Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-10-18 · Heft 42 (18.10.1928) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 42 (18.10.1928)
Date
1928-10-18
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450536--75402-2532924
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sette 2 Nr. 21 Der Israelit Blätter 18. Oktober 1928 Festtage in der Hamburger Agudas Zisroel. Die Hamburger Agudisten sehen auf zwei Tage festlichen Erlebens zurück. Am Sonntag, den 3. Elul, sprach Dr. P i n ch a s K o h n in der Ortsgruppe in öffentlicher Versammlung, am 4. Elul weihte die Jugendgruppe ihr Heim, das zeitweilig geschloffen war, neu ein und hatte die Freude, auch hierbei Dr. Pinchas Kohn in ihrer Mitte zu sehen. Der Bortrag, geleitet vom Vorsitzenden der Hambnrg- Altonaer Ortsgruppe, S. E f ch w e g e, war außerordentlich gut besucht, auch die Gemeinde- und Synagogenverbandoerwaltungen waren offiziell vertreten. Das Referat, das die Weltlage der Orthodoxie behandelte, war durch feine Gedankentiefe, die Schönheil der Form und die Wärme des Vortrags von außerordentlicher Wirkung. Es legte den Begriff Orthodoxie genau fest und zeigte die Position, in der die orthodoxe Weltanschauung, welche organisatorisch durch Agudas Jisroel vertreten wird, sich befindet. Er umschrieb das Verhältnis von Nichtjuden und Juden, vor allem aber der jüdischen Jugend, zur Orthodoxie und wurde, gerade weil der Redner alles Propagandamäßige vermied, zu einer packenden Kundgebung für den Gedanken der Agudas Jisroel. Es wurde hierauf die Diskussion eröffnet, zu der sich aber keiner der zahlreich anwesenden Nichtagudisten meldete. Dr. I. Möller- Altona, der dem Vorstand der Hamburg-Altonaer Ortsgruppe feit ihrer Begründung angehört, sprach von sich aus dem Redner spontan seinen Dank aus und forderte alle Anwesenden auf, ihrem Einverständnis mit dem hohen, von überzeugender Klarheit und heißer Liebe zum ganzen Klal Jisroel getragenen Ausführungen durch kräftiges Wirken für Idee und Organisation der Agudas Jisroel Ausdruck zu verleihen. Der Vorsitzende konnte in seinem Schlußwort in freudiger Genugtuung feststellen, daß die von Dr. Kohn geforderte Zusammenarbeit von Alten und Jungen in Hamburg, wo Orts- und Jugendgruppe in ständigem Konnex miteinander stehen, voll verwirklicht fei. Diese Tatsache kam am nächsten Abend bei der Wiedereröffnung des Jugendgruppenheims zu schönstem Ausdruck. Vor etwa zwei Jahren hatte die Jugendgruppe ihr Heim, soweit es nicht vom Kindergarten der Jugendgruppe benutzt wurde, aufKben und die Räume anderweitig vermieten müssen. Nun ist es. ihren Anstrengungen gelungen, die alten, vertrauten Räume wieder frei zu bekommen, zu beziehen und in behaglicher Weise zu renovieren und einzurichten, letzteres vor allem Dank der Mitwirkung der Ortsgruppe, einzelner Gönner und der Hingabe jugendlicher Mitglieder, die sich als Maler, Tischler und Dekorateure betätigten und bewährten. An dieser Einweihung nahm die gesamte gesetzestreue Jugend Hamburgs herzlichen Anteil, es kam dabei die gemeinsame Liebe und Treue aller zum heiligen Thoraideal — über alle Parteischranken hinweg — zum erhebenden Ausdruck. Nachdem - Oberkantor Rosenblatt, einer unserer besten Agudisten. das «an Tna gesungen, hielt der Borsitzende Wolf S. Jacobson die Eröffnungsrede. Ausgehend voon Gedanken, die der Elulmonat weckt, legte er seiner Rede das Wort dernn-w: d* nvm o’bn. mit welchem der Hamburger Raw fein Glückwunschschreiben an die Jugendgruppe hatte ausklingen lassen, zu . Grunde, .schilderte die Kämpfe, die die thoratreue Jugend zu .führen Mte . l'2i< i»y nnnfaV ssn r? und benützte die 'Anwesenheit des Vorsitzenden' des Wierier. AM,: um';besihqmbUMfchLn Jugend die Leistuiig bjefre inii.. ona’B .- deutlich: s zu machen. Cr schloß seine fyvis* fuyrungeh aus Jacob Mosenheirys Aede aüf dem Hersrelder Jugendtreffen.' ,:J. J " HierachU begrüßte' der', Vorsitzende de? Ortsgruppe S.?E f ch w ege.ünd gab wiederum der'Freude der Alten arp.