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Der Israelit · 1928-10-18 · Heft 42 (18.10.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 42 (18.10.1928)
Date
1928-10-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 42 Der 8 « r a e I it 18. Oktober 1928 Lassen Sie Iiire UHREN bei Neeser-LAPP, Allegasse L reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie. vormundung zurückweisen, die um eines leeren Schemens willen die Wirklichkeit ihrer wirtschaftlichen Existenz auss Spiel setzt. Was wird aus Deutschlands Juden? Beredte Ziffern über Geburten, Mischehen und Bevölkerungsbewegung. (Schluß.) Sachsen. In Sachsen wohnten nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925: 23 252 Juden. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung (4 492 320) beträgt 0,46 Prozent. Die jüdische Bevölkerung konzentriert sich fast ausschließlich auf die Großstädte. In Leipzig, Dresden, Chemnitz und Plauen sind insgesamt 20 923 Juden oder 89 Prozent ihrer Gesamtzahl ansässig. Dies hängt unmittelbar mit der sächsischen Gesetzgebung zusammen, die erst am 3. Dezember 1868 die staatsbürgerliche Gleichberechtigung verfassungsmäßig sicherstellte, während vorher den Juden der Aufenthalt auf dem Lande im allgemeinen untersagt war. So kommt es, daß im Jahre 1834 nur 2 Juden auf dem Lande lebten, 1864: 27, erst seit 1871 mit 70 Personen die Ziffer sich stärker vergrößerte und 1900 auf 385 stieg. Von den 874 Juden im Jahre 1832 wurden 852 in Leipzig und Dresden festgestellt, im Jahre 1871: 3014 unter 3346, 1910: 13 608 unter 17 587. Rechnet man noch die jüdische Einwohnerzahl von Platzen und Chemnitz hinzu, so muß man zu dem Ergebnis kommen, daß'die sächsischen Juden eine Großstadtbevölkerung ohne Einschränkung darstellen. Ueber die Bewegung der Juden ist folgendes zu sagen: In Sachsen war bisher die Geburtenquote der Juden günstiger als im übrigen Deutschland. So trafen auf 1000 Juden im Jahre 1911: 20,1, 1025: 20,2 Geburten,. während in allen übrigen Ländern, die Geburtenzahl unter 20 liegt. Die Ursache liegt in der hohen Zahl a u s l ä n bischer Juden, die in SaMey -eine neue- Heimat gefunden haben, was man bereits aus der Geschlechtsverteilung ersehen kann, bei der das männliche^Geschlecht überwiegt, das an ' " der Wanderung stHMr beteiligt ist gls das weibliche Geschlecht. . . Im JqKre 19M.stammten 58 Prozent^der Juden Sachsens aüs nichtdeutschen Ländern. Für 1925 liegen.keine.dieZbezüglichen Angaben .yor. Der jüdische Geburtenüberschuß betrug 1911: i!199, 1912:! 321, -1913: 245, . 19205 319, 1921: 302, 1922: 277, was, vergleichen wir z. B. dieses Ergebnis mit Preußen, als sehr günstig angesehen werden muß. Die jüdischen Ehen beliefen sich im Jahre 1910 auf 47, die Mischehen dagegen auf 38, 1911 auf 57 und 33, 1912 auf 74 und 39, 1913 auf 74 und 36, 1920 auf 329 und 64, 1921 auf 194 und 57, 1922 auf 211 und 73, 1923 auf 266 und 95, 1924 auf 167 und 57, 1925 auf 87 und 64. Die hohe Zahl der Mischehen fällt bei dieser Aufzählung sehr auf und demgegenüber die geringe Zahl rein jüdischer Ehen. Die Ursache ergibt sich daraus, daß viele Eheschließungen allein nach jüdischem Ritus eingegangen werden, das heißt, ohne das Standesamt in Anspruch zu nehmen. Deshalb enthalten die diesbezüglichen Ziffern der amtlichen Statistik nicht den richtigen Tatbestand. Württemberg. In W ü r t t e m b e r g läßt sich in dem Zeitraum von hundert Jahren eine Zunahme von 2000 Juden wahrnehmen. In den ersten Jahrzehnten, die den Jahren 1821 folgten, sind die