Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 40 (9.10.1928)
- Date
- 1928-10-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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9. Oktober 1928 Thovatenntnis in. die Herzen der Jugend und der Gemeinden sich ergießen sollten. Gleichzeitig sammelte, er aus aller Herren Länder Lern- und wißbegierige Bachurim, um in feiner na’»’ mit dem ihm eigenen großen Wissen sschatze' tiefgründiges n->in-Studium zu lehren, und zu leiten. Wie neben dieser und der umfangreichen rabb-inatlichen Mühewaltung noch Zeit und Muhe..bleiben konnte für volkstümliche und wissenschaftliche literarische Erzeugnisse, ist einzig und allein mit der lauteren Gottes¬ und Menschenliebe zu erklären, die ihm die Kraft verlieh, unentwegt den uij? den Willen seines Schöpfers, zu erfüllen, das religiöse und materielle Leid der Zeitgenossen zu mildern und die Gottestreuen zu stützen und zu fördern. Ms dann der Redner mit bewegter Stimme den tragischen Augenblick in die Erinnerung zurückrief, in deu vor nunmehr einem halben SäkUlum in gleichem Gotteshause, an noch gleicher Stelle, beim Verlesen des heiligen Thorawortes der Rabbi urplötzlich zu Boden glitt und feine reine Seele Dem zurückgab, in dessen Dienst er so Wunderbares auf Erden vollbrachte, da flutete ein mächtiger, wehmutsvoller Schauer durch alle Reihen der andächtigen Synagogenbefucher. Herr Rabbiner Dr. Hanover legte am Schluffe das Gelöbnis ab, daß die Würzburger nV’np ihrem einstigen Rabbiner ein unvergeßliches, unauslöschliches Gedenken bewahren werde in aufrichtiger Dankbarkeit und liebevoller Verehrung. Auch in der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt, der Liebl-rngsschöpfung des Heimgegangenen fand eine interne, häusliche Gedächtnisfeier statt, bei welcher zunächst geeignete ri’n?» -Abschnitte gelernt wurden, hierauf Schulleiter, Herr Oberlehrer Stall, die imposante Persönlichkeit des Anftaltsgründers den Seminaristen lebhaft vor Augen führte und der Seminarrabbiner, Herr Dr. Neubauer die hohe Bedeutung der halachifchen Werke desselben mit bekannter Meisterschaft ausführlich beleuchtete. Vorstoß der Schächkgegner. H a m b u x g , 2. Oft. In der Hamburger Bürgerschaft richtete der Kommunist Hsittmann eine Anfrage an den Senat, ob derselbe gewillt sei, beim Reich ein allgemeines Schächtverbot zu beantragen. Der Senat hat hierauf erwidert, daß' er hierzu nicht bereit fei. * * Elb erfeld, 1. Oft. Im Elberfelder Rathaus fand in diesen Tagen unter der Leitung von Studiendirektor Fritz Löhe (Köln- Nippes) die Jahresversammlung des B e r b a n d e s rhe i n i f ch - westfälischer T i e r s ch u tz v e r e i n e statt. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand die Frage des Schächtens. Der Kölner Schlachthofdirektor, 'Beterinärrat Dr. Buhler, der zugleich Vorsitzender des Verbandsausschusses des Deutschen Tierfchutzverbandes für die humane Tiertötung ist, berichtete über diese Bestrebungen und die im Schlachthof zu Köln voreiner früheren Ansiedlung gesunden, deren Alter aus ungefähr 1800 v. d. Zeitr. zuückgeht. — Aus dem Berge Gerizim wurde eine altchristliche Basilika freigelegt, die von Kaiser Zeno im Jahre 484 zur Sühne des Christenmassakers durch die Samaritaner erbaut wurde. (,,Z>er rote General".) Im Berliner Theater in der König gr ätz er Straße wird zur Zeit das Drama von Hermann Ungar, „Der rote General", aufgeführt. Das Stück wird in der Berliner Presse von der führenden Kritik anerkannt und gewürdigt. Den Helden des Stückes, der die Tragödie des jüdischen Führers , der sogar von seinen eigenen Parteifreunden als der Fremdling im gegebenen Moment im Stiche gelassen wird. verkörpert der Schauspieler Fritz Kortner. In dem . Schicksal des Roten Generals Potkamjenski, Sohn des Schlächters Mendel Frischmann, soll sich das Schicksal Trotzkis wiederfpiegeln. Alfred Kerr schreibt im „Berliner Tageblatt": „ . sie trennen den Juden, sei es der Anerkannteste, Willigste. Stärkste von sich durch ein . . . Fremdgesühl. Durch die Glaswand zwischen ihm und ihnen. Die rechtsstehende „Deutsche Zeitung" nennt .das Stück ein jüdisches Tendenzstück und überschreibt ihre Kritik „Iudenmission". (Die Synagoge zu Reuwied.) In diesen Tagen jährte sich zum. 180. Male der Tag, an dem die