Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 40 (9.10.1928)
- Date
- 1928-10-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 40 Seite 5 9. Oktober 1928 England. Eine Interpellation im britischen Parlament. Lon do n, 2. Oft Oberstleutnant Kenworthy, Mitglied des Unterhauses, hat eine Interpellation im Unterhaus über die Vorgänge an der Klagemauer am Jom-Kippur angekündigt. Kenmorthy teilte der ITA. mit, daß er dem Unterhause die skandalöse Behandlung der betenden Jpden durch die Jerusalemer Polizei schildern und fordern wird, daß Maßnahmen getroffen werden, die eine Wiederholung solcher Vorkommnisse aüsschließen. Holland. Aus dem holländischen jüdischen Leben. Amsterdam, 21. September. Die sephardische Gemeined Amsterdam hat nunmehr die seit langer Zeit bestehende Vakanz ihres Rabbinates wieder ausgefüllt. Berufen worden sind als Chachamim die Herren Dr. B. I. Ricardo und Rabbi Eli M. Franci aus Saloniki. Ihre Einführung erfolgte vorige Woche in der berühmten alten Synagoge 'der spanisch-portugiesischen Gemeinde. Diese Synagoge ist etwa 250 Jahre alt. Die aschkenasische Gemeinde Amsterdam beging am 22. Elul die feierliche Einweihung ihrer neuen Synagoge im östlichen Teil von Amsterdam in der Linaeusstraat. Der kühn zur Höhe strebende, stattliche Bau, ein Werk des Architekten I. S. Baars, macht einen imposanten Eindruck. Den Mittelpunkt der Einweihungsfeier bildete nach Begrüßungsreden durch die Vorsitzenden der Gemeindekörperschaften eine groß angelegte Predigt des Herrn Oberrabbiner Onderwijzer, die sich an Psalm 84,11 anschloß. Von vielleicht noch größerer Bedeutung für die Entwicklung des jüdischen Lebens in Holland, insbesondere für die Erziehung der Heranwachsenden Jugend ist die nach langer Vorbereitung nunmehr ins Leben tretende höhere jüdische Bürgerschule (Realschule), deren Errichtung in prinzipieller Hinsicht einen bedeutungsvollen Fortschritt im Leben der Amsterdamer Judenheit darstellt. Man darf hoffen, daß es der Schule gelingen wird, Generationen thoratreuer, selbstbewußter Juden zu erziehen. Palästina. Proteste in Palästina. Jerusalem, 27. September. Die Jüdischen Gemeinden in Jerusalem, Del Awiw und Haifa hielten Sondersitzungen ab, in denen wegen der Vorgänge an der Klagemauer schärffte Protestresolutionen gefaßt worden sind. Die Stadt Tel Awiw sandte eine Abordnung nach Jerusalem, die von dem Dichter Chaim Nachmann Bialik geführt wird und die die Aufgabe hat, die Zionistische Exekutive zu veranlassen, von der Regireung Großbritanniens und dem Völkerbund ein entschiedenes. Eingreifen und eine endgültige Lösung zu fordern. Die Haifa er jüdische Gemeinde hat aus Protest gegen die Brutalitäten an der Kkggemauer an dem vom Magistrat Haifas zu Ehren der britischen Seeoffiziere gegebenen Bankett nicht teilgenommen. Eine gemeinsame Sitzung von Vertretern des Waad Leumi, der Zionistischen Exekutive und der' großen Jüdischen Gemeinden des Landes beschloß, daß energisch die Forderung nach einer Sühne wegen der Vorgänge an der Klagemauer gestellt werde. Gegen den britischen Polizeiinspektor Duff, der die Polizeiaktion wählend der Jom Kippur-Andacht vor der Klagemauer leitete und dabei rücksichtslos und brutal gegen die betenden Juden vorging, wurde eine Untersuchung wegen Dienstvergehens eingeleitet. (Inzwischen dementiert. Red.) •' In einem offrziellen Kommunique wird erklärt, daß ’ die Entfernung der Schirmwand von der Klagemauer auf Grund eines Protestes des Mo s l ernt tischen Obersten Rates, der sich darauf berief, daß das Anbringen von Gegenständen vor der Klagemauer den bestehenden Vertragen und