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Der Israelit · 1928-11-01 · Heft 44 (1.11.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 44 (1.11.1928)
Date
1928-11-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 er Israelit 1 November 1928 Seite 2 Nr. 44 Wochenrundschau. Chaluka und moderne „Schnorrerei". Es ist schon richtig, daß die Städte des alten Jischuw in Palästina, vorab Safed, sich erhielten und bis auf den heutigen Tag erhalten durch die von der gesetzestreuen Judenheit der Diaspora ihnen zugedachten Unterstützungen nach dem alten System, das als Chaluka verschrien ist. Abgesehen davon, daß diese sogenannten Chalukainstitutionen den Grundbau für das neue Palästina abgeben, wäre doch noch die Frage erlaubt, ob nicht auch der zionistische Jischuw auf einer Chaluka basiert, einer Chaluka in neuer Form, aber nicht minder mit einem Sammelsystem im Mittelpunkte, das sich nur durch seine marktschreierische Art und sein ausgedehntes, ein gut Teil der Einkünfte absorbierendes Beamtentum von der Chaluka alter Observanz unterscheidet. Sollen die Spargroschen, die die jüdische Frau vor dem Lichtbenschen unter Gebeten und Tränen in die Sammelbüchse des Rabbi Meir baal Hanneß hineinwirft, anders gewertet werden, als die vielstelligen Zahlen in den zionistischen Budgets, die mittels prominenter Sendboten in Amerika aufgebracht werden? Hie wie da „Zedoko", Chaluka, wenn man es schon so nennen will „Schnorrerei". Mit dem wesentlichen Unterschiede freilich, daß während die alte Chaluka sich' mit Wenigem bescheidet, genügsam und dankbar die. frommen Gaben quittiert, ohne gesteigerte Forderungen an die Gola zu stellen, die moderne zionistische Chaluka heischend und fordernd, mit lauten Klagen und Anklagen, immer vergrämt, enttäuscht und unzufrieden,, am Werke ist. Man vergleiche zum Exempel die modernen Lehrer der zionistischen Schulen mit den M e l a m d i m der alten Chaluka in Jerusalem, Safed und Tiberias. Wann haben letztere schon Ultimatum gestellt, wann haben sie je gestreikt? Die einen wie die andern bekommen ihre Gehälter auf Umwegen aus Amerika. Die Gehaltsstufe der Melamdim ist wesentlich kleiner und die Auszahlung ist unpünktlich. Aber sie bleiben, wahre Helden und Märtyrer der heiligen Sache, auf ihrem Posten als treue Hüter des alten Jischuw und der Ideale, die dieser für das ganze Judentum zu pflegen hat. Zu XT>V Kurze Betrachtungen zum Wochenabschnitte. Von Rabbiner 2r. Felix Lanker in Zwittau (Mähren). Abraham sprach: „Ich will ein Siück bringen, daß ttr euer Herz erquicket ....“. Nascht bemerkt (im Namen des Midrasch) dazu: Es heitzt nicht öD33^ „euere Herzen", sondern 022!? »euer Herz" (tn Einzahl). Der Mensch, so hettzr es im Talmud (Trakt- Baba Batra 12 b), hat vor Einnahme der Madlzett zwei Herzen, nach der Mahlzeit nur ein Herz. 3nx$ M23'? w 1^ v rmtzn D3x ^2X'V 021p 2NX 3V nn Ein scheinbar recht schwieriger Aussoruch! Und doch enthä t er, wie alle Aussprüche unserer ^»trv einen tiefen Sinn und eine beherzigenswerte L.hre. Der Satte glaubt einfach dem Hungrigen nicht. Wer selbst Hunger verspürt und unter dem Hungergefühl leidet, der hat auch ein Herz für — andere, die ebenfalls Hunger leiden. Wer aber 'satt ist. glaubt dem Hungrigen einfach nicht, d. h. er kann ihm nicht nachsühlen; er hat nur ein Hcrz, für sich und nicht für andere. Ein wahrhaft .guter" Engel hat nur ein Herz, ein Herz für andere, tr2x^»3 snn irr' pw, weil ihm jedes Gefühl des Egoismus fremd ist. Solche „Engel in Menschengestalt", die nur ein Herz für andere hatten, find dem jüdischen Volke wahrlich nicht fremd. Wehe, wenn eines Tages Amerika versagt und der modernen zionistischen Chaluka die Einnahmequellen verstopft werden! Was dann chre modernen Lehrer tun werden, zeigte uns das Beispiel des „Bezalel", der kaum daß man es versucht hatte, sein Budget zu beschneiden, seine Pforten schloß. Die unermüdlichen Lehrer des alten Jischuw werden bleiben, wenn auch sie ihren berechtigten Anspruch auf Brot für-ihre Kinder gelegentlich in gegebener Form zur Geltung bringen.