Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1928)
- Date
- 1928-11-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«r , <w> w 15. November 1928 (l* vll«f cert 2. Aislew 5689 Nr. 46 Begründet von Dr. Lehmarm in Mainz. Abom»r«ent MSmmar18«^ Dmtfchkand^ ^GoL«E «qEWr7»UL^^WMvM Urhi^ifeten1fprechrnd^de«t.drutschenJnr<Ntd«pretr-r»üslsch«oste« ^SvEand-Be» fände«) Deutsch-Ssterreich: Schilling 8^-; Amerika 1 Dollar: England 4 fh.: ab 1. ÄuN Wankreich LS M; Bel-len ab lT?. 27. Belga S: Holland»fc Stolle» aM. 1.28.18Stre; ,Ago. fllWte»' W DiNi; Litauen! 7.80 Lit.; Rumiime» ab 1. 7^ 87. IM Lei; Iottn^4 deutsche Gowmärk itüm Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 8 -fit. Tschecho-Slowakei LSKronen: Ungar» Penaö 8 ab 1.Juli 1887; DSnematt 8.SO «ron; Norwegen 8.60 Krön.; Schweden 8«l «ron. Einzelnummer dreißig. Goldpfenntge. Der ÄsraeM «scheint MMDoMerstzatz^Mfercü» « .Eol — - - > ' Stonp<^ille»Leil^ AboNr«»trn zahle« sei stellengtsuchennnd^FarnUtenanzeigennnrnv/. *Ste76mj^l«ette SleklamezÄle: letzte Textseite L0u Mk., vorl^te^etfeite L—Mk.; Ehtffregebühr in Söhe eines dopp. Fernbriefporlos. Rabatt nach Tarif. Bei laufende« Jnserataufträge« tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de» Verlag des Israelit (S. m. b. H., Frankfurt a. M>, Rechnetarabenstrake 7, Tel. Hansa V8R fon), durch fStttil* Xmtotic0ii*fitpd)b de- StM und Au-lund-. Auetnige ZnrerittevMm. sürFran». »eschäftsanz.: Snl. Schmidt, Langestr. 7, ll. Tel. Hansa 4841. Platzvorfthr. ohne Verbindlichk^ «»«^»«ge» direkt an de« Verlag auf Postscheckkonto Mankfurt (Main) Rr. 18808. — Aocherdem an: Warschau Nr. 180787. Postscheckamt Zürich Nr. VIII 7L4 — Jnkasso-Bank Rottr " Bukarest - Filiale des Mener Bankvereins 1» Agram. — Der Gerichtsstand . — Postsparkassenamt Budwaest Nr. 18434. — lische Untonbank t» Prag — Bauen Mannaroscb Blank & Co. in ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Sraukfurt a. M. Von Dir. Dr. Ellas in Fürth. ' I. Krisen gibt es im Leben der Einzelnen und der Gesamtheit: Momente der Entscheidung, in denen sich Gesundes vom Kranken löst, in denen das Los fällt zum Guten oder Bösen; Segen oder Fluch, Glück oder Unglück, Leben oder Tod besiegelnd. Und wenn die Wege sich auch lange vorher geschieden haben, bevor es unserem Auge sichtbar ward, wenn der eigentliche Moment der Krisis meist auch gar nicht zu Bewußtsein kam, existiert hat er sicher und die Wahl und die Möglichkeit gelassen/entweder — oder! Die jüdische Geschichte ist reich an solchen Momenten. Ms der erste Tempel ein Raubder Flammen geworden, war solch ein Wendepunkt gekommen. Da mußte sich zeigen, ob die unglückliche Neigung zum Götzendienst der andern Völker im Herzen unseres Volkes oder nur an der Peripherie wurzelte; ob unser Gottesdienst abhängigs-rpär von der Hilfe, die er Uns gewährte, oder übtzr, alle Schicksalsschläge hinweg das Heiligtum Werdauerttd,'die Grenzen überspringend, die Verzweiflung überwand. Der endgültige Untergang Ws jüdischen Staates und der jüdischen Selbständigkeit, ebenso wie 200 Jahre vorher der Einbruch der hellenistischen Welle in Palästina und 200 Jahre nachher der Uebergang der geistigen Führerschaft auf Babylonien, das waren Schnittpunkte, : Schicksalsstunden der Geschichte, wie sie sich im -Drama unseres nationalen Lebens oft und oftwiederholten. II. ' Daß wir auch heute in einer Zeit der Krisis stehen, wird von keinem Juden, so -optimistisch er sonst -sein mag/bestritten. Für die Liberalen ist sie in ihrer letzten Berliner Konferenz deutlich genug, zum Ausdruck gekommen. Der dünne Faden, der sie mit der jüdischen Religion noch verband, dröht längst zu zerreißen und läßt sich trotz des besten Millens,- den -einzelne Führer dazuhaben, nicht fester knüpfen, da die; Zugehörigkeit 3um Judentum mW einer^ Fülle wirtschaftlicher^ und gesellschaftlicher'^und politischer Widerwärtigkeiten verknüpft M denen die im besten Fall der Vergangenheit' angehörendenreligionsgeschichtülWn ^tzWWste^' desJMentums. nichts von chrer^tzä^keWMHMeW'kA'ttnen'.'