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Der Israelit · 1928-11-08 · Heft 45 (8.11.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 45 (8.11.1928)
Date
1928-11-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 43 Der Ksraelit 8. November 1928 mit aller Kraft für die Einheit eingetreten ist. Also nimm Deine Absage zurück und komme mit an den Jsarstrand." Worauf ich ihm entgegnete: „Deine Ausführungen haben mich nicht umstimmen können. Meine Auffassung ist absolut nicht untolerant. Unter der Forderung der Toleranz kann man niemals Verleugnung der eigenen Ueberzeugung und die Anerkennung eines Standpunktes verlangen, den man für unrichtig hält. Zur Ehrenrettung des Würzburger Raw muß ich Dir aber sagen, — Du wirst mir das nicht übel nehmen —, daß Du hier etwas nachbetest, was im Laufe der Jahre durch Geschichtsklitterung zu einem Schlagworte, aber einem falschen und irrigen, geworden ist. Du hast doch, wie ich schon gesehen habe, „die Offene Antwort des Distrikts-Rabbiners Seligmann Bär Bamberger zu Würzburg" in Deinem Bücherschrank. Nimm sie einmal heraus, lies nach, und Du wirst finden: „Ich habe mich demnach dahin ausgesprochen, daß die orthodoxen nicht austretenden Gemeindemitglieder den Gemeindevorstand als einen solchen nicht anerkennen, daß sie vielmehr ihren eigenen Vor - st a n d haben müssen. ... Cs muß ein religiöser Vorstand in echtem und wahrem Sinne des Wortes gewählt und angestellt werden, welcher den Anordnungen des nj?T£ ,*ni» den entsprechenden 'Vollzug sichert, und wenn für die Ausführung dieser Bedingnisse die vollkommen entsprechenden Garantien in Wirklichkeit erfolgen, dann sei der Austritt aus der Gemeinde nicht mehr geböte n." Deshalb nur eine Bitte, in historischen Dingen mit Aussprüchen von Männern, deren Mund auf ewig geschlossen, die deshalb Entstellungen nicht rektifizieren können, etwas vorsichtiger umgehen." Mein Freund war verschnupft, nicht einmal mit einer Ansichtskarte aus München wurde ich bedacht. Als wir uns dann im Frühjahre kurz sprachen, da konnte er es jedoch nicht verwinden, mir zu sagen: „Es hätte Deinem Seelenheil nichts geschadet, wenn Du an der Versammlung teilgenommen hättest. Der Allerfrömmste hätte nicht jüdischer sprechen können, als es der von Dir beanstandete Referent getan hat." Meinem befreundeten „Einheits"-Optimisten und seinen Gesinnungsgenossen seien deshalb aus einem reichhaltigen Blütenstrauße nur einige Blumen dargeboten, bei deren näherer Betrachtung sie vielleicht doch angeregt werden, über das Problem etwas ernster nachzudenken. Im Odenwald liegt ein kleines Dörfchen mit einem jüdischen Gasthause, in dem im Sommer Orthodoxe und Liberale aus Nord-, Mittel- und Der eindrucksvollen Trauerkundgebung, die von Gesängen des Kantors Haimos umrahmt wurde, wohnten zahlreiche Mitglieder des Vorstandes und des Gemeinderates bei. (Der Ursprung von „Hyad Hadjay".) Vrof. H. Grimme,' Münster, widmet der vor kurzem neu herausgegebenen ..Offenbacher Haggadah" einen Aufsatz und befaßt sich zum Schluß mit dem .,Kettenlied' vom „Zicklein" (.Chad Gadjah"). das der Haggadah angeschlossen ist. Er weist aus die Deutung Dr. Guggenhdms hin, der darin ein mittelalterliches, ursprünglich deutsches Volkslied sieht, und meint, für ein solches scheinen es auch die Sammler von „Des Knaben Wunderhorn" gehalten zu haben, in dessen dritten Teil es ausgenommen ist: Pros. Grimme meint jedoch, daß das deutsche Volkslied eher von dem „Chad Gadja" abstammt. Er schreibt: „Es gibt ein Kettenlied, das in Nordwestdeutschland. vor allem in Münster bei der..Lambertusfeier" der Kinder viel gesungen wird, und das nach dem Anfang „Der Herr schickt den Jäger aus — Der sollt die Birnen schmeißen" ganz wie in dem jüdischen Liede, nur in umgekehrter Reihenfolge, Stock. Wasser. Ochsen, Metzger, endlich den Teufel auitreten läßt. Das jüdische Lied kann nicht aus dein deutschen entstanden sein, wohl aber das deutsche aus dem jüdischen, und zwar wird sein Schluß „Der Herrgott schächtete