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Der Israelit · 1928-11-08 · Heft 45 (8.11.1928) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 45 (8.11.1928)
Date
1928-11-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 45 Der Israelit Schweiz. . Zuteilung von Skaatsländereien an jüdische Sied ler in Palästina vor dem Völkerbund. Genf, 26. Oktober. Die Erwiderung der britischen Regierung auf das der letzten Sitzung der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes (im Juni d. I.) vorgelegene Memorandum der Zionistischen Organisation bezüglich der Pflicht der britischen Regierung, Staats- und Brachländereien für eine zusammenhängende jüdische Siedlung in Palästina zur Verfügung zu stellen, ist soeben beim Völkerbund deponiert worden. Zu der Frage der Ansiedlung von Juden auf Staatsböden gemäß Artikel 6 des Palästinamandates äußert sich die britische Regierung dahin, daß die Palästina- Regierung sich der Pflicht, die ihr Artikel 6 des Mandates auferlegt, wohl bewußt ist, und daß sie, wie es auch das Memorandum anerkennt, bestrebt ist, in der Angelegenheit der Beisan-Böden zu einem befriedigenden Arrangement zu kommen..^ Aus der Petition der Araber v:n Caesarea, die im vorigen Jahre überreicht werden war. kann die Mandatskommission ersehen, wie sehr die Larkriegseinwohner jeden Akt der Palästina-Negicrung. der sich auf die Position von Staatsböden bezieht, mißtrauisch beobachten: Pflicht der Regierung ist es deshalb, die Obliegenheiten, die ihr aus Artikel 6 des Mandates erwachsen, mit jener Vorsicht zu erfüllen, die wesentlich ist für die Erhaltung des Friedens und der. Ordnung, ohne welche das jüdische Nationalheim nicht aus sicheren Fundamenten errichtet werden könne.- Bezüglich der Beisan-Böden stellt die Regierung fest, daß eine Sonderkommission die Ansprüche, die sich, auf diese Böden beziehen, prüft und hierin bereits beträchtliche Fortschritte erzielt hat. Es wird erwogen, Einzelpersonen und Körperschaften, die sich mit der Entwicklung der Landwirtschaft befassen, in die Lage zu versetzen, von denjenigen, die auf Grund des Veisan-Abkomms den Boden innehaben, diesen Boden zu erwerben und zwar unter den gleichen Bedingungen, unter denen ihn jene an sich gebracht haben. Die Regierung hofft, daß ein befriedigendes Ergebnis erzielt werden wird, muß aber bemerken, daß Vorsicht geboten sei, und daß die bodenarmen Elemente unter den jetzigen Inhabern von Beisanböden nicht ganz ihres Bodens verlustig gehen sollen. tation von Schutzleuten und Schüler der Talmud Thoraschulen führten den Trauerzug an. . Rabbi Raphael Ahron erreichte ein Alter von 85 Jahren. Sein Andenken wird in weiten Kreisen unvergeßlich bleiben. Die Moslemiten bilden einen Weltverband. Jerusalem, 2. Nov. Die am 1. November eröffnete, vom moslemitischen Obersten Rat einberufene Konferenz, an der ungefähr 800 Personen, darunter solche aus Transjordanien, dem Li banon und Syrien, teilnehmen, hat beschlossen, einen Weltverband der Moslemiten zum Schutze der Heiligen Stätten Jerusalems, besonders der Klagemauer, zu bilden. An alle Moslemiten der Welt wird appelliert, Petitionen an Großbritannien und an den Völkerbund in der Sache der Klagemauer zu senden. Zur Durchführung der Beschlüsse der Konferenz wurde ein Komitee eingesetzt. Die Beratungen