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Der Israelit · 1928-10-18 · Heft 42 (18.10.1928) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 42 (18.10.1928)
Date
1928-10-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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' Nr. 42 Sette 3 De r I s r a e l t t YJfcjT S C H OK O L A D E PR ALI N EN 18. Oktober 1928 sich des Verbandes an und unterstützen seine Bestrebungen nach Möglichkeit. Es sollen in größeren Städten Lokalkomitees gegründet werden, und auch in Fr ankfur t erlebten, wir dieser Tageeine Versammlung im Frankfurter Hof, auf 'der Vertreter des Verbandes selbst, des Hilfsvereins ur,d Frankfurter Hilfskomitees nach Anhörung von Berichten über Struktur und Programm des Verbandes über eine gemeinsame Aktion berieten . Im lokalen 'Teile dieser Nummer finden die Leser eingehenden Bericht über diese Versammlung. Aber auch an dieser Stelle sei ein Wort für diesen Akt der Bruderliebe eingelegt. Bei der Teilnahme, die von jeher der jüdische Westen mit den Leiden des jüdischen. Ostens hatte und noch hat, darf auch derer nicht vergessen werdendie in unserer Mitte, gewissermaßen unter unseren Augen in Not und Armut verkommen und wehmutsvoll der Tage gedenken, da sie selber noch mit offener Hand gaben, mit kräftiger Hand halfen, wo zu helfen war. Wir empfehlen die Hilfsaktion für die russischen Juden in Deutschland dem wärmsten Interesse aller in den deutschen Landen. Sozialpolitische ÄberLreLÄungen. Wir waren vor einiger Zeit genötigt, einer bedauerlicher Art von Ressort-Fanatismus entgegenzutreten, der in der Frage.der Vermittl u n g v o-n A r b e i t s st e ll e n m i t fr e i e m S a bbat bei der Berliner „Zentralstelle für jüdischen . Arbeitsnachweis" zur Geltung gekommen war und der in einem Aufsatz Dr. Bergers in der Monatsschrift dieser Organisation peinlichsten Ausdruck gefunden hatte. Man hatte geglaubt, in der Einrichtung eigener sabbattreuer Vermittlungsstellen eine überflüssige, ja schädliche Eigenbrödelei der gesetzestreuen Kreise erblicken zu sollen, ohne sich von den zwingenden religiösen Erwägungen, die hier mitspielen, Rechenschaft zu. geben. Der Konflikt, der auf diese Weise entstand, soll, wie wir hören, beigelegt sein, und wir brauchen daher für den Augenblick auf den Gegenstand üicht zurückzukörnmen. Fast noch schlimmer ist nun aber der „Dolchstoß" in den Rücken der sabbattreuen kaufmännischen Welt, den sich die gleiche Zeitschrift soeben in Gestalt eines Artikels von Dr. Georg Lu-- b i n s k i über das „ F r e i z e i tp r o b l e M d er jüdischen erw e r b stät ig e n I ug en d " leistet. Wenn Lubinski in diesem an sich sehr hübschen und vernünftigen Aufsatz für die Regelung der wochentägigen Arbeitszeit der Jugendlichen, insbesondere der Lehrlinge, eintritt, so ist das gewiß eine berechtigte Forderung, obgleich er merkwürdigerweise bön der.^Mligatorischen Fortbil- Was Gott tut, das ist zeitgemäß, ' ' ... Das glaube nurdu — Erdgefäß! .. Wie wahnerfüllt und wip. vermessen, - Die Lebenszeit sich zuzumessen! Der 'uns die Seele eingehäucht- > .Der weiß am besten,> was uns taugt, Uns, die wir nach dem . Schlafe lechzen- ■ Die wir vor Schmerz und Kummer ächzen. Wir ftaubgebornen, schwachen Wesen Entstehen, sind und sind — gewesen.. Mir -ist das Liebste, was 'Gott will. Wie Et es will, ich bleibe still." ~ ' FM. (Ls geht auch ohne Ball.) Man schreibt uns aus Randegg: Unsere Nüchbargemeinde Gailingen hatte den traditionellen Simchosthoraball durch einen Unterh a l t u ng s a b e n d ersetzt, und ' der liebenswürdigen Einladung unseres hochverehrten Herrn Rabbiner Dr. B o h rer folgend, begaben sich die meisten hiesigen Familien abends nach dem Gottesdienste, welcher hier