-- — All dieses stammt nicht von uns, wenn es uns auch aus der Seele gesprochen ist. Es sagt uns auch nicht einmal Neues, denn das wußten wir schon längst und sprachen es bei paffender Gelegenheit wiederholt aus. Was wir oben anführen, ist wörtlich zu lesen im zionist i s ch e n „D 0 a r H a j 0 m" vom 3. Tischri, in einem Aufsatz aus und über Safed, zu dem die Redaktion, nichts hinzuzufügenhat. Es wäre hocherfreulich, wenn sich diese Erkenntnis endlich in den Kreisen, für die der Aufsatz bestimmt ist, durchsetzte. „Agunokh" ««d andere Frage« des Frauenrechkes. In Breslau tagte vorige Woche der Gesamtvorstand des Jüdischen Frauenbundes und faßte einige bedeutsame Beschlüsse, die von ernstem, energischem Willen zeugen, im Bereiche der Frauenarbeit ganze Arbeit zu leisten. Weniger erbaulich ist es, wenn der auf seinem eigenen Gebiete verdienstvolle Bund zuweilen ' über die ihm von Natur aus gezogenen Kompetenzgrenzen hinausgreift. So heißt es im Berichte, daß sich eine Sitzung mit dem Problem der „Agunoth" befaßte. Und dabei meinte, nach Mitteilung der I. T. A., eine prominente Führerin, es sei noch kein Ausweg gefunden, um nach jüdischem Rechte den eheverlassenen Frauen wider Willen und bei Verschollenheit des Mannes die Freihett roiederzugeben'. Es gingen aber die Meinungen darüber auseinander, ob hier eine Lösung unabhängig vom Religionsgeseße möglich sei. So ist es aber nicht. Die Meinungen derer, die in solchen' Fragen kraft ihrer Gesetzeskunde BiOXULTDA Die stark schäumende Sauerstoff-Zahnpasta wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnvasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube RO Pf BIOX-MUNDWÄSSER Flasche 1.— und 2.— Ml. Gegen lockere Zähne. Probe-Flasche gratis. Max Elb A. G.. Dresden und Autorität kompetent sind, können nicht darüber geteilt feist, daß ein Ausweg nur im Einklan g mit dem Gesetze gesucht und gefunden werden darf. Darum ist die Lösung der Agunothfrage auch keine Sache der Frauen, Und auch nicht Sache von Männern, — und mögen sie im sozialen Leben noch so verdienstvoll sein, — die mit dem jüdischen Religionsgesetze nicht so vertraut sind, um autoritativ entscheiden zu dürfen. Es muß in Sachen der „Agunoth" etwas geschehen, das Elend der verlassenen Frauen muß gemildert werden. Aber es muß von zuständiger Seite aus geschehen, vonseiten rabbinischer Verbände, und Kommissionen, die absolute religiöse Autorität genießen. . Mit dem Schwerte kann dieser verschlungene gordische Knoten nicht gelöst werden. Genau so verhält es sich mit dem Wahlrecht der Frau in der'Gemeinde. Wenn eine Dame in der gleichen Sitzung mit apodiktischer Gewißheit behauptet, es bestehe „von jüdisch-religiöser und rechtlicher Seite kein Einwand gegen das aktive und gegen das passive Frauenwahlrecht in der Gemeinde" und damit, wie es scheint, gar keinen Widerspruch findet, so beweist das nur, wie leicht ansonst in ihrem ureigenen Gebiete verdienstvolle Menschen Jrrtümern verfallen und sich zu Anmaßungen versteigen, sobald sie die Grenzen überschreiten und sich auf Gebiete wagen, die außerhalb ihrer Wissens- und Arbeitssphäre liegen. Zum Problem einer jüdischen Symbolik. ll. Von Rabbiner PH. Fischer in Sarospatak. Ungarn. Wohl ist es richtig, daß S. R. Hirscheine geistige Erfassung für sämtliche mir» wünscht. Wir verweisen diesbezüglich auf die bereits von uns in unserer, in diesem Blatte (1927, Nr. 12 u. f.) veröffentlichten Arbeit „Ueber den geistigen Nachlaß S. R. Hirschs Vst" zitierten