Besitzverhältnffsen widerspräche, von der Regierung angeördnet worden ist, daß aber die vorgekommenen Zwischenfälle bei der EntsernuNg' der Wand be dauert werden. Der Oberste Rat der Moslemiten gibt zu, die Regierung-sei vom Obersten Rat zweimal aufgesordert worden, die bestehenden Besitzwerhältnisse zu schützen und die Scheidewand, sowie Tische, Lampen usw. vor der Klagemauer zu entfernen. Durch s diese Auffor-- Äerung an die Regierung sei der moslemitische Oberste Rat einer beabsichtigten Aktion der moslemitischen Menge zuvörgekommen, die Anstalten traf, am Morgen des Jom Kippur, vor der Ankunft der jüdischen Andächtigen, den Platz vor der Mauer zu besetzen. Noch am Sonnabend vor Jom Kippur hat sich ein erregter Zwischenfall vor der Klagemauer abgespielt. Araber überfielen einen Juden, der vor der Klagemauer betete, und mißhandelten ihn schwer./ Die schuldigen Araber wurden verhaftet. Weiter wird berichtet: An den Jerusalemer Kundgebungen nahmen rund 10 000, an den Kundgebungen in Tel-Awiw etwa 15 000 Juden teil. Einer der Versammlungen wohnte der zu Gast hier weilende berühmte Rabbi von Radzimin bei. Er hielt von der Redetribüne aus eine Ansprache, in der er mit Tränen in den Augen die Vertreterschaft der Juden beschwor, nicht eher zu ruhen, als bis die Frage der Klagemauer in der Weise erledigt ist, daß sie den Juden zurückgegeben wird. Am Freitag, den 28. Septemberbesuchten Abordnungen der jüdischen Gemeinden in allen Orten Palästinas die betreffenden Ortsbehörden und überreichten ihnen die in den Versammlungen gefaßten Resolutionen. Abschriften der Resolutionen wurden dem Völkerbund in Genf und der Regierung Großbritanniens übermittelt. Am Dienstag, den 2. Oktober veranstaltete die Jerusalemer Judenschaft eine feierliche Prozession zur Klagemauer. Drei in Palästina wohnhafte nichtjüdische Engländer haben durch das von der Jüdischen Telegraphen-Agentur herausgegebene „Palestine Bulletin" ein offenes Schreiben an die jüdische Gemeinschaft Palästinas gerichtet, in welchem sie sich mit der Protestbewegung der Judenschaft solidarisch erklären und die Forderung erheben, daß die schuldigen Personen der Strafe zugeführt werden. Von Arabern überfallen. Jerusalem, 1. Okt. Am 26. September wurden zwei jüdische Kolonisten der Kolonie Nachlath Jaacob beim Pflügen von Arabern, die in der Nachbarschaft der Kolonie wohnen, angegriffen und schwer mißhandelt. Der Zustand eines der Kolonisten namens Schapiro ist ernst. 18 Araber wurden im Zusammenhang mit diesem Zwischenfall verhaftet. Die von Newyorker Juden begründete „Achusa Aleph", die bereits die Kolonie Raananah in der Nähe von Jaffa besitzt, hat weitere 4000 Dunam für die Orangenkultur besonders geeigneten Bodens erworben. Raananah soll zu einer der größten und produktivsten^ Ko-' lonien Palästjnas ausgestaltet werden.; Entfernung des Oraun kaudesch vor der klagemauer. Jerusalem, 2. Okt.. Die. Palästina-Regierung hat auf Grund eines ihr von dem Mufti von Jerusalem im Namen des moslemitischen Obersten Rates überreichten Protestes die Entfernung der T h o r a l a d e (Oraun Kaudesch), der vor der westlichen Tempelmauer stand, angeordnet. Es verlautet, daß sich die Regierung vor der Entfernung des Oraun Kaudesch mit Colonel Kisch, dem Leiter der palästinensischen Zionistischen Exekutive, ins Benehmen geetzt hat. Während des Gottesdienstes an der Klagemauer am 30. 