Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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VrN-fy-r'^i.'VK? 7ZT © Kolonel Wedgewood in Frankfurt. - Man muß es schon den Zionisten lassen, und es soll ihnen auch kein Vorwurf daraus gemacht werden: Sie verstehen sich auf Regie und Aufmachung und verstehen es auch glänzend, das Interesse der Welt auf sich und ihre Sache zu lenken. Die Versammlung in den Festsälen des Frankfurter Hofes am Sonntag abend ist, äußerlich gewertet, in Glanz verlaufen. Etwa 500 Menschen füllten den herrlichen, im Festlichte prangenden Säulenraum. Am Ehrentische saßen hochgestellte Persönlichkeiten -jüdischen und nichtjüdischen Glaubens. Man bekam'viel zu hören, aus und über Palästina, über das zionistische Palästina, Noch -mehr das s o z i a l.i st i s ch e Palästina. Vom religiösen Palästina sprach nur eine — die. katholische Frau Kathar ina von Kardorf-Oheimb. Sie meinte, es sei gar schön, wenn sich ein Volk um seine, religiösen Bräuche samm e l e und seine Zukunft aus seiner Tradition aufbaue. Der Abend begann mit fast einstündiger Verspätung mit Einleitungs- und Begrüßungsworten des Herrn Ernst Ka h n. Zur Begrüßung der Versammlung erhoben sich dann nacheinander Regierungsdirektor Gericke im Aufträge des wegen Erkrankung verhinderten Regierungs - Präsidenten „ der englische Generalkonsul in Frankfurt, Herr Julius Goldfchmldt für den Vorstand der Israelitischen Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Hoffmann mit einem Psalmworte, der in der Erklärung des Kimchi auf das Mittun nichtjüdischer Machthaber an der jüdischen Erlösung hindeutet, Herr Dr. Simon von der Jüdischen Volkspartei und Herr Dr. Paul Arnsberg von der Prof. Franz Oppenheimer verliest ein Begrüßungsschreiben Ei.n st e i n s und fügt dem ein paar eigene kräftige Wortehinzu: Sodann ergreift Frau Katharina von Kardorf-Oheimb das Wort zu der sympathischen Rede, die wir einleitend schon kurz gezeichnet haben.. Sie bejaht die jüdische Rasse, bejaht aber auch ganz entschieden die Tatsache, daß der Jude guter Bürger des La n de s, .in de m e r l e b t, w er den k a n nmn d g e w o r de n i st. Sie spricht vom Judenhaß, der wohl nie aufhören würde und sagt manches, was nicht gerade für die Ohren der Assimilation (es waren im Saale auch zahlreiche Nichtzionisten anwesend) berechnet, ist. Sie appelliert an die Mütter. Das Schlußwort hatte Kurt Blümenfeld. Er schätzt die Begeisterung im Saale — und in allen Sälen — nicht sehr hoch ein. Mehr Arbeit, mehr Geld und Kraft wünscht er. Gegen 12 Uhr nachts ist die Versammlung zu Ende. Die Woche. Eine Kassel maarowi-Versammlung im Volksbildungsheim. Die Agudas Jisr o e l - O r t s - ülld Jugendgruppe veranstaltet diesen Samstag abend 8.30 Uhr im Volksbildungsheim, Eschersheiiner Anlage, eine große Versammlung zur Erörterung der Vorgänge an der Klagemauer in Jerusalem. Die Hauptrefe- und Herr Dr. Paul Arnsberg von Zionistischen Ortsgruppe Frankfurt a. M. Dann besteigt, von starkem Beifall empfangen, Colonel Josiah Wedgwood das Podium. Eine kräftige Das Neueste von der Agudas Iisroel. Gestalt mit den energischen Zügen des Arbei- Im Rahmen der gemütlichen Freitagabende terführers. Er entschuldigt sich, daß er leider „keine hei sprechen diese Woche im Agudaheim, Schwanenstraße 12, bräische und auch keine deutsche Rede machen kann", und die Herren: Herz H olpern und R.