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Der Israelit · 1928-10-09 · Heft 40 (9.10.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 40 (9.10.1928)
Date
1928-10-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 40 Der Israelit 9. Oktober 1928 Unterbringung jüdischer Patienten in rituell geführten HeWAterk wir alle Platz haben sollten, untergruben und am Bau selbst Stein um Stein abtrugen. So erzählt zum weiteren Exempel in der gleichen Nummer der Alzeyer Kollege des Herrn Dr. Dienemann, Dr. Julius L ew it , den Lesern etwas vom Propheten Elia und seinem Kampfe gegen die Jsebel. Woher es Elia wußte, zerbricht sich der Seelsorger von Alzey den Kopf, wie sich die Angelegenheit mit N a b o t verhielt? Ob er wohl einen Spionagedienst ausüben ließ. Wir meinen, das Kind auf der letzten Bank seiner Religionsschule, falls diese noch nicht ganz eine Schule der „hessischen Neutralität" ist, würde ihm antworten: Eliajahu war eben ein Prophet. Und in der Schrift heißt es zudem: Gott schickte ihn zu Ahab, daß er ihn im Weinberge des Nabot treffe und ihm sage: „Du hast gemordet und den Ermordeten zugleich beerbt!" Es ist indessen hier gar nicht unsere Aufgabe, uns mit den genannten Herren über die geistigen und religiösen Fragen auseinanderzusetzen, die schon in der Art der Problemstellung seit bald hundert Jahren, bei allen Wandlungen der Liberalismus, die Kluft zwischen ihnen und uns immer mehr erweitern. Wir haben es hier lediglich mit dem Landesverbände der Israelitischen Religionsgemeinden Hessens in Mainz zu tun, dem es nach solchen Attraktionen in seinem Verbandsorgane sehr schlecht zu Gesichte steht, wenn er so empfindlich tut, mit Entrüstung den Vorwurf des Liberalismus zurückweist und auf seine „strikte Neutralität" pocht. Alles andere, denn neutral ist auch der in 'der gleichen Nummer enthaltene Bericht über die liberale W e l t - konferenz in Berlin, der von Liebe für die Führer des Liberalismus, auch die radikalsten, ihre Lehren und Botschaften geradezu überfließt. Wenig neutral ist ferner die Besprechung eines Buches, in der der anonyme Rezensent, also einer vom Büro- und Redaktionsstabe, eine hämische Bemerkung über die jüdische „Synagogen- und Küchentradition" festhält und von ihr sagt, daß sie befreiend und lösend wirke. Vertritt und verbreitet einmal der Mainzer Landesverband in seinem offiziellen Organe solche Ideen, dann sollte er auch den Mut haben, sich selber beim richtigen Namen zu nennen. ’«T _X AM Korrespondenzen « Hachrichten. Deutsches Reich. Die Vorfälle in Oppenheim am Kol-Ilidre-Abeni». Berlin, 28. September. Von den Vorfällen in Oppenheim am Kol Nidre- Abend, über die wir bereits kurz berichteten, meldet die „C. V.-Zeitung" noch folgende Einzelhkeiten: Am Sonntag, den 23. September, dem Vorabend des Versöhnungsfestes, durchführen abends gegen 8 Uhr, von der Veranstaltung aus Westhofen bei Worms kommend, zwei Lastautos mit einem Anhänger, vollbesetzt mit Nationalsozialisten, die hessische Kreisstadt Oppenheim a. Rh. Während der ganzen Fahrt schrien die Insassen im Chor: Deutschland erwache, Juda verrecke! Aus den fahrenden Autos wurde ein Haus mit Steinen bombardiert. An einer Straßengabelung überholten die Autos einen Trupp festlich gekleideter friedlicher Männer, Frauen und Kinder, insbesondere auch junge Mädchen und beschimpften sie im Vorbeifahren in nicht wiederzugebender Weise. Plötzlich hielten die Wagen. Die Führer und eine Rotte Burschen entstiegen ihnen und Überstelen die auf der Straße gehenden jüdischen jungen Leute und schlugen aus sie mit Gummiknüppeln, Schlagringen und anderen Gegenständen ein. Der 20jährige Ludwig Goldschmidt aus Mührftein a. Rh. sank plötzlich zusammen. Er hatte einen Stich zwischen die Rippen, dicht an der Lunge vorbei erhalten. Der Kriegsteilnehmer Ludwig Hirsch, ein Mann, der im Feld