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Der Israelit · 1928-10-25 · Heft 43 (25.10.1928) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 43 (25.10.1928)
Date
1928-10-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 12 Nr. 43 Der Israelit 26. Oktober 1928 11. Die Schaübrote sollen von Sabbat zu Sabbat umgetaüscht werden, (Le.v 24,8) ebenfalls als „ewiges Bündnis" zum Zeichen dessen, daß Israel sein Brot nur von Gott erwarte und erbitte. 12. Der in Lev. Kap. 19 des öfteren erwähnte fiap bedeutet hier selbstredend das siebte, das Sabbatjahr; der letzte Vers der Sidra wiederholt jedoch wörtlich das unter 9 erwähnte Verbot. Nur bezieht sich -an dieser Stelle das ’fnnatt auf die im Vorhergehenden behandelten Schmittajahre, der Ausdruck „fürchtet meine Heiligtümer" aber auf die den heiligen Orten gebührende Reverenz und Hochachtung, wie dieser Sinn auch aus der Uebersetzung des Onkelos klar ersichtlich ist. 13. Numeri Kap. 15 offenbart die Thora — in Ver bindung mit einem gegebenen Vorfälle des „Holz klaubers" — der Tradition nach ein neues Verbot des Sabbats: von der Sabbatgrenze (virm)- 14. Unter den Opfern orfchriften «im Wochenabschnitt Pinchas fungiert natürlich auch Las Sabbatopfer. 15. Zum Schluß muffen wir endlich des Dekalogs im Deuteronium Erwähnung tun, der bekanntlich mit dem in Exodus nicht konform ist. Wir hatten bereits die ganze „Mischne Thora" entlang die Beobachtung ge macht, daß die Wiederholung der Gesetze meist mit Rück sicht auf deg. demnächst zu erfolgenden Einzug in das heilige Land und auf das zukünftige Leben dortfelbst er folgt. Auch der Sabbat war bisher in der Wüste bloß Gedenktag (toi), nunmehr soll er in Wirklichkeit gehalten werden (iias?)- Was bis nun allgemein-mensch liches Gesetz war, eine Nachahmung der Gottesruhe, das erhält von nun an nationale Bedeutung. Das Volk erinnere sich seiner Vergangenheit in Aegypten, wo es keinen arbeitsfreien (nach anderer Tradition ebenfalls einen arbeitsfreien) Tag hatte. In Verbindung mit dieser Rückerinnerung betont der Dekalos hier die soziale humanitäre Bedeutung des Gesetzes: ni2» paV* Im eigenen Lande ruhe nebst dem Herrn auch die Familie das Gesinde und das jochtragende Vieh (yuani .*pw) das im Exodus gar nicht erwähnt war, da es in der Wüste kaum Ochs und Esel gegeben hat. Die Details der Sabbatheiligung, die Aufzählung der verbotenen Sabbatarbeiten enthält natürlich auch diese Stelle nicht; sie weist bloß durch das Wort: „wie ich dir befohlen", auf die mündliche Tradition hin, die sich mit dem Sabbat bekanntlich am ausführlichsten beschäftigt. Unkerrichksbilder. Von Ernst Mayer i.n> Hamburg. Bereits vor einem Jahre (siehe 1927, Nr. 6 der „Erz. u. L.") hat Kollege H. Mandelbaum '"den Wunsch ausgesprochen, der Allgemeinheit durch praktische Unterrichtsbeispiele zu zeigen, wie der hebräische Unterricht lebendig verlaufen kann. Dieser Anregung folgend, veröffentliche ich hiermit eine Reihe Unterrichtsausschnitte. 