-A. Jsak Rosenzahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. Gäste aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung, Damen und Herren, willkommen. ließ, so sehr wir auch die Durchdachtheit der Gliederung seines Organisationsplans und die mühsame Beschwerlichkeit seiner teilweisen Ausführung anerkennen, so bleibt doch bestehen, daß diese Frankfurter Jüdische Wohlfahrtspflege einstweilen nur Torso, Bruchstück, man dürfte vielleicht sogar sagen Rumpfparlament ist. Wir könnten Namen von einer Reihe hiesiger Vereine mit sehr bedeutenden jüdischen Ausgaben und von sehr wesentlicher Wirksamkeit nennen, die aus edelstem Selbsterhaltungstrieb oder auch aus religiösen Gründen ihren Beitritt abgelehnt haben, ablehnen mußten. Dies in Parenthese. Im Uebrigen entfachte die Nachricht, daß der Vorstand der Wohlfahrtspflege sich einige Bürgerdeputierte kooptiert habe, eine Debatte über die grundsätzliche Stellung der Gemeinde zu dieser neuen Institution, deren Eintragung ins Vereinsregister geplant ist. Man ventilierte die Frage hin und her, ob der Gemeindevertretung sozusagen ein oberhoheitliches Bestätigungsrecht dieser kooptierten Mitglieder auf Grund des Gesamtzuschusses der Gemeinde von RM. 230.000 zustehe, oder ob mit dieser etwa nur ein Drittel der voraussichtlich notwendigen Mittel betragenden Summe nur ein ideeller Einfluß der Gemeinde gesichert sein sollte. Die Diskussion verlief unentschieden. Kooptiert wurden: Frau Dr. Baer, Frau Bloch-Neustadt/ Herr Gerlich, Herr Dr. Mayer, Frau Dr. Freimann. Von dem — nicht verlesenen — Bericht des Herrn Dr. Baerwald über die Sitzung der liberalen Kultuskommission, hatte der Vorstand Kenntnis genommen. Im Anschluß an die jüngste Erörterung über die Zuschüsse zu den ostjüdischen Betsälen wird mitgeteilt, daß und , Herr Rermkteur S. -Schach n o w r tz. Um feftaef€iJ und außerdem dem Betbbamidrasch Rechneischießt gleich kräftig los auf englisch. Er sagt kurz zusammengefaßt: Die Juden waren von jeher, schon seit dem Auszug aus Aegypten, Vorkämpfer der Freiheit und als solche stets das Gewissen der Völker. Cr gibt einzelne Schilderungen von. der jüdischen Arbeit in Palästina, wie er sie aus eigenem Augenschein kennt, und den schweren Opfern, die die Pioniere des jüdischen Aufbaues dort brachten und noch bringen. Die Tatsache, daß seit Kriegsbeendigung nur 90.000 Juden ins- Land eingewandert sind, dürfe uns nicht entmutigen. Die Entwicklung der. Immigration in Amerika und Afrika habe gezeigt, wie rapid später der Zuwachs vor sich geht, wenn die ersten Einwanderer erst die nötigen. Voraussetzungen geschaffen haben. Nicht eine Philantropie könne helfen, auch nicht die Hilfsarbeit in den Ländern der Not, das Uebel müsse an. der Wurzel gefaßt werden.