Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 40 (9.10.1928)
- Date
- 1928-10-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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9. Oktober 1928 Seite 4 Nr. 40 Der t i a e l i t Leissen Sie Ihre UHREN bei Anzeige. Mehrere der Räuber wurden verhaftet und in das Gefängnis der Kreisstadt Ismail eingeliefert. Der Kreispräfekt von Ismail kam zur Führung der Untersuchung persönlich nach Tschimischte. Die jüdische Bevölkerung hielt wegen der Thoraschändung einen Trauer¬ und Fasttag ab. Die „Aremdenkontrolle" in Rumänien. C z e r n o w i tz , 25. September. In einem im „Czernowitzer Morgenblatt" oeröffenrlichten Leitartikel weist der Bukowinaer jüdische Führer Dr. Mayer Ebner daraus hin, daß' die von der Generaldirektion der Sigurantza (politische Polizei) in Bukarest angeordnete sogenannte „Fremdenkontrolle" geeignet sei, nicht allein die wirklichen Ausländer in Rumänien, sondern auch viele Tausende Juden, die aus Grund des Minoritäten-Zusatzvertrages oon 1919 und des Reichsgefetzes für Rumänien optiert und ein Recht auf die rumänische Staatsbürgerschaft haben, auf das Tiefste zu beunruhigen. Diesen Optanten stellte die Regierung seinerzeit Staatsbürgerzertifikate aus, was zur Folge hatte, daß sie ihre Heimatscheine an bk auswärtigen Heimatgemeinden zurückgeschickt und damit ihre frühere Staatsbürgerschaft verloren haben. In der Folge aber wurden die auf Grund der Friedensverträge und des Reichsgesetzes ausgestellten Staatsbürgerzertisikate annulliert, und es wurde diesen sogenannten Friedensvertragsbürgern das Staatsbürgerrecht aberkannt. Mit einem Male wurde diese Kategorie von Bürgern staatenlos. Durch die nun ungeordnete Fremden kontra lle sind Tausende von jüdischen Familien, die seit Jahrzehnten im Lande ansässig sind und ihren Berufen nachgehen, von tiefer Sorge und Unruhe erfüllt; sie sind vollständig rechtlos und schutzlos. Dr. Ebner teilt mit, daß er sich im Namen des Jüdischen Nationalverbandes für die Bukowina mit einem Memorandum an den Minister des Innern gewendet und aus die Grausamkeit wie Nutzlosigkeit der Verordnung der Sigurantza hingewiesen habe. Tschecho-Slorvakei. Wahlbewegung in der Ostslowakei. Bratislawa, 21. September. Die jüdische Wirtschaftspartei, in deren Rahmen die Orthodoxie ihre Interessen bei der bevorstehenden Wahl vertreten wird, hat bereits eine lebhafte Tätigkeit eingeleitet. In Uzhorod fand am 10. September eine große Versammlung statt, die einen erfolgversprechenden Auftakt darstellt. Die Partei hat feierlich festgestellt, daß ihr jede Einmischung in die inneren Verhältnisse der Gemeinden und Gemeindeorganisationen fern liege. Eine rabbinische Mahnung. B r a t i s l a w a , 21. September. Die orthodoxen Rabbinen der Slowakei haben zu Jvm Kippur in allen Synagogen einen Aufruf veröffentlichen lassen, in dem über die dem jüdischen Sittengesetz widersprechende Anpassung -der Frauenmoden und der weiblichen. Lebensführung überhaupt an die Umwelt lebhaft Klage geführt witd. In eindringlichen Worten führt der Ausruf aus, welchen Chilul Haschern es bedeute, wenn unsere nichtjdischen Mitbürger heute schon, statt das jüdische Volk als Vorbild anzusehen, von „jüdischer Frivolität" sprechen. Zu den am meisten einreißenden Unsitten gehört nicht nur die dekolletierte Kleidung der Damen, sondern auch die .Benutzung der gemeinsamen Bäder, die mehr und mehr um sich greift. Mit Hilfe der Gemeindevorstände soll darüber gewacht werden, daß in die Gotteshäuser und zu allen sonstigen religiösen Handlungen nur Personen Zutritt finden, deren Kleidung den Anforderungen des Zenius entspricht. Die tschechoslowakischen Rabbiner und die kongrua. B r a t i s l a w a, 26. September. Der Referent des Kultusministeriums in Preßburg erhielt vor einigen Tagen die Verständigung aus Prag, daß bei der Durchführung des Kongruagesetzes nur solche Geistliche in Betracht gezogen werden, die ein Maturazeugnis besitzen. Diese Maßnahme bezieht sich auch auf die Rabbiner der Slowakei und Karpathorußlands, die aber in den seltensten