-Schaffen! cher Jungen herzlichen Ausdruck. Dr. Pinchas Kohn, stürmisch begrüßt, erinnerte in seinen einleitenden Worten an die Kenessio Gedaulo, die sich gerade in diesen Tagen zum fünften Male jährte und mahnte alsdann intiefsinniger Auslegung des Wortes: „Wenn Du ein neues Haus baust, so mache dejnem Dach eine Umzänung" die Jugend, sich vor allem ums eigene Haus, die eigene Sache zu kümmern, bei aller Bescheidenheit Selbstvertrauen, Vertrauen zu den Führern zu haben. Seine eindringlichen Worte fanden ein starkes Echo. Alsdann folgten Begrüßungsworte, namens der „Esva" durch B. S. I a c o b f o n, für das Jugendamt der Gemeinde V. I. Jacobson, für die Deutsch-Jüdische Jugend Manfred Norden, für die Misrachi- Jugend Eugen Michaelis. Aus allen Begrüßungen klang die Freude an der Arbeit der Jugengdruppe durch. Möge es der hamburgifchen Jugendgruppe gelingen, die Hoffnungen zu verwirklichen, ihr ausgedehntes Winterprogramm durchzufüyben rundi sh. mitzuhelfen, daß auch in Hamburg Agudas Jisroel als Organisation der Gesamtorthodoxie immer weitere Kreise umfaßt.,! Aus der letzten Sitzung der Bass Zakob-Derwalkung. (Ende August d. I.) 1. Jnspekt-ionsb errcht. Die anwachsende Zahl unserer Schulen», es bestehen zurzeit 90, und die zahlreichen Anfragen seitens der Verwaltungen und der Lehrerinnen haben die Anstellung eines Inspektors dringend erforderlich gemacht. Ueber das Resultat der 1. Inspektion berichtet Herr A. S. Frydmann. Der Eindruck der inspizierten Schulen war im allgemeinen ein günstiger sowohl betreffs der Kenntnisse der Schülerinnen als auch des Verhältnisses zwischen Verwaltung und Lehrerin. Bei der Prüfung der Schülerinnen zeigten sich Mängel in den Kenntnissen der hebräischen Sprache, wodurch der Uebersetzungsunterricht erschwert wird. Erforderlich ist demnach die Einführung der hebräischen Grammatik in den Lehrplan. Ein großes Hindernis für die Bajs Jakob-Schulen ist die allgemeine polnische Volksschule und es wäre sehr zu wünschen, daß wir in die Bajs Jakob- Schulen auch den Unterricht der profanen Lehrfächer der Volksschule immer mehr aufnehmen könnten. Dadurch könnte der Einfluß auf die Erziehung unserer Kinder in unserem Sinne weit stärker werden, wie wir es in den einzelnen schon jetzt bestehenden Bajs Jakob-Volksschulen ersehen können. Eine starke, leider immer noch nicht genügend beachtete Gefahr für die seelische Entwicklung des Kindes besteht in dem Religionsunterricht in der polnischen Volksschule. Der Lehrer, in der Regel fast immer ein Gegner der Bajs Jakob-Schule, bringt das Kind nur zu oft in schwere, seelische Konflikte. Es wäre unbedingt notwendig, von der Regierung die Erlaubnis zu erlangen) die Bajs Jakob-Schülerinnen vom Religionsunterricht in der Schule zu befreien. In einzelnen Städten wird der Religionsunterricht in der Volksschule von der Bajs Jakob-Lehrerin erteilt. Um etwaige Streitfragen zwischen Schule und Verwaltung zu verhindern, soll ein Regulativ ausgearbeitet werden, das die Arbeit der Verwaltung eindeutig darlegt. Besonders soll geregelt werden, in welcher Weise die Verwaltung sich in pädagogischer Beziehung in die Arbeit der Lehrerin einmischen darf. Es wird aus den Mitgliedern der heutigen Konferenz urckr 3 amtierenden Beth Jakob-Lehrerinnen, ein Ausschuß gewählt, der das schon bestehende Regulativ daraufhEausbestern soll,. Es wRd leider AobachM, dast sich Äe wohlhabenden greife noch von den Beth Jakob-Schulen fernhalten, so daß die Schulen fast aMchlietzstch. von Hindern der armejt^n Bevölkerung bestich^ werden. Dies hat u. ä. auch die schwierige HnanziHe Lage zur Folge, über die später noch besonders referiert wird. Es wird darum beschlossen, eine Propagandatätigkeit zu eröffnen, um alle Kreise eventuell mit Hilfe von rabbinischen Aufrufen heranzuziehen, die Kinder in die Bajs> Jakob-Schulen zu schicken. Die Inspektion wie auch die Berichte unserer Lehrerinnen zeigen vielfach eine Ueberzahl von Unterrichtsstunden, was eine Gefährdung für die Gesundheit der Lehrerinnen bedeutet. Es wird beschlossen, die Höchstzahl für die täglich zu gebenden Stunden auf sechs zu begrenzen. Das Gehalt einer Bajs Jakob-Lehrerin beträgt neben freier Kost und Logis ca. 120—200 Zl. Es besteht