- Mit dem jüdischen Problem würde in Palästina.ein Weltp-roblem gelöst. Was er in Palästina gesehen hat, könne j-er nur in den Worten zusamwenfassen: „Ein Volk zu werden". Er sei als Christ Zionist geworden, nicht aus Liebe zu den Juden, .sondern qys Haß,.aus Haß gegen. Roheit und Ungerechtigkeit. Er. habe sich auch als Engländer zu der jüdischen Sache, gefunden. In einer feinsinnigen Rede entbietet nun Martin Vuber dem Gast und der Versammlung seinen Gruß. In der dreifachen Eigenschaft. Wedgwoods sieht. er gewissermaßen, ein Symbol für den dreifachen Rechtsanspruchdes jüdischen Volkes auf Palästina. W. fand sich zum , jüdischen Palästinaals Ehrt st, als britischer W e ttp o li ti k e r und als Sozialdemokrat. Aus der christlichen Ethik heraus (auf die wir nun eine echt Vuberfche Apotheose zu hören bekommen) ergibt sich unser Be r g a n g e n h eit stecht, unser Traditionsrecht auf Palästina. Als britischer Weltpolitiker muß W. unser Gegenwa r t s recht auf das Land anerkennen und den realen Nutzen, der sich aus der Befriedigung dieses Rechtes füi; England und die Welt ergibt, erkennen. Als .Sozialdemokrat schließlich weiß W., was die Juden in Palästina-zur Realisierung der s o zra le n und sozialistischen Ideale in Zukunft im Lande leisten können. Es gibt eine, kl ei ne (engherzige) und eine große Art, von Christentum, von der Weltpolitik und vom Sozialismus zum Judentums zu kommen. Wedgwood hat die große gewählt. Er streift als einziger kurz die, Vorfälle a n d r K l a g e m a u e r / ohne daß man ein besonderes Echo in der Versammlung wahrnehmen konnte, . es fei denn die stille Rühe, mit, der die . ganze Rede angehört, wurde. - 7 '■ J):' e' •’ heim. Oeffentliche Sitzung der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde am 31. Oktober. Der Vorsitzende begrüßt die neu eingetretenen Mitglieder Dr.-Frenke! und Dr. Mannheim. Dr. Geiger berichtet, namens der Finanzkommission über die Festsetzung des außerordentlichen Etats. Ursprünglich hatte der Vorstand denselben in der Einnahme mit RM. 1.000.000 festgestellt, was zu Beanstandungen Veranlassung ab. Seine endgültige Gestaltung bleibt nun in Einnahmen und Ausgaben RM. 690.000, besonders hervorgehoben muß dabei der Ankauf des Grundstücks Cs che rsh e i,me r Landstraße ,65 für RM. 165.000 werden, das allerdings ohne ausdrückliche Zweckbestimmung erworben, wurde,. aber für die künftig^ konservative Synagoge - bestimmt ist. ';. Wünsche einiger Volksparteiler, die Friedhofsgebühren für Mitglieder bis zur.Einkommensgrenze von . jährlich RM. 3000 'Und die Aufnahmegebühren für Proselytem; in Wegfall komylen!zu lassen, finden keine Gegenliebe. Der Preußische Landesverband hat seine Veitragsgebühr auf 18 Proz. des Reichseinkommensteuersolls der einzelnen Gemeinden pro 1927 festgesetzt, was für die Israelitische Gemeinde in Frankfurt RM. 103.566 äusmacht (gegenüber dem Voranschlag von RM. 96.000, der allerdings durch seine Höhe auch damals bereits einigen Unwillen erregte.) Der Landesverband fordert sein Recht'schriftlich „mit. allem Nachdruck". Es wird ihm in vollem Umfang gewährt, immerhin von liberaler Seite mit der Bekundung eines gewissen Unbehagens hinsichtlich der Aufstellung des landesverbandlichen Etats. Zum Kapitel „Wohlfahrtspflege" wird mitgeteilt/daß der Vorstand sich seine endgültige Beschlußfassung über die Mehrbewilligung der vorgesehenen RM. 50.000 mit Rücksicht auf die erhebliche Mehrausgaben erfordernde Finanzlage der Gemeinde bis zum Januar. Vorbehalten müsse., Bei dieser Gelegnheit wird so : ganz