1. Vom Beten. Die Kinder sind erst einige Tage in der Schule. Noch haben sie bis jetzt nicht viel gelernt. Aber eins dürfte den kleinen Kerlchen in diesen Tagen klar geworden sein: Wir dürfen alles, was wir wissen und gesehen und gehört haben, alles dürfen wir in der Schule erzählen und berichten. Das sollte vor allem der jüdische Unterricht nicht übersehen. Gerade hier müssen die Kinder ans Erzählen, ans Sich-aussprechen über ein vorliegendes Thema gewöhnt werden, damit die oft schwierigen Begriffe beim i"w oder Talmudlernen klar herausgearbeitet und in ihrer tiefen Bedeutung erfaßt werden können. Solche Aussprachen sind durchaus keine Zeitverschwendung!! .! Es ist Sonntag. „Ich möchte einmal erzählen! wo ich gestern war. In Schul, da waren viele Bänke und Leute." W o warst Du? „In Schul, das ist die Synagoge? Da Hab ich die Thora gesehen, die hat ein braunsamtenes Mäntelchen umgehabt." „Da sind kleine Glöckchen dran, die klingeln." „Der Oberrabdiner steht! vory," der betet zum Gott." „Der Dorbster betet auch "zum Gott und das andere ist die Gemeinde." Warum beten wir denn? „Weil der liebe Gott so nett ist. Er gibt uns das Essen." „Und der macht auch,, daß wir groß werden." „Und daß wir in der Schule lernen. Ich möcht viel-fernen." Ja, der liebe Gott gibt uns die Kraft, daß wir fein lernen könnesi. „Ja, und der liebe Gott gibt uns das Essen und da kriegen wir Kraft." „Der liebe Gott haut auch die Häuser." „Nein, die machen hie Maurer." Jawohl, aber auch den Maurern gibt der liebe Gott die Kraft, daß sie die Häuser bauen können. „Und der liebe Gott macht, daß . . .—" Wohl jeder Junge hat sich einmal „zum Wort gemeldet" und gesagt,, was Gott gemacht hat und machen kann. Und zuletzt wußten wir, daß Gott uns zu allem, was wir tun, die „Kraft" gibt. „Wenn uns der liebe Gott nicht die Krafi gibt, können wir noch nicht einmal so machen. (Der Junge biegt den Finger.) Seht ihr, und weil uns der liebe Gott immer die Kraft gibt und alles wachsen läßt und macht, daß wir in der Schule sein lernen können, beten wir in der Synagoge zu ihm. „Da danken wir dem lieben Gott." . „Ich kann ein Gebet, das bete ich immer." Wer will auch mal so fein beten? (Einige Jungen sagen 18l>an oder mv oder eine na-a)- Wir könnten eigentlich auch in der Schule jeden Tag beten. Ich sage euch mal ein Gebet vor: in« 'n upV« 'n btnw’ ynsr! Aber weißt D u denn, was wir zum lieben Gott beten? Höre Israel, der Ewige ist unser Gott der Ewige ist einig-einzig!*) sage ich dreimal mit lauter Stimme. „Israel — das sind die /Juden. „Und es gibt nur einen Gott, es gibt keine zwei." „Ewig ist immer." „Der liebe Gott war schon, da haben Sie noch nicht gelebt." Da hat sogar dein Vater noch' nicht gelebt und deine Mutter noch nicht, und auch dein Groß vater und Urgroßvater noch nicht . . der liebe Gott war schon da, da hat überhaupt noch niemand gelebt „Der liebe Gott hat schon gelebt, da war noch gar nichts auf der Welt!" „Ich weiß, wer die ersten Men schen waren: Adam und Eva." Somit hat unsere Unter Haltung nebenbei auch die Grundlage zur kommenden biblischen (Schöpfungs)-Geschichte gelegt. * „In der Synagoge ist das y»v gesungen worden. Wir singen es: e Vie I c y2 c y« c y81 e y2 e y8 e y I g y2 g Vs g 1/s I a 1,4 g 74 c y8 c 7g | d 1,2 d 1/4 c i,3 . . |[ (Ich wähle diese Melodie ihrer Einfachheit und doch wuchtigen Wirkung wegen.) Nun bauen wir unseren „Gottesdienst" weiter aus und verschönern ihn ein Junge singt vor, die „Gemeinde" antwortet, Satz für Satz... 2. Die erste hebräische Stunde. Die Kinder sollen erkennen, daß es eine hebräische Sprache gibt, wie die deutsche oder französische oder englische Sprache. Ich erzähle hebräisch eine kurze Ge schichte aus dem momentan interessierenden Sachgebiet von zwei Jungen — der eine war groß, der andere klein —, die mit der Eisenbahn zur Tante fuhren Als ich am Ende das Wort mVipp (Schokolade) sagte entstand große Freude, wenigstens einen Bekannten getroffen zu haben. . „Ich Habe nur. Schokolade verstanden, fönst nichts." „Ich auch.Schokolade." Dann erzählte ich die Geschichte in deutscher 'Sprache: . . ..Der eine Junge war (ich zeige mil der Hand)!>Tn ,Vn2. - und der andere Junge war pp<- pp •. Nun war der Weg geebnet. Ich sprach jetzt alles, was durch ein begleitendes Zeichen den Kindern verständlich werden konnte, nur hebräisch (anfangs mitunter deutsch). ns iSnaa '28 isia!8ia ,kMi' Zu den Kindern gewandt:!Vm t|ov 1813 h83’B üma ,5«a»a »Ria /min» mm’ Endlich steht eine ganze Reihe neben mir. Nun spreche ich, auf mich deutend: •Vna »28 Nun Josef: -"i-iiÄ »28" dann der, der . . . alle: '28" Jetzt schicke ich die Jungen aus den Platz zurück:!av /t]Bl» dann: 53» ,i>83'v dann ... — alle sitzen wieder. — Ich lege meinen Finger auf den Mund: Ion »an „Herr M., wir haben noch nicht zum lieben Gott gebetet." „Ja, das hätten wir beinah vergessen." Wer will vorbeten? . . . Alle! ... : *! Versteht denn der liebe Gott eigentlich;' was wir zu ihm beten? „Ja, der versteht alles." „Der weiß alles." Das heißt: st!' Achtung! Wer von euch ist groß? und jeder spricht: Jetzt xufe ich: y , - i. ‘ ' - und sage halb fragend:. r an,an ta'avi' a'Tü! psV D’Tn Jiysin bv a »vn .d'th!on Jan . Wieder rufe ich einzeln!i>112 '28 > ' ,!8i2i-,nj?» ' y viva Der Max: ist ja nicht groß, der ist jg klein!"'; ».'.■jap nva 1813 /p»23 ♦ •! jap M'23 Nun beginne ich wieder:!>132 '28 und einer nach dem andern sagt: ' "Vm '28« oder: "pp '28- , Und wieder entlasse ich sie einzeln:!aff 3. Lustige B efehle. Lebendige Stunden wollen wir hüben, wir müssen also tätig sein! Diese Ueberlegung hat nur den Weg gewiesen. Wir „lernten" erst diejenigen Wörter, die Tätigkeiten ausdrücken, Hauptwörter werden natürlich genannt, doch erst später „gelernt". „Herr M., wir haben noch nicht gebetet." ' 1813 t]01’ Er betet vor ... Achtung! y . y v; 1813 /«]B1» Wir begrüßen uns mit einem Händedruck: c>Hvr Ich zeige auf den Stuhl: a»! \ "aVi' ’28" - ' may v : . ."3»is »28" Desgleichen sprechen und üben wir: ' .pl-lN?28>!aw. "• ."3vl' »28< ' 1813 law!tjai» /Di?p "imbe"' Nun wird ein anderer Schüler aufgerufen .' . ., jetzt darf einer Lehrer sein und ich gehöre zu den Schülern, die aufgerusen werden. Das macht natürlich Spaß, den Lehrer so fein kommandieren zu können. — Wir spielen „Schicken". Ein Junge sagt dem. andern ins Ohr: ryai» bx )b. Mit einem f *jai» bs -pm »2» holt er ihn und darf nun selbst Josef schicken, der wiederum feinen Jungen schickt. So geht die Stunde froh dahin. (Fortsetzung folgt.). Protokoll der 56. Jahresversammlung der Jsr. Lehrerkonferenz Hessens. (Schluß.) Nach gemeinsamer .Mittagstafel erstattet der Borgende den Jahresbericht. Wichtige Zeitfragen (der Schulgesetzentwurf, die -Beteiligung der Lehrer an den Beratungen der Reform der kurhessischen Judengesetze, die Besoldungsresorm und ihre Auswirkung auf die Gehälter als Lehrer und Vorbeter u. a.) finden Erwähnung. Die Vereinheitlichung der Vergütung für den Vörsängerdienst wird dringend gefordert. Diesbezügliche Anträge an Vorsteherämter und Gemeindeverbände lassen eine Erüllung der geäußerten 'Wünsche erhoffen. Des im Berichtsjahr verstorbenen und um das jüdische Schulwesen verdienten Schulrats Kimpel und eines bewährten Amtsgenossen, des Lehrers Spiro, Fulda, wird ehrend gedacht. Anerkennende Worte widmet der Vorsitzende dem aus dem Amte geschiedenen Kollegen Perlstein, Güdensberg, der sich durch rege Veveinsarbeit und tatkräftiges Eintreten für die „Csra" den 'Dank Aller 'erworben hat. Als Vorsitzender des Bezirksoereins Kassel ist an Perlteins Stelle Moses, Kassel, getreten. Rosen stein, Rotenburg, betont, daß auch Gutkind und Cornelius den um den Verein verdienten Männern zugerechnet werden müßten.' Als Delegierte des Vereins haben Gans, Niederaula, und Rosenbusch, Bebra, an den Tagungen des Preüßen- und Reichsoerbands in München teilgenommen. Ihre Berichte rollen die Anschlußfrage wieder auf, die deck orthodoxen Mitgliedern nicht hinreichend geklärt erscheinen, weil die im Vorjahre geforderten- Kautelen nicht erfüllt worden seien. r o n, Fritzlar, stellt den Antrag, die, Ferienordnung zu revidieren. Lehrer Leinius übernimmt die Weiterleitung der Wünsche an die Regierung. Der Antrag des Ausschusses, abwechselnd in Kassel und Bebra zu tagen, findet keine Mehrheit, dagegen wird dem Vorchlag, den. über 75 Kilometer hinaus wohnenden Mitgliedern Reisezuschüsse zu gewahren, zugestimmt. Angenommen wird auch der Antrag, auf die den Lehrern beim Bezug des Familienblättes gewährte Vergünstigung zu Gunsten der Verbandsunterstützungskasse zu verzichten. Der Geschästssührende Ausschuß, dem Schaumberg, Gans und Rosenbüsch angehören,. wird wiedergewählt. Auf Vorschlag des Vorsitzenden gratuliert die Versammlung telegraphisch dem Kollegen Birk in Meerholz zu einem 89jährigen Geburtstage. Mitteilungen' über Vergütung. des Religionsunterrichtes,, den Volksschullehrer Schülern höherer Lehranstalten -erteilen-, bilden den letzten Gegenstand der Tagesordnung: Dje nächstjährige Versammlung soll wieder am Himmelfahrtstage in Kassel stattfinden. Mit Dankesworten an die Referenten und Teilnehmer der Tagung schließt der Vorsitzende um 17 Uhr die Verhandlung. Auch ich habe mich gesetzt: Ich sitze rav -avi» »28 (Aus praktischen 'tatt aip). Gründen sage JYiay /£]Bi» ich am. Anfang: >3»!P »28 *) Diese Uebersetzung habe ich von einem Kind übernomttien. Wegen des rhythmischen Gleichklangs behalte ich sie bei. Personalien. Vor einigen Wochen konnte,-wie bereits im Hauptblatte des „Israelit" zu lesen war, Herr Lehrer Adolf Bauer in Gedern unter großer Anteilnahme sein 25jähriges Dienst- und Ortsjubiläum begehen. Wir entbieten ihm die herzlichsten Glückwünsche des Bundes ge- 'etzestreuer jüdischer Lehrer. Möge es dem tapferen Kollegen vergönnt sein, in unverminderter Schäffens- 'reude weiter zu arbeiten im Dienste seiner Gemeinde und zum Segen des Judentums. Vriefkasten. An das „Mitteilungsblatt des Landesverbandes der israelitischen Neligionsgemeinden Hessens, Mainz. Ihre in Nr. 10 Ihres Blattes ansgesprochene Behauptung, daß die Verhandlungen des hessischen israelitischen Landeslehrervereins aus. seiner am 26. August in Osfenhach stattgehabten Jahresversammlung zu dem in unserem Blatte am 6.?September 'gebrachten „Briefe aus Hessen" geführt habe, ist eine willkürliche Annahme Ihrerseits, die nicht der Wirklichkeit entspricht. Der Brief war bereits am 16? August, also 11 Tage vor der Offenbacher Tagung, in unseren Händen, 7' '. ' y7

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