'September haben Araber die jüdischen Andächtigen mit Steinen beworfen. Zwei Araber wurden von der Polizei verhaftet. Kundgebung der Aloslemiken in der Omar- . Moschee. I " Jerusalem, 2. Okt. Moslemiten Jerusalems hielten am 30. September in der Omar-Moschee, die auf dem einstigen Tempelplatz errichtete.ist grenzt, eine von etwa 1000 Personen besuchte Massenversammlung ab, die den Beschluß faßte, an die / britische- Legierung und * an den Völkerbund" telegrafische Kundge-- bungen zu senden, in denen gefordert wird, daß die jüdischen Rechte an der Klagemauer nicht erweitert werden. Durch eine Erweiterung der jüdischen.Rechte, heißt es in der Kundgebung, würden die Besitz rechte der Moslemiten an der Omar-Moschee bedroht erscheinen. Personalien. Mönchsrolh. 1. Okt. Am Ausgang des Jaum Kippur hauchte Frau Berta Schul m a n n, Gattin des Salomon Schulmann, mit dem sie vor fünf Jahren ihre goldene Hochzeit feierte, ihre reine Seele aus. Mit Rücksicht auf die Zwischentage zum Sükkosfeste mußte eine berechtigte' Klage über den herben Verlust unterbleiben. Die beiden Redner schilderten am Hause und am Grabe darauf die Verstorbene als eine echte jüdische Frau, die nicht nur ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln stets mahnende Worte, ans Herz legte, sondern auch allen, die mit ihr verkehrten Unstimmigkeiten suchte sie stets auf gütlichem Wege auszugleichen, um den Frieden in unserer kleinen Gemeinde zu erhalten. Leipzig, 6. Okt. Kantor A. Ei den schütz, Leipzig, begeht am 16. ds. sein 2 5 j ä h r i g e s Jubiläum als Kantor und Bal Kore an der Talmud Thora-Synagoge Keilstraße zu Leipzig. Vermischtes. Herleshausen, 10. Sept. Die im Jahre 1846 erbaute hiesige Synagoge wurde^wegen Einsturzgefahr vor einem Jahre polizeilich geschlossen. Die feierliche Einweihung der umgebauten Synagoge unter Teilnahme aller Beoölkerungskreise fand jetzt statt. Sie wurde vollzogen durch die Herren Kreis-Rabbiner Dr. Baßfreund - Eschwege, Land-Rabbiner Dr. Walter-Kassel, Vertreter des israelitischen Landesverbandes, Löwenthal zu Eschwege, Kreisvorsteher Werner-Eschwege. Als Vertreter des Landratsamtes hatten sich Bürgermeister Dr. Stolzenberg- Eschwege, Bürgermeister Feld als Vertreter der hiesigen Gemeinde, Architekt Steinert von hier als Erbauer der Synagoge, Pfarrer Münch und andere geladene Gäste eingefunden. Die Festpredigt hielt Kreisrabbiner Dr. Baßfreund-Eschwege. Umrahmt wurde die Feier durch Vorträge des Synagogenchors Eschwege unter Leitung des Kantors Bacharach von dort. Rewyork, 24. Sept. Prof. Dr. M. Kalken von der Harward-Universität in Boston und ein bekanntes Mitglied der Zionistischen Organisation ist unter der Beschuldigung der Gotteslästerung in Anklagezustand versetzt worden. Herr Dr. Kallen bezeichnete im Rahmen eines Vortrages über die Hingerichteten Anarchisten Sacco und Banzetti den Stifter der christlichen Kirche ebenfalls als Anarchisten. a Briefkasten. Lehrer Hrnnfeld Kempen. Der Junge wird am Kn 7132? Barmizwo. Zzechhofen und andere Gemeinden Süddeutschlands. Wir danken Ihnen für die Mitteilung, daß in Ihren Gemeinden der Brauch herrscht, daß am Schabbos-Schuwoh in der Synagoge eine Kerze gebrannt wird. Familiennachrichken. Barmizwo: Adolf, Sohn des Herrn Leo Grünhut. Frankfurt am Main, Bergerstraße 121. 7P2W33 'S 7132?. — Mendel, Sohn des Herrn Kantors I. Lewkowitz (.Rosenberg), in Regensburg ,T»2B 33 NM 71'2?«33 712?32 2?Ylj?| 7132?./ Wochenkalender. v. 6. - 13 Okt. 1938. i v. 22. - 29. Tischri 5889. Samstag 6 niwi 22 Sonntag 7 23 Montag Okt. 8 24 Dienstag 9 25 Mittwoch 10 26 Donnerstag 11 27 Freitag 12 28 Samstag 13 29 xms? vpmp rnw rinst? an non vinn i’maa 'vw »ais Mauled Sonntag früh 7 Uhr 477/o Minuten Bevorzugt von der anspruchsvollen Q r / Hausfrau, Außergewöhnliche Vorzüge, H Trotzdem niedriger Preis. E5 V E+HAGE&C?. W AM ESCHENHEIMER TOR 3.