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Der Israelit · 1928-11-01 · Heft 44 (1.11.1928) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 44 (1.11.1928)
Date
1928-11-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Sette 10 Nr. 44 Der Israelit 1 November 1928 Sonntag, den 21. v. M. wurde er, seinem letzten Willen entsprechend ohne laute Klage, zu Grabe getragen. Ein Sohn des bekannten Lehrers und Komponisten der Synagogenmelodien Israel M. Japhet V'xt, hing er mit Liebe und Treue an der Lehre und den Traditionen unserer Väter. In jungen Jahren, da er in Hamburg lebte, arbeitete er, von einem Gefühl starker Bruderliebe getrieben, sehr kräftig im Hilfskomitee für die russischen Auswanderer mit. Aber auch im späteren Berufsleben, das seinen Tag ausfüllte, fand er noch Zeit und Muße für das Studium der Thora und für Werke der Frömmigkeit und der jüdischen Liebe. Eine große Freundesschar umringte die Bahre. Man hatte den tapferen Mann geliebt und geachtet und seine Verdienste werden ihm ein ehrendes Gedenken über das Grab hinaus sichern. n^sw- Ein Jubiläum. Am 1. November begeht das Schuhhaus Simon, A i le r h e i l i g e n st r. 61, die Feier seines 25jährigen Bestehens. Es ist im Allgemeinen nicht unsere Gepflogenheit. große Jubiläumskränze zu winden. Aber wir gedenken heute unwillkürlich mit starkem und liebreichem Erinnern des Gründers der Firma, Moses Simon s. A., der in stiller Demut und echter Jiras Haschem lebte. lieber alle Klippen und Fährnisse der Zeiten hinaus haben Kinder und Schwiegerkinder das Geschäft in unentwegtem Halten an der Sabbathut fortgeführt. Wir möchten herzlich wünschen, daß die Frankfurter Judenheit sich ihrer Pflicht bewußt werde, diese Standhaftigkeit zu lohnen und in reichem Maße die Stammkundschaft der Firma zu vermehren. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Bezirksverband Nassau. Die Eröffnungsfeier der Ausstellung „Deutsche Kriegergräber" (vom 1. bis 25. November) ist am Donnerstag den 1. November, vormittags 11.30 Uhr erfolgt. An dieser nahmen Vertreter der Regierung und der Kommunalbehörden Hessen-Nassaus teil. Ab nachmittags 3 Uhr steht die Ausstellung dem Publikum zur Verfügung. Vereine und Korporationen, die gruppenweise die Ausstellung zu besichtigen gedenken, bezahlen bei einer Mindestbeteiligung von 20 Personen, 50 Pfg. pro Person Eintritt; Kinder die Hälfte. Der Preis der Einzelkarte beträgt Mk. 1.—. Anmeldungen zum Sammelbesuche nimmt das Sekretariat der Kriegsgräberfürsorge, Frankfurt a. M., Münzgasse 3, Telefon: Römer 1860, entgegen. Schwerhörige von Frankfurt a. Ist. und Amgebung. Der Schutzverband der Schwerhörigen S. d. S., Ortsgruppe Frankfurt a. M., hielt seine Versammlung am 29. Oktober Junghofstraße 19 ab. Zur Vorführung gelangte die neubestellte Viel Höreranlage, deren Anschaffung sich als unumgänglich notwendig zeigt, um allen Schwerhörigen die Ansprachen und Vorträge zu Gehör zu bringen, was leider seither nicht der Fall sein konnte. Weitere Auskünfte erteilt der Vorstand der Ortsgruppe. Tel. Karolus 43 813. Etwas vom Geben und Nehmen. Ein Wort der Mahnung. Simchas Tauroh! Wir haben zwar G. f. D. viele schöne Synagogen in Frankfurt, ich aber gehe in ein kleines armseliges Beshamidrafch, um mir da das Leben anzusehen. Dieses fei das ärmste „Stübel", sagte man mir. Tatsächlich lauter gebeugte Gestalten, vergrämte Gesichter, es sind meistens kleine