-' ' ' . - In elftem Heft - der „Süddeutschen Monatshefte", das vor längerer Zeit der „Krisis der Religionen" gewidmet war, hat Weltfch das Bekenntnis abgelegt, daß sich auch das Judentum, wie er es versteht, — also das nationale — in einer schweren Krise befinde. Aus drei Quellen sieht er den Strom des Religiösen sich bilden und erneuern: Aus Glaubens Erlebnis und Formen. Alle drei seien im Judentum so gut wie versiegt. Der G l au b e, d. i. das Vertrauen in einen Sinn der Welt und des Lebens, im Judentum identisch'mit dem Vertrauen in den göttlichen Ursprung der Bibel' und Ueberli-eferung, sei geschwunden, an seine Stelle sei die Leugnung oder mindestens eine nach Beweisen fragende/kümmerlich von der Wissenschaft genährte Ueberzeugung getreten. . Das religiöse E r'l ebnis, d. i. nach Bub er die Zwiesprache mit Gott, das Jch-Du- Verhältnis zu Ihm (im Gegensatz zu der Identifizierung der deutschen Mystiker) sei im Chassidismus zu einem letzten elementaren Ausdruck gekommen und seitdem eingeschlafen. Statt dessen sei eine kalte, von fernen Quellen gespeiste Ueberlieferung getreten, die von den glutvollen Erlebnissen früherer Generationen lebt. Aber auch die F o r m e n, die bei der Erhaltung des Judentums eine Hauptrolle gespielt haben, hätten ausgespielt: denn sie seien, nicht mehr die Formen eines wirklich gegenwärtigen Lebens, sondern d' eines vergangenen, Erstarrung statt Gestaltung Die Folgerung, die Weltsch im Namen, des Judentums daraus zieht, ist natürlich, wie vom Schriftleiter der „Jüdischen Rundschau" nicht anders erwartet wird, zionistisch: Nur in Palästina sei eine Lösung der Krise denkbar, weil Formen erzeugendes, neue Formen beseelendes Leben nur auf jüdischem Boden, im jüdischen Zentrum möglich sei. Zwar sei das Leben der jungen Generation dörtselbst (im neuen Jischuw) heute alles eher wie religiös. Aber man müsse unterscheiden zwischen Krise und Krise. Die der Diaspora fei eine solche der Schwäche, bedeute Stagnation und ende mit Tod. Die im jungen Palästina sei aus dem Chaos entstanden, ein Symptom der Genesung und ende mit Erneuerung. , Was an diesem schön geschriebenen Aufsatz gefällt, das, ist die Ehrlichkeit, mit der hier ein Zionist auf die offene Wunde des in seinen Kreisen beobachteten Judentums und des neuen Jischuw hinweist: Daß die Krisis der jüdischen Religion zu einer Krisis des Judentums führen müsse. Er scheint sich da grundsätzlich von Klatzkin zu trennen. Abex diese.,Ehrlichkeit Ünherj nichts daran, daß der Ausdruck „Krisis" für eine Lage, wie er sie schildert, nicht mehr zutrifft. Wenn der Glaube geschwunden, das religiöse Erlebnis nicht mehr spürbar, die religiöse Form nichts mehr bedeutet, dann ist das alte Judentum gestorben. In der Krisis muß die Möglichkeit noch vorhanden sein für Leben und für Tod, in der von ihm geschilderten Situation ist nichts mehr zu hoffen, wenigstens nicht mehr für das, was Welt und Geschichte Judentum nennt und aus den heiligen Schriften zu uns spricht. Wenn im neuen Jischuw aus den Tiefen der Volkspsyche die alten religiösen Formen durch neue ersetzt werden, dann muß auch der Glaube an die Göttlichkeit der Bibel durch einen, neuen -ersetzt werden — Ansätze dazu zeigt Rosenzweig in einem der letzten „Morgen"-Hefte in unzweideutiger Weise. Das aber ist ein neuer Anfang zu einem neuen Judentum, das so wenig mit dem unserer Väter zu tun hat, wie die „Lebensfrömmigkeit" W. Michels, die Büber unter Berufung auf unseren Vater Abraham als unjüdtsch ablehnt.*) Die Heilmethode Weltsch' führt vom äußeren Verfall zur inneren. Z ersetzu n g, von der K r i s e zu schwererer K r a n k h e i t, - III. Freilich, auch die Orthodoxie ist nicht blind. Sie sieht den Riß, erkennt die Krisis und ihr bangt vor dem Ausgang. Nicht wegen des schwankenden Glaubens und des schwächlichen religiösen Gefühls. Dieses Tiefste muß ohnehin jede Generatiyn sich neu erwerben. Und die Moderne ist für die Suche und. Sehnsucht nach Gott zweifellos reifer als die Generation vor hundert Jahren. Vom Glauben und Gefühl ist bei uns nicht zu trennen die Mizwa. Da ist auch kein Unterschied zwischen der Diaspora und dem heb ligen Lande. Ist die Erfüllung der „Formen" Heute leichter in Palästina, so gab es wieder Zeiten, tn denen es anders war. Mit einem Rückblick auf zwei Krisen unserer Geschichte zur Zeit Esras und Hillels, die beide von auswärts kommend das palästinensische Judentum gerettet haben, weist ein Midrasch auf die endliche Geula hin, die ebenfalls von der Diaspora her kommen, werde. Danach scheint dieser in der Geschichte des Judentums noch ^ine wichtige Aufgabe zuzukommen. Nicht im Schwinden des Glaubens und Gefühls sehen wir die Hauptkrise; sondern in dein Schwinden der materiellen und physischen Kräfte, uf!). Der Jude, Sonderheft zu' Bubers 50. Geburtstag. i