den Todesengel, der geschächtet den Schlächter, der geschächtet den Ochsen usw.", unter Verdrehung von „schächtete" in „schickte", von „Herrgott" in „Herrn", von ..Todesengel" in „Teufel' die Motive zu einem neuen Liede gegeben haben Das. Zicklein, das der Vater gekauft, wird das jüdische Osterlamm sein; wenn das deutsche Lied diesen Süddeutschland Ausspannung und Auffrischung suchen und finden. Zwanzig Minuten davon entfernt liegt eine Sommerfrische — Waldkatzenbach — mit eleganteren Hotels und Villen, von christlichen Wirten geleitet und geführt. Der Referent „über die jüdische Schule und das jüdische Leben" hat nun seine Juliferien in des Odenwalds waldreichen Gründen verbracht, in einem der beiden angeführten Luftkurorte. Wo mag er wohl gewesen sein? Lieber Freund, zur Stillung Deiner Neugierde, nicht in Strümpfelbrunn. Er hat dafür allerdings an seiner Schule einen Wegbereiter. In einer Lehrerzeitung stand im Jahre 1926 folgende Empfehlung: „Es scheint, daß nur wenige Kollegen in T. Kenntnis davon haben, daß in verhältnismäßig geringer Entfernung von unserer Stadt — im Hunsrück — der rheinische Lehrerverband ein Erholungsheim besitzt, das allen Mitgliedern des deutschen Lehrerverbandes besondere Vergünstigungen gewährt. Das Kurhaus „Stromberg", in dem der Unterzeichnete sein^ Sommerferien verbrachte, verdient es jedoch in hohem Maße, in weitesten Kreisen bekannt zu werden. Es sei zunächst das rein äußere Moment hervorgeh osten, daß der Monat Juli — unser Ferienmonat — für einen Aufenthalt in dem reichlich Raum bietenden Kurhaus besonders günstig ist, da dort die Ueberfüllung erst im August — der Zeit der rheinischen Schulferien — einsetzt. Die Zimmer sind hoch und hell und freundlich, mit neuem Mobiliar und mit fließendem Wasser — warm und kalt — versehen. Die Verpflegung ist ohne jede Einschränkung erstklassig zu nennen. Der Preis für volle Pension 5,85 Mk. pro Tag muß als mäßig bezeichnet werden . . ." Der Unterzeichnete war ein jüdischer Lehrer. Aber lieber Freund, Du findest das Kurhaus Stromberg nicht in den Mitteilungen des Vereins zur Förderung ritueller' Speisehäuser, Du kannst das Suchen Dir ersparen. Es war sicher nicht die Absicht zweier anderer Herren desselben Kollegiums, die religiösen Empfindungen ihrer Glaubensgenossen zu verletzen, sondern es war einem Elementarereignisse Zuzuschreiben, daß. dir Zeitungen in aller Breite am ersten Julisonntage dieses Jahres die Nachricht verbreiteten, daß sie bei einem Eisenbahnunglücke zwischen Jnterlaken und Lauterbrunn leicht verletzt wurden — am Sabbatnachmittag. Viel unangenehmer war schon die Gewohnheit eines weiteren Kollegen aus diesem Lehrkörper, in religiösem Hause wohnend, der den freien Schabbosnachmittag dazu benützte, seine jüdische Umgebung durch stundenlanges Violinspiel um ihren Oneg Schabbos zu bringen. Jedenfalls wird meinen toleranten Freund Hauptzug des jüdischen nicht hat und Nebensächliches zur Hauptsache macht, so spricht das für Alter und Priorität des jüdischen und spätere Entstehung des deutschen Liedes. Der Gedanke einer Entlehnung äus jüdifchex Quelle liegt um so näher, als noch ein anderes HaUvtlied der Lambertusseier im ,Zahlenftied" der Pessachseier wurzelt und nur im christlich gefärbten Inhalt der Zahlengruppen von jenem abweicht. Briefkasten. Lehrer A. W. in A Wir werden gegen solche Lieblosigkeit, wo sie auch immer austritt, ankämpfen. — Es geht unter keinen Umständen an, unter Berufung auf »mn nytp und auf die eine oder andere Quelle, mit weniger als zehn Männern Minjangottesdienst zu veranstalten. Alle tiDWK ,2221 ,»211 haben dagegen entschieden. Das Hotel Kronprinz, Wiesbaden, Taunusstraße 46-48,' ist eines der vornehmsten und komfortabelsten jüdischen, streng rituell geführten Hobels in Deutschland wie im Auslände. Das Hotel bietet an Wohnannehmlichkeiten und Verpflegung, bei absoluter ritueller Zuverlässigkeit und mäßigen Preisen, alles, was heute ein auf der Höhe der Zeit stehendes Etablissement dieser Art