Handwerker, Schneider, Schuster usw. Heute sind sie das aber nicht! Heute sind sie alle Königskinder, henn sie haben ein königliches Geschenk. Ihre Gesichter strahlen, als hätten sie die Thora eben am Sinai empfangen. Sie gehen nicht würdevoll und gemessen einher, nein sie springen wie ausgelassene Kinder, die wertvolle Geschenke empfangen, die sich aber auch dessen bewußt sind, wie sie dieses zu hüten haben. Erinnern Sie sich, verehrte Frau T.? Sie begegneten neulich eine Nachbarin, die in ihrer Nähe in einer Mansarde wohnt. „Ach, guten Tag, Frau P.! Was haben Sie für reizende Kinder und wie sauber die immer sind, nicht zu glauben^ daß sie in einer ^Mansarde wohnen. Warten Sie ein "wenig, ich habe etwas für sie!" Und sie reichten ihr durch einen kleinen Türspalt ein kleines Paket mit abgetragenen Kleidern. Es war wirklich nett von Ihnen, aber wissen Sie denn, wie Sie ein drei- und fünfjähriges Herzchen gekränkt haben? „Ma, noch nicht einmal in die schöne Küche durften wir sehen, und wir hätten uns lieber den schönen Vorplatz angesehen, alte Kleider haben wir selbst genug" hieß es. Tatsächlich Frau £., es wäre viel netter von Ihnen gewesen, hätten Sie bei dcr Gelegenheit Frau 2). mit ihren Kindern in Ihre gepflegte Wohnung hereingelasfen und jedem nur eine Kleinigkeit angeboten, so hätten Sie zwei Kinderherzen und ein Frauenherz ein wenig ausgerichtet, aber Sie haben sie stattdessen erniedrigt. Ich wiederhole nochmals, der Ostjude ist kein geborener „Schnorrer", wie man sich das so gerne vorstellt. Gewiß gibt es da Ausnahmen, aber im Durchschnitt ist es so, wenn er Gaben annimmt, tut er es, weil er es tatsächlich nötig hat, zweitens ist er meistens so naiv, daß er nimmt, in dem Glauben, es sei selbstverständlich, daß Frankfurter Vereinskalender. v-r-In M-kor CWIm. Freitag abend nach Schul, im Hörsaale Friedberger Anlage, Mikro, Herr Dr. S. Saffra. Samstag morgen, nach Schul, im Hörsaale Friedberger Anlage, Dinim, Herr Dr. E. Posen. — Nachmittag s/4 Stunden vor Mincho im Vereinslokale, Newiim, Herr Dr. W. Hofmann. Sonntag morgens nach Schul, im Hörsaale Friedberg. Anlage (ebenso Mittwoch), cnx «n Herr Redakt. S. Schachnowitz. — Vormittag 8 Uhr. Vereinslokal (ebenso il2 Stunde nach Sabbatausgang), Gemoro, Herr Joachim Soffer. — 9l/4 Uhr Vormittag (ebenso Dienstag nachmittag 672 Uhr), Gemoro, Herr R.-A. G. Posen. — Abends,6 Uhr im Vereinslokale, Langestratze 18, Midrasch, Herr H. Halpern. Montag nach Schul, im Hörsaale Friedberger Anlage (ebenso Donnerstag), Mischna, Mitgliederlernen. — Abends 7 Uhr (ebenso Mittwoch) im Veceinslokale, Gemoro, Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. — 87- Uhr abends (ebenso Donnerstag), Gemoro, Herr Dr. E. Posen. Dienstag morgen nach Schul, im Hörsaale Friedberger Anlage (ebenso Freitag), Mischna, Herr Dr. E. Posen. Von Sonntag bis einschließlich Donnerstag abends 83A Uhr im Vereinslokale, Schaslernen des Herrn Herz Halpern. Jahrz eitsstistungen. . , Dienstag. 6. Nov. Dr. Marcus Hirsch-Stiftung. Donnerstag. 8. Noo- Avigdor Pofen-Stistung. Azudas Jlrtoel-JuUendgruppe. Sonntag, 8 Uhr vormittag (ebenso Mittwoch 9 Uhr abend) Chumisch. Herr Leopold Oppenheimer. Montag, 9 Uhr abends (ebenso Mittwoch) Mischna. Herr Rechtsanwalt M. Katz. — 9 Uhr abends, (ebenso nnw nachmittag 3 Uhr) Gemoro. Herr Emanuel Wolf. — 9 Uhr abends (ebenso Donnerstag) Gemoro. Herr Gerson Schnerb. Dienstag. 