nebenher erwähnt, daß der Zusammenschluß der Vereine der offenen Wohlfahrtspflege zur „Jüdischen Wohlfahrtspflege von Frankfurt a. M." am 25. Oktober erfolgt sei. Wir können nicht umhin, hinter diesen volltönenden Titel ein großes und deutliches Fragezeichen zu machen. So sehr wir auch, den redlichen und ernsthaften Willen anerkennen, der — nach amerikanischem, nach Frankfurt nicht, übertragbarem Muster — den Gedanken der Zusämmenfassung der Wohlfahrtsveteine keimen und reifen festgesetzt und außerdem dem Bethhamidrasch Rechneigrabenstr. 12 zur Neueinrichtung nach seiner Uebersiedlung von Obermainanlage 8 einen einmaligen Beitrag von RM. 1000 bewilligt habe. An Stelle der aus der Volkspartei ausgeschiedenen Herren Ingenieur Grünstein und Herzberg wird Herr Gottein zum 2. stellvertretenden Vorsitzenden der Gemeindevertretung gewählt und Frau Kohn und die Herren Dr. Frentel, Gerlich, Kaufmann und Dr. Mannheim in verschiedene Kommissionen entsandt. Die Belegung des neuen Friedhofs kann am 1. Januar 1929 beginnen, Der Centralverein jüdischer Handwerker hat auf seiner neuerlichen Tagung eine Reihe von Resolutionen gefaßt, die u. a. mit starkem Nachdruck eine Erweiterung und Vertiefung der Lehrlingsausbildung fordern,, gegen die — häufige — Ausschaltung der jüdischen Handwerker bei der Vergebung von Arbeiten protestieren und mit Entschiedenheit der Vereinheitlichung der Arbeitsnachweise das Wort reden, die, wie im /Israelit" bereits öfters erörtert, nur auf streng-religiöser Basis gutzuheißen wäre. Ein Verein für jüdische Eheoecmikttung. Unter dem Vorsitz von San.-Rat Prof. Dr. Hanau, des bekannten Initiators einer Institution für Vermittlung von -jüdischen Eheschließungen, fand am letzten Sonntag eine Versammlung statt, die die Gründung eines „Vereins für gemeinnützige jüdische Eheanbahnung" beschloß. Es wird eine Ehevermittlungsstelle eingerichtet und vom Vereine erhalten werden, die die Ehe, besonders dis F r ü Hetze unter den Juden fördern soll, ebenso soll die Mischehe bekämpft werden. Die Fürsorge des Vereins erstreckt. sich auf alle, ohne Rücksicht auf Staatsangehörigkeit. Wie der Vorsitzende mitteilte, haben sich bereits 200 Mitglieder dem Vereine angemeldet. Neben Privatpersonen können auch Gemeinden und Organisationen dem Vereine als zahlende Mitglieder beitreten. Der Mindestbeitrag ist auf 5 M. festgesetzt. Der Verwaltungsausschuß besteht aus 15 Mitgliedern, dem noch ein Beirat von,21 Mitglieedrn zur Seite steht. In der Diskussion, die sich sehr lebhaft gestaltete, betonte Herr Rabbiner Dr. Jakob H o r o w i tz, daß bet Chevermittlungen auch bestimmte religiöse Bindungen beachtet werden müssen. Dr. ArnoldMerzbach schnitt die G esund h ei tsfrag e an und lenkte die Aufmerksamkeit auch auf den Sabbat, bzw. auf die Sicherung des Sabbat bei der neu zu errichtenden jüdischen Existenz und im neugegründeten Heime. In eigenen Merkblättern soll diesen Wünschen und Anregungen Rechnung getragen werden. Allzu weitgehende Veranwortung in gesundheitlicher und religiöser Beziehung könne aber der Verein, wie der Vorsitzende mitteilt, nicht übernehmen. Philipp Iaphek Eine hochvornehme Persönlichkeit unserer jüdischen Gemeinschaft ging mit Philipp Japhet vor dannen. Am