Fällen eine Mittelschule absolviert bereits eingestellt wurde, i Die jüdischen Kultusgememden in der Slowakei, die ihre Rabbiner aus eigenen Mitteln nicht erhalten können, haben die Delegierung einer Depu- Die Woche. Berlin. Der preußische Justizminister hat in einer allgemeinen Verfügung die Strasversolgungsbehörden ersucht, im Einvernehmen mit den Polizeibehörden, die der preußische Minister des Innern durch Runderlaß vom 18. Oktober o. I. mit Anweisungen versehen hat, den Friedhofsschändungen auch' weiterhin ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden und um die Aufklärung, die trotz Aussetzung von erheblichen Belohnungen leider nicht immer gelungen ist, nachdrücklich bemüht zu sein. Hamburg. Am Mittwoch den 26. September abends kam es in der ersten Mtzung der Hamburger Bürgerschaft nach den Ferien zu Tumultszenen, als der Hakenkreuzler Hüttmann bei der Verlesung einer Anfrage sich in wüsten Beschimpfungen gegen die Juden erging. Der Präsident verfügte die gewaltsame Entfernung Hüttmanns, der durch Kriminalbeamte aus dem Saal gebracht wurde. Bremen. Die Gauleitung Weser-Ems der n a ti o n also z ia l i stischen deutschen Arbeiterpartei teilt mit, daß die Ausschreitungen, die sich Nationalsozialisten in Bremen zuschulden kommen ließen, mit der „Idee der Bewegung absolut unvereinbar" seien, und daß die Gauleitung die Auflösung ihrer Bremer Ortsgruppe verfügt hat. Allgemeirt wird angenommen, daß der nationalsozialistische Gauvorstand nur den Bremer Behörden zuvorgekommen sei, die bereits scharfe Maßnahmen wegen der antisemitischen Ausschreitungen und der Mißhandlung des brasilianischen Konsuls angekündigt haben. Hagen. Vom Erweiterten Schöffengericht in Hagen wurden 13 junge Juden, die aus Polen stammen, zum Teil mit ihren Ehefrauen, wegen intellektueller Urkundenfälschung, begangen dadurch, daß sie sich auf Unrechtem Wege Ausenthaltsscheine besorgten, einige auch wegen unberechtigten li eb er schrei t en s der Grenze zu je 2 Wochen G e f ä n g n i s mit Bewährungsfrist verurteilt. Essen. Am Vorabend des Versöhnungsfestes wurden in der Essener Synagoge mehrere kostbare Fenster durch bisher unerkannt gebliebene Täter zertrümmert. Am Vorabend des Laubhüttensestes zog nach einer Hitlerversammlung im evangelischen Bereinshaus bei der der Nationalsozialist Wagner (Bochum) sprach, eine Gruppe von jungen Leuten durch die Steelerstraße in Essen zur Synagoge, wo Lärm verursacht wurde. Vien. Unter der Wiener Judenschaft herrschte allgemeine Empörung darüber, daß das Moskauer Jü- I dische Akademische Theater für den Kol N i d r e - A b e n d seine Abschiedsvorstellung in Win angesetzt Hatte. Auf Intervention des Vorstandes der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde Hat Granowsky im letzten Moment diese Vorstellung ausfallen lassen und beschlossen, nach Jom Kippur noch einige Vorstellungen zu geben, konmo. Während der Kol Nrdre-Andacht wurde von einem Trupp junger Leute eine Synagoge in Kowno mit Steinen bombardiert, wobei sämtliche Fenster- : scheiben ausgeschlagen wurden. Wie es heißt, sollen die Täter Zöglinge einer benachbarten polnischen Schule sein. Moskau. Die' Chor-; ’ synagoge in Smolensk wurde von den Behör-; den den Arbeitern zwecks Einrichtung eines Arbeiterklubs übergeben. Bukarest. Die Presse- ' Agentur „Orient-Radio" stellt die von United Preß und Wiener Zeitungen verbreiteten Nachrichten über antisemitische Unruhen in der beßarabischen Stadt Ismail als übertrieben dar. Nach Feststellung des Kischinewer jüdischen Blattes „Unsere Zeit" waren bloß zwei betrunkene Bauern in die Synagoge eingebrochen und hatten versucht, die wertvollen-Tempelgeräte zu stehlen. Die Dorfbauern ertappten sie aber aus frischer Tat und nahmen sie gefangen. Riga. Die vor einiger Zeit in einen Arbeiter- Klub umgewandelte frühere Große Synagoge von Minsk ist nun zu einem Filmtheater umgestaltet worden: es werden in dem Gebäude bereits alltäglich Filmvorführungen geboten. Bukarest. Die Bukarester Sektion der Union rumänischer Juden hat beschlossen, den im Kriege gefallenen jüdischen