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Der Israelit · 1928-11-15 · Heft 46 (15.11.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 46 (15.11.1928)
Date
1928-11-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 46. Der Israelit 15. November 1928 deren ganzen Einsatz die Religion von uns fordert. Und wenn Kompromißler, die einige Schritte vom Abgrund der Assimilation zurückgewichen sind, mit diesen Schritten das Judentum erhalten zu können glauben, so wird die Zukunft erweisen, daß es nur ein: „Entweder-oder" gibt. Das aber müssen sie heute schon zugeben: daß der Kampf des gesetzestreuen Juden um die Erhaltung seiner Lebensform ihn zum Märtyrer macht. Bestehen wir diesen Kampf, so haben wirunsfürdasJu den t umgerettet, b e st e h e n w i r i h n n i ch t, s o s i n d w i' r verloren. Das ist die große furchtbare Krisis der gefetzes- -treuen Judenheit: Wo wir uns umsehen: Rechts die russische Judenheit, einst ein unerschöpfliches Reservoir jüdischer Gelehrsamkeit, unter dem Terror atheistischer Fanatiker, der alles, was wir bisher an Religionsverfolgungen kennen gelernt haben, in den Schatten stellt. Links: Amerika mit seinen nur auf Arbeit drängenden Verhältnissen, welche die Gesetzestreuen in schwerste Konflikte bringen, und in dem Meer der „Gentiles" unterzutauchen zwingen. Dazwischen bei uns die Notwendigkeiten des wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Daseins, die so übermächtig sind, daß wir selbst ihnen alle möglichen Konzessionen machen müssen, daß dem ganzen Leben des Gesetzestreuen der Charakter des Unfreien aufgeprägt ist, daß seine Persönlichkeit gebrochen erscheint. Kommen dazu die großen, in den schwierigen Verhältnissen der Nachkriegszeit doppelt drückenden Kosten, die mit gesetzestreuer Lebenshaltung verbunden sind, so ergibt sich das Bild des unter der Last seiner freiwilligen Verpflichtungen schier erliegenden Juden, der dabei die Weite des Horizontes eingebüßt hat, der in hundert Enklaven zerstreut in den Streit der Parteien hineingezogen wird, mit allen ein Bündnis schließen kann, nur nicht mit den Gesetzestreuen, weil — sie nichts haben. Und die Thora soll von denen leben, die sie nicht halten!? ’nn na nnm iv. Wie sagt der Talmud? Wenn nicht drei Feststellungen in der Thora wären, könnten wir längst nicht mehr bestehen vor Gott: nnisnn iVXi daß/ Gott unser Schicksal gelenkt, *ixr»n Ta naina nan daß wir wie Lehm sind in der Hand des Töpfers, pxn 3b nx TiTvni daß Er unser Herz, so wie es ist, geschaffen und verändert. Damit sind die drei unser Leben und Streben niederhaltenden Bedingungen angegeben, unter And zum Schluß? Ein Mdrasch-Work und seine Deutung. Wkv Damit wird Abraham angekündigt, daß man im Achtzehngebet seiner mitooi28 ’pVs gedenken wird, 121281 weist aus Isaak hin,-,'»-' T-uki enthält die Ankündigung, daß man mit 3,?*’ auch Jakobs gedenkt, m tna» 0^123 1'voin, zum Schlüsse aber sei nicht aller Väter gedacht, denn es heißt 0212 '»»ni du, nur du allein beschließest den Segen. Daher nur ani28 p» 'in fra Vn Fortsetzung dieser Erklärung wird dann der Vers aus . rri zitiert: n’^mn n»2 T 'n'-w-,. (Kap. 17, 8) der sich auf König David bezieht und dem damit angekündigt wird, daß er insofern in den Rang eines Abraham gehoben wird, als ein Segensspruch mit seinem Namen schließt, und zwar der Abschnitt der Haftorah, der mit iii pn ausklingt. Sollte wirklich David über Isaak und Jakob hinaus einem Abraham gleichgestellt werden? Uns will es scheinen, als verstecke sich hinter diesem Worte ein anderer, weiter in die Zeiten ausschauender Sinn, der uns dann aufgeht, wenn wir noch ein anderes Midraschwort vorausschicken: denen wir leiden: Die äußeren Verhältnisse, die im Wesen des Goluth liegen, unsere von Irdischem