den halben Arm verloren hat und mit dem Eisernen Kreuz, der hessischen Tapferkeitsmedaille und dem Verwundetenabzeichen ausgezeichnet wurde, war herbeigeeilt, weil er befürchtete, daß sein 68jähriger Vater sich in Gefahr befände. Er rief nach diesem, wurde jedoch sofort von einer Rotte uniformierter Nationalsozialisten umringt, die in rohester Weise auf ihn einschlugen. Die Autos suchen da raufhin mit ab geblendetem Licht das Weite, wurden jedoch von der Kriminalpolizei in Mainz, die sofort durch die h-erbeigerufene Oppenheimer Gendarmerie alarmiert wurde, mit Nummern und Insassen festgestellt. Die Bevölkerung aller Stände drückte allgemein ihre Empörung über die rohe und feige Untat der nationalsozialistischen Burschen aus und erkundigte sich ständig nach dem Befinden der Verletzten. Der zuständige Landesverband Hessen-Nassau des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdische Glaubens hat sofort an Ort und Stelle die nötigen Schritte zur energischen Verfolgung dieser mittelalterlichen Zustände eingeleitet. B e r l in , 24. September. Neben der'R ei chsverfi ch erung sä nsta lt für Angestellte hat 'sich jetzt'auch die Landesv erst ch e r u n g s a n st a l t Berti n , ebenso wie die Landesversicherungsanstalt Baden bereit erklärt, bei der Durchführung von Kuren auf die religiöse Ueberzeugung der Patienten Rücksicht zu nehmen und jüdische Versicherte auf Wunsch in religiös geführten Heilstätten unterzubringen. ' . Tagung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. Berlin, 2. Okt. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hielt am Sonntag im Cafe Josty unter dem Vorsitz des Reichsministers a. D. Georg Gothein eine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Nachdem der Geschäftsführer Dr. Horlacher den Tätigkeitsbericht erstattet hatte, der ein lebendiges Bild der mannigfachen Aufklärungsarbeit des Vereins gab, wurden die satzungsmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder: Reichsminister a. D. Gothein, Abg. Dr. Fischer, Rechtsanwalt Dr. Braubach, Professor Baumgarten (Kiel), Geh. Rat Dooe, Minister a. D. Dr. Südeku-m, Bankier Marburg (Hamburg) und Professor Ziegler (Greifswald) durch Zuruf wiedergewählt. Dr. Gothein bleibt Vorsitzender des Vereins. Eine lebhafte Debatte brachte eine Fülle von Anregungen für die weitere Tätigkeit des Vereins. Die 50. Iahrzeit Seligmann Bär Bambergers°?"2l W ü r z b u r g, 3. Okt. Wie zu erwarten, wurde der 50jährige Todestage von Rabbiner Seligmann Bär Bamberg er V":» in hiesiger Gemeinde, der Stätte feines Lebens und Wirkens, in besonders feierlicher Weife gewürdigt. So nahm denn auch Herr Bezirksrabbiner Dr. Hannover Veranlassung, im Anschluß an seine Festpredigt ein ergreifendes Bild von der erhabenen Gestalt dieses Großen in Israel zu zeichnen. Unter Anlehnung an paffende Midraschstellen wurde Wesen und Charakter, Tat und Gesinnung des Verewigten in malerischen Farben geschildert und in begeisterten Worten die mannigfaltige Tätigkeit und das erfolgreiche Wirken desselben besprochen. Die andächtig lauschenden Zuhörer vernahmen mit steigendem Interesse, wie in Zeiten der religiösen Not, der starken Irrungen und Wirrungen, Bomber gers Riesengeist in die Bresche trat und mit dem Zauberstab seiner Weisheit und Glaubenstreue den verheerenden Wogen der Reformbestrebung erfolgreich sich entgegenstellte, D’jinn dk JTpnnS dem allgemein gefährdeten Judentum Deutschlands frischen Lebenssaft einzuimpfen. Mit seherischem Weitblick schuf er die Jüdische Volksschule und das Israelitische Lehrerseminar als Rettungsanker und Neuquell, aus dem echt jüdifchie Lebensanfchauungen und Vor und nach den festen. Von Rabbiner Dr. M. Lewm in Hamburg. Das "'*i „vor Gott" stellet sich als der heilige Ring dar. der die drei Tischrifeste zu einer Einheit verbindet. Und nicht nur dies allein- Der