Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1928)
- Date
- 1928-11-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 45 SeM 7 8. November ISA ÄüMnMk üW 8üs KWM- Züdttäüm. Prag, 25. Oktober. Ne Judestheit der Tschechoslowakei begeht die Feier des 10jährigen Bestehens^ der Republik durch verschiedene FesMte Und Kundgebungen. Der OEste Rät des V e rb ä n de d der I ü dis chen Kult u Sg ein e i n d en B ö h mens, M ähre n s und Schlesiens hat in der im Festsääle des Jüdischen.Rathauses zu Prag äb- Zehaiieüen FeWtzUNg den 10jährigen Bestand der Tschechöslawäkischen Republik zum Anlaß genommen, die Anhänglichkeit der durch ihn vertretenen Judenheit an die Republik und an die Person ihres ersten Präsidenten T. G. Masaryk zum Ausdruck zu bringen. Der Oberste Rat benützt die Gelegenheit, um auf die gerechte Haltung der Republik und ihrer Regierung der Judenheit gegenüber hmzuweifen und daran die Hoffnung zu knüpfen, daß im Verhältnis des, Staates zu uns fortschreitend die Würdigung des hohen kulturellen Werres der Judneschaft, ihrer Ziele und Ausgaben Platz greisen wird. Um diesen geschichtlichen Gedenktag auch für die Zukunft zu einem für die Judenschaft denkwürdigen zu gestalten, beschließt die Präsidialkonf-erenz des Obersten Rates, die geplante tschechische Uebersetzung der Thvrä als ein Jubiläumswerk herauszugeben, sie auch als ein solches zu bezeichnen und diese Kundgebung dem Herrn Präsidenten der Republik zu übermitteln. Der Oberste Rät hat sich an die ihm angegliederten Kultusgememden mit der Forderung gewendet, diesen Tag durch festliche Kundgebungen hauptsächlich aber durch Akte der Wohltätigkeit und Nächstenliebe zu begehenum als Bürger dieses Staates den Beweis zu bringen, daß wir nicht nur Rechte beanspruchen, sondern auch Pflichten zu erfüllen bereit sind. Unsere besten, herzlichster: Glückwünsche begleiten die Republik auf ihrem weiteren Wege durch die Geschichte. Eine Fesinmnrner zum zehnjährigen Jubiläum der Tschecho-Slowakischen Republik. Preßburg, 4. Nov. Die Tschechoslowakei feiert das erste Dezennium ihres Bestehens. Aus dem Feuer des Weltkrieges ist dieser Staat wie die meisten Kleinstaaten hervörgetzangen -und hat sich in zehn Jahrenmit einem edlen und energischen Führer an der Spitze, als Bollwerk des Rechtes und der Freiheit bewährt. Aufblühend; politisch, wirtschaftlich, wie kulturell nach vorwärts gerichtet, so tritt die Tschechoslowakische Republik ins zweite Jahrzehnt. Mit dem tschechoslowakischen Volke feiern die Juden dieses kleine Jubiläum,- dankerfüllt und mit heißen Wünschen itn Herzen für dett- Staat und seitte Zukunft, mit deN besten Äustschen äüch für sMen Präsidentest Mäsäry k, den von früher her bewährten FreüNd der jüdischen Sachedessen Name schött ein Wahrzeichen ist für die Zieledenen die Tschechöslowäkei züstrebt. Äst Ptäg und ist üllest Städten Tschechiens stirb der Slowakei wurden vonseiten der jüdischen Gemeinden Feierlichkeiteü und Dankgottesdienste in den Synagogen verNNstalte^ Mb vön ungeheurer Herzlichkeit getragen. Ein höchtvertiges DoktttNent dßs jüdischen Dänktzs stellt die SVndersestnuMtner der ,-Jüdischen Presse" m ihrer P re ß b u t g e r Ausgabe dar- Ein Begküßstngsaussätz von Jükob Jöel Brtiün beitet. die kecchhältige FestnümMer eist. Sann ldsöst ststt. einen interesfänten Aufsatz über -,ZehN Jahre Tschechoslowakische Republik" vöü' Oberräbbiner Weber. Aeußerungey tschechüslöMkischkr Minister UstÜ Würdenträger über Juden und Judentum folgen und werden Löst Berichten ünÜ> Mitteilungen abgelöst. Oberrabbiner Leopold Spitzers Festrede in der Synagoge seiner Gemeinde ist wiedergegeben. Dr. Pick obin Mistrsteriuüi für Schulwesen bietet ein Kapitel der Geschichte- und Oberrabbiner Hirschler zeigt den „Uebergang von der Idee zur Wirklichkeit"-. wie man ihn in den zehn Jahren Tschechoslowakei erlebt hat. 