Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-11-01 · Heft 44 (1.11.1928) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 44 (1.11.1928)
Date
1928-11-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450538--75427-2532951
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

•x. SCHO KO LADE - PRALIN EN --- --j- - -;••■' *■ / -5 -1 ----- * v 1. November 1928 An-erkenntnis dieser Tatsache und Lehre, dieser Wabrheit und dieses Grundsatzes zu betätigen." Die göttlichen Aussprüche selbst im Zusammenhänge miteinander und mit den durch sie bestimmten Verhältnissen zu betrachten, sie zun; Begriff, wenngleich nur für menschliche Aufassung, zu bringen, sie zusammen zu ordnen, die Folgen ihrer Beachtung und Nichtbeachtung im Leben zu erwägen, und auch in Gottes W.o r t Gottes Weisheit nachdenkend zu folgen, wie wir ihr in Gottes Werk nachzudenken streben; auf daß auch durch Gottes Wort unser Geist erleuchtet werde zu immer klarerer Einsicht in Bedeutung der Welt und.unseres Lebens in ihr, und unser Herz freudig erweitert werde, mit immer seligerer Freude und immer freudigerer Seligkeit an Gott und seinem Wort zu hangen, und vor allem der Erfüllung seines Wortes im Leben zu leben: wie es heißt: Aufgaben Gottes sind gerade, erfreuen das Herz: Gebot Gottes ist klar, erleuchtet die Augen." Wohl ist dies alles sehr richtig. Bei all diesem dürfen wir aber dennoch nicht vergessen, daß eine scharfe, wesentliche Scheidelinie zwischen der geistigen Erfassung des Grundbegriffs irgend einer niL» und der s y m b o l i s ch e n Auslegung einer solchen vorhanden ist. Auch die jeglicher symbolischen Erklärung unzugänglichsten Vorschriften, wie dievvww» „Aussprüche der Gerechtigkeit gegen Menschen", rnpin „Gesetze der Gerechtigkeit gegen die dem Menschen untergeordneten Wesen usw.", ms» „Gebote der Liebe" gestatten eine geistige Erfassung der ihnen zugrunde liegenden Begriffe, wie wir auch hierfür zahllose, klassische Beispiele im min und Pentateuchkomme.ntar des Meisters finden können. Symbolische Erfassung ist aber etwas ganz anderes. Definiert doch unser Autor*) ganz richtig: „Im Symbol werden eben dem Menschen gewisse Gedanken zum B e um ß t s e i n gebracht." (S. 136.) Aber geradezu klassisch sind die Ausführungen Hirfchs über das „Wesen des Symbols und der Mitteilung durch symbolische Zeichen und Handlungen im allgemeinen." Wir wollen aus jenen grundlegenden, unübertreffbaren Ausführungen nur einige markante Sätze für unseren gegenwärtigen Zweck herausgreifen. „Das Bedürfnis, längere Zeit in der Tätigkeit zu verharren, einen Gedanken oder eine Empfindung auszudrücken, erzeugt eine symbolische Handlung; die Absicht einem Gedanken oder einer Empfindung ein bleibendes Zeichen zu gewähren, erzeugt das symbolische Zeichen." — „Ideen, Wahrheiten, Lehren, Grundsätze, die einer Gesamtheit zur steten Aneignung, vergegenwärtigt werden, in deren gleichzeitiger und einmütiger Anerkennung und Vekonnung bie Gesamtheit ihre Einheit finden soll, finden wir in symbolischen Zeichen, Bildern, Emblemen ausgedrückt, sowie deren Anerkenntnis und B e k e n n t n i s i n symbolischen Tätigkeiten , in sinnbildlichen Handlungen begangen." — „—-man schuf der Lehre, der Wahrheit, dem Grundsatz ein Symbol, man faßte die Erkenntnis und Anerkenntnis derselben in eine bestimmte, entsprechende symbolische Handlung und lud die Gesamtheit, das Volk, zu immer wiederkehrenden bestimmten Zeiten in Begehung dieser symbolischen Handlung die Erkenntnis und *) M. Munk in „Zum Problem einer jüd, Symbolik" in der Festschrift der Frankfurter Realschule. Diese Art symbolische Auffassung akzeptiert aber der Meister ausdrücklich