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Der Israelit · 1928-10-11 · Heft 41 (11.10.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 41 (11.10.1928)
Date
1928-10-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 41 Seite 5 11. Oktober 1928_ unter der jüdischen Bevölkerung große Empörung heroorgerufen. Angarn. Heimkehrer. Budapest, 4. Okt. In den Zeiten des weißen Terrors in Ungarn flüchteten zahlreiche angesehene und bemittelte jüdische Männer aus der jüdischen Gemeinschaft, Tausende versuchtensich in den Hafen einer nichtjüdischen Konfession zu retten. Sie mußten schließlich erfahren, daß ihr Taufschein ihnen nicht alle Tore öffnete. Ihre Kinder wurden als Juden betrachtet, auf die der Numerus clausus Anwendung findet. Von den getauften Juden wurden Dokumente gefordert, auf denen auch die Konfession des Großvaters und der Großmutter nachgewiesen werdenmußte. In den letzten Jahren sind mehrere dieser getauften Juden zum-Judentum zurückgekehrt. Vor den letzten hohen jüdischen Feiertagen haben nicht weniger als 84 Personen sich um die Wiederaufnahme in den jüdischen Religionsverband beworben. (I. T. A.) Rutzland. Die Klage des „Emetz". Moskau, 4. Ott. Die Zeitung „Emeß" klagt über die Entwicklung von Ehedarim und Jefchiwoth in Rußland und führt als Verspiel an, daß in der Jeschiwah zu Rewel-300 jüdische junge Leute herangebildet und dazu mit Nahrung und Geldstipendien versorgt werden. In Smolo witsch gibt es 5 Ehedarim mit 75 Kindern, sowie eine Jeschiwah. In Petrikow gibt es 5 Ehedarim mit 46 Kindern im Alter von 7—14 Jahren, in,Tscherwen 5 Ehedarim mit 40 Kindern. In Minsk erhalten die Chederschüler dreimal täglich Mahlzeiten. Die Kinderlehrer haben neue Arbeitsmethoden eingeführt. Spielen und Singen unterbrechen angenehm die ernstere Lernarbeit. DieEntwicklung der Ehedarim geschieht zum Nachteil der jiddischen Sowjetschulen. Aber auch die Lehrer der Sowjetschulen sind meist religiös, lassen ihre Kinder beschneiden und beobachten die jüdischen Feiertage. (Wie schrecklich!) Aür staatliche jüdisch-religiöse Schulen. - Moskau, 7. Oktober. Der Volkskommissar für Unterricht, Herr Lunatfcharsky, empfing den Direktor des Vereins für jüdischen Unterricht in Newyork Israel S. Chipkin und erklärte ihm gegenüber, die Sowjetregierung wäre bereit, staarliche Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache zuzulafsen. Dies würde den Gesetzen der Sowjetunion nicht widersprechen. Voraussetzung wäre, daß die Juden ihren inneren Streit aufgeben und sich über die Form, der -Schule einig werden. Er hoffe, daß schließlich die Juden ihr Schulproblem zu ihrer eigenen Befriedigung lösen __Der gitatlit_ werden. Nach dem Sowjetgesetz seien Ergänzungsschulen für religiösen Unterricht für Kinder, die bereits Die Woche. Berlin. In der Donnerstag-Sitzung des Preußischen Landtages stellte die deuitschnatio- ,nale Fraktion.einen Antrag aus Entlassung des Ministerialdirektors Dr. Hermann Badt. Der Antrag erregte Heiterkeit auf der Seite der Regierungsparteien. — In der gleichen Sitzung nannte der Nationalsozialist Lay Schwarz-Rot-Gold „eine jüdische Parteifahne, in der nur der Davidstern fehlt". Breslau. Das Schwurgericht in Beuthen verhandelte in diesen Tagen gegen Josef K., der in der Nacht zum 7. Juli ein Dynamitattentat auf das Teppichhaus von Wachsmann in der Dyngoßstraße zu Beuthen verübte, bei dem neun große Schaufensterscheiben des Geschäftes in Trümmer gingen und ein großer Teil der Waren vernichtet wurde. Dem Attentat tagen antisemitische Motive zugrunde, der Angeklagte hatte nationalsozialistische Versammlungen bejucht und oft geäußert, man müsse die Juden loswerden. Er wurde zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Krefeld. Wie der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erfährt, wurden in der Nacht vom 1. zum 2. Oktober die neuen Fenster der Synagoge zu Krefeld, die wenige Tage vorher eingesetzt waren, von Bubenhänden eingeworfen. Warschau. In Radin verstarb Rabbi Naphtali T r o p , Leiter der Jeschiwah des „Chofez Chajim". Er war eine der höchsten Autoritäten der rabbinischen Welt, der von ihm seit 30 Jahren geleiteten