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Der Israelit · 1928-10-25 · Heft 43 (25.10.1928) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 43 (25.10.1928)
Date
1928-10-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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ÜS MM" 'nrzizpcmg age zum/^srae L.V-L. An Euch, Ellern! Von Lehrer F. in E Es wird jetzt soviel geschrieben über Verbesserung des Religionsunterrichts: Verbesserung der Methoden, der Hilfsmittel, der Fibeln, des Uebersetzungsünterrichts usw. Es gibt kaum eine Lehrerversammlung,wo nicht über eines dieser Themen gesprochen wird und gesprochen werden muß. Wir müssen bessere Resultate, bewußtere Juden erzielen. . Ob wir ein Recht haben mit unseren Erfolgen zufrieden zu sein? Es mag sichs jeder selbst sagen. Ich bins nicht. ' Ein paar Worte nur, auch mm b’-imS seien hier gesagt. Sie richten sich att die Eltern. Ihr Eltern! Es steht •j’aa’S» 00221^1, es steht 122 '2 usw., nur NM. ein paar Hinweise aus. der mm von den unzähligen Mahnungen zu nennen, es sagen die wv2n. daß der Vater verpflichtet ist mit seinem Kinde mm zu lernen. Wieviele von euch sind sich dieser heiligen Aufgabe bewußt? Eltern, tuet entbindet euch dieser Pflicht? Wer gibt euch das Recht, euch doch fast gar nicht um den Religionsunterricht eurer Kinder zu kümmern? — Die Gesundheit eures Kindes? — Ist euer Kind nicht auch kräftig genug für Musik-, Gymnastik- und andere Stunden? — Die Eltern hätten keine Zeit, zuviel Berufssorgen, wären selbst überanstrengt? — Wie sollen eure Kinder Zeit finden für mm. wie soll da mmn npon aufkeimen, wenn ihr selbst nur von nm vt-rn-Gedanken beherrscht seid? Ist es nicht eine- Ironie: Der jüdische Vater schafft, rafft, überanstrengt sich für seine Kinder und findet nicht Zeit mit seinem Sohn mm zu lernen, von der wir täglich sagen 12m' -pwh i2"n tan '2, sie ist unser Leben und verlängert unsere Tage? Eltern, was würdet ihr. sagen, wenn man euch Tn zumuten würde, ihr solltet euren Kindern das Leben nehmen? Meint ihr, ihr hättet Ersatz geschaffen, wenn ihr euren Kindern jüddische Privatstunden geben läßt (— die nebenbei gesagt, iw nicht teurer sein dürfen, als eine schlechte Musik- oder Turnstunde —)? Und dann euer stärkster Einwand: wir haben ja gute jüdische Lehrer! Wißt ihr wirklich, ob ihr gute, wißt ihr wirklich, ob ihr jüdische Lehrer habt? Ihr sorgt nicht für vorbildliche fromme Lehrer, weil ihr mehr bezahlen solltet? Gebt ihr nicht ohne Widerrede 10 Pfennig mehr für 2^2-Butter,, 20 Pfennig mehr für nv2-Fleisch, und wenn es um Leben eurer Kinder geht, da wollt ihr sparen? Eltern! Fragt ihr manchmal eure Kinder: was habt ihr heute gelernt? Was habt ihr Jüdisches gelernt? Fragt ihr, eure. halbreifen Söhne, was für die Nächste Religionsstunde zu lernen ist? Fragt ihr die Lehrer, ob euer Kind seine ’-im/ seine nje>» getonnt hat? Wie und ihr laufet zum Klassenlehrer der höheren Schule, fragt nach Fortschritten, nach Versetzungsmöglichkeiten? — „Er muß Nachhilfe im Lateinischen haben?" „Ich werde Sorge tragen." — Und nach drei Wochen wieder beim Lehrer: „Nun wie sind Sie jetzt zufrieden? — Hand aufs Herz, Eltern!. Wieviele von euch haben diesen Gang schon zum Religionslehrer getan? Ihr zittert mit euren Kindern für das kommende Zeugnis, für die Versetzung! Habt ihr jemals für die rm-as. die eure Kinder aus Unwissenheit — ihr wart nicht beim Religionslehrer — während des Jahres begangen haben, am nn und gezittert? Ist es möglich, daß Vierzehnjährige einfach sagen, ich brauche nicht mehr die Religionsstunde und die Eltern schweigen?!12'»' yiiRi i2«n on '2- Und wir diskutieren um Religionsunterrichtsmethoden, die wir nachher an uninteressiertem Material zerschlagen! Eltern! Können eure Kinder denn lernen wollen? Ihr seid teilnahms- und interesselos und eure Kinder sollten es nicht fein? Und wir debattieren, wir plagen uns, wir verbessern Methoden... Leider ließe sich noch viel sagen; doch zum Schluß! Eltern, lernt mit euren