'Briefe folgen, darunter ein hebräisches Schreiben von Rabbi Chajim Sonnenfeld, Begrüßungen von Dr. Pinchas Kohn und Jacob Rösenheim, ist denen die Bedeutung der slowakischen Orthodoxie für das GesäMtjUSWMM MM ÄWSMck MW. Alls M WchiM interessiert sehr einhebräisches Schreiben des „Kfaw Sofer" über Baron Wil.helm v. Rothschild. Ueber die Jefchiwoth in der Slowakei referiert Obekrabbiner Horowitz aus Huncovce. Allgemein belehrende Artikel kommen aus der Feder des bewährten Dr. S. Lieben, ... Prag und des Oberrabbiners Moses Chajim Läu. Selbstverständlich ist auch der alte Pragtzr Judenfrtedhof (Lieben und S. Fischhöf, Präg) vertreten. Weitere historische Dokumente aus der Prager Judengeschichte veröffentlichen Dr. Simon Adler und Rabb. S. B. Müller. Von der S täa t str e ue der Orthodöxie:zeugt ferner Samüel Reiner. Eine Biographie Rabbi Zeche skel Landaus von Dr. Frankl in Halberstadt ist nöch zu erwähnen und eine Skizze von Elje Matissen. Illustrationen und ausgezeichnete Ausnahmen aus alter und neuer Zeit, Prager Synagogengbilder, Porträts berühmter Männer u. o. a. schmücken Und beleben die 16 Seiten starke Festnummer in schönster und sinnigster Weise. Rumänien. Klagen und Forderungen der rumänischen Juden vor dem Senat. Bu k a re st., 4. Nov. In der letzten Sitzung des rumänischen Senats führte der Vertreter der Juden, Senator Horia C a r p, u. a. aus: Wir Juden unterstützen die Regierung bei der finanziellen Wiederherstellung des Landes; man möge dem Märchen entgegentreten, daß wir im Auslande gegen die Interessen des Landes arbeiten. Die rumänischen Juden im Auslande haben bereits gegen diese Lüge Stellung genommen. Nöch gibt es Beamte, die uns Juden als Bürger zweiten Ranges betrachten. Juden werden weder bei den Gerichten noch im Untrerichtswesen ernannt. Im Unterrichtswesen wird eine Politik der Schikane gegen die jüdischen Schüler geführt. Sie werden aus den Schulen ausgeschlossen. Der Redner protestierte gegen das Privatschulgesetz, welches die Interessen der jüdischen Schüler schädigt. Die jüdischen Gemeindeschulen werden von den Revisoren gesperrt, ohne daß das Ministerium befragt wird und obwohl sich der Mangel an Schulen stark fühlbar macht. Den jüdischen Handelsschulen in Bukarest wurde die Autorisation verweigert. Die jüdischen Lehrer werden bloß „toleriert". Warum wird uns die Möglichkeit entzogen, auch christliche Kinder zu erziehen, wo wir doch auch unsere Kinder christlichen Professoren anvertrauen. (Es entsteht Tumult.) Horia Carp berichtet über Fälle von Entrechtung und schloß: Wir Juden verlangen von der Regierung: 1. Die Aufhebung der Prüfungstaxen in den Gemeindeschulen. 2. Aus den im Budget für die Minoritätenschulen vorgesehenen Summen auch einen Geil für die jüdischen Schulen zu reservieren. 3. Die Errichtung einer jüdischen Lehrerbildungsanstalt. 4. Man füll endlich einmal aufhören, die gewesenen Kriegsgefangenen vor die Kriegsgerichte zu schleppen. Me rumänische Orthodoxie vor schweren Gefahren. Bukarest, 2. Nov. Ser KültüÄnittster.Läpedata will nach einjährigem schweren Kampfe, endlich gestatten, daß in Transsylvanien " (Neurumänien) wdhl die aütöNöMen örthövöxen israelitischen KultüsgMeiMen tüeiter bestehen könnestaber für >däs „Regstt" (Ä l t r ü in ä >n i e n) ,- B e ß - aräbiän " ünb „ Buko wina " - wird nur ein e --einheitliche jüdische Gemeinde" anerkannt. Ätän Miß es HM allgeinein, büß die Drahtzieher dieser Glaub ests- und Gerbissensvekheibattigüng in Rumänien niemand Andere sindals die Herren Oberrabbiner Dr. Riemirover, Elias Berkovics, Bankdirektör und Sekretär Schür ei g in Bukarest, M, äuf deni Bridea Wt jüdischen Reolötzie stehend, eine Tvenüting des Judentums in Altrumämen nicht zulafstzn wollen und alle erdenklichen Waffen schmieden, um die von etivü einer Million orthödöxen Judön gefVMrte GeMsseNsfteihÄt M ÄMchM. In Bükärest selbst kämpft der orthodoxe OberräbVmer Ch. S. Schor, mit über 6000 Anhängern, Mit Löwenmut und unter Aufopferung seines ganzen Elchs, für die Wnifkerielle Bewistigung zur Gründung - der fepstkäteN örthMWü jüdischen Gemeindendä er uM stine GemeindemitMeder sich unter keinen ÜmsWnden dazu hergeben könnest, Kultussteuern für einen Orgektempel zu bezahlestvöer einen Öherrabstiner anzüdrkennen, der als M bei LetchMreden M Vorschriften, über hm» rirrviv nicht eiNhält üfw. Aber äuch Oberräbbiner Zi r elfo hn in Krschinewwie auch unzählige rabbinische Koryphäen und Gemeinden in Beßarabibn und Bukowina Haben ihre