nur für die Gruppe der' ms»' die er mit dem Namen« nrn; bezeichnet, (und allenfalls für mit dieser Gruppe verwandten Einzelvorschriften aus anderen Gesetzesgruppen, wie z. B. rmnj? u. v. a.) Ausdrücklich heißt es in den 19 Briefen (Anf. des 13. Briefes) „Aber zu solchem Wirken in Gerechtigkeit und Liebe (ms» -mpin 'ü’bqw») genügt das einmalige Anerkennen der Lebens-Grundwahrheiten« nicht; dein Beruf als Jisroel, als Träger der Lehre über Gott und Menschtum an die Menschheit, ist nicht erfüllt durch bloßen Aufbau deines Lebens auf jene Grundwahrheiten (rvnin ); für jenes und für dieses sollst du jene Grundideen und ihre Folgen« wiederholt in Wort und Tatsymbol in die Seele prägen und dadurch dir und anderen sie festhalten. Dies Inbegriff der nny — Und weiter heißt es im selben Briefe: „Jedes einzelne, spezielle Tun und Lassen i m G e s e tz e stexte imsr: Schrift, Wort, Rede; Erinnerung für die Seele" oder lebendig ausgedrückte Gesinnung durch bedeutungsvolle Tatsprache; bis hinab zum nimmer genug belächelten Nichtgenuß des am 2iv ar» und naw gebotenen Eies — S^mbolausdruck." Hiermit aber darf durchaus nicht verwechselt werden: da s Bestreben des Meisters, feiner Maxime „Sinn muh liegen in allen ms»!" (19 Briefe.) gemäß, nach den sämtliche Einzelheiten der göttlichen Vorschriften geistig belebenden und beherrschenden Grundbegriffen bei allen ms»' ohne Ausnahme, zu forschen. Und daß unser Autor allem Anscheine nach eine derartige Verwechslung sich zu Schulden kommen läßt, ist höchst bedauerlich.. Einen sinngemäßen, geistig erfaßbaren Grundbegriff, von dem aus alle einzelnen Ausführungsbestimmungen mit beherrscht und belebt werden, muß auch ein, allem Symbolhaften am entferntesten stehendes Gesetz, z. B. ein rein von sozialen Gesichtspunkten geleitetes Gesetz haben. Wir möchten das, was wir sagen« wollen, am besten an dem Beispiele eines Gesetzes veranschaulichen, welches der Vf. ohnedies zitiert, und womit wir uns noch später zu befassen haben werden. Wir meinen das die Einleitung zu der Sidra v'vLV» bildende Gesetz über den Verkauf eines ibrischen Knechtes. Dieses Gesetz ist eigentlich ein soziales, hat aber auch einzelne Bestimmungen, die symbolischen Charakters sind. So die vom Vf. nach H. zitierte Bestimmung, daß nur, wenn der zu ersetzende Wert dem Werte einer sechsjährigen Arbeit des Diebes ädaquat ist oder darüber hinausgeht, das Gericht dessen Verkauf vollziehen darf, nicht aber, wenn seine in sechs Jahren zu leistende Arbeit über den Wert des Diebesgutes hinausgeht. Nun gibt auch unser Autor zu, daß die von H. gegebene s y w b o l i s ch e Motivierung dieser Zeitbestimmung richtig erkannt ist: „Die naheliegende Frage, weshalb der Dieb nicht jeweils für eine Zeit verkauft wird, in der seine Arbeitsleistung dem gestohlenen Gute gleichkommt, beantwortet H. mit dem Hinweise darauf, daß die Zahl sechs den Gedanken der geschöpflich sinnlichen Welt symbolisiert. „ . . . „Sechs" schlägt, in Bande, „Sieben" macht frei, die Vergötterung des Sinnlichen macht uns zu Sklaven, die Huldigung Gottes macht uns frei und einigt unsere „Sechs" mit dem einen Einzigen zur „Sieben". . . ." Dies ist s y m b o l i s ch e Auslegung einer Gesetzesbestimmung, denn hierbei wird diese Einzelbestimmung eines übrigens sozialen Gesetzes zum Träger einer Idee, einer von dem zur Knechtschaft Verkauften zu beherzigenden Wahrheit. (Fortsetzung folgt.) Kleines Feuilleton. Von den Vätern zum Muttergrabe. Gedanken und Empfindungen eines Palästina-Touristen. Klopfenden Herzens und beschwingten Schrittes begab ich mich durch die engen, holperigen Straßen von Hebron zu den Machp elahgräbern. Es war mir schwer