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Der Israelit · 1928-11-15 · Heft 46 (15.11.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 46 (15.11.1928)
Date
1928-11-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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15 -November 1928 Der ü » raettt Nr. 46 Seite 8 man sagen würde, daß der gewöhnliche Eng länder durch die Masse der. kleinen und ebenso minutiösen Bestimmungen des gemeinen Rechts sich bedrückt fühlt. In, dem einen Falle ganz ebenso, wie in dem anderen sind durch eine an erkannte Autorität bestimmte Richtlinien zur Regelung des Handelns festgelegt, doch der Einzelne wird nur selten in die Lage kommen von der großen Anzahl der Gesetze, unter'denen er lebt, sich bedrückt oder erleichtert zu fühlen Kommt er aber in diese Lage, so wird der Eng länder unter dem gemeinen Recht ganz wie der Pharisäer unter der Halacha eine gesetzliche Regelung seiner Lebensführung erkennen, der man sich nicht ungestraft entziehen darf. Und der ganze Unterschied besteht darin, daß für den Juden die Autorität der Halacha zugleich die Offenbarung Gottes ist. Für den Juden war also das Zivil- und Strafgesetzbuch noch gang besonders geheiligt, ganz anders wie für den Engländer. Aber die Halacha berührte, wie mancher wohl einwenden wird, den Juden persönlich viel näher, als ein Zivil- und Strafrecht es tun kann. Sie regelte sein privates und häusliches Leben, sie bestimmte sein Verhalten gegen Gott ebenso wie gegen seinen Nebenmenschen. Ge wiß tat sie das. Und der Pharisäer würde sagen: „Warummtcht? Muß ich nicht Gott in allem und jedem, selbst in dem kleinsten, was ich tue, dienen? Und wenn die Thora mickgenau — ja, ganz genau — darüber belehrt, was ihm besonders wohlgefällig ist, soll ich dann nicht dankbar diese Belehrung in Empfang nehmen?" Bei einer solchen Anschauung kann es begreiflicherweise keinen wirklichen Unterschied'zwischen groß und klein, wichtig und unwichtig in den Dingen geben, welche nach der Halacha zu tun sind, denn alles wurde als die Erfüllung von Gottes Willen angesehen." . Immer und immer wieder betont Herford, daß die Autorität der Halacha den Willen Gottes dokumentiert, daß wie geringfügig und bedeutungslos die einzelnen von. der Halacha anbefohlenen Dinge auch gewesen sein mögen, es doch stets Thora ist, die jenes Handeln anbefahl, obgleich ein äußerlicher Grund nicht ersichtlich ist. Dem zum Ueberdruß immer wieder hervorgeholten Vorwurf skurriler Kleinlichkeit halachischer Be stimmungen begegnet er mit souveräner Verachtung, aber auch blitzartiger Schlagfertigkeit, wie ich schon oben zu zeigen vermochte. Auch in bezug auf das am Feiertage gelegte Ei, über das so viele aus der Gruppe jener „Halb- oder Ganzverlorenen" ständig Lachkrampfe bekommen, läßt, Herford einen seiner lieben pharisäischen Freunde folgendes sagen: „Die Thora, die göttliche Offenbarung erstreckt sich über das ganze Leben, und die aus ihr abgeleiteten und auf diesen besonderen Fall angewandten Prinzipien ergeben die jResultate, welche in der darauf bezüglichen Halacha angegeben sind. Der göttliche Wille ist mir . in Betreff dieser Sache gelehrt worden, und was mich angeht, ist nur die Erfüllung des göttlichen Willens, nicht aber die Kleinheit des Gegenstandes." Warum es Gott gefallen hat, di^fe Dinge gerade in dieser und nicht in einer andern Form zu regeln, das hat der Mensch nicht zu untersuchen; das soll damit gesagt sein«. Denn— so führt Herford weiter aus — Rabbi Jochanan b. Sakkai wurde einst gefragt, was eigentlich der Grund der an Zaüberwerk erinnernden Vorschriften über die rote Kuh wäre. Er antwortete: „Nicht die Leiche verunreinigt, und nicht das Wasser macht rein, doch es ist eine Verordnung des Königs der Könige. Der Heilige, gelobt sei er, hat gesagt:. Ich habe ein Gesetz'gegeben, eine Verordnung erlassen, und der Mensch ist nicht befugt, meine Verordnung zu übertretest, denn so steht geschrieben: „Das ist die Verordnung der-Thora" npn nrrr« Herford erblickt mit unsagbarer Berechtigung in diesem Ausspruch, dem er gebührend weittragende Bedeutung zumißt, den Schlüssel zum Verständnis der Halacha und einer aus der Thora hergeleiteten Norm für die rechte Lebensführung. Indes betont er weiter, daß neben der Halacha mit ihrer strammen und heilsamen Zucht des Denkens und Handelns noch das ganze Bereich des Nachsinnens über göttliche Dinge, spekulative Untersuchungen über die Geheimnisse der Natur und der menschlichen Erfahrung, andächtiges Staunen über die Wege Gottes und die Wunder seiner Welt, kurz, die Haggada (über die später noch gesprochen werden soll) gleicherweise mächtigen Einfluß auf das Wesen der Peruschim nimmt, alles aber im Lichte der Thora, „denn so groß, göttlich und heilig die Halacha auch sein mochte, die Thora war noch größer, denn in ihr hatte Gott gegeben, was er zu geben hatte". Diese Thora, die göttliche Weisheit, Offenbarung aller Wahrheiten, Güte, Macht und Liebe ist . . .Und im Herzen derselben Pharisäer wohnte die Frömmigkeit, welche Gott suchte und fand im Gottes dienst der Synagoge und des Hauses, welche zu ihm aufblickte mit Liebe und demütigem Ver trauen, welche ihn nicht fern, sondern sehr nahe wußte, und in ihm nicht eine bloß abstrakte Macht oder einen harten Lohnherrn, sondern den himmlischen Vater erblickte. In ihnen barg sich die Gemeinschaft lebender Seelen mit dem lebendigen Gott, und so verschieden auch der Weg, in welchem sie sich zu wandeln berufen fühlten, von dem Wege war, den andere Menschen wandelten, so beharrten sie doch fest in demselben, und sicher in ihrm Herzen, daß Gott mit ihnen war, vertrauten sie auf ihn und wurden nicht beschämet '12 v'dinn ^2 1»^2' X*?l 1V12' X*? 1'ip ^?2w (Schluß folgt.) worden. Doch ist es bisher immer noch nicht gelungen, eine Regelung der Angelegenheit, die den religiösen Bedenken des Synagogenverbandes Rechnung trägt, zu erwirken. Dr. Schlesinger erstattete Bericht über die Tätigkeit der Kommission, die die Anstellung eines zweiten Rabbiners vorbereiten soll. Man ist einig darüber, daß die Frage nur im vollen Einvernehmen mit dem Oberrabbiner gelöst werden kann. Zur weiteren Behandlung der Frage wählte die Mehrheit eine neue Kommission, bestehend aus den Herren Cohn, Gotthold und Offenburg. stormpoMnren « Nachrichten. Deutsches Reich. Repräsentantenversammlung. Berlin, 9. Nov. der letzten Sitzung der Repräsentantenversamm- Jn lung der Berliner Jüdischen Gemeinde fand eine Resolution einstimmige Annahme, die gegen die Störung des jüdischen Gottesdienstes am höchsten jüdischen Feilertage an der durch die religiösen Gefühle und die historische Vergangenheit für die Juden der ganzen Welt geheiligt ten Stätte in Jerusalem Protest erhebt. Der Gemeinde Vorstand schloß sich dieser Protestentschließung vollinhaltlich an. Ferner wurden Anträge der liberalen Fraktion über eine größere Nutzbarmachung der Gemeindebibliotheken ür die Masse des jüdischen Publikums beraten, ebenso ein Antrag der Jüdischen Volkspartei auf Begründung eines Ledigenheims, der Jüdischen Gemeind«. Ein weiterer Antrag der jüdischen Volkspartei auf Schaffung einer gemeinnützigen Krankenversicherung für die jüdische Bevölkerung Berlins wurde einem Ausschuß zur weiteren Beratung überbewiesen. Der Berichterstatter Dr. Klee führte aus, daß hier namentlich die Frage zu prüfen ei, in welchem Umfange eine solche Krankenversicherung den Beamten der Gemeinde zugute kommen würde, ob ie von der Gemeinde selbst oder in Gemeinschaft mit einem großen Bersicherungskonzern in die Wege geleitet werden solle. Das Wichtigste aber sei, die Dinge schnell zu einem Ende zu führen, da für den durch Krieg und Inflation so schwer geschädigten jüdischen Mittelstand eine derartige Institution dringendes Bedürfnis fei. Aus dem Synagogenverband. Hamburg, 31. Oft. t In der letzten Sitzung des Delegierten-Kollegiums des Synagogenverbandes wurde zunächst das Andenken i>«r früheren Mitglieder des Kollegiums, Jakob Drucker f. A. und William Möller s. A. durch warme Nachrufe geehrt. Dann folgten eine Reihe von Glückwünschen, u. .a für Herrn Flörsheim zum 70. Geburtstag. Bemerkenswert ist die dem Kollegium vorgelegte Abrechnung des. Jahres 1927. Das RechnungS^- jahr hat einen Ueberfchuß von 30.000 Mk^ erbracht, der zum Teil zur Rückzahlung von Darlehen verwendet wird. Die Rechnung balanciert mit etwas über Mk. 200.000. Ueber die. strittige Frage des Religionsunterrichts an höheren Schulen ist mit der Gemeinde weiter verhandelt Bund gefehestreuer jüdischer Gemeinden Bayerns. S ch w e i n f u r t, 13. Rov. Am Sonntag den 11. November fand in Schweinfurt a. M. eine gut besuchte Tagung des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns statt. In der Vormittagssitzung gab der erste Vorsitzende des Bundes, Herr Bezirksrabbiner Dr. S. Stein-Schweinfurt einen ausführlichen Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr, dem die Fürsorge für lehrerlose Gemeinden und solche, die in absehbarer Zeit der Lehrerlosigkeit «ntgegensehen, eine besondere Note gab. Die mit Erfolg unternommenen Schritte, geeignete Privatpersonen, besonders Jugendliche zu Vorbetern auszubilden, sollen im neuen Jahre mit Jntensivität fortgesetzt werden. Die Anstellung eines „Landesfofers" wurde allgemein als eine dringende Notwendigkeit anerkannt und steht in allernächster Aussicht. Als ein besonders erfreulicher Erfolg muß bezeichnet werben, daß es dem Bunde mit Unterstützung des Rabbinerverbandes und des Verbandes israelitischer Gemeinden gelang, bei den Staatsbehörden zu erreichen, daß bei den juristischen Staatsprüfungen die Sabbate freigehalten werden. Trotz der geringen finanziellen Mittel des Bundes konnte einer Anzahl Gemeinden Subventionen für die Renovierung von Thorarollen und Mikwoaus bewilligt werden. Das Problem der Schulbefreiung der Volksschüler an den Sabbaten fand in der Generaldiskussion eingehende Erörterung. Die Herren Rabbinen Dr. Bamberger-Bad- Kissingen und Dr. Hannover-Würzburg sowie die Herren Dr. Hommel-Schweinfurt, Dr. Münz-Nürnberg, Felsenstein-Fürth und Saalheimer-Würzburg, gaben zahlreiche sehr beachtenswerte Anregungen. Herr Saalheimer- Würzburg trat in sehr temperamentvoller Weise für die Interessen der traditionell lebenden Geschäftsreisenden ein, Herr Rabbiner Dr. Hannover plädierte für eine große allgemeine konservative Tagung .aller traditionell gerichteten Kreise Bayerns. Rach der Mittagspause begann die öffentliche Tagung, - in der die Herren Bezirksrabbiner Dr. Bamberger-Bad Kifsingen über den „Einfluß der jüdischen Frau und Mutter auf die Familie" und Bezirksrabbiner Dr. Stein- S.chweinfurt über „Psalmenlektüre" referierten. Beide Vorträge fanden bei dem zahlreichen Publikum freudigste Aufnahme. (I. U.) in Protestresolution. Leipzig, 12. Noo. Am vergangenen '«21» (10. Nov.) abends fand der hiesigen Agudas Jisroelgruppe ein Vortrag von Herrn Dr. Nathan Birnbaum statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde nahezu einmütig folgende Entschließung von der Versammlung angenommen: „Die hier in Leipzig am Samstag abend, den 10. November 1928, anläßlich eines Vortrages von Herrn Dr. Nathan Birnbaum versammelten jüdischen Männer und Frauen haben mit tiefem Weh von den traurigen Vorgängen Kenntnis genommen, die sich jüngst am heiligsten Tage des jüdischen Jahres an der „Kofel maarowi" abgespielt haben. Sie erheben einmütig Protest gegen die unerhörte Verletzung des religiösen Empfindens der breiten jüdischen Massen. Sie haben das feste Vertrauen, daß die berufenen und leitenden Instanzen der Weltorganisation der Agudas Jisroel in fester Entschlossenheit und ruhiger Besonnenheit all die notwendigen Schritte und Maßnahmen ergreifen werden, die eine Wiederholung derartiger beschämender Vorfälle unmöglich machen." Tagung des Rordwestdeutfchen Rabbinerverbandes. Hannover, 14. Nov. Am 4. November 1928 trat der Nordwestdeutsche Rabbinerverband zu einer Tagung in Hannover zusammen. Der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Bamberg« r -Wandsbek, eröffnet« die Tagung mit Worten des Glückwunsches & m M i ä

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