und Sinnlichem durchsetzte Natur und unser Egoismus. Wir sind daran nicht schuld. Aber wenn Gott für diese sozialen, kreatürlichen und menschlichen Grundlagen, auf die Er uns gestellt hat, uns nicht verantwortlich macht, so sind wir dadurch nicht von der Schuld freigesprochen, daß wir in ihnen stecken geblieben, daß wir so gar nichts anzufangen gewußt haben, mit dem Geschenk, das zu ihrer Ueberwmdimg uns gegeben, mit der Freiheit, darin unsere Aufgabe zu erkennen. Religiös sein heißt im tiefsten Grunde nichts anderes als frei sein, religiös leben, nichts anderes als mit der letzten stärksten Freiheit zu handeln, die nichts weiß von Erdenschwere und menschlicher Gebundenheit und selbstsüchtiger Zweckmäßigkeit. Und wenn wir uns gerade in einer Zeit wie der heutigen dieser Seite unserer Religion erinnern, so ist es eben um der Krisis willen, in der wir uns befinden, die aber vielleicht eine stete Begleiterscheinung unserer Religion darstellt. Die Agonie hat der Talüiud als notwendige Voraussetzung für die Erhaltung des Judentums angesehen, wenn er sagt: jede Mizwa, für die sich Israel nicht dem Tode h in - gibt, hat keinen Bestand. Diese Bereitsch.aft, diese innere Freiheit zum Letzten, die nach außen drängt zur Ueberwindung, Gestaltung und Formung, muß uns beseelen. Denken wir an die Schwere der Aufgabe, seien wir aber umso stolzer auf ihre Erfüllung! Auf unseren Schultern ruht die jüdische Zukunft! Suchen wir durch unsere Lehrhäuser unsere Jugend mit diesem Bewußtsein zu erfüllen, setzen wir alles daran, über der gegenwärtigen Zerklüftung die Einheit unter uns Gesetzestreuen wiederherzustellen und vermittelst dieser Einheit die sich türmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden! Nur so kann die Krisis zur Gesundung und gleich den früheren großen Wendepunkten unserer Geschichte zum Werdepunkt neuen Lebens werden und zu einem Höhepunkt jüdischen Geistes führen. BiOXULTDA Die sfarkschäumencfe Sauersfoff-Zahnpdtsfo wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnvasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 50 M BIOX-MUNDWASSER Flasche 1.— und 2.— SDK. Gegen lockere Zähne. Probe-Flasche gratis. Max Elb A. Q., Dresden Abraham erschien Gott in der Gestalt eines Berges, nK-p 'n na Isaak nannte Ihn Feld niv2 mvb, Jakob war er aber Hausen rri- Soll heißen: Abraham hatte die Gottesidee allgemein in der Welt verbreitet und eine Welt brachte diesem in pvn ihre Huldigung in dem Maße dar, daß die Gob teserkenntnis wie ein ragender Berg orientierend im Gelände wirkt«. Aller Augen konnten frei zu ihm hinaufschauen. Zur Zeit Isaaks war der Gottesgedanke schon „Feld", Acker, von Begnadeten und Auserkorenen betreut, Domäne einer bestimmten Menschengruppe, die von den anderen verkannt und angefeindet wurde. Jakob, auf dessen Namen wir hören, das kleine Jakobsvolk in der Folge der Geschichte, mußte sich schon vollends mit seinem Idealen, mit seiner Gotteswahrheit ins Haus verkriechen, im Sinne des Prophetenwortes i'uni §2'»r?i!- Und dieses Haus im Ghetto war oft genug bedroht und bedrängt, umbrandet von den Stürmen der Welt. — Es hat standgehalten. Wie soll es aber in Zukunft werden, wennder Mensch aus seinem Geschichtsgange das letzte Ziel -erreicht hat? Soll sich der Sieg der Gottessache auf Jakobs „Haus" beschränken oder nur „Domäne" einer Gruppe unter Jizchok sein? Nein! Abraham kommt wieder zu Wort. Und wie der ragende Berg ist dann die Gottes« erkenntnis sichtbar und orientierend für alle Well. Alle Völker kommen, um sich huldigend niederzuwerfen vor dem heiligen Berge. In der Verheißung an Abraham, da er die Heimat verläßt, um den Gottesgedanken in die Welt zu tragen, wird ihm die Rückentwicklung von „Berg" über „Feld" zu „Haus" nicht verheimlicht. Aber zugleich, die weiteste Perspektive für die letzte Zukunft eröffnet. 