bedeutenden Jeschiwah entstammen Tausende von Gelehrten und Rabbinern, die in der ganzen Welt zerstreut leben. An der Bestattung nahmen sehr viele Rabbiner aus der ganzen Umgegendteil. Genf. Die Regelung der Frage der F l ü ch tli n g e in der Türkei, die laut Befehl von Kemal Pascha bis zum 6. Februar 1929 das Land verlassen müssen, wurde der Nansen-Kommission überwiesen. Viel Sorge verursachen die zahlreichen jüdischen Flüchtlinge der Türkei, die, da sie Gewerbetreibende, nicht Landarbeiter sind, sehr schwer in anderen Ländern unterzubring«n sind. Jerusalem. Vladimir Jabot insky hat vom Einroanderungsamt der Palästina-Regierung das Einreisevisum für Palästina erhalten, so daß er sein Amt bei der „Judea Insurance Company" antreten kann. — Der Präsident der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde, Herr Meyu ch a s, gab in seiner Sukkah zu Ehren des stellvertretenden Oberkommissars für Palästina, Herrn H. C. Luke, einen Empfang, dem führende Persönlichkeiten Palästinas beiwohnten. Herr Meyuchas hielt an den stellvertretenden Oberkommissar eine Ansprache, auf die Herr Luke herzlich erwiderte. zwei Jahre Staatsschulen besucht haben, gestattet. (J.T.A.) Amerika. Sensationelle Rttualmordaffäre in Amerika. Newyork, 3. Okt. Das 5000 Einwohner zählende Städtchen Massena im Staate Newyork, das am St. Lewrence-Fluh in der Nähe der kanadischen Grenze liegt, war in diesen Tagen der Schauplatz eines Nitualmord-Tumults, wie er bisher nur in rückschrittlichen Gegenden Osteuropas möglich war. Zwei Tage vor Jom Kippur war das vierjährige christliche Mädchen Barbara Griffith aus Massena verschwunden. Sofort verbreitete sich das Gerücht, daß die Juden das Kind geraubt haben, um an ihm einen Ritualmord zu begehen. Die neunzehn jüdischen Familien der Stadt verlebten zwei Tage in Schrecken, ihr Leben war bedroht. Der Bürgermeister und die Polizei von Massena gaben dem Gerüchte noch Nahrung, als sie den Rabbiner des Ortes ins Polizeiamt luden- und ihn befragten, ob es wahr sei, daß Juden in Europa Menschenopfer für ihre heiligen Feste brauchen. Der Rabbiner protestierte voller Entrüstung gegen die Stellung einer solchen Frage. Am nächsten Tage wurde das vermißte Kind im Walde in der Nähe der Stadt gefunden; es sagte aus, daß es sich verirrt habe und dann eingeschlafen sei. Der Bürgermeister und der Pokizeikorporal haben sich bei der jüdischen Gemeinde von Massena entschuldigt, die Gemeinde weigerte sich aber, die Entschuldigung entgegenzunehmen. Sie übergab die Angelegenheit zur weiteren Verfolgung Herrn Louis Marshall, dem Präsidenten des .American Jewifh Committee. Louis Marshall sandte ein Schreiben an den Bürgermeister von Massena und forderte ihn auf, sich in aller Oeffentlichkeit wegen der Beleidigung und Kränkung der jüdischen Einwohner seiner Stadt zu entschuldigen oder zurückzutreten. Sollte er weder das eine noch das andere tun, so werde er, Marshall, beim Newyorker Oberstest Gerichte beantragen, gegen den Bürgermeister ein Verfahren mit dem Ziele seiner Amtsenthevung zu beantragen. Die Vorfälle an der klagemauer in Jerusalem. Jerusalem, 3. Okt. In Anbetracht der im Zusammenhang mit den Vorfällen an der Klagemauer am Jom Kippur herrschenden Stimmung hat die Regierung jede Art von Kundgebungen auf den Straßen verboten. Unter Hinweis auf dieses Verbot hat der Distrikts-Kommissar von Jerusalem, Major Keith Roach, das Ansuchen der der Agudas Jisroel nahestehenden orthodoxen Gemeindeorganisation, am Hoschanah Rabbah den traditionellen Umzug an der Tempelmauer unter Führung von Rabbi Sonnenfeld abhalten zu dürfen, abschlägig beschieden. Der Distriktskommissar wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß er eben erst eine geplante moslemitische Straßenkundgebung verboten habe. Betrachtung. Es sehnt sich meine - Seele, Nach Zwiesprache mit Gott. Den Ewigen ich wähle, Und Irdisches fei mir tot! Im Glanze Seiner Stätten Wie fühle ich mich froh. Von irdischen Majestäten Kann nichts beglückenso! Die lauteren Gottestempel, An Weihe sind sie reich. Es prägt sie Gottes Stempel/ Kein Schloß ist ihnen gleich! Es quält uns Staubgeborene Nur Unverstand und