erfolgt auf Grund einer besonderen Einladung. Eintrittskarten können angefordert werden bei der Bundeleitung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Berlin W. IS, Kurfürstendamm 200, 3. St., Telefon: Bismarck 7433, 8884. Auch Anmeldungen zum Eintritt in den neuen Bund nimmt die oben genannte Geschäftsstelle entgegen. Auf Grund dieser Anmeldung wird eine Eintrittskarte, die auf einen Beitrag von 1,50 Mark für das laufende Jahr lautet, ausgehändigt. Polen. München. Der Geschäftsausschuh des Landtages gab dem Ersuchen des Justizministeriums, die Immunität des Abgeordneten Streicher auszuheben, nach. Somit kann gegen ihn der Prozeß wegen Volksverhetzung, begangen durch Artikel, in denen er die Juden des R iuc-lmordes beschuldigt, durchgeführt werden. Breslau. Der cand. med. Eli Schachtel, Sohn des bekannten Herrn Dr. Hugo Schachtel, erhielt für die Lösung einer Aufgabe der medizinischen Fakultät den ersten Preis. Danzig. In Danzig sind in den letzten Tagen jüdische Familien aus Moskau eingetroffen, denen als sogenannten „nicht arbeitenden Elementen" das Recht, eine der Zwangswirtschaft unterliegende Wohnüng zu benutzen, entzogen worden ist. Dien. Das Schöffengericht verur- 7"'lte einen-Deutfchoölkifchen, der von kurzem eine Stinkbombe in ein jüdisches Gotteshaus geworfen und das gemeinsame Gebet gestört hat, zu 15 Tagen schweren Arrestes. Paris^ Aus Fez wird telegraphiert, daß dort am letzten Sonntag der Landrabbiner von Marokko Rabbi Salomo be n Dan, rm Alter von 80 Jahren gestorben ist. Ueber 20 000 Juden gaben ihm das letzte Geleite. Budapest. Bei Wiedereröffnung der Universität und. der Technischen Hochschule, die vor einigen Wochen infolge der Unruhen geschloffen wurden, setzten sofort die bekannten turbulenten Szenen wieder ein, besonders wurden aus der juridischen Fakultät die jüdischen Hörer hinausgeprügelt. Außenstehende Elemente beteiligten sich an den Skcmdalfzenen. Prag. Bei einer Kundgebung des tschechoslowakischen St u de n t e n Verbundes aus Anlaß des Staatsjubiläums erklärte der Verbandsvorsitzende, die tschechische Studentenschaft lehne mit aller Entschiedenheit jede Art Numexus clausus ab. In seiner Erwiderung auf diese Ansprache erklärte Minister Hodza, als Unterrichtsminister lehne er a priori jedes Ansinnen, einen Numerus clausus einzuführenah. Soryno. Entgegen bösartigen Berichten,' ist richtigzustellen, daß der Rabbiner von Schaulen, Rabbi Israel R o f e n d o r f, nicht Selbstmord begangen hat, sondern in seiner Verwirrung ob des Todes seiner Frau einem ver- . hängnrsvollen Unfall zum Opfer gefallen ist. Das ist amtlich zweifelsfrei festgestellt. — In Anwesenheit von Vertretern der jüdischen Organisationen und Institutionen der Regierung und des Heeres, würben die Denkmäler auf den Gräbern der jüdischen Soldaten, die im Kampfe für die Unabhängigkeit Litauens gefallen find, feierlich enthüllt. Jerusalem. Baron Edmund D. R o t h s chi ld hat für Bodenankauf im Umfange von 1000 Dunam und Bewässerungsanlagen in Palästina eine größere Summe im Kveditweg zur Verfügung gestellt. — Rabbi Hiskia Scha b tat, bisher Mitglied des Oberrabbinats von Palästina, ist zum Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde von Damaskus gewählt worden. Uewyork. Das American Jewrfh Committee, welches geschaffen worden ist, um die Ehre und die Bürgerrechte des Judentums in allen Ländern wahrzunehmen, hat auf seiner Jahresversammlung Herrn Louis Märshall, den Begründer und langjährigen Führer des Committee, zum Präsidenten w i -e d er g e w ä h 11. — Der christliche Milliardär und Philantrop John Rocke f ei ler Junior hat eine halbe Million D o l l a r für das jüdische Kolonisationswerk des Agro-Ioint in Rußland gespendet. — Laut einer Mitteilung von Hias sind von Januar bis September 1928 10.484 ausländische Juden nach den Vereinigten Staaten gekommen. Von diesen waren 7973 Einwanderer. Schuljugend zu Met zionistischen Demönstratiön' gestaltete. Sofort legte der' Vertreter derOrthodoxie, S. F r i e d m ä n n, Protest ein und trat, da' dieser nichts fruchtete, aus der Festkommission aus. Rach großen Beratungen der orthodoxen Führer wurde die Veranstaltung eines eigenen Fe st zu ge s der orthodoxen Schuljugend beschlossen. Dieser wurde anr Sonntag in einer Weise