besonders feierlich durch Ausheben sämtlicher Sfvrim gefeiert wird, durch die wunderbar.sternenhelle Nacht in corpore nach der Nachbargemeinde. Das reichhaltige Programm zeigte das Leben der Chassidim und führte die Anwesenden in eine unbekannte Welt voll Freude und Innigkeit: Wie immer, hatte es unser verehrter. Herr Rabbiner auch hier-rrerftanden,: das Simchofest in würdigster Weife zu gestalten und insbesondere auch die ■ Kinderseele zu erfreuen. Herr Dr. H ei lbr o n n brachte mit kurzen, gut gewählten Worten den Dank für die/ Arbeit des Herrn Rabbiner zum Ans,druck/wobei' er nicht versäumte, das harmonische 'Zusammenwirken -der "beiden Kultusgemeinden zu betonen. Nach Schluß des ofstziel- 'dungsfchule und ihren Wirkungen auf die Betriebe gar nichts zu wissen scheint. Wir müssen schon mit Rücksicht auf die unbedingte Notwendigkeit täglicher Schiurim für die jungen Kaufleute Schulter an Schulter mit denen kämpfen, die dem reisenden jungest Menschen die Möglichkeit erringen wollen, abends noch mit halbwegs aufnahmefähiger Seele sich dem Geistigen zuzuwenden, soweit er nicht dem allein selig machenden Sportbetrieb verfallen ist. - Aber was soll man dazu sagen, daß Lubinski in einer Zeit, in der die am Sabbat geschlossenen Betriebe und ihre Angestellten zum guten Teil der Gleichmacherei der Sonntagsruhe zum Opfer gefallen sind oder fallen, die Notwendigkeit voller Sonntagsruhe aüsge - re ch n e t für di eben Sabbat h alten - den Arbeitnehmer zu erweisen sucht und diese neuentdeckte „Wahrheit" der Welt und den Behörden ins Ohr schreit!! Die Regierung des Herrn Bethmann- H o l l w e g war vor zwanzig Jahren schon einsichtig genug, dem Reichstag eine Novelle zur Gewerbeordnung vorzulegen, in der den am Sabbat streng geschlossenen kaufmännischen Betrieben angesichts ihrer Notlage und der Ueberflüfsigkeit doppelter Ruhezeiten eine mehrstündige Beschäftigung ihrer Angestellten am Sonntag'hinter verschlossenen Türen gestattet würde. Herr Lubinski aber findet, daß der Sabbat für die gesetzestreue Jugend nicht genüge, weil man an ihm — nicht wandern und Sport treiben könne! Trotz 25 Stunden Sabbat« oder mehrmäls^72stündiger , Sabbat-Feiertagsruhe muß daher, so doziert dieser! jüdische Sozialpölitiker, der orthodoxen Jugend, ' ob sie will oder nicht, zwangsweise ein völlig freier Sonntag oktroyiert oder erhalten werden, und wenn irgendwo einmal ein um seine wirtschaftliche Existenz ringender religiöser jüdischer Kaufmann am Sonntag contra legem seine liegen gefen Programms ■ blieben. die' 'Gailinger mit dey Randeggern noch länge in gemütlicher Unterhaltung beisammen. Däs Fest hat viel-Amharmonischen Zusammengehen b'ei- 'der -Hem-e'mden'' 'biskFetrckgew'' '? - ' (Gelatine.)-Nach, einer Mitteilung der Lebensmittelkörstmifsion "der „Bereinignng traditi one ll-> ge fetze streu er Rabbiner" wird' Ge l a t i n e aus verbotenen, -tierischen . Stoffen hergestellt: und zwar werden dazu besonders Haütstücke (Maul, Kopf, Füße) verwandt, während entfettete Knochen der Leimfabrikation als Ausgangsprodukt dienen. - Alle Lebens^, und Genußmittel, die Welaiine enthalten, sind daher verbbten. Der Verdacht der Beimischung von.'Gelatine besteht z. B.. bei allen Gelees,, gewissen gällertartigen MarmÄaden und bei Eiskreme.. Ferner können kleine Betriebe und Händler zur Haltbarmachung von Schlagsahne und Speiseeis Gelatine zusetzen (Schaumpulver, Sahnenstand, u. ä.). In Großbetrieben besteht diese Befürchtung in geringerem Maße. . Medikamente, di« Gelatine enthalten und Kapseln sind in K r an k h e i i s s ä l l e n, auch wenn , keine Lebensgefahr vorliegt, nicht als verboten zu betrachten, jedoch ist bei der BerwendisNg äüf besonderes'Geschirr zu achten." (Mottumenkalgusgabö der" hebräischen Bibel.) Dip S o n c i n o - Göftz llf cha'ffder Freünde'des jüdischen Buches hat sich von Marcus stehmer, unter Benutzung guter"atter> Büxlag'est eine n^tze'^hebräische DrücstchrM schneiden lttssen. Ist. dieser , Type, HveHe.