Tand. Und doch sind wir Erkorene, Begnadet mit Verstand, Belehnet mit der Seele, Der Wille lebt in ihr. An Wuchs, Sprachlaut der Kehle Bevorzugt vor dem Tier. Und gar ein inneres Lenken, Es weifet uns darauf, Des Ursprungs zu gedenken: „Von Gott her!" jauchzt es auf. Ein Funken Gottesgröße Erglimmet auch in mir. Das bleibt trotz Schmach und Blöße Dem Sterblichen Panier! Und dieses frohe Wissen Erwärmet und gibt Schwung Und hat mich hingerissen Bis zur Begeisterung. Nach Gott hin will ich leben, - Der schwanken Rebe gleich . ft Will ich nach aufwärts streben. Bis kommt das Himmelreich. F. M. Das kinderreichste Land. Der Korrespondent der C. V.-Zeitung schreibt aus Jerusalem: Viele Leute wird es überraschen zu hören, daß nach den letzten Statistiken das heilige Land wohl an der Spitze der kinderreichen Länder der Welt steht. Im Jahre 1925 wurden in ihm auf je 10 000 Einwohner 493 Kinder geboren, während selbst in dem kinderreichen Aegypten, das einen viel geringeren Prozentsatz europäischer Bevölkerung hat, in demselben Jahr auf die gleiche Einwohnerzahl 428 Neugeburlen kamen und in dem ebenfalls kinderreichen Rußland nur 409. Diese Geburtenziffer ist fast dreimal so groß wie die Schwedens, in dem nur 175 Kinder auf 10000 Einwohner geboren wurden, und mehr als zweieinhalb mal so groß wie die seines Mandatars England mit 183 Geburten auf 10 000 Einwohner. Sie ist mehr als doppelt so hoch wie die Geburtenziffer der Vereinigten Staaten von 226 neugeborenen Kindern auf 10 000 Einwohner. Auch wenn man die als kinderreich bekannten Länder Italien und Japan mit ihren 275 bzw. 338 Neugeburten auf je 10 000 Einwohner zum Vergleich heranzieht, bleibt das heilige Land noch immer weit an der Spitze. Diese hohe Ziffer ist nicht etwa ein Zufallsergebnis, sondern sie war im vorangegangenen- Jahre noch höher, nämlich 513 Geburten auf je 10 000 Einwohner, und im darauffolgenden Jahr 1926 überstieg sie auch diesen- Rekord und kletterteauf 534 auf je 10 000 Einwohner. Erst im Jahre 1927 ging sie ein wenig zurück, auf 504 je 10 000 Einwohner. In der Hauptsache sind die Mohammedaner für diesen Rekord verantwortlich, die im letzten Jahr 561 .Neugeburten-auf die 10000 Einwohner hatten, wohinter die Christen mit 389 und die Juden mit 351 je 10 000 weit Zurückbleiben. Dieser Vorsprung der Jünger des Propheten liegt nicht etwa daran, daß es ihnen erlaubt ist, mehrere Frauen zu halten. Denn praktisch hat nur ein ganz verschwindend kleiner Prozentsatz von ihnen zwei oder mehrere Ehegattinnen,' weil der „Fellach", der Pächter oder Kleinbauer, sich aus finanziellen Gründen nicht mehr als eine halten kann und der reiche Effendi in den Städten schon den Wunsch hat, als Europäer zu gelten. Eher erklärt sich dieser große Kindersegen daraus, daß der Araber nach wie vor seinen ganzen Ehrgeiz darin setzt, möglichst viele Sohne zu haben. Mer der größte Teil dieser vielen Geburten wird durch die außerordentlich große Sterblichkeit ausgeglichen. Im Jahre 1927 machte die Zahl der Todesfälle unter den Mohammedanern mehr als zwei Drittel der Geburten aus. Bei den Christen dagegen nur wenig mehr als die Hälfte und bei den Juden Nur ein wenig über ein Drittel. Daher kommt es, daß die Bevölkerungsvermehrung der Juden, obwohl sie von den Bevölkerungsgruppen des heiligen Landes am wenigsten Kinder bekommen, prozentual nahezu ebenso groß ist wie die der Mohammedaner, und größer als die der Christen. Uebrtgens ist der jährliche Nettozuwachs der jüdischen Bevölkerung Palästinas wohl größer als in irgendeinem europäischen Lande. In der jüdischen- Gemeinde Jaffa- Tel Awiw werden beispielsweise jährlich ebensoviel Kinder geboren wie in der jüdischen Gemeinde von Wien, die fünfmal so viel Mitglieder hat. Die Ursache dieser großen Geburtenziffer ist der starke Anteil der orthodoxen und orientalischen Juden an der jüdischen Bevölkerung des Landes, die Ursache der geringen Sterblichkeit die mit geringen Mitteln ausgebckute, unter Leitung des Berliner Kinderarztes Dr. Grünfelder ganz ausgezeichnet organisierte Säuglingsfürsorge der Sanitätsörganisation „Hadassah". .

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