durchgeführt, daß der Tag ein Ruhmesblatt in der Geschichte des neuen Polen bilden wird. Annähernd 10 000 Chederkinder marschierten in ihrer traditionellen Kleidung unter Führung der Chederlehrer durch die Straßen mit Fahnen und Bannerm Im Zuge sah man auch die Leiter des orthodoxen Erziehungswesens und alle führenden. Persönlichkeiten der polnischen Orthodoxie. An verschiedenen Punkten würden die Züge mit Ansprachen von orthodoxen Abgeordneten und Schülern in jiddischer und polnischer Sprache eingeleitet, die in Hochrufen auf den Präsidenten und den Marschalk ausklangen. Es ertönte die polnische Nationalhymne, woraus sich die Züge in musterhafter Ordnung in Bewegung setzten und-über die Hauptstraßen bis zum Endpunkte marschierten überall aus Häusern und von Balkonen herab von Juden und Nichtjuden herzlichst begrüßt. Die Ordnung lag in den festen Händen der. Zerre Aguda. Im Hofe Nowolipe 30 trafen sich die Züge von den verschiedenen Richtungen vor der großen Synagoge. Bon der Schul her ertönte im kräftigen Chore ein „Ma tauwu, worauf Herr Meschukim Kam!ner eine kurze Ansprache hielt. Wiederum sprachen Schüler der „J:s sode Thora" und fanden lebhaften Beifall bei der inzwischen ungeheuer angewachsenen Menge von Polen und Juden. Von jeder Chedarimgruppe kam ein Schüler zu Wort. Dann sang der Synagogenchor Psalmen- und der Vorsitzende des Warschauer RabbiNats, Rabbi Sakomon David Ka ha na, ergriff nun das Wort zu seiner Festrede. Die Tatsache, daß die Kinder bei -einer traditionellen Synagoge Halt machten und hier ihre Gebete für die Zukunft' des polnischen Reiches zum Himmel schickten, beweise am besten, daß die Jugend einer Zukunft entgegenwachse, in der man den Zusammenhang von Glauben und Vaterlandstreue ganz begreifen wird. S. Fried mann hielt dann eine Schlußrede, Vor achthundert Jahren,' sagt' er, da die Welt des Westens noch im Judenblüt badete, fanden die Judenin Polen Hort und Zuflucht. Die jüdischen Vimomcherer hätten h'« ein Land der absoluten religiösen Freiheit. Auch das befreite Polen von heute wird diesen Traditionen treu bleiben. Der Festzug der Kinder sei Zeugnis dafür, daß' der polnische Staat Uns-die volle Möglichkeit gibt, unsere Kinder als gute Juden-zu erziehen, woraus sich ihre polnische Staatstreue von selber ergibt. Und wenn die Erlösung für Israel kommt— Polen werden nie vergessen! Es sprach noch «in Lehrer im Namen der Kinder, worauf mit, der polnischen. Nationalhymne und einem Abschiedsmarsch der Zug nach 1 Uhr aufgelöst wurde. Die einzelnen Abteilungen zogen dann in geordneten Formationen nach Hause. Die polnischen Zeitungen berichten über denk: grandiosen Kinderftstzug n:l. größter Anerkennung. Die jüdischen Parlamentarier in Polen klagen an.! folgschaft bei den Wahlen versagt haben. Er schloß mit Warschau, 15. November. Iden Worten: „Wir werden den Kampf um unser Recht Während der Budgetdebatte im polnischen Sejm hielt j nicht aufgeben." im Namen des Jüdischen Klubs der Deputierte I. Grün- Tschechoslowakei. Mahlabkommen in der Slowakei. Bratislawa, 10. Nov. Für die bevorstehenden slowakischen Landtagswahlen ist es nach langen Verhandlungen zu einem Kompromiß zwischen-der zionistisch orientierten Mischen Partei und der orthodox jüdischen Wirtschaftspartei gekommen. Es wird eine Wahlgemeinschaft beschlossen, deren Spitzenkandidat die neutrale Persönlichkeit des Generalsekretärs Gestettner ist. Die Liste enthält alsdannabwechselnd je einen Kandidaten beider Parteien, doch wird wohl nur der Spitzenkandidat gewählt werden. Die Verständigung konnte dadurch zustande kommen, daß es sich lediglich um eine slowakische Landtagswahl handelt, so daß der zionistische Prager Nationalrat nichts dreinzureden hat. bäum eine großangelegte Rede, in der er die Wirt-! schaftslage der Juden und die Behandlung des jüdischen | Elementes durch die Regierung eingehend darlegte. Er klagte über die unerträgliche Steuerlast, die besonders! pwätte Der Kongreß der Mion rumattlsther 2üHen Bukarest, 14. Noventber. Unter Teilnahme von 153 Delegierten fand in Buka rest ein Kongreß der Union rumänischer Juden statt. Die polnische Italionalseier und die jüdische Beteiligung. Warschau, 10. Now _ _ __ Die Zionisten unter Farbstein, die zur Zeit die Ge- 'Der Präsident ter Union Dr. Fildermmck eUte'H