^i.e Gesellschaft als/eine Privatschrift nur m ihren Ugenen Publikatlonen zu verwenden beabsichtigt, soll als eWr Druck eine monumentale chebWchss'.'.Klh^l'..e-fcheisti?M.D>ep TpFh-her-alle 24 mÄ> Vokalen und' Müsikzeichen^ bietest will, wird von einer unter der Leitung des bekannten Hebraisten Prof. Ludwig Blaubliebenen Korrespondenzen erledigen läßt, so ist das in den Augen des Herrn Lubinski ein Kapitalverbrechen an der Gesundheit der jüdischen Jugend und ihrer körperlichen Entwicklung. Herr Lubinski weiß ganz genau, daß er mit diesen verstiegenen und weltfremden Forderungen den jungen Kaufleuten selber, denen der Sabbat der Inbegriff ihrer geistigen Existenz und das „Lernen" mehr für Geist und Körper bedeutet als aller Sport, wahrhaftig einen Bärendienst leistet — aber er schreibt ruhig den monumentalen Satz hin: „Die Tatsache des geringeren körperlichen Bedürfnisses des gesetzestreuen Jugendlichen läßt ihn auch den Mangel der Sonntagsfreizeit weniger stark empfinden. Eine verantwortliche Sozialpolitik hat aber nicht nur die subjektiv empfundenen Schäden, sondern auch die objektiv vorhandenen, aber subjektiv nicht gefühlten Schäden zu heilen." Besitzt Herr Lubinski so wenig Verantwortungsgefühl, daß er sich die Konsequenzen dieser geradezu denunziatorisch wirkenden Ausführungen nicht klarzumachen vermag? Die großen jüdischen Organisationen werden nicht umhin können, den KHnpf um das Recht der gesetzestreuen Kaufleute, sich vor wirtschaftlichem. Untergang durch ein Minimum von Sonntagsarbeit zu schützen, energisch fortzusetzen. Herr Lubinski fällt ihnen verantwortungslos in den Rükken, träumt etwas von angeblich heute schon in Deutschland vorhandener Sonntagsarbeit zurecht und liefert den sozialistischen und antisemitischen 'Gegnern, einer die Interessen der jüdischen Reli-; gion berücksichtigenden Sonntagsruhegesetzgebung willkommene Waffen in die Hände. Die gesetzestreuen Angestellten, die, soweit sie ruhig und vernünftig denken, sich ihrer Solidarität mit den gleichgesinnten Arbeitgebern wohl bewußt sind, Werden sich für diese Axf von Jnteressenvertretung jedenfalls höflichst dedanken und eine Be- Budapest stehenden Kommission hergestellt. Die Ausggüe roirb: in :oier Großfoliobänden .gedrucktvon denen jährlE^ech Band erscheinen soll. . 1 ..... j-, >. i : . 'jO1' - •» i(Die zwolfle.Md dreizehnte Rippe.) Man, schreibt uns: Ein jüdischer Metzger 'in SÜ zMegM' ein Stuck Vieh. Sein 7 jähriger Junge, welcher^ die 2. Klasse der. jüdischen Volksschule besucht, stand dabei. Als der Vater die zwölfte Rippe abzählte, fragte der Junge, warum er die Rippen zähle. Der Vater erwiderte: Wir dürfen nur die ersten 12 Rippen brauchen, die dreizehnte gehört zum andern Viertel, welches trefe ist. Darauf der Junge: „Ich weiß warum. Die 12 Rippen bedeuten die 12 Stämme Jakobs und die dreizehnte ist die D i n a, die war auch trefe, weil sie nicht gefolgt hatte". Wochenkalender. v. 20. — 27. Okt 1828. -. 6. — 13. Marcheschwan 8659. Samstag 20 6 Sonntag 21 7 Montag 22 8 Dienstag Okt 23 9 Mittwoch 24 10 Donnerstag 25 ii Freitag 26 12 Samstag 27 13 Brrantwortlich für den allgemctn'eu Lcil und' da,' Frurt'rro» A Echachnowld,-Frankfukt a. M.: Ylisirate i/B :' tz. Schoich, n öwltz, ebenda. — Für dte viidacioglschc Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen (tft. Offenbach). — Verlag .Israelit", G.m.b.H., Frankwrt u. — Druck Sermon Verlag», Mnengefellschaft, ffranf'urt a. M.

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