württembergischen Juden durchaus Dorfbewohner. So finden sich * im Jahre 1821 dje. meisten Juden in folgenden Oberämtern: Horb 1461, Mergentheim 1061, Künzelsau 1049, Reresheim 1021, Gerabronn 636, Riedlingen 718,. Waiblingen 624,. Neckarsulm 529. Im Jahre 1846 wohnten von 100 Juden auf dem Lande 81,17, in den Städten 18,83. Doch immer stärker zog der Jude nach der Großstadt, so daß 1925 in Stuttgart allein fast die Hälfte aller sich niedergelassen hatte. Für die natürliche Bewegung der Juden liegen uns Zahlen seit 1898 vor. Damals betrug die Geburtenziffer 17, die Sterbeziffer 15 pro Mille; die Sterberate senkte sich bis. auf 13 im Jahre 1910. Die Geburtenrate fiel aber noch stärker, auf 14,7, so daß die natürliche Zunahme ganz gering ist, ja, unter Berücksichtigung der Austritte eine passive Bilanz ergeben dürfte. Daß während des Krieges die Sterblichkeit bei weitem die Geburtlichkeit überwog, trifft auch für Württemberg zu. Diese ungünstige Entwicklung hat in der Nachkriegszeit keine Besserung erfahren und datiert fortlaufend seit dem Jahre 1908. Baden. Die Juden in Baden bilden mit 24 064 Personen 1,1 Prozent der Gesamtbevölkerung. Rund zwei Drittel aller badischen Juden wohnten im Jahre 1925 in den 16 Städten mit über 10 000 Einwohnern. Fast jeder dritte von ihnen ist in Mannheim domiziliert. In hundert Jahren, von 1825 bis 1925, haben sie um. 37 .Prozent, von 17,600 auf 24 000, zugenommen. Die Gesamtbevölkerung dagegen um 104 Prozent. Damals wohnten sie fast ausschließlich in Nordbaden, heute sind sie über das ganze Land zerstreut. Trotz ständigen Rückganges der badischen Juden offenbaren die Städte ein unaufhörliches Wachstum der jüdischen Bewohner. Dies geschieht, also allein auf Kosten des platten Landes. Die Geburtenquote ist, wie während des Weltkrieges, in den letzten Jahren-so gering geworden/daß mehr Juden sterben als geboren werden. Im Jahre 1910 wurden 388 Kinder geboren, 1925 nur noch 319, 1926 sogar 251-, so daß im Jahre 1910 auf 1000 Juden 14,9, 1925 dagegen 13,2 Geburten trafen. ' Die- Sterblichkeit zeigt keine fallende Tendenz mehr; sie betrüg im Jahre 1910: 349 (13,4 pro Mrlle); 19255 342 (14,2 pro Mille), 1926: 356 Juden in Baden. Sie kompensiert keineswegs mehr die Geburtlichkeit. Pie Ehequote, die vor dem Wiege ziemlich gleichmäßig verlief, hat W den - Mt§n Mhren das Vörkriegsniveau: stark - untersWiÄön. L Vön 8kn Ehen waren im JahresdurchschüM -1869-lil87<3: 189 rem jüdisW 1879-^1883: M^Md-Al89Ä 169, 1899—1903: 200,. 1909-4913: .175,''1919 bis 1923: 261, 1924—1925: 126. An MWehtzn stellte man 1890- 6,.. 19.00: 16, 1910: 17,'1920: 62, 1922: 58 fest. '' Hessen. In Hessen ist seit dem Jahre 1849 ein steter Rückgang der Juden festzustellen. Damals kamen auf 100 Personen 3,4 Juden, im Jahre 1925 nur noch 1,5. Demgegenüber bestand wenigstens bis zum Jahre 1910 ein Ansteigen der jüdischen Bevölkerungszahl in den Städten. Nach der letzten Zählung trifft dies nicht mehr zu. Die Abnahme der Juden war besonders stark in den Städten Offenbach (33,6 Prozent), in Darmstadt (19,3 Prozent) und außerdem in Nheinheffen ohne Mainz und Worms (26,0 Prozent). In Gießen (1,8 Prozent), Mainz (6,6 Prozent) und Worms (7,0 Prozent) war sie gering. Die Sterblichkeit war bei der evangelischen, katholischen und israelitischen Bevölkerungannähernd: gleich; in Starkenbürg bei den Juden auffallend gering, was mit der starken irdischen Abwanderung in Offenbach und Darmtadt zusammenhängt. In diesen beiden Städten ietrug die jüdische Sterblichkeit in der Zeit von 1910 bis 1925 12,9 Prozent und 19 Prozent der dortigen mittleren jüdischen' Bevölkerung. In dem 14^i jährigen Zeiträume zwischen den zwei Zählungen wurden in Hessen 4423 lebende eheliche und uneheliche Kinder von.Juden geboren. 