zu bieten vermag. Die Inhaber Herr Robert Rückersb e rj g und Frau Rosa, geb. Gottschalk, begehen dieser Tage das Fest der silbernen , Hochzeit. Sie -haben ein Vrerteljahrhundert gemeinschaftlich, im Dienste der Eiastlichkeit gestanden, und unzählige Gäste aus Nah und Fern,' die in diesem Hause im Laufe dieser Jahre ihren Ferienaufenthalt genossen, werden in ihren guten Wünschen für das weitere Gedeihen des Hauses sich einig wissen. auch die positive Tatsache interessieren, daß an der unter Leitung des Münchener Referenten stehenden jüdischen Schule in einer kulturgeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft der Oberstufe,^ in die auch Lyzealschülerinnen auf Wunsch ihrer Eltern aus Weltanschauungsgründen eintreten können, zur Ausrüstung der Schüler mit der nötigen Widerstandskraft gegen die liberale evangelische Theologie der 2. Teil des Markus-Evangeliums gelesen wird. Und nun noch ein paar kurze Andeutungen für meinen lieben Einheitskollegen, daß auch die Neutralität in der Lehrerbildung ganz erfreuliche Fortschritte macht. In früheren Jahren wäre der Schüler eines liberalen Lehrerseminars, der die Speisegesetze öffentlich übertreten, der offiziell am Sabbat geschrieben hätte, wohl oder übel relegiert worden. Das hat sich heute ganz entschieden gebessert. Man ist moderner und damit fortschrittlicher geworden. Heute hat der Student oder die Studentin keinerlei Anfeindungen mehr zu bestehen, wenn dieselben in einer simulanen Akademie an den schriftlichen Uebungen teilnehmen — am Sabbat selbstverständlich, oder wenn sie in einer Gaststätte, die zwar nicht unter Aufsicht eines Rabbinats, dafür aber unter der einer städtischen Behörde steht, ihr frugales Mahl zu sich nehmen. Wir Juden sind' da immerhin viel toleranter als die katholische Kirche; denn wir entziehen solchen künftigen Lehrerbildnern nicht die mi88io eLuoniea sondern ein orthodoxer Rabbiner unterrichtet sie in neutralster Weise in judaicis. Doch nun eine Gewissensfrage an alle, denen es ernst um die Erhaltung des unverfälschten Judentums, um seinen Fortbestand ist. Ist unter den gegebenen Umständen der Zusammenschluß gesetzestreuer Lehrer nicht geboten? Können wir es vor der Nachwelt verantworten, wenn wir es uns damit genug fein lasten, über die religiösen Gegensätze hinweg den Weg zum Ganzen gefunden zu haben? Der Parlamentarier Eduard Lasker, ein gewiß unverfänglicher Zeuge, wendete sich im Jahre 1876 im preußischen Abgeordnetenhause mit aller Schärfe gegen die Behauptung derjenigen, die den innerhalb der Judenheit vorhandenen Gegensätzen die Tragweite aberkennen wollten. „Das ist in meiner Anschauung eine Herabdrückung des idealen Standpunktes, . wenn man lediglich um einen gewissen Geldzuschuß zwangsweise zu erhalten, sich nichts daraus macht, ob über die tiefsten Gewistensfragen Streit obwaltet, und Unreinheit der Gesinnung getragen wird an die Stelle, wo allein Reinheit der Gesinnung walten soll." Wenn Lasker, der von seinem persönlichen, weit nach links gravitierenden Standpunkte aus die ganze Tiefe des klaffenden Gegensatzes wohl nicht zu übersehen mochte, trotzdem? aus seinem Rechtsgefühl heraus für Reinheit der Gesinüung eingetreten ist, tut Ihr es, die Ihr die Kluft kennt, mit vollem Bewußtsein und Verantwortungsgefühl! Wahret Euere heiligsten- Güter und schloßt Euch deshalb zusammen, ehe es zu^-spät ist,j Ihr alle,- denen das Erbgut der Väter eine Herzenssache ist, ob Ihr im weltentlegenen Dörfchen oder in der Weltstadt sitzt, gleichviel an welcher Schulart Ihr unterrichtet, einerlei ob Ihr misrachistisch, agudistisch oder auf die Achduthidee eingestellt seid: •dVw 22^2 1182 mwyb nmn 0V2 itpsri Korrespondenzen « kachticbten. Deutsches Relch Vom preußischen Landesvecbanti jüdischer Gemeinden.? v Berlin, 5. 9fov. Äm 4. November d. I. trat der Große ^taL -des Preußischen Landesverbandes jüdischen Gemeinden, unter dem Vorsitz seines Präsidenten, Kammer'gerichtsrat Wolff, zu

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