Soldaten- Rutnäniens ein Denkm a f zu setzen und hat einen diesbezüglichen Auftrag an Pariser Künstler erteilt. Das Denkmal wird auf dem Platze vor der Großen' ChorsynaFoge Aufstellung finden. - , tatipn zum. Unterichtsminister Dr. Hodza beschlossen, die Neeser-LAPP, Allegasse Z repeirleren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie. die bis 1. September 1928 bereits im Dienste einer Kultusgemeinde standen, von der Pflicht der Vorlage sines- Maturitätszeugnisses befreit werden sollen. Neue Rabbinatskandidaten sollen Mittelschulbildung erhalten. Der Vorschlag der Kultusgemeinden stößt über in orthodoxen Kreisen auf Schwierigkeiten, da orthodoxe Rabbiner bisher keine weltlichen Schulen besuchen durften. Um die Kongrua aber doch zu retten, wird nunmehr an der alten Preßburger Rabbinatsschule auch ein weltlicher Lehrplan eingeführt werden. Zehn bis zwölf Talmudschüler erhalten Mittelschulbildung im Rahmen des uralten Institutes und müssen sich dann einer öffentlichen Prüfung, unterziehen. Zum ersten Male in der Geschichte der Jeschiwa vyn Preßburg, die Weltruf hat, werden weltliche Lehrer dortselbst unterrichten. Mit dieser Einrichtung, wurde für die Tschechoslowakei t ein jüdisches Lehrerseminar geschaffen. Im Staatsvoranschlag für 1929 ist die „neue" Rabbinerschule bereits mit 20 WO Kronen dotiert. Eine vollkommene Rehabilitierung. „ Prag, 1. Oft. Die europäische Exekutive des American Joint Distribution Committee hat soeben im Zusammenhang mit der kürzlich in Karpathorußland stattgefundenen Untersuchung der gegen dortige Mitarbeiter am Joint-Werk erhobenen Beschuldigungen 'ein Schreiben an die Leitung der Waisenfürsorge-Zentrale in Karpathorußland gerichtet, in welchem sie herzliche Worte des Dankes für die in Karpathorußland geleistete Arbeit findet. „Zu unserer großen Freude", heißt es in diesem Schreiben, das auch der Presse zu gestellt wurde, „ist durch diese sehr eingehende Revision festgestellt worden, daß alle Summen, die Sie bisher von uns erhalten haben, von Ihnennicht nur ordnungsmäßig, sondern auch in überaus guter und zweckmäßiger Weife verwendet worden sind ... Es ist uns bekannt, daß . . . gewisse Vorwürfe erhoben worden sind. Nach dem Ergebnis unserer Revision können wir nur annehmen, daß solche Vorwürfe auf Unkenntnis der Verhältnisse oder auf Mißverständnissen beruhen." Gez. Dr. Bernhard Kahn, Chairman. (JTA.> Rutzlan-. Die Moskauer Synagogen am Iom Kippur überfüllt. Moskau, 26. September. Die Synagogen in Moskau waren während her Gottesdienste am Jom Kippur von Andächtigen überfüllt. Zu der Andacht in der Großen Synagoge war der Andrang so stark, daß Hunderte oon Personen auf den Treppengängen und in den umliegenden Straßen stehen mußten ohne Einlaß finden, zu können. Unter den Andächtigen war die Jugend stark vertreten. Auch in den anderen Städten Rußlands waren die Synagogen von Andächtigen überfüllt. Die jüdische kommunistische Presse führt darüber Klage, daß die jüdischen kommunistischen Sektionen in vielen Städten den Kampf gegen die Religion und die Jom Kippur-Andacht lässig geführt haben und daß sogar Kommunisten am Jom Kippur in den Synagogen zu sehen waren. Die jüdischen Kommunisten und die Legalisierung der jüdischen Gemeinden. Moskau, 1. Oft. Die jüdischen Gemeinden vyn Mew und den benachbarten Rayons haben der Behörde ihre Statuten mit der Bitte um Legalisierung überreicht. In den Statuten werden als die Ziele der jüdischen Gemeinden die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der traditionstreuen jüdischen Bevölkerung, die Beschaffung von Kocher-Fleisch usw. bezeichnet. Das Budget der Gemeinden soll sich aus freiwilligen Spneden und freiwilligen Mitgliederbeiträgen zusammensetzen. Die Moskauer jiddisch-kommunistische Zeitung „Emeß" erhebt die Forderung, daß die Regierung die Statuten der jüdisch-religiösen Gemeinden, die aus „Eigennutz" bestehen, nicht bestätigen solle. HMert; ml^-'bV,haVDer^chWchen Untegt|yu%. verlustig gehen, da an solche Rabbiner -die Zahlung der Kongrua einen Vorschlag unterbreiten soll, wonach jene Rabbiner,