Synagoge der israelitischen Gemeindezu Neuwied eingeweiht würde. Der alte Bau am Ende, her .Engerserstraße liegt,- versteckt und'eingeengt durch alte- Häuschen, in einer der abgeletzeüsten^ Ecken, unserer Stadt. Der Israelit genommenen Bersuche der elektrischen Schlachtviehbetäubung. Die Bersuche, die in Gegenwart von Vertretern der Israelitischen Gemeinde Kölns vorgenommen worden feien, hätten den Weg gezeigt, so führte der Vortragende aus, zu einer beide Teile befriedigenden Lösung der. Frage des Schächtens und darüber chinaus auch ganz allgemein zu humaneren Formen der Tötung der Tiere. (Die Kölner Versuche haben mit dem rituellen Schächtenüberhaupt nichts zu tun. Red.) Von der Israelitischen Gemeinde. Bremen, 3. Okt. In seiner ersten Sitzung nach den Feriengenehmigte der Gemeinderat eine Reihe von Vorlagen, die der Vorstand anläßlich des 125jährigen GemeindejubMums befürwortete. Die früheren Mitglieder der Gemeindeverwaltung, die Herren Harry Cohen und Benny Zacharias wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Von dem Bankier Otto Abraham, Newyork, einem geborenen Bremer, ging ein größerer Betrag ein, wodurch der Julius Abraham-Fonds erhöht werden konnte. Frau Salomon Affenheimer Witwe stiftete eine Gemeinde-Sukkoh, die im Synagogenhof Aufftellung fand und am ersten Sukkausabend durch den Gemeinderaöbiner eingew'eiht wurde. Rach Aufnahme von 10 neuen Mitgliedern berichtete der Vorsitzende über die antisemitischen Ausschreitungen und stattete der Ortsgruppenleitung des C. V. für ihr tatkräftiges Eingreifen den Dank der Gemeindeverwaltung ab. Der Etat des Gottesdienstes an den hohen Feiertagen balanziert mit Mk. 5476 neben ca. Mk. 1100 Spenden für die Gemeindeinstitutionen, so daß eine Herabsetzung der Platzgeld- Gebühren in Aussicht gestellt werden konnte. polen. Lemberger Kommunisten gegen Iom Kippur- Andacht. Lemberg, 25. September. Am Vorabend des Jom Kippur verteilten jüdische Kommunisten in den jüdischen Vierteln Lembergs Aufrufe gegen die Religion und kündigten für den Kol Ridre- Abend eine Massenversammlung unter dem Motto „Religion ist Opium für das Volk" an. In Verbindung mit dieser Kundgebung kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen orthodoxen Juden und Kommunisten. Polizei erschien, verhaftete einige Kommunisten und löste die Versammlung aus. BiOXULTDA Die stark schäumende Sauerstoff-Zahnpasta wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnvafta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 50 Pf. BIOX-MUND WASSER Flasche 1.— und 2.— Mk. Gegen lockere Zähne. Probe-Flasche gratis. Max Elb A. G.t Dresden Durch die rühmlichst bekannte religiöse Toleranz des Gründers der Stadt, des Re i chsgr.af en Friedrich, fanden viele Rell-glonsgemeinschaften, die anderwärts wegen ihres Bekenntnisses Verfolgungen ausgesetzt waren, eine Heimstätte in Neuwied. Zur Zeit der Gründung der Stadt waren aber nur einzelne Juden hier vorhanden. Erst im Jahre 1699, also 46 Jahre nach Gründung der Stadt, sind nach einem noch vorhandenen Einwohnerverzeichnis die Namen von zehn Juden aufgeführt, und in dem Verzeichnis von 1734, 81 Jahre nach der Stadtgründung, waren es 19 Namen. Am 10. Juni 1740 dekretierte der damals'regierende Reichsgraf Friedrich Alexander, daß er zum Bau einer „Juden-Schul", wie damals die Synagoge genannt wurde, in die' dazu zu veranstaltende Kollekte einzuzeichnen wünsche: 10 Stämme Holz, 200 Karren Steine, 100 Karren Sand und 2 Max d'or bar. Als Bauplatz wies er ihnen den sog. „Zweiffelshof" an. Außerdem verfügte der Reichsgraf: „und sollen 2000 Reichsthaler, welche dazu schießen will, mit 10 pro 100 verinteressieren". Bevor jedoch der Bau begonnen werden konnte, mußten die Juden von Neuwied und des Dorfes Heddesdorf zu einer Gemeinde zusammengeschlossen werden, was durch das Edikt s des Grafen Friedrich Alexander vom 8. Februar 1744 geschah. Als die Synagoge ijn Rohbau soweit fertiggestellt war, stellte es sich heraus, daß das vom Grafen gestiftete Bauholz nicht mehr vorhanden war. Der Zimmermeistor Hörig, hatte es anderweitig verwendet (für dte Herzog Arenbergfche Verwaltung). Erst im Jahre 1748 konnte der Bau unter dem Druck des Grafen durch wiederholte Androhung von hohen Geldstrafen fertiggestellt werden, und die Einweihung erfolgte