Kindern auch selbst, die mm befreit euch nicht von der Pflicht no’22 0» seid euren Kindern jüdisches Beispiel, führt eure Kinder täglich in'die Synagoge, daß sie flehen, wie ihr dort betet, gewissenhaft betet, fragt eure Kinder, was sie lernen, wiederholt mit ihnen, bereitet vor, fragt vor allem euren Lehrer, wie man zufrieden ist: behandelt doch die jüdische Stünde wenigstens wie eine Lateinstunde! Kann man denn weniger fordern? Vielleicht wird es besser mit dem jüdischen Missn eurer Kinder, mit der jüdischen Führung, mit dem Judentum, vielleicht auch besser mit dem Verhalten eurer Kinder den sittlichen und moralischen Gefahren unserer Zeit gegenüber, vielleicht hat es dann einen Sinn so ungeheuer viel Zeit für Gemeinde- und ^-Angelegenheiten zu verwenden. ' Eltern, das Herz zittert uns für eure — und für unsere Kinder: denn eure Kinder sind unsere Kinder, so sagt '"m zu 2102,2 i’Vj? ni-sa mmw2n p ns biv ,iabn rs-a "12202 ni» iVs2- Eltern, es sind harte Worte, aber 122°? ny- •imm man 'nb niiwV n» Das Gesetz des Sabbats im Pentateuch. (Pädagogische Zusammenfassung.) Von Prof. Dr. A. Fürst in Budapest. Im verflossenen Schuljahre hatte ich in der vierten Klasse (Tertia) des Jüdischen Gymnasiums das 5. Buch Mosis zu unterrichten, sozusagen den von mir geleiteten Pentateuchunterricht der unteren Klassen abzuschließen. Von selbst ergab sich uns also der Gesichtspunkt, im Laufe der Uebersetzung stets auf jene Stellen der vorhergehenden Bibelbücher zurückzuschauen, in denen von dem betreffenden Gegeisitande bereits die Rede war. Am Ende des Schuljahres überschauten wir nun die Parallelstellen, sowohl diejenigen, die sich auf historische Ereignisse beziehen, als jene, die gesetzliche Vorschriften beinhalten. Einzelne Themen, die im Pentateuch mehreremal Vorkommen, gab ich einigen Schülern zum schriftlichen Referat auf und bekam als Resultat ganz hübsche lehrreiche- Aufsätze. Besonders über den Sabbat, von dem sich wieder die bekannte Tatsache erwies, daß in der Thora kein einziges Gesetz so oft und in so verschiedenen Variationen wiederholt wird, wie das des Sabbats, erhielt ich zwei sehr, interessante Arbeiten. Sie behandelten den Stoff in so eingehender, die ganze Fülle der in der Schule besprochenen Fragen umfassender Weise, daß ich sie für wert halte, einem gr.ßeren Publikum vorgeführt zu werden. Ich selbst habe eigentlich bloß die Kontamination der beiden vorgenommen, sttlistisch und sprachlich an ihnen gemodelt; meine eigenen Zusätze folgen in Klammern. An 13 Stellen des Pentateuch, wird des Sabbats Erwähnung getan. 1. Zum Abschluß der Schöpsungsgefchichte heißt es vom Schöpfer, er habe „geruht". Er „segnet" und „heiligt" den siebenten Tag, der also eigentlich zum Ruhetag sämtlicher Geschöpfe, aller Juden und Nichtjuden bestimmt war. (Tatsächlich ist es bekannt, daß das Cristentum Jahrhunderte hindurch diesen Tag gefeiert hat und noch heute zählt die Sekte der „Siebentag-Adventisten" einige 100 000 Mitglieder in Amerika und Europa, die streng am Sabbat hakten . Ihr gelehrter Vorkämpfer, R. L. Conradi, hat sogar ein recht imposantes, lesenswertes Buch geschrieben: Die Geschichte des Sabbats und des Ersten Wochentages, Hamburgs 1912, in dem er auf Grund vielseitiger Studien nachzuweisen sucht, daß es zu keiner Zeit, „auch nicht in den dunkelsten Zeiten an gläubigen Beobachtern des heiligen Ruhetages gefehlt hat.") 2. Im 16. Kapitel des Exodus ist in Verbindung mit dem Manna das erstemal von „Schabbos"' die Rede. Das Sabbatgesetz ist noch nicht erlassen, aber schon läßt es seine Wirkung fühlen. Es ist der Prüfstein für das jüdische Volk, ob es dem Worte Gottes vertrauen und auf einen Tag dem damals noch wörtlich befolgten „Broterwerb" entsagen mag. Die Erinnerung an diese Begeben, heit bewahrt das „lechem mifchne". 3. Der Dekalog weist dem Sabbat seinen gebührenden Platz an. Die Motivation der. Sabbatruhe ist: Gottes Ruhe. Auch wir sollen dem Sabbatsegen fühlen, auch wir ,ihn heiligen (durch Kiddusch und Hawdoloh), wie Gott ihn gesegnet und geheiligt. 4. Inmitten der sozialen Vorschriften in M-ischpotim, wo von der landwirtschaftlichen Ruhe des 7. Jahres die Rede ist, spricht ein Satz (Exod. 23,12) wieder vom Sabbat. Nach Raschi soll er daran erinnern, daß auch im Sabbatjahr der Wochensabbat seine volle Bedeutung beibehalte und daß die Ruhe des Gesindes und des Viehes der Ruhe des Herrn gleichgesetzt fei. („Nimm es nicht leichter mit der Ruhe des Knechts, wie mit der eigenen",— sagt Rabbiner Dr. Hoffmann s. A. in seinem „Deutoronium", das wir im Unterricht oft und gern herangezogen haben. Schade, daß der Schluß des Buches noch immer fehlt.) 3. Nachdem die Arbeit des Stiftszektes anbefohlen, auch der Künstler hierfür schon besttmmt ist, hält es die heilige Schrift (Exod. 31,12—17) für notwendig, das Werkoerbot des Sabbats zu wiederholen, als wollte sie sagen: Wie wichtig und dringend auch'der Bau der Gotteshütte sei, meinen Sabbat verletzet nicht! Hier betont die Bibel zum erstenmale die strengen Sanktionen für die Entweihung des Sabbats, hier nennt sie ihn zum erstenmale: nm, das ewige „Zeichen" der Weltschöpfung, zugleich: n'22, Denkstial des unabänderlichen, unauflöslichen „Bundes" zwischen Gott und Israel. 6. Gegen Ende desselben Wochenabschnittes, zwischen der Erwähnung des Peßach- und Schowuothfestes heißt es kurz und knapp: n2on T-spai er-im (Exod. 34,21). Der Talmud sieht darin diverse Hinweise, z. B. auf die Verlängerung des Sabbats oder auf die ausnahmsweise Erlaubnis, den Omer schneiden zu dürfen; dem einfachen Sinne nach dürfte der Satz so viel bedeuten, daß man auch während der Hauptarbeiten am Felde, während des Ackerns und der Ernte, zwischen Peßach und Schowuoth am Sabbat ruhen müsse! 7. Am Anfang der Sidra Wajakhel, bevor mit der Aufstellung der Stistshütte begonnen wird, lenkt Moses noch einmal die Aufmerksamkeit des Volkes auf das oben (unter Nr. 5) erlassene Verbot; wiederholt die Sanktionen und ergänzt dasselbe mit dem Verbote des „Feuermachens", das bisher nicht zu den „39 Hauptarbeiten" zählte. 8. Zu Beginn der Heiligkeitsgesetze, Lev. 19,3 (D. Hoff" mann weist auf Grund einer älteren Quelle des Midrasch rabba darauf hin, daß hier Andeutungen auf sämtliche 10 Gebote zu finden sind), ist die Ehrfurcht vor den Eltern mit dem Sabbatgebote verbünden. Beide führen zur Heiligung des Allmächtigen: die Eltern verdienen ja bloß als die Vertreter Gottes, als die Lehrer Seiner Lehre Ehrfurcht und Liebe, der Sabbat aber kündet doch vor aller Welt, daß Gott der Schöpfer des Weltalls. Trotzdem — erklären unsere Weisen —, wenn dir die Eltern befehlen sollten, entweihe den Sabbat, ist das Wort des größeren Herren maßgebend: „sind ja auch Vater und Mutter zu meiner Ehre verpflichtet." 9. Gegen Schluß desselben Heiligkeitsabschnittes (Lev. 19,30) tritt der Sabbat in Verbindung mit dem Gebote „fürchtet meine Heiligtümer" auf. Da in den vorhergehenden Versen von verschiedenen götzendienstlichen Handlungen, sog. 'im nipn die Sprache ist, kann dieser Doppelsatz nur so viel bedeuten: „Im Gegensatz zu den heiligen Orten und Zeiten der Heiden feiert meine Feier tage und Heiligtümer"! 10. In der Einleitung des Festesabschnittes (Leviticus Kap. 23) ist bekanntlich auch der Sabbat unter den o'2s-» genannt. (Einzelne Erklärer, wie Jbn Esra wollen wohl den Unterschied machen, Sabbat sei „Gottes Fest", die übrigen Feiertage aber „ihre Feste", notabene des Volkes; aber nach der angenommenen Terminologie ist der Sabbat kein 2yi», sei er doch auch unabhängig von der Verkündigung des Synhedrion.) Der 3. Vers, der vom Sabbat spricht, ist aber bloß eine Interpolation und will besagen, daß der Sabbat ebenfalls „heilige Versammlung" sei, daß die Art seiner Feier mit der der Feiertage identisch sei (wie die Mischna sagt: n2B> 7-2 r«) (210 ovV> daß aber, wenn der Feiertag auf den Sabbat falle, trotzdem keine 1*32^21« n2sVn (Zubereitung von Speisen) erlaubt sei.

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