dauern fort. Das tschechoslowakische Jubiläum in Palästina. Gerichtsurteil. Jerusalem, 4. Nov. Die tschechoslowakische jüdische Gemeinde in Jerusalem veranstaltete eine Kundgebung aus Anlaß des 10jährigen Jubiläums der tschechoslowakischen Republik, der Hauptredner war der greise Rabbi Chaim Sonnenfeld, der selber aus der Tschechoslowakei stammt. Der tschechoslowakische Konsul in Palästina wohnte der Feier bei und dankte in einer Ansprache den Teilnehmern für ihre Loyalität und Liebe zu ihrem Geburtsland. An den Prä sidenten Masaryk wurde eine Begrüßungskundgebung gesandt. * * « Das Gericht in Tel-Awiw hat soeben das Urteil gegen jene jungen Leute gesprochen, die am Abend des Simchath Thora einen Angriff auf eine Versammlung des Klubs Poale Zion, wo gerade das Jubiläum edr Czernowitzer Jiddisch-Konferenz begangen wurde, ausgesührt haben. Vier der Angeklagte wurden freigesprochen, während 15 zu je 15 Tagen Gefängnis mit Aussetzung der Strafhaft für ein Jahr bei Leistung einer Bürgschaft von 10 Pfund verurteilt worden sind. Personalien. Palästina. Chacham Rabbi Raphael Ahron ben Schimon Jerusalem, 1. Nov. Wie schon kurz berichtet, verstarb in Tel-Awiw der frühere Grand-Rabbin von Kairo, Rabbi Raphael Ahron ben Schimon, eine bekannte Thoragröße, eine Führerpersönlichkeit von großem Format und von größtem Einfluß auf die Sefardim des gesamten Orientes. Er gehörte zu den Wortführern der Krakauer Konfreenz, die vor etwa 20 Jahren dort den Eid gegen die Ritualm^rdbeschuldigung..adlegte. Nach dem Tode des Chacham-BaW, Rabbi Mosche Effendi in Konstantinopel, wav! Rabbi Raphael nach Ansicht aller Kenner und Freüstde' der jüdischen^ Sache M' nahen Orient der einzig gegebne: Kandidatfür dieses -Fürftenrabbinat, das seitdem freilich im Wandel >der Zeiten an Glanz äevloren hat. Politische 'Mächenschäften setzten' damals gegen ihn ein und er unterlag dem Kandidaten der Alliance Jsraelite Universelle „Chacham Nacks um. Rabbi Raphael blieb in Aegypten und wirkte, getragen vom Vertrauen seiner Gemeinde und den Behörden, über 20 Jahre zum unermeßlichen Segen für Gemeinde und. Gemeinschaft. Als er vor-wenigen Jahren von seinem Amte zurücktrat, erwarb er sich in' Tel-Awiw ein kleines Anwesen, wo er seinen Lebensabend in Rühe und im Studium der heiligen Lehre verbrachte. Am politischen Leben nahni er keinen Anteil mehr. Sein Wunsch war, auf dem Oelberg in Jerusalem bestattet zu werden, der ihm nun erfüllt wurde./ Im Tel-Awiw waren am Tage der Ueberführung sämtliche Geschäfte geschlossen. Vom Rabbinate war Arbeitsruhe angeordnet. Man sah hinter der Bahre neben allen Teilen der Tel-Awiwer Bevölkerung auch Vertreter der -)8ehördon, sowie Vertreter des Rabbittätes der Gemeinde und der Regierungsbehörden von Kairo. IN Jerusalem hielten ergreifende Hespedreden Chacham U s i e l und Rabbiner I. H o r o v i c z. Eine Ehrendepu- Aulda, 6. Nov. Ein liebes, wertvolles Mitglied ist un ferer Gemeinde entrissen worden. Nach langem, mühseligen Leiden hat Herr Benni Birkenruth seine nii.iv n»V2 ausgehaucht. Die war eine gewaltige Kundgebung der Liebe und Verehrung. Da die Halle die unermeßliche Zahl der an der ’-o Teilnehmenden nicht zu fassen vermochte, würdigte Herr Prov.-Rabb. Dr. Cahn '"r die Persönlichkeit des ivw unter freiem Himmel. Anknüpfend an den ersten p'os von 1? 