3/49 Uhr abends (ebenso naw 3/45 Uhr) Gemoro. Herr Leo Schnerb. — 3/49 Uhr (ebenso mw 3 Uhr nachmittag) Gemoro. Herr Dr. W- Hosmann. — 3/49 Uhr abends (ebenso 3A10 Uhr vormittags) Gemoro. Herr Dr. Js. Posen. Mittwoch. 3/49 Uhr abends, Kizzur. Herr Theodor Spiegel. Donnerstag, 9 Uhr abends, Chumisch. Herr R.-A. Js. Rosenheim. Freitag, abends nach Schul, Muffar. Herr B. Rachelsohn. — 8 Uhr Gesellige Zusammenkunft, natf, 3/4ll Uhr vormittags, Gemoro. HerrLippmann Kurzweil. — 3/4i 1 Uhr vormittags, Kizzur. Herr Louis Kahn. — 3/4i2 Uhr vormittags, Kizzur. Herr Gerson Schnerb. — 3 Uhr nachm., Gemoro. Herr Tarsis. — 4 Uhr nachmittag. Sidro. Herr R.-A. M. Katz. — Abends ll2§ Uhr Versammlung im Volksbildungsheim: Die "Vorgänge an der Klagemauer*. sein besser bemittelter Bruder ihm etwas, von seinem Uebersluß gibt. Er betrachte ihn trotzdem als seinesgleichen. Wohl denen, die noch so naiv sind. Wehe denen aber, die zu der bitteren Erkenntnis gekommen sind, daß sie tatsächlich Schnorrer sind. Die Westjuden, die meistenteils im Wohlstände aufwachsen, kann man verstehen; sie kennen das ostjüdische Elend wenig, folglich können sie nicht so mitfühlen. Frau U. trifft auf der Straße ihre Verwandte und Jugendgenossin, freudig geht sie auf sie zu, doch diese setzt eine wichtige Miene aus (sie trägt nämlich einen neuen Pelzmantel, während Frau 2). einen alten abgetragenen anhat). „Du mußt mich entschuldigen, aber ich verkehre nämlich jetzt nur in deutschen Kreisen, ich kann hier nicht mit dir stehen bleiben." Frau P. ist nicht empört, obwohl sie nicht stumpfsinnig ist. Sie grübelt nur darüber nach, weshalb ihre Freundin nicht bei ihr stehen bleiben kann, wenn sie in deutschen Kreisen verkehrt. Sie weiß es nicht, daß der Mensch mit dieser Schwäche geboren ist, sich über seinen Nächsten zu überheben. Sie, verehrte Frau $., befleißigen sich mit Recht einer ethischen Anschauung. Sie wollen gerne ihrer Nachbarin etwas Liebes erweisen. Sie müssen es nur etwas taktvoller tun. Wenn Sie für di« Kinder getragene Kleider geben, dann sehen Sie, bitte, erst nach, ob sie wirklich noch verwendungsfähig sind. Ihre Verhältnisse gestatten es, daß Sie noch einigermaßen gute Sachen ablegen, aber nicht Sachen, die man in den Lumpensack wirft, denn das beschämt kolossal. Auch dürfen es die Kinder nicht sehen, damit sie bei Gelegenheit nicht ausplaudern, „die da drüben tragen unsere Sachen". Noch schöner wäre es, Sie würden zu einem Simchas Tauro- oder Chanukka-Fest die Kinder Ihrer Nachbarin einladen, die Erziehung Ihrer Kinder würde bestimmt nicht darunter leiden. Zuletzt noch eine Bitte! Schimpfen Sie nicht über den tatsächlichen Schnorrer. Sie glauben gar nicht, wie sich diese Menschen den Hhren opfern. Diese Leute „schnorren" und darben monatelang, um vielleicht eine Tochter zu verheiraten, oder die kranke Frau ins Bad zu schicken, auf jeden Fall brauchen sie das Geld für einen edlen Zweck, diese Leute sind in gewissem Sinne Helden. Jeden Tag von 9—11 Uhr Gelegenheit zum Lernen jeglicher Art. Don 12—1 Uhr, Das Jaumi. Herr Herz Halpern. . Agudas Jlsroel-MSdchengruppe. Montag, 729 Uhr abends, Mifchle. Herr Lehrer S. Unna. Dienstag. 