am 13. August 1748. Die Einweihungsrede des - aus Ungarn ' stammenden Rabbiners Lazarus S ü l o m o rr ist in' der hochgräflich Wtedischen Hofbuchdruckerei des Balthasar Haupt in sehr Nr. 40 Sette 3 Am Jom Kippur-Tage hielten dann dte Kommunisten eine geschlossene Versammlung ab und zogen in Trupps in die Synagogen, wo sie die Andacht zu stören versuchten. Wieder kam es zu Zusammenstößen. Die Polizei drängte die Kommunistentrupps zurück und nahm einige Verhaftungen vor. Den ganzen Tag über patrouillierte Polizei vor den Synagogen, um Störungen seitens der Kommunisten hintanzuhalten. Von den Ueberresten der karäer. Wilna, 15. September. Bon den Anhängern der karäischen Sekte sollen schätzungsweise noch etwa 12 000 existieren, davon etwa 10 000 in Rußland und Polen und 2000 an verschiedenen Punkten des Orients. Der größte Mittelpunkt der Karäer ist wohl ihr Tempel in Wilna, in dem sich die Gemeinde dieser Tage versammelte, um den neuen Chacham in Anwesenheit von Regierungsvertretern und städtischen Behörden zu bewillkommnen. Die Sekte hat seinerzeit in Rußland ihre Legalisation dadurch erlangt, daß sie geltend machte, sie wohnten schon, seit 2000 Jahren in Rußland und seien an den Vorgängen bei dem Tode des Stifters der christlichen- Religion daher nicht beteiligt gewesen. Inzwischen sind die Beziehungen zum Judentum während des 19. Jahrhunderts völlig gelöst worden, und >es sind auch zu der Installierung des Chacham keine Einladungen an jüdische Kreise ergangen. Rumänien. Katastrophale Mißernte in Beßarabien. Bukarest, 2. Okt. Wie aus Kifchinew mitgeteilt wird, war in diesem Jahr in ganz Beßarabien eine katastrophale Mißernte zu verzeichnen. Die Auswirkungen sind um so bedrohlicher, als schon die Ernten der letzten fünf Jahre weit uüter Mittelmaß waren. Seit 1900 war te-ine so schlechte Ernte wie in diesem Jahr zu verzeichnen gewesen. Die jüdische Bevölkerung Beharabiens, die sehr von der landwirtschaftlichen Produktion abhängig ist (Handel mit Landwirtschaftsprodukten usw.) ist schwer betroffen, große Teile'der jüdischen Bevölkerung leiden buchstäblich Hunger. Um dieser fuchrtbaren Notlage abzuhelfen, haben verschiedene Kreise der jüdischen Bevölkerung ein Hilfskomitee gegründet. Die Synagogenschändung in Beßarabien. K i s ch i n e w, 25. September. In dem bessarabischen Städtchen Tschimischkie, Kreis Bender, drangen am zweiten Rausch Haschono-Tage nach Schluß der Andacht betrunkene Bauern unter Führung des Magistratssekretärs Michail Soloderko in die Ortssynagoge ein, demolierten die gesamte Einrichtung, zerrissen den Thoravorhang, schändeten in nicht wiederzugebender Weise die Thorollen und raubten schließlich den wertvollen Thoraschmuck. Jüdische Bürger vertrieben schließlich die Huligans aus der Synagoge.und erstatteten exakter Ausführung in zwei Sprachen, hebräisch und deutsch, gedruckt worden. Zwei Exemplare dieses Druckes befinden sich noch in dem Fürstlich Wiedischen Archiv. Diese Predigt gipfelt hauptsächlich, in den Ausdrücken höchsten Dantes an das edle Grafenhaus für die Wohltaten und die Fürsorge, die es den Juden gezeigt habe. Joseph Geisel, Neuwied. (Was hat der Olympus in der Synagoge zu tun?) Die ITA. berichtet aus Budapest: Vor Beginn des Gottesdienstes am Rausch Haschono hielt der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oberregierungsrat K a sz a p an die jüdischen Sieger auf der Olympiade zu Amsterdam eine Ansprache, dann wurden sie vom Vizepräsidenten Dr. Hajdu vor den Altar geführt, wo Oberrabbiner Dr. Hevesi sie öffentlich begrüßte und segnete. — Zu den Gefeierten gehören: Attila Petschauer, Dr. Johann Hajdu, Fechten, Dr. Franz Mezö, geistige Olympiade, Max Gelb, Boxen, Stefan Barta, Georg Brody, Wasserball, Joses Szalai, Turnen', Stefan Sugar, Franz Gere und Moritz Gerö, Athletik. Fechten, Boxen, Wasserball, Athletik, lauter schöne Dinge. Aber was hat das alles mit Synagoge, Roschhaschono und Rabbinersegen zu tun? 0u-iitLt8- Moritz Wolf Zigarren Verantwortlich für den allgemeinen Teil und da« Feuilleton S. Schachnowttz, Frankfurt a. M.; Inserate-1.B.: E.Schach» «owttz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen l«r. Offenbach). — Verlag .Israelit". G.m.b.S., Frankfurt a. M. — Druck Sermon Vertag»» Aktiengesellschaft. Frankfurt a. M.