Proteste gegen diese Vergewaltigung der OrthHöM, bei M rMästifcheti Rehierung erhoben und eine^groste AüHegüng und stellfche Erschütterung hat cü.l 80 Prozder altruchästischen Judenheit ergriffen,, da nur ein kleiner Bruchteil, ca. 20 Proz., eine „einheitliche neologe jüdische Landesfühkung" anstrebt. Diese Minorität ist gar soweit gegangtzü, daß sie dem Oberräbbiner Schor in Bukarest, An monatliches Gehalt voü 50.000 Lei, angeboten hat, wenn er schweigen und seinen Kampf einstellen würde, Das sind wahrlich traurige Zeiten und dem Gesamtjudentume m der ganzen Welt obliegt die Pflicht und Schuldigkeithier mahnend und protestierend einzugreifen, da man doch nicht stillschweigend züsehen kann und darf, daß ca. 1 Million orthodox jüdisch denkender und fühlender Juden in- Altrumänien von einigen neologen Herren in Bukarest, p"v usw., am Gängelbande geführt werden sollen. Das We-ltgewissen, die Wahrheit und Gerechtigkeit, welche das Jnsiegel der Allmacht sind, wird diese religiöse Seelenunterdrückung und Unterjochung nicht zulassen!! Aber ein Rätsel bleibt es, daß die transsylvamschen orthodoxen rabbinischen und weltlichen Führer schweigen und ihren orthodoxen Brüdern in Altrumänien nicht zur Hilfe eilen. Oder sollte i"n das „goldene Kalb", welches die jüdisch-neologen Bankiers in Bukarest besitzen, auch in Transsylvanien schon seine Anbeter gefunden haben? Oder lachen sich die Orthodoxen in Neurumänien ins Fäustchen, daß sie ja „ihre selbständige Orthodoxie" schon ins Reine gebracht haben, (nebenbei bemerkt, nur durch den Einfluß der Bukarester Orthodoxie!) und es nicht nötig ist, noch Kämpfe für ihre altrumänischen orthodoxen Genossen zu führen? Will etwa Transsylvanien schon in gemächlicher Ruhe wohnen und ihre Brüder im Regale sollen ihren Kampf für und feine heilige mir allein führen und ausfechten? — Wahrlich, staunenswert ist diese Stille und Schweigsamkeit. (Wir fühlen uns vrepflichtet, diesen Notschrei, so wie er uns zugeht, zu veröffentlichen, find aber natürlich gern bereit, einer etwaigen Erwiderung vonseiten der trans-- sylvanischen Orthodoxie ebenfalls Raum zu gewähren. Red.). - Rußland. Vettere Jefchiwöth und Chedarim in Rußland gesperrt. > Moskau, 4. Nov. In Nevet, Kreis Witebsk, an der lettländischen Grenze, wurden die Jeschiwah und einige Chedarim behördlich geschlossen, die Leiter der Anstalten wurden verhaftet. Die Sowjetagentur „Rosta" teilt mit, es hätte sich herausgestellt, daß die Jeschiwah von ausländischen Kapitalisten erhalten wird. — In drei änderen jüdischen Gemeinden wurden die Chedarim behördlich geschlossen und die Synagogen in Kommunistenklubs umgewandelt. (J.T.A.) Mgland. Empfang einer agudistifchen Delegation durch den neuen High Eommissioner. (Tel.) London- 7. Nov. Der demnächst sein Amt antretende neue High Commissioner für Palästina, Sir John Robert Chancellorempfing heute im Colonial Office «ine von Mr. Harry Goodman geführte Delegation der Weltorganisation Agudas Jisroel, an der aus Palästina Rabbi Mosche Blau teilnahm. Es fand eine Aussprache über die zur Zeit schwebenden politischen Fragen, insbesondere die an das Gemeindegesetz sich anknüpfenden Entwicklungen und über die Kothel Maarowi-Angelegenheit statt. > ,iT . Frankreichs Prütest dtt Allianz IsraelÜe Und der Iügttid. Paris, 21. Ott. Die Alliance Jsraelrte Universellie hat an das sttitische Obcrrkotstnrissäriat für Palästina ein Schreien gerichtet, ist dM sie den Oberkommissar auf diö tiefgehende Grregüstg hinweist, die sich der Juden in allen LSitötzvn d^istächtigt hat isti Hinblick äüf die Zwischenfälle äst 8er Klügemäüer. Das gesamte Judentum empfinde tiefest Schmerz über die Verletzung der freieste Ausübung, der religiösen Pflichten der Juden an dem heiligcheü Tage im Jahre und an der heiligsten Stätte des JudesttüMs. Es müßten Mäßnahtntzn ergriffen werden, daß in.Zükünst die' Ächtung vör den jüdischen Andächtigen äst der Klägeistätiei: gesichert bleibt. Ebettsö wie in LüstdÄst, Watschäu, ÄZieN und in anderen größen jüdischen Zentren Europas wird am. kömüteNdeN Dönnerstäg auch in Parks eine große Prötestversamnitüstg wtzgeN der Vorfälle an der Klagemaüer abgehalten werden.