9 Uhr abends. Tenüch. Herr Dr. Weger. Mittwoch, 7-9 Uhr abends, Dinim. Herr Lehrer Hirschberg. nnw nach Schul, Schmuel. Herr Julius Lewin. — 4 Uhr nachmittags. Chummifch und Rafchi. Herr Lehrer Hirschberg. Freitag, 8l/2 Uhr abends, Gesellige Zusammenkunft. Liwjalh Lhen-Verelu. Samstag, 474 Uhr nachm, im Hörsaale Friedbergeranlage, Vortrag des Herrn S. Schachnowitz. (Ein Bilderbuch des jüdischen Gesetzes). Ofijüdifcher Jugendbund. Freitag, abends 8 Uhr» gemütliches Beisammensein Heim Fischerfeldstratze 9. Samstag, 20. Oktober, abends 8 Uhr, Rezitationsabend. Jacob Landau liest aus eigenen unveröffentlichten Schriften (jiddisch). Uscher Diamond liest einige Geschichten von Scholem Aleichem und Perez, im Heim Fischerfeldstratze 9. Lernverein AnkerNndau (öStt ■»uyt). Vereinsräume: Unterlindau 231. Freitag Abend, Vortrag des Herrn Dr. Eschwege. Gebetzette». Kl'l ftltf Freitag Abend 4.35 Samstag 6.45 Samstagmorgen 8.— Samstagnachmittag 1.— und 4.— Samstagabend 5 50 lVochengottesdienst: Morgens 6.30 Nachmittags 4.30 Tefilin-tegen am Morgen 6.15. Am 1. November feiert das S ch u h h a u s Simon Allerheiligenstraße 61 sein 25jähriges Bestehen. Die Firma hat^sich durch ihre Reellität eine große Stammkundschaft erworben. Außerdem müssen wir betonen, daß das Schuhhaus Simon sein Geschäft Schabbos strenggeschlossen hält. Wir wünschen der Firma auch fernerhin einen guten Erfolg. Ich hatte stets großen Respekt vor der deutschen Genauigkeit und Ordnungsliebe, aber daß sie ein Mizwohbuch führen, ist mir einfach unverständlich. Ich denke, daß der Mensch seine Mizwohs nicht selbst zu buchen braucht, das wird höheren Ortes besorgt. Noch unfaßbarer ist es für mich, daß, wenn sie einem jüdischen Schneider oder Schuster eine Rechnung bezahlen, sie ebenfalls in das Mizwohbuch eintragen. Es ist sehr anerkennenswert, wenn sie jüdische Arbeiter. vorziehen, aber sie dürfen sich das nicht als Mizwoh anrechnen, denn sie hätten den nichtjüdischen Arbeiter ebenso entlohnen müssen und hätten es auch nicht in das Mizwohbuch eintragen. Also bitte ich das Mizwoh-Buch zu verbrennen, es hat keinen ethischen Wert und kann noch zu Hochmut verleiten. Mit den Almosen geben allein ist es nicht getan, einem Menschen zu einer Stellung verhelfen, ist mehr Mizwoh. Eine von Vielen! (Nachbemerkung der Redaktion): Wir glaubten, diesen Ausführungen unsere Spalten nicht verschließen zu dürfen, obwohl wir mit vielen Lesern der Meinung sind, daß hier in manchem stark übertrieben wird. Es mag die Darstellung für einzelne Fälle, die die Schreiberin im Auge hat, zutreffen, im allgemeinen sind die krassen Formen der Unterstützung, wie sie hier gezeichnet sind, glücklicherweise nicht zu bemerken und gewiß nicht als typisch dahinzustellen. Wir verweisen auf das Unterstützungswerk und die Kleiderverteilung der Jüdischen F r allen v e r e i n i g u n g und anderer Institutionen, die die Menschenwürde der verschämten Armen, denen sie ihr invI vv zukommen lassen, wohl zu wahren wissen. Von der Führung eines „Mizwohbuches" ist uns gar nichts bekannt. Meint die Einsenderin damit etwa das Maasserbuch, — in das selbstverständlich keine Namen emgezeichnet werden dürfen, — so sei darauf hingewjesen, daß das Maassergeben bei den deutschen Juden nach genauer Berechnung des Einkommens schon im 17. Jahrhundert von Rabbi Scheftel in der Einleitung zu seinem wiiyNn 'ii äußerst rühmend hervorgehoben wird. ■ Es hat sich bei uns in der Beziehung vieles geändert und gebessert, und wo noch zu bessern ist, dürfen wir hoffen, daß auch die wohlgemeinten und aus liebendem Herzen kommenden Ausführungen dazu beitragen werden.)

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