besondere Charakter eines jeden wird auch unter dem Rufe n gewissermaßen gemildert. Die tranu ö’ö* haben nichts mehr von dem Schrecken an sich, den viele so gerne mit ihm verknüpfen, und die Festtage der „Freude" sichern uns jene Beseligung. durch die man auch unter Entbehrung und Entsagung froh ist. Die Alten nennen den ersten Tag des rrDO den rmiyb mrcn iwm den ersten des neuen Sündenkontos. Wie sinnig! Ob wirklich die Wirkung des Versöhnungstages nachhaltig sich erweist, das zeigt sich eben am Hüttenfeste, — ob wir uns mit den Symbolen, die das Fest uns reicht, zu freuen vermögen, ob uns die Hütte zur Mahnung wird, daß wir nun dann geborgen sind, wenn' wir uns und unsere-Häuser unter den Schutz Gottes stellen — und unseren Feststrauß unter Jubelliedern schwingen, um Ihm für jede Gabe und jeden Erfolg unserer Tätigkeit zu. danken. So stellt sich uns die Feier des *rdö als die Frucht des v'nissn öy» dar, und die verstehen unser Judentum nicht und vermögen es nicht zu würdigen, die die „Tage der Freude" nicht begehen oder doch nicht fo feiern, wie es das Thorawort fordert. Wer darf auf halbem Wege stehen bleiben? Nicht umsonst sagt oer weise Prediger: „jph *oa pxjrnm der Vorzug des Landes liegt im Ganzen." Nur aus dem ganzen ungeteilten Judentum sprießt der echte, rechte Segen hervor. Wer es nur teilweise kennt und übt, der bringt sich um seine volle Weihe und Erhebung, der wird allmählich ein Fremder im eigenen Lager. Unendlich ist aber die Segensfülle, die die Sonne des Judentums jedem spendet, der sein ganzes Leben in seinen mannigfachen Gestaltungen nach den Normen und Satzungen der Thora regelt, der sich in seinem ganzen Sein "h „vor Gott" weiß. kleines Feuilleton. Orientalistenkongreß. Auf dem Orientalistenkongreß in London hielt Herr Professor Dr. A..S. Bahn da eine Vorlesung über den Inhalt seines demnächst erscheinenden großen Werkes über „Die Sprache des Pentateuch und ihre Beziehung zum Aegyptifchen". Ungeachtet seines bibelkritifchen Standpunktes kommt Prof. Bahnda zu dem Ergebnis, die Prüfung des sprachlichen Materials des Pentateuchs ergebe, daß er „vor der Eroberung Kanaans durch die Juden" entstanden sein müsse. Von Interesse war ferner eine Vorlesung von Professor K am i n ka, der auf Grund affyriologischer Forschung der Theorie vom Pseudo-Jesajas entgegentrat. Jeremias und Zefania nehmeu bereits auf den angeblichen zweiten Teil des Jesajas Bezug, fodatz man daran festhalten müsse, daß der Grundstock des gesamten Jesaja-Buches aus dem achten * Jahrhundert vor der gewöhnl. Zeitrechn, datiere. Dr. Samuel D aiches las über die verschiedenen Bedeutungen des Wortes Am Haarez. Kaminka las auch über die Septuagintu und trat der Behauptung entgegen, daß das Hebräische jemals in griechischen Buchstaben geschrieben worden sei. Von christlicher Seite erstattete Mr. Guy, der Leiter der Ausgrabungen in Megiddo einen äußerst interessanten Bericht über seine von der Universität in Ehigago ins Werk gesetzten Ausgrabunsarbeiten. Megiddo sei ein großes Pferdedepot des Königs Salomon gewesen, das Einrichtungen für die Unterbringung von etwa 280 Pferden enthielt. Die Ställe. Straßen, Höfe und Häuser seien nach einem sorgfältigen Plan erbaut, wahrscheinlich von denselben Architekten und Arbeitern, die den ersten Tempel und Sälomons Palast errichtet hätten. Eine Inschrift erwähne den Durchzug Schischaks, des Pharaos von Aegypten, und einer der großen Mauersteine zeige das Davidsschild. (Deutsche Ausgrabungen i« Saläftirra). Wie die Londoner „Times" aus Jerusalem melden, hat der deutsche Gelehrte Dr. Wetter, der im Aufträge des deutschen.- archäologischen Instituts in Balata und am Berge Gerizim Ausgrabungen unternimmt^ die Stadtmauern,? ein- Tor und/ den Tempel des Baal Bertth steigeiegtv der' berrils in der Bibel int Buche der Richtererwähnt wird. Untere den fteigelