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Der Israelit · 1928-11-15 · Heft 46 (15.11.1928) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 46 (15.11.1928)
Date
1928-11-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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18. November 1928 _' __ Energie entgegen und protestierte gegen die Erneuerung einer Einrichtung aus der Zeit des Zarismus, die dem religiösen Judentum niemals zur Ehre gereicht hat, und die heute freiwillig zu erneuern geradezu eine Schmach wäre. Ueber alle diese Argumente hinweggehend, hat, wie gesagt, die Mehrheit von einer Stimme beschlossen, Herrn Rubinstein zum Kronrabbrner zu wählen und in der nächsten Sitzung daneben einen religiösen Oberrabbiner zu bestimmen. Man darf gespannt sein, obsich die Gemeinde diesen skandalösen Beschluß gefallen lassen wird. Rabbiner Bubinstein erfreut sich wegen seiner unleugbaren Verdienste um das Wohltätigkeitswesen der Gemeinde Wilna, großer Beliebtheit, aber jedermann empfindet, daß chm die talmudisch-wissenschaftlichen Qualitäten völlig abgehen, die ein Wilnaer Oberrabbiner besitzen muß. Aus -diesem Grunde sind seine Freunde auf den ihren Kandidaten wenig ehrenden Ausweg gefallen, die Institution der „Kronraübiner" zu erneuern. Schweiz. Die Klagemauer-Pekilion vor der Mandatsfomtnijfion des Völkerbundes. Genf, 13. Nov. Die Mandat-Kprnmission beschäftigte sich inoffiziell mit der von der Zionistischen Organisation eingereichten Beschwerdeschrist wegen der Vorgänge an der Klagemauer, weil eine offizielle Beratung erst nach Stellungnahme der englischen Regierung erfolgen kann. Die Berichterstattung für die späteren Beratungen ist einstweilen Professor Rappard übertragen worden. Da die Beratungen der Kommission streng vertraulich sind, und auch die Ausgabe eines Kommuniquesausdrücklich abgelehnt wurde, find, alle im Umlauf befindlichen- Nachrichten über Kundgebungen und Beschlüsse -der Kommission vorläufig als verfrüht zu bezeichnen. England. Eine offizielle Erklärung der zionistischen Exekutive üher das Problem der klagemauer. London, 8. Nov. Die palästinensische Zionistische Exekutive hat eine Kundgebung erlassen, die besagt: „Im Hinblick darauf, daß die jüdischen Bestrebungen nach einer Sicherung der notwendigen Bedingungen für einen freien und ungestörten Gottesdienst bei der als Klagemauer bekannten Westmauer* in einer unrichtigen Weise dargestellt worden sind, so etwa, als würde die Absicht bestehen, das Haram-Grundstück (der Platz, auf dem die Omar-Moschee steht) anzutasten, wünscht die Zionistische Organisation von neuem ihre schon wiederholt abgegebene Erklärung zu bestätigen, daß sie ohne Einschränkung die Unantastbarkeit der moslemitischen Heiligen Stätten anerkennt." Empfang beim High Eommifsioner. London, 4. Nov. Wie bereits telegraphisch gemeldet, empfing der neue High Eommifsioner für Palästina, Sir John Chancellor, am Mittwoch eine Deputatton der Agudas Jisroel, an der die Herren Harry Goodman,. Joseph Weil, stellvertretender Vorsitzender der englischen Aguda, Rothenberg und Rabbi Moses Blau aus Jerusalem teilnahmen. Nachdem die Herren dem Oberkommissar die guten Wünsche der orthodoxen Juden heit zu seinem Amtsantritt ausgesprochen hatten, gelangte» eine Reihe wichtiger Probleme zur Erörterung, welche die unabhängige orthodoxe Judenheit Palästinas berühren. Die Frage des Gemeind -eges etzes wurde besonders eingehend besprochen. Es wurde darauf hingewiesen, daß eine große Zahl palästinensischer Juden den Entschluß kundg-egeben hätten, eigene Gemeinden zu bilden, und daß man wohl verlangen dürfe, diese Gemeinden auf gleicher Rechtsbasis mit anderen jüdischen Gemeinschaften behandelt zu sehen. Es würde im Widerspruch stehen mit dem Geiste des Palästina-Mandats, diesen unabhängigen orthodoxen Gemeinden eine mindere Rechtsstellung zuzuweisen als denjenigen des Waad Leumi. Alsdann fand eine Aussprache über die künftige Gestaltung der Jervish Agency und über die aktuelle Angelegenheit der Westmauer statt. Sir John Chancellor legte dar, daß er mit den palästinensischen Fragen persönlich noch sehr wenig vertraut sei, jedoch freue es ihn besonders, Gelegenheit gehabt zu haben, die Wünsche der orthodoxen Judenheit kennen, zu lernen. Er würde glücklich sein, wenn er dem Interesse Palästinas und aller feiner Einwohner dienen könne und werde gewiß alles De r Israelit_ in seiner Macht Stehende versuchen, um irgendwelchen Beschwerden, die noch bestehen, abzuhelfen. Frankreich. Ein neuer Sifdlungsplan für Argentinien. ' Paris, 6. Nov. Her Dr. Louis Oungre, Generaldirektor der Jewish Colonisation Association, der sich längere Zeit in Argentinien zur Inspizierung der dortigen Jca-Kolomen aufgehalten hat, ist vor einigen Tagen nach Paris zurückgekehrt. Herr Dr. Oungre konnte eine gute Entwicklung der verschiedenen landwirtschaftlichen jüdischen Zentren in Argentinien feststellen und ist nun mit der Abfassung eines Planes der Eingliederung neuer Einwanderer in das Kolonisationswerk der Jca beschäftigt. Herr Dr. Louis Oungre begab sich in der Angelegenheit der Joint-Jca-Reconstructton-Foundation zu einem kurzen Aufenthalt nach Berlin, (ITA.) Palüftma. Ein 2h>pell des Waad Leumi an die arabische Bevölkerung. Jerusalem, 9. Nov. Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat Palästinas) hat einen Appell an die arabische Bevölkerung erlassen, der besagt: Her Zwischenfall an der Klagemauer am Versöhnungstage hat Anlaß zur Wiederholung der Verleumdung gegeben, daß die Juden Aspirationen auf die Omar- Moschee haben. Die Juden aber beanspruchen nichts weiter als das Recht auf freien Zutritt zur Westmauer, um dort zu beten. Dieses Recht wurde durch Rom, durch die arabischen Khalifen und durch die türkische» Sultane anerkannt. Die Juden hätten den moslemitischen Eroberern Palästinas Hilfe geleistet, als Gegenleistung wurden die jüdischen Rechte in Palästina und besonders das Recht auf Ausübung der Andacht an ihren heiligen Stätten garantiert. Niemals werden die Juden zugeben, daß dieses ihr Recht aufgehoben oder eingeschränkt wird. Wir Juden wollen das Land gemeinsam mit unseren arabischen Brüdern aufbauen. Wir fordern die arabischen Führer auf, mit den antijüdischen Verleumdungen aufzuhören, um eine Basis für Zusammenarbeit schaffen zu Helsen. Sprechsaal. „Es geht im gleichen Tone weiter . . .“ Unter dieser Ueberschrift ist in Nr. 43 des „Israelit" ein Arttkel enthalten, der, im gleichen Tone wie bisher. Angriffe gegen den Landesverband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens und gegen den hessischen israelitischen Landeslehreroerein richtet. Wir haben seither zu diesen Artikeln, die seit einigen Jahren zur ständigen Rubrik des „Israelit" geworden sind, deren Verfasser stets aus dem Deckmantel der Anonymität ihre Pfeile sandten, geschwiegen, da es ja doch keinen Zweck hat, Diskussionen gegen Personen zu führen, die nicht den Mut haben, mit ihrem Namen offen und ehrlich für ihre Meinung einzutreten. Doch zwingt uns dieser letzte Artikel, aus unserer Reserve heraus zu geben, weil er Behauptungen enthält, die in nichts den Tatsachen entsprechen und für die der „Anonymus" aus Mainz, auch nicht den Schatten eines Beweises erbringen kann und weil er dadurch die gesetzestreue jüdische Lehrerschaft Oberhessens in "einer Weife beleidigt hat, zu der wir einfach nicht still sein dürfen. Bevor wir aber auf den Inhalt dieses Artikels näher eingehen, sind wir zu den folgenden, kurzen Bemerkungen gezwungen. Die Darstellung des Schriftführers des Landeslehrervereins über die Wirkung des Orgelspiels in der Offenbacher Synagoge, entspricht wohl seiner eigenen, privaten Auffassung, steht aber im direkten Gegensatz zu der aller übrigen gesetzestreuen Lehrer. Alle Schlüsse, die deshalb aus diesem Vorgang gefolgert werden, sind aus diesem Grunde von vornherein hinfällig. Die Redaktion des „Israelit" hat es auch für nöttg befunden, Kritik an dem Worte „ostjüdischer Bochur", welches im Gegensatz zu dem seminaristisch vorgebildeten Lehrer gebraucht wurde, zu üben. Das ist ihr gutes Recht. Allein die Folgerungen, die aus dieser Gegenüberstellung von ihr gezogen werden, sind wirklich derart „an den Haaren herbeigezogen", -daß ein kurzes Wort der Erwiderung nötig ist. Wer ohne Voreingenommenheit den Bericht gelesen hat, weiß, daß absolut nichts gegen den ostjüdischen Bochur als solchen gesagt wurde und daß wir Lehrer sicherlich nichts dagegen haben, wenn ostjüdische Bachurim, die in Deutschland sich die Berechtigung als Lehrer zu amtieren auf einem Seminar oder an einer anderen Stelle erworben haben, zu uns nach Hessen kommen. ' Dagegen müssen wir uns aber wenden und das war auch der Sinn des Berichtes und in diesem Sinne ist er, wie wir uns jetzt durch eine Rundfrage unterrichteten, von allen Lehrern aufgefaßt worden, daß ostjüdische Bachurim, wie es in letzter Zeit öfters geschah, ohne jegliche pädagogische, und profane Ausbildung in Hessen ,__Nr. 46 Sette 7 als Lehrer angestellt werden. Auch in einem Artikel vom 6. September in' der Lehrerbeilage des „Israelit" wurde diese Frage -im gleichen SinNe behandelt. Wer den Be? richterstatter und seine jüdisch-politische Einstellung kennt, weiß, daß ihm nichts ferner liegt, als gegen Ostjuden in irgend einer Beziehung vorzugehen. Und nun zu unserem „Freund" aus Mainz. Derselbe ist erstaunt, daß wir Lehrer die vom gesetzestreuen Verbände vorgeschlagene Arbeitsgemeinschaft abgelehnt haben. Wir Lehrer sind dagegen erstaunt, daß er erst heute Kenntnis von dieser Stellungnahme der Lehrerschaft genommen hat, nachdem schon seit Jahren die hessischen Lehrer in dieser Sache unentwegt denselben Standpunkt eingenommen haben, nicht um ein Prinzip starr aufrecht zu erhalten, nicht um die Leitung des Mainzer Verbandes in ihrer Forderung „Alles oder Nichts" zu stärken, sondern ganz einfach aus der Erkenntnis heraus, daß in Hessen eben nur ein Verband möglich ist. Aus diesem Grunde wurde der Entwurf der angeregten Arbeitsgemeinschaft von uns ebenfalls abgelehnt, weil wir darin kein Mittel zur Förderung des Aufgabenkreises, den ein Landesverband zu erfüllen hat, erblicken können, sondern eine Erschwerung unserer bisherigen Arbeitsmethode. Und wenn der Herr A. aus Mainz schreibt, daß es uns „scheinbar nicht um die Arbeit, sondern um die Gemeinschaft zu tun ist", so müssen wir ihm erwidern, daß die von uns geleistete Arbeit, mit der wir keinesfalls zufrieden sind, sich trotz der bisherigen geringen Mitteln des Mainzer Verbandes sehr wohl sehen lassen und auch mit der des gesetzestreuen Verbandes verglichen werden kann und daß wir uns auch nicht der Gemeinschaft, inder wir uns befinden, zu schämen bruachen. Wenn man nun noch, einiges Verständnis dafür aufbringen kann, daß der „A." uns Lehrer angreift, weil wir in der Frage des Landesverbandes unsere eigenen Wege gehen, so ist es doch uns völlig unbegreiflich wie die streitbare Herr dazu kommt, aus dem Satz, in welchem das Fehlen der. Einheitsfront der Lehrerschaft „mit den besonder gearteten Verhältnissen Starkenburgs" begründet wird, derartige Folgerungen zu ziehen, die in keiner Hinsicht den Tatsachen entsprechen