ums Herz und zugleich trug mich eine Freude, wie die eines Kindes, das zum Vater heimkehrt. Sie, die heiligen Väter, weilen ja in der Nähe des Gottesthrones, und sie werden mein und meines Volkes Flehen dahin bringen, wo die Stelle der Erhörung ist. Kaum aber standen wir vor den heiligen Gräbern, als diese Gefühle von anderen, von solchen des Schmerzes und der Wehmut verdrängt wurden. Die Tränen stoffen aus dem Tränenquell, aber stauten sich im Hintergründe, daß das Auge trocken blieb. Nein, der wilde arabische Geselle soll es nicht erleben, daß ich hier, klein und schwächlich, wie ein Kind weine. Unsere Tränen gehören an die West-' ma uer. dort wo sie direkt aus die heiligen Quadern fallen. Weinen wir am Grabe Bah el s, sie hört unser Weinen, sieht unsere Tränen. Und das heilige Gefühl wird dort nicht durch fremde Augen getrübt, und gestört. Hier vor der moslemitischen Moschee werfe ich mich nicht zu Boden. Aus der vierten Stufe zur Höhle steht der bewaffnete Araber und wacht mit Argusaugen darüber, daß wir uns keinen Schritt weiter hinunterwagen. In seinen Augen spielt Verachtung und Schadenfreude. Der Schmerz ist groß, hier vor Vater und Großvater wie ein Fremder stehen zu müssen und sich vom grinsenden Araber sagen zu lassen- „Hier ist die Machpelahhöhle!" In ein schwarzes Loch hineinschauen zu dürfen, ohne weiter zu gehen und zu sehen, ohne dem Vater zu sagen, was uns so schwer bedrückt. Tags darauf stehen wir aber am Grabe der Mutter, der es nickt beschieden war, neben den andern Vätern und Müttern zu ruhen. Wie gut, daß wir hier wenigstens ungestört beten und weinen dürfen! Ein Gefühl des Dankes übermannte mich, Dank gegen den Geist der Geschichte, Dank Ihm. dem Lenker der Geschichte, der sie hier sterben ließ und ruhen läßt! Dank dem großen Manne, der aus England kam — Moses Montefiore hieß er — und dieses heilige Grab ausbaute und in jüdischen Schutz stellte! Hier sind wir bei der Mutter daheim und hier dürfen wir weinen! Wann werden wir auch an der Westmauer ganz zu Hause sein? (Koscherwern und Uekegraphenamt). Wir lesen in der „Deutschen Weinzeitung": Vom Deutschen Industrie und Handelstag werden auf Veranlassung des Herrn Reichspostministers Umfragen über die. Wortzählung in Telegrammen für folgende Ausdrücke veranstaltet: „Koscherwein" und „Prompt-- Verladung". Die Anfrage geht dahin, ob dieses Worte als handelsüblich und als Worte der offenen,. Sprache zu werten find und demnach jeweils als ein einziges Telegrammwort gezählt werden können. WUUnbeschadet der Stellungnahme der Fachkreise und der Handelskammern glauben wir heute schon feststellen zu können, daß beide Worte als handelsüblich und als Worte der offenen Sprache zu betrachten sind, so daß sie als einziges Telegrammwort jeweils gezählt werden können. Zur Begründung fügen wir bei: Die Bezeichnung „Koscherwein" ist seit undenklichen Zeiten, ja man kann wohl sagen, seit Jahrhunderten für einen Wein üblich, der nack den rituellen Vorschriften der israelitischen Religion behandelt ist, der also von der Kelter bis zur Abgabe an den Verbraucher nur durch die Hände von Israeliten gegangen fein darf und der auch bei der Kellerbehandlung nur von israelitischen Arbeitern und Angestellten behandelt wurde. In diesem Sinne ist das Wort zweifellos seit jeher handelsüblich. Wachenkalender. v. 3. Nov. bis 10. Nov. 1888. / v. 20. — 27. Marcheschwan 5689. Samstag Nov 3 20 Sonntag 4 ' 21 Montag 5 22 Dienstag 6 23 Mittwoch 7 24j Donnerstag 8 25 Freitag 9 26 VINN rw "N Maulet» Montag abands 8 Samstag 10;27 Uhr 31°/e Minuten ' {sä Ä ' /v ,1 i .5 % •V> Ä ■n 'S S ■ 'S v

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.