0^123 pvnin 8rp i>i3'. Sollte etwa der Schluß der Menschheitsentwicklung an Isaaks „Feld" und Jakobs „Haus" geknüpft sein? Nein! pvnin -'m 12 0212 'vn b"r> am Ende IVochenrundschau. Ausbau uud Ambau. Eine überaus belehrende Schrift über das Problem des jüdischen Wirtschaftslebens in O st e u r 0 p a , die bei aller Erkenntnis der Mängel, Leiden und Enttäuschungendes jüdischen Siedlungswerkes in Rußland eine starke optimistische Auffassung der Dinge verrät, klingt mit folgenden Worten aus: . „Nach den geschriebenen Verfassungen sämtlicher Kulturstaaten sind die Juden Heute gleichberechtigt. Auch in den Ländern, des östlichen Europas ist die äußerliche Emanzipation im großen und ganzen erreicht. Im jetzigen Zeitabsc^litt steht das osteuropäische Judentum vor der Aufgabe, die formelle rechtliche Gleichheit in die faktische sozial-wirtschaftliche Gleichstellung umzusetzen. Diese Aufgabe wird einen Kampf von mehreren Generationen erfordern. Die Produktivierung der jüdischen Masse ist gegenwärtig die Achse, um die sich im Osten alle Probleme des jüdischen Lebens drehen. Gewiß könnte die Emigration, vorausgesetzt, daß es nennenswerte Einwanderungsmöglichkeiten gäbe, die Lage der Bedrängten etwas erleichtern, aber der Kern des Problems wird dadurch nicht berührte Gewiß sind kulturelle. Minderheitsrechte für die Juden in den Ostländern von großer Bedeutung, jedoch die zentrale Forderung unserer Zeit geht dahin, den jüdischen Volksorganismus im Osten in seinen wichtigsten wirtschaftlichen Funktionen zu stärken. Das verlangt soziale Umschichtung, Heranziehung großer Bevölkerungsgruppen zur. Industrie, Schaffung eines jüdischen Bauernstandes, besonders in den Agrarländern, wo dafür die günstigsten Bedingungen vorhanden sind. In mannigfaltigen Erscheinungen der Gegenwart kündigt sich bereits die neue Zukunft an. Das osteuropäische Judentum liquidiert das Erbe des Ghetto und beginnt ein den anderen Völkern gleichwertiges Leben zu führen." Verfasser der Schrift ist A. S i n g a l o w s k y, ein in Wirtschaftsdingen fachkundiger undmit dem jüdischen Leben Osteuropas gut vertrauter Mann. Wir wollen daher über Einzelheiten mit ihm nicht rechten. Wir hatten aber vor kurzem Gelegenheit, Singalowsky bei Anlaß seines scharfen Auftretens gegen die leisen Versuche Jsmar Freunds nach der Richtung eines religiösen Aufder Zeiten steht wieder -dein Namen, und mit ihm die Bergeshöhe, zu der alle Völker der Erde emporblicken. Wir sehnen das goldene Zeitalter für die Welt herbei. Der Mann, der in Zukunft Abrahams Sache zum Siege bringt, ist 111 ,2 wen, also ist diese letzte Etappe mit dem Namen Davids verbunden. Der Messias, der kommt, um mit uns durch uns die Welt zu erlösen und sie zu Abrahamshöhe hinzuführen, ist ein David. Wie wir im Achtzehngebete mit Abraham schließen, so klingt ein Segensspruch der Haftora — auch in der Geschichte gibt es eine „Haftora", einen letzten Schlußpunkt —> mit David aus, der Führer der Menschen zur Bergeshöhe Abrahams ist. Die Schlußakkorde heißen: 0112» pn und 111 pe- Kleines Feuilleton Durch Spiel zum Erusi. Es gibt für denkende jüdische Eltern vohl kein schwierigeres Problem als die Frage: wie sie in der Gegen-., wart mit ihren tausendfältigen Einwirkungen auf die empj sänglichen Kindergemüter ihre 'Kinder dem Judentum und das Judentum ihren Kindern erhalten können. Jeder Versuch nach einer Lösung dieser Frage verdient 'daher die ernsteste Aufmerksamkeit aller jüdisch Interessierten. Einen solchen Versuch stellt das von der Kunstgewerbestube Westheim, Frankfurt a. M., herausgegebene neue Spiel „Luftige Reife durchs jüdische Jahr" dar.

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