4168 davon entstammen rein jüdischem Ehen, 97, waren uneheliche Kinder von jüdischem Müttern. Auf 1000 Personen der mittleren Bevölkerung dieses Zeitraumes kamen demnach bei den Juden 13,9 Lebendgeborene. Gestorben sind in der gleichen Zeit 5002 Juden, also 15,7 auf 1000 der mittleren jüdischen Bevölkerung. Es find 579 Juden mehr gestorben als geboren. Der überschießende Verlust muß auf Abwanderung, zurückgeführt werden, da die Austritte aus dem Judentum nur minimal sind. In den ersten Nachkriegsjahren 1919—1922 war die Ehefchließunqsziffer außerordentlich groß. Nunmehr liegt sie tief unter der Vorkriegshöhe.. Die Entwicklung der Mischehen zeigt, wie überall in Deutschland, die Tendenz der Steigerung. In dem Aufsatze finden sich sehr interessante- und instruktive Tabellen, auf die wir ausdrücklich aufmerksam machen. s- Korrespondenzen « Dacbricbten. Deutsches Reich. Generalversammlung des Orthodoxen Rabbiner^ verbandes. Frankfurt <r. M., 16. Okt. Die Tagesordnung der Generalversammlung des. Orthodoxen Rabbinerverbandes am 21. und 22. Oktober 1928beginnend nachmittags 6 Uhr im Hörsaal der Israelitischen Religionsgesellschaft Frankfurt a. M,, Friedberger- Anlage 5, hat folgende Punkte: 1. Rechenschaftsbericht, von Seiten des Borstandes. 2. Referat über: „Die Lage der deutschen Orthodoxie". 3. Referat über: >,Der Sabbat im heutigen Wirtschaftsleben". 4. Referat über Religionswidrige Eheschließungen, Ehescheidungen, Proselytenaufnahmen und deren Folgen". 5. Referat über „Ausbildung der Schochtim". 6. Referat über „Besprechung religionsgesetzlicher Gegenwartsprobleme". 7. Anträge. 8. Vorstandswahl. - Eine Kundgebung des Eenkral-Vereins. Berlin, 11. Okt. Der „Central-Berein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", der 300000 deutsche Juedn im Kampfe um ihr Recht und ihre Sicherheit vertritt, steht sich veranlaßt zu einer' Kundgebung: „Versündigung an deutscher Kultur!"rMfzurüfeNj-iDie^BereWgungifür diesen Ruf chird begründet durch; xEreignissep unter denen seit Jahren Und ganz befondÄs.in-rden-'Otzte^.Wöchew die jüdische BeoölkeruxigDeutschlands.' zch leitM hak. Friedhöfe werden geschändet, Gebetsstätten, werden besudelt,' friedliche Bürger Worden am Hellen:Drrgit überfallen und niedergeschlagen. Die Kundgebung findet Donnerstag, den 18. Oktober, abends 8,15 Uhr, im Sitzungssaal des ehemali-. gen Herrenhauses, Leipzigerstraße, statt. Direktor Dr. Holläeder spricht: „Gegen Friedhofsschändung und rohe Gewalt". ' '; Eine neue jüdische Poliklinik. Berlin, 12. Okt. Die Repräsentantenversammtung der Berliner Jüdischen Gemeinde bewilligte in ihrer gestern abend abgehaltenen Sitzung auf Antrag der Fraktion der Jüdischen Volkspartei einen Beitrag von 3000 Mark für die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden „Ose". Ferner gelangte ein Antrag her Volkspartei auf Errichtung einer Poliklinik in der inneren Stadt zur Annahme, die zunächst mit-einer chirurgischen Station und einer Station für! innere Krankheiten ausgestattet werden soll. Zur Begründung führte Dr. Klee als Fraktionsredner aus, daß für die große Masse der Berliner Juden, die im Norden, im Osten und im Zentrum der Stadt anässig seien, eine derartige Institution dringendes Bedürfnis fei.

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