und durch welche die gesamten gesetzestreuen Lehrer Oberhessens gröblich beleidigt werden. Nein, lieber Herr A., sie befinden sich in einem großen Irrtum. Wir müssen ihnen sagen, daß die überaus größte Anzahl der Starkenburger Lehrer ihre gute Zensur auch nicht verdient hat. Auch diese sind „ungezogen" und „folgen" in der Frage des Landesverbandes ihrem Raw auch nicht, auch sie haben wiederholt schon ihre Meinung unverhohlen und unzweideuttg in dieser Beziehung zum Ausdruck gebracht. Ihre Mühe war völlig vergebens, es gelingt ihnen nicht einen Unterschied zu konstruieren zwischen den Anschauungen der Lehrer in Oberhessen und Stärkend urg. Weiter enthält ihre Bemerkung, daß die oberhessischen gesetzestreuen Lehrer dem gesetzestreuen' Rabbiner nicht „folgen", sondern den liberalen Geistlichen des Mainzer Verbandes, eine solch unerhörte Beleidigung der orthodoxen Lehrer Oberhessens, daß wir keine Worte haben und jeder parlamentarische Ausdruck uns fehlt, ihnen auf eine solche Unterstellung die gebührende Antwort zu geben. Wir fragen sie: „Können sie auch nur einen Fall anführen, daß ein oberhessischer Lehrer seinem Raw, zu welchem sämtliche oberhessischen orthodoxen Lehrer in einem guten Verhältnis stehen, welchen sie alle als ihren religiösen Führer betrachten und verehren, in irgend einer religiösen Frage nicht gefolgt ist, dagegen aber den Weisungen der liberalen Geistlichen des Mainzer Verbandes Folge geleistet hat?" Wenn sie dies können, dann erwarten wir den Beweis für ihre Behauptung! Sie werdennun sagen, daß der Anschluß an den Mainzer Verband eine religiöse Frage sei. Darauf müssen wir ihnen antworten, daß, wenn sie dieser Meinung sein sollten, die wir aber durchaus nicht anerkennen, da der Anschluß nicht anderes als eine jüdisch-politische Angelegenheit ist, sie ja selbst gegen ihre Grundsätze, die in der Bekämpfung der Einheit des Judentums gipfeln, schwer verstoßen, da sie ja in Mainz in einer Einheitsgemejnde leben und wir bisher nicht gehört haben, daß sie die nötigen Konsequenzen für ihren Standpunkt gezogen haben. Ferner schrieben sie, daß die oberhessischen Lehrer „sich nicht ihre» gesetzestreuen Brüdern angeschlossen haben, sondern sie seien, ohne jede vorherige Fühlungnahme mit diesem (gemeint sind die liberalen Geistlichen) zum Mainzer Verband übergegangen und sind damit unter Schwächung der gesetzestreuen Front dieser in den Rücke» gefallen". Ein erstaunlicher Vorwurf, der verrät, daß sie entweder mit den Vorgängen innerhalb der hessischen Judenheit und der Lehrerschaft nicht vertraut sind, oder daß sie ihre Behauptung.wieder willkürlich aufgestellt haben, für die sie ebenfalls den Beweis schuldig bleiben werden. Es würde zu weit führen hier in breiter Ausführlichkeit all das zu wiederholen, was sich in der Frage der Gründung des Verbandes abgespielt hat. Wir können ihnen aber sagen, daß die orthodoxen Lehrer schon im Jahre 1922 sich zu einem allgemeinen Verband bekannt und dies verschiedenen Führern des heutigen gesetzestreuen Verbandes unter Ablehnung jedes Sonderverbandes mitgeteilt haben. Diese Willenskundgebung wiederholte sich im Jahre 1925 in einer Versammlung des „Unabhängigen Vereins", damals stimmten ausnahmslos alle Mitglieder dieses Vereins dafür. Unsere Stellungnahme war schon lange vor der Gründung des gesetzestreuen Verbandes bekannt, sie ist aber nicht beachtet worden, weil man es damals nicht für notwendig hielt, auf die Meinung der orthodoxen Lehrer zu achten. Ist vielleicht von Ihrer Sette je versucht worden, Fühlung mit den gesetzestreuen Lehrern herzustellen, ist zur Gründung ihres Verbandes ein einziger orthodoxer Lehrer zugezogen- oder

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