vorläufig noch ein Mangel an geeigneten Schulbüchern. Im Augenblick liegen Vorlagen von Neuerscheinungen vor (eine jiddische und öine hebräische Chrestomatie, Vorträge über die diesem Mangel abhelfen sollen. Der Referent beantragt die Schaffung eines Stipend ienfonds für besonders begabte Schülerinnen, um ihnen den Besuch des Bajs Jakob-Seminars zu ermöglichen. Ebenso wird die Schaffung eines Kranke n^fonds beantragt, um erkrankten Lehrerinnen die notwendige ärztliche Behandlung, und eventuelle Erholung, zu ermöglichen. Herr Frydmann schlägt vor, daß die Lehrerinnen durch monatliche Zahlung von 4 Zl. sich selbst einen solchen Fonds schaffen. Herr Dr. Deutschländer gibt zur Kenntnis daß einer unserer Gönner die Absicht hat, für Errichtung eines Erholungsheimes eine größere Summe zu spenden. Wir wollen auf alle Fälle versuchen, unsere Brüder und Schwestern im Ausland zur Mithilfe für diesen so idealen und nötigen Zweck zu gewinneen. 2. Finanzbericht. Der Referent M. H e i t n e r erstattet den Bericht über die finanzielle Lage der Schulen. Es liegen Sübventionsgesuche von. fast sämtlichen Bajs Jakob-Schulen vor. Im allgemeinen ist die finanzielle Lage der Schulen eine recht schwierige und fast alle arbeiten mit einem jährlichen Defizit. Ein Teil der Schulen erhält Subventionen von den Kehilloth und Magistraten. In der Diskussion über die Notwendigkeit der Unterstützung der Schulen wird hervorgehoben, daß alle Schulen sich in schwerer finanzieller Lage befinden, einem Teil der Schulen - droht Auflösung bei Ablehnung ihrer Subventionsgesuche. Eine Hilfe von unserer Seite würde eine große Stärkung der Schulen bedeuten und sie zur Weiterarbeit ermutigen. Ein besonderer Ausschuß prüft die Gesuche und erklärt 43 Schulen für subventionsberechtigt. Zur Unterstützung sind gegenwärtig 2100 Dollar erforderlich. Her^ Dr. Deutschländer teilt mit, daß der größte Teil der -Summe gesichert ist und jetzt zur Auszahlung gelangen kann. ' - 3. Propagandabericht. Die) Herren Rabbiner Horowitz - und - Dr. Deutschländer berichten über die Erfolge der: Propagandaarbeit in Amerika, England und Frankreich. Um Bajs Jakob wirklich dejr Charakter einer modernen Schulorganisation zu geben, bedarf es noch großer Mittel. . Die Redner fordern alle Anwesenden zu weiterer, unermüdliche^ Propagandaarbeit auf, es wird besonders eine Propagandaaktion in Polen energisch..eingeleitet. 4. B e r i ch t ü b e r d e n?^e r i eft f w r s R ab x g. R e f er ent Dr.MZjUfßchlÄ n d e r. .. Der Kurs begann apr 2Ä rJuftt 4928 und endigte Mitte Ssptember. Teilnehmer anf Kurs waren 1. die beiden Ssminarkurfe deS Kvakauer Seminars (8 Wochen), Z. 10 -Schülerinnen des Seminarkurses Ehawazeles, Warschau, 3. 38 schon aMerende Lehrerinnen^ 4. Mäddcheü--die ausgebildet werden zur Führung von Abendkursen für junge, jüdische Arbeiterinnen. Ferner nahmen an dem Kurs teil einige für die Bajs Jakoboarbeit interessierte Mädchen aus Wien und dem Burgenlande. Insgesamt wurde der Kurs von 124 Teilnehmern besucht. Das'Dozentenikollegium bestand aus den Herren Dr. Deütschländer,' Wien, A. S. Frydmann, Warschau und den Damen E. Landsberg, Breslau) I. Rosenbaum, Frankfurt, S. Schenierer, Krakau, L. Szczaranska, Krakau, Dr. Deutschländer, Wien. Cs wurde unterrichtet awna und tp^rfn jüdische Geschichte, Pädagogik und Literatur. Besonderer Poslscheck-Konlen: Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland Hamburg Nr, 24753 ■ (P. Sch. A. Hamburg). ' ■ Keren Hatorah-Koinmissariat Frankfurtja. M. Nr. 41666 (P. Sch. A. Frankfurt a. M Keren Hatorah-Kommissariat Nürnberg Nr. 18440 (P. Sch. A. Nürnberg) Keren Hatorah-Koinmissariat Köln Nr 50131 (P. Sch. A. Köln) Keren Hatorah-Kommissariat Leipzig Nr, 70147 (P, Sch. A. Leipzig) Keren Hatorah-Kommissariat Berlin, P; Sch, A. Berlin. Nr, 73991 C. Salomon. Keren Hatorah-Kommissariat Breslau, P. Sch, A. Breslau Nr. 60510 für Iwan Müller. Keren Hatorah-Kommissariat Hamburg P. Sch. A. Nr. 40953 für Dr. Julius Basel Keren Hatorah-Kommissariat Kartsruhe Markus Stern Bankkonto Ignaz Ellern,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.