Stellen aus den 19 Briefen, 4. Aufl. S. 55 u. f. — 92 u. f. — S. 94 u. f. — S. 96 u. f. — S. 100 u. f. — S. 104—110, — S. 118 u. f. — Besonders markant ist der Ausruf im 18. Brief „Sinn muß liegen in allen mir»!" — Und heißt es doch auch in der von uns bereits früher erwähnten Vorerinnerung zum 2iin (IV. Aufl., S. vi u. f.) ganz allgemein in bezug auf sämtliche ML»: „Nachdem uns daher Gottes Gesetze oorliegen, kann es für unsere Geiststätigkeit in bezug auf dieselben nur zwei Aufgaben geben. „Und Lot ging hinaus und fprack mit feinen Schwiegersöhnen ........ und es war wie ein Scherz in den Augen seiner Schwiegersöhne". Was ihnen so scherzhaft erschien, ist schwer zu sagen. Lot riet seinen Schwiegersöhnen, diesen Ort zu verlassen, weil der Ewige die Stadt vernichtet. Es stand ihnen frei, dieser Mitteilung Glauben zu schenken oder nicht, aber zu einem Scherz lag sicherlich hier kein Anlaß vor. Betrachtet man aber genau den Wortlaut der Heiligen Schrift, dann erscheint uns das Verhalten der Schwiegersöhne Lots teilweise verständlich und sogar entschuldbar. Die Engel sprachen zu Lot »ipan nx imix v'nnw» '2 ntn „weil mir diesen Ort vernichten". Lot aber verkündete seinen Schwiegersöhnen -pyn rix 7 mnv?» '3 „daß Gott diese Stadt zerstören wird". Von den Engeln lautet ein bekannter Ausspruch pzv» jy»2 "in MNV»^> nwv daß sie in Ausübung ihrer traurigen Mission keinen Unterschied wachen zwischen dem Guten und Bösen, zwischen dem pvre und dem snrv Deshalb rieten sie Lot mit Recht, alle seine Angehörigen aus dem Orte, den sie zerstören werden, zu entfernen. Lot aber sagte, daß Gott die Stadt zerstören werde. Wenn ri"’^ selbst das Strafgericht vollzieht, dann ist die Gefahr der Verwechslung von und vVl gänzlich ausgeschlossen. Wozu also in diesem Falle die Flucht ergreifen? Sind sie wert und würdig, gerettet zu werden, dann kann es auch in Sodom selbst geschehen; verdienen sie aber keine Schonung, wozu die Flucht erareifen? Die Flucht vorGott erschien in ihren Augen wie ein Scherz und nicht mit Unrecht*) *) Nach Vllin vl-H'- 1. Teil. ..Und er sah den Ort aus der Ferne". Nicht nur Abraham, so bemerkt dazu der. Midrasch, sah diesen .Ort", sondern auch sein Sohn Isak sah ihn; er sah, nach dem Ausspruche des Midrasch nxi irr Wj? pjn N21V21. „einen herrlichen Berg, aus dem eine dicke Wolke lagerte". Wer nichts sah, das waren, seine Diener, die ihn begleiteten. Aus die Frage Abrahams. was sie in. der Ferne sehen, gaben sie zur Antwort: Wir sehen nur öde,, trostlose Wüsten (m'»23'7» x^>x i’Xfi UX s'X). Daraus sprach Abraham ju ihnen: „Bleibet ihr. hier bei dem Esel", ihr die ihr^dem Esel gleichet (->i»n^ norm »p). Vater und «ohn gingen einen schweren Weg» zu opfern und geopfert zu werden. Beide aber waren, von dem einen Gedanken erfüllt und beseelt, Großes und Herrliches für die Zukunft (pimn) zu vollbringen, ein Beispiel ihren Kindern und. Kinder Kindern zu geben, die oft genötigt sein werden, denselben beschwerlichen Weg gehen zu müssen- Aber je schwirriger der Weg, desto herrlicher das Ziel, das ihnen entgegenwinkt und das sie allein einst erreichen werden: das höchste Ziel menschlichen Strebens, die wahre Erkenntnis Gottes, ein Volk Gottes zu werden. Dieses Ziel ist noch in weiter Ferne und nicht jedem sichtbar (i^y mwp Mi) und verständlich, aber sie werden es erreichen. Aber wo Abrcham und Isak das Schönste und E'habenste sahen, dort sahen ihre Diener nur öde, trostlose Wüsten. Diese sahen nur die Schwierigkeiten des Weges, die trostlose Gegenwatt. ohne Sinn und Verständnis für die Zukunft zu besitzen. Es entspricht dieses dem Instinkt jenes Lasttieres, das nur „die Krippe" seines Herrn kennt". Daher n»N>N»NNvN*) *) Nach Vl"nn üii^v 1. Teil.

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