'st entwarf er ein Lebensbild des Dahingegangenen, das ein geschloffenes, harmonisches Ganze darstelle von seinem Beginne bis zu seinem Abschluß. 0212 rr>nv es werde uns zur Quelle der 0212 werden können, wenn wir uns mühen, . das Schöne und Große, das dieses Lebey auf-< weise, in unser'Dasein hineinzunehmen. 'Während''der •wa» ließ die »e’ip':si3n, deren jahrzehntelanges/ Mrst glied her Heimgegangene war, im Haufe einend i*>ön ihalten,.-in, dem der Schmerz der. s-un.■ über die»kla-ffende Lücke, die ihr gerissen wurde, seinen Äusdrhck f<md Md i die hintzebungsvolle' ünd pflichtgetreue Ätheit auf allen Gebieten des ivn gefchild^k würde ^de^ ,i3on schloß mit dem innigen Wunsche, daß der «un aus der Weiterarbeit im Geiste des ihr entrissenen Mitgliedes ein reiches Maß von 0212 zuftröme. -'"axar Kassel, 8. Oft. Sein 25jähriges Geschäftsjubiläum beging am 1. Oktober 'das Lebensmittelgeschäft Gustav G 0 l d s ch m i d t dahier. Kassel, 8. Okt. Ihren 86. Geburtstag, beging Frau Minna S ter nimr> b enachbavten' HolzhMfsü: Grehenstein, 8. Okt. Am 12. Oktober' feiette Lehrer P l a u,t i. R. seinen 85. Geburtstag in größter Rüstigkeit unh Geistessrische. Am 1. Oktober waren 50J Jahre verflossen, daß er als junger Lehrer hierher kam.u Kassel, 27. Okt.- Seinen 80. Geburtstag-beging-Herr Süßmann Kaufmann dahiev in seltener körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrischei Als ehemaliger vn v war' er viele... Jahre eine offizielle und bekannte 'Persönlichkeit/ unserer 'Gemeinde..,'Das innigemusterhafte Familienleben und die Art' und Weise, wie er seine zahlreichen Kinderzu geächteten bürgerlichen Stellungen - erzog, machen - den stets liebenswürdigen . alten Herrn zü einer besonders sympathischen Erscheinung/ '. . Kassel, 5. Noyl. Die' eiMtze am': Aak»W geschlossene Bäckerei und Konditorei am hiesigen Platz ist infolge Krankheit des Inhabers an einen Nichtjuden verkauft worden. Infolgedessen fehlt am hiesigen Ort mit feinen dreitausend jüdischen Seelen und mehreren hundert ritu-, ellen Haushaltungen eine jüdische Bäckerei und Konditorei. Interessenten', die beabsichtigen, ein Bäckerei- und Konditorei-Unternehmen in Kassel zu errichten, wollen sich mit Herrn Moritz L o e b in Kassel, Hohentorstraße 9 in Verbindung setzen. Montreux, 6. Nov.- Schwester Recha Feuchtwan g e r aus Berlin hat sich freiwillig und uneigennützig in den Dienst der hiesigen Jeschiwah'gestellt. Sie kam für einige Monate hierher, um das neue Jeschiwah- Heim in Villa Quisiana für ca. 35 Schüler einzurichten und zu ordnen, wobei sie wirklich Großes vollbrachte. Sie tat alles, um die Räume den Lernenden wohnlich und angenehm zu machen. Schwester Recha hat selbst nach ihrem Verlassen der Jeschiwah weiter, für dieselbe gewirkt und sie steht immer noch in engster Verbindung mit ihr. Durch ihre Bemühungen in ihrem weiten Bekanntenkreis erhielt die Jeschiwah letzthin eine große Kiste neuer prachtvoller Silberbestecke. Schwester Recha, die keine Danksagung will, wird der Lohn für ihre aufopfernde Arbeit mina v2irst von höherer Stelle werden. Sprechsaal. Erwiderung. Im „Israelit" vom 25. Oktober a. c. findet sich auf Seite 5 in einer Betrachtung der im jüdischen Wochenblatt erschienenen programmatischen Vorschläge der Zeire Misrachi, Köln, der folgende Satz: „ . . ist es nicht erschütternd, daß in diesem Progarmm das spezifisch Religiöse fast gänzlich fehlt, daß ganz offensichtlich alles spezifisch Jugendliche, die Wärme der Begeisterung zwar dem Sozialismus gilt, aber keineswegs der ganzen Thora, keineswegs dem Gottgedanken, keineswegs dem Thoralernen als höchster Lebensaufgabe des Juden!" Ich habe dazu, auch im Sinne meiner Kölner Freunde, zu bemerken: Die Entrüstung des Schreibers der obigen Zeilen entspringt u. E. einer geistigen Verfassung, der das ganze Judentum sich auf das beschränkt, was der Schreiber das „spezifisch Religiöse" nennt. Für uns a&er bilden nur und msa die selbstverständliche Voraussetzung unseres gesamten Tuns und Denkens und müssen diese in den programmatischen Vorschlägen nicht erst zur Diskussion gestellt werden. Wir finden unsere Probleme in denjenigen Auswirkungen des Religiösen, die von den Gesinnungsgenossen des Schreibers ignoriert werden, speziell in der nationalen und sozialen Frage. Die Vorwürfe eines „schamhaften Derschweigens religiös dogmatischer Bindungen" und daß wir „der Orthopraxie das Wort reden", die in den weiteren Ausführungen des Schreibers zum Ausdruck kommen, weisen wir zurück. Wir erklären aber mit aller Klarheit, daß die bindende Verpflichtung auf die min die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit zu uns ist. Dogmatische und metaphysische Fragen und.deren Lösung können niemals Inhalt des Programmes einer.Gruppe oder Vereinigung sein. Dr. Ämon Schlesinger, Köln.' (Die vorstehende Erklärung läßt keinerlei Verständ^- nis für unsere Ausführungen erkennen. Wenn: gegenüber unsrer Betonung der ungeteilten G-a-mz? heit der Thora,"der Nationales und Soziales.ebenso, religiös ist wie Sabbatfeier, Defillinlegen undGesetzesstudium, aber keineswegs wichtiger und religiöser/ weNÄ gegenüber diesem geschichtlich gegebenen aktjüdischen Standpunktder Herr Einsender den Einwand der. Beschränktheit auf das „spezifisch Religiöse" erhebt,, so ist das nichts küeitsr als-paiHeiische Polemik. „ S e l bfiö e r- 'tä.nd li#5: sind heutzutage Thöra-ünd MiMös/'zumal ■M Westen^ keineswegs; wer: sie nicht mit Inbrunst er-' greift' sind. A ihnen Mein die.' Lösung; gller Tag^smobleme Ncht, 'wirdihrer Md/^ls'-sKi es zerbrechliches'-Glas/^ verlustig.gW..— Wir habennicht -behüuptek, Kast'graöe die klnserzeichner des. Aufrufs persönlich der Orthopraxr-b das.,Mort,;red^n, aben dM, W ' junge/MisMchiftische Ideenwelt' (zum> Unterschiede p,om.Misrachi, .früherer - Jahrzehnte) die Keimstätte oer Orthüpraxie ist, laßt sich leider nicht leugnen. „Bindende Verpflichtung auf ' die Thora" im Gegensatz zu „dogmatischen und metaphysichen" Voraussetzungen, die doch allein aus äußerlichjuristischem Zwang wahrhaft religiöse Hingegebenheit erzeugen können, das ist eigentlich der gerade.Weg. zur Orthopraxie. Red.)/ ' AärnMennachrichtew Barm iz w or Paul -.Biberfeld, Berlin. : »n D nritf- — Werner. Sohn des Herxn Rechtsanw. Dr. Lyax Zunz, Friedrichnr. 19. Synckgoge Unterlindau. ^ilb-erne Hochzeit?: Robert 'Rüchersberg und Frau Rosa geb. Gottschalk.' WiesDaden; Hotel Kronprim, Taunustrotze 46-; 48; feiern am 16. November/'—' . ii ./; HÄwudist. Die Adrefst -der^ DescLintv ist: E. Botschko, Montreux (Schweiz), Villa Bella.

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