Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1928)
- Date
- 1928-10-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Nr. 41 kacbricdieil. mmm Deutsches Reich. Arbeitslosenunterstützung für gesehestreue Arbeitslose. Frankfurt a. M., 9. Oktober. Die von verschiedenen Seiten gegen die Arbeitsämder angestrengten Prozesse wegen Entziehung der Arbeitslosenunterstützung für solche jüdische Arbeiter, die sich weigerten Stellen mit Samstagsarbeit anzunehmen, werden, wie das hiesige Landesarbeitsamt auf Anfrage mitteilte, in Kürze vor dem Spruchsenate des Reichsversicherungsamtes zur Entscheidung kommen. Amtliche Stellungnahme gegen Rikualmordhehe in Deutschland. Berlin, 4. Okt. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen völkische Zeitschristen und rechtsstehende Blätter unaufgeklärte Mordfälle und vor allem Seexu alv erb rechen dazu benutzen, um Ritualmordgerüchte auszustreuen. Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat in den letzten Monaten in mehreren solchen Fällen eingreisen müssen. So auch anläßlich des Mordes an einem vierjährigen Mädchen Anfang September d. I. in Eiterfeld bei Hanau. Kurz nach Bekanntwerdsn dieses Mordes brachte, wie wir seinerzeit berichteten, der völkische „Frankfurter Beobachter" Hetzartikel gegen die Juden. Die Pressestelle des Oberstaatsanwalts in Hanau hat nun einer großen Anzahl von Zeitungen des dortigen Bezirkes folgende Berichtigung zugehen lassen: „Zu dem Lustmord an einem vierjährigen Mächden in Eiterfeld. Gegenüber Erörterungen im „Frankfurter Beobachter" teilt der Oberstaatsanwalt in Hanau mit, daß nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen, insbesondere der Leichenöffnung, die Tat aus geschlechtlichen Beweggründen begangen und der Tod durch Erwürgen eingetreten ist, so daß zweifellos Lustmord vorliegt." Befreiung jüdischer Arbeitsloser von der TNeldungspflicht beim Arbeitsamt an Sonnabenden. Halberstadt, 3. Okt. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat. dem Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden (Sitz Halberstadt) auf dessen Antrag auf Befreiung jüdischer Arbeitsloser von der Pflicht zpr Meldung beim Arbeitsamt am Sonnabend doch Heimischen. Da ruft er mich in die Wirklichkeit zurück: .Ihr willt noch ebbes?" Man lernt hier hie andere Art des Bruders Kennen und verstehen. Zugegeben, daß der Mann, der Dich im Fahrstuhl Deines Hotels mit Kaufanträgen belästigt, Dir zuerst unangenehm ist. Aber ist es nicht findig von ihm, ohne Laden, ohne Geschäftsspesen, hier den ganzen Tag auf und ab zu fahren und seine Waren — er hat alles, Tefillin, Mefuffos, Machsaurim. aber auch bunte Seidenshawls — an den Mann oder an die Frau zu bringen? Hoffentlich erwecke ich ihm in dieser ideenwütigen Zeit durch diese Veröffentlichung keine Konkurrenz. Ich habe zufällig die „Koschermacherin" eines großen Restaurants gesprochen, ein aryres, gebrechlich aussehendes - Weiblein. Ich schätzte sie auf Mitte fünfzig, sie war ftoirar 40 Jahre alt. Kein leichtes Brot, das sie aß, kaum ein Aufatmen, das viele Geflügel erforderte nächtelange Arbeit. Zuhause wissen sie nicht, daß sie's so sauer hat. Sie würdens nicht leiden. Aber sie hat zwei Jungens auf der Ieschiwa, brave, gute Kinder, und sie arbeitet für ihre Kinder, damit die Kinder. Gott soll sie gesund lassen, lernen können. Armut gibt es hier, wohin der Osten feine Kranken schickt, freilich mehr zu sehen als in vielen anderen Badeorten. — Eine Begegnung mit ihr bleibt mir unvergeßlich. Eine Frau, mager, kränklich aussehend, mit einem etwa ^jährigen Mädel an der Hand, tritt aus mich zu und bittet, weint mit hastenden, drängenden Worten. Sie ist vor einigen Tagen angekommen, wußte nicht, wie teuer hier das Leben, will wieder nachhaus, hat nicht genug Fahrgeld. Ich habe nichts bei mir, kann ihr nichts geben. Nun, ich werde ste Wiedersehen' hier steht man stch trotz der Fülle immer Der 8 r r a eilt' unter dem 29. September 1928, Geschätsszeichen III 656/28 Br., folgendes geantwortet: „In Ihrer an den Herrn Reichsarbeitsminister gerichteten und an mich abgegebenen Eingabe vom 12. September 1928 haben Sie beantragt, es grundsätzlich als genügende Entschuldigung im Sinne des § 114 AVAVG. für die Unterlaffuyg einer Meldung nach §173 a. a. O. gelten zu lassen, wenn ein arbeitsloser orthodoxer Jude an einem Sonnabend oder jüdischen Feiertage die Erstattung der Meldungen aus religiösen Bedenken unterläßt. Dabei haben Sie ausgesührt, daß ein Verstoß gegen das Religionsgesetz nicht nur in einer eigenen Haltung des orthodoxen Israeliten enthalten sein kann, sondern auch darin, daß er einen Dritten, zu einer ihm selbst nicht erlaubten Verrichtung veranlaßt. In Uebereinstimmung mit dem Herrn Reichsarbeitsminister habe ich keine Bedenken dagegen zu erheben, daß die Unterlassung der Meldungen an Sonnabenden oder an jüdischen Feiertagen als genügende Entschuldigung gemäß § 114 a. a. O. angesehen wird, wenn nachgewiesenermaßen bei dem Arbeitslosen religiöse Bedenken dagegen bestehen and der Zweck der Arbeitsvermittlung nicht darunter leidet." Statutenänderung der Kölner Adatz Jeschurun. Köln, 9. Oktober. Die Adaß Jeschurun hat die behördliche Genehmigung zur Abänderung der Statuten zwecks Ausdehnung des Wahlrechts auf diejenigen Mitglieder, die auch der Kölner Großgemeinde angehören, erhalten. Die Statutenänderung sieht ausreichende Sicherheiten zur Wahrung der weiteren Selbständigkeit der Adaß Jeschurun und ihrer Prinzipien vor. Polen. Numerus clausus an den Lemberger Hochschulen. Lemberg, 3. Okt. An den Lemberger Hochschulen hat sich nach und nach ein System des faktischen Numerus clausus gegen die jüdischen Studierendne herausgebildet. Das Ergebnis der Inskriptionen in diesem Jahre ist ein noch schlechteres als in den vorangegangenen Jahren. An der medizinischen Fakultät hat man unter 129 Neuinskribierten bloß 10 Juden (8 Proz.) ausgenommen. 300 Ausnahmegesuche jüdischer Studierender wurden abgewiesen. Im vergangenen Jahre hatte man hier 15 jüdische Studierende ausgenommen. An der juridischen Fakultät sind unter 541 Neuinskribierten 126 (23 Proz.) Juden. Im vergangenen Jahre betrug hier der Prozentsatz der jüdischen Studierenden 31. An dieser Fakultät wurden jüdische Aufnahme- Lei Kopfschmerz, Zahnschmerz Erkältung, Rheuma hilft Bestandteile: Phenac., Phenyldimethylp., |j 4 Ofl Acetylsai., Coff. Ul» I.lU in allen Apotheken wieder. Ich suche die nächsten, Täüe . gelegentlich nach ihr. Endlich sehe ich ste wieder!miishrem Kind. Na ja also, sie ist ja doch noch hitzr. Ich rede sie an, sie kennt mich erst nicht. Ich erinnere, daß'sie: mich doch um Fahrgeld gebeten habe. Za/iGytt sei. Lob und Dank, sie, hat nicht fahren müssen, gute Iiden haben sie ausgenommen, und sie darf hier bleiben. Aber sie,nimmt nichts voF mir. auch nicht auf mein. Drängen, da die Gabe ja doch feit Tagen ihr zugedacht fei. ihr gehöre. Nein, chas wescholaum. wie darf ein Iid mehr nehmen an Zedekoh, als er. nötig hat? Sie hätte es nicht mehr nötig, trotz der ärmlichen,Lappen, die sie und ihr Kind trugen, und sie nahm nichts. — " In der Kaiserstraße, diesem Vanity tair von Marienbad, wogt nach dem Abendbrot die geputzte Menschenmenge aus und ab. Denn das Ist die Vorschrift des Kurarztes. Man bestaunt die Basare und Läden mit den ausgelegten Kostbarkeiten an Juwelen, Pelzen und Kleidern, und man kauft oder verzichtet mit Bedauern. Und ich denke an die Größe der kleinen armen Frau, und ich schäme mich. — - Neuerscheinungen. Anläßlich des 50. Todestages des „alten; Würzburger Rary" veröffentlicht sein Enkel, Herr 'Rabbiner Dr. S. Bamberger-Bad Kissingen, unter dem Titel nnvv bv nsrm eine Reihe interessanter,n"iv die sich aus einem Briefwechsel S. B. Bambergers ^>"sr -Bad Kissingen ergeben haben. Das isv, das die erste geschloffene Sammlung des besonders tiefgründigen und für die halachische Praxis überaus wichtigen niaivn dieses Großen darstellt, wird jedemeine Quelle schönsten Genusses sein-. Das Werk ist zu beziehen durch den Verlag I. Rawor, Frankfurt a. M., Battonnstr. 9. Preis 4 M. ___ 11. Oktober 1928 werber mit Vorzugszeugnissen, Söhne jüdischer Beamter- und Juristen, wegen ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Religion zurückgewiesen. -7- An der Lemberger Technischen Hochschule wird der faktische Numerus clausus noch weit stärker gehandhccht. An der Mechanischen Fakultät z. B. wurden unter 220 Studierenden nur 11 Juden (5 Proz.) ausgenommen. Rabbi 3. Herschel begnadigt. Warschau, 4. Okt. Der Präsident der polnischen Republik, Professor Moscicki, hat dem Hilfsrabbiner Joschua Herschel Frenkel aus Tarnopol, der von einem Militärgericht wegen der Weigerung, sich Bart und Schläfenlocken abschneiden zu lassen, zu vier Monaten Festung verurtznlt worden war, begnadigt. Frenkel, der trotz seines rabbinischen Rangeszum Militärdienst herangezogen worden war, hatte erklärt, daß es ihm feine religiöse Ueberzeugung verbiete, sich Bart und Schläfenlocken entfernen zu lassen. Konferenz der jüdischen Kreditgenossenschaften. Warf cha u, 4. Okt. In diesen Tagen wurde in Warschau eine Konferenz von- Delegierten der 108 jüdischen Kreditgenossenschaften des Warschauer Rayons abgehalten. In das Präsidium wurden gewählt: Abg. Raßner, Stadtrat Szereszowski und Ing. Kopatzki. Im Namen der Joint-JCA-Foundation begrüßte Herr Dr. Werner Senator, im Namen des jüdischen Parlamentklubs Abg. Hartglas die Konferenz. Einen Bericht über die Lage der Kreditgenossenschaften erstattete Ing. Szaszkes. Die auf der Konferenz vertreteneu 108 Genossenschaften repräsentieren 35 000 Mitglieder, davon 12 000 Handwerker, 15 000 Kleinhändler, 4000 Kaufleute, -1000 Angehörige freier Berufe, 300 Landwirte und 2500 Angehörige verschiedener Berufe. Diese Institutionen verfügen über 2.500.000 Zloty eigenes Kapital,^ Millionen Zloty Depositen, 2.500.000 Zloty Kredite der zentralen Genossenschaftsbank und eine Million Zloty Regierungskredite. Im ersten Halbjahr 1928 haben diese 108 Genossenschaften Kredite an Darlehenswerber in Höhe von 30 Millionen Zloty gewährt. Dte staatliche Wirtschastsbank tut nichts für die jüdischen Genossenschaften. Bischof und Rabbiner. Lemberg,?. Oktober. In diesen Tagen kam der Erzbischof von Lemberg, Dr. Twardowsky, nach Brzezani. Zu seiner Begrüßung hatten sich an der Einfahrt in die Stadt auch die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde unter der Führung der beiden Rabbiner, mit Thorarollen unter dem Baldachin, eingesunden. Der Erzbischof wurde von seiner Umgebung daraus aufmerksam gemacht, daß die Jüdische Gemeinde ihm den religiösen Gruß anbieten wolle, er aber winkte ab und wollte mit den Führern der Judenschaft nicht sprechen. Diese Brüskierung des Judentums hat Familiennachrichken. B'armizwo: Werner, Sohn des Herrn A' Wohlfarth, Frankfurt 'ä. M.. Bettinastr. 487— Paul Sohn des Herrn Direktor S: Bächarach, Frankfurt a. M., Schumannsträße 48; Hans. Sohn des Herrn Rechtsanwalt Dr. Otto Neumark. Frankfurt am Main, Töplitzstraße 9. Synagoge Unterlindau, irmna S'^Fredy, Sohn des Herrn Kurt Politzer, Frankfurt a. M.. Augsburgerstr. 10. Synagoge Friedberger Anlage, ru nuns* Qualitäts- Moritz Wolf Zigarren Wochenkalender. v. 13. - 20. Okt. 1928. i v. 29. Tischrt bis 6. Marcheschwan 6689. Samstag 13 29 VINN P212» 'VL1 '2-13 Mauled Sonntag früh 7 Sonntag 14 30 Uhr iTk Minuten vin vrr-n 'x dt Montag Okt. 15 pvn->v 1 ttHIl »KTT '3 DT Dienstag 16 2 Mittwoch 17 3 Donnerstag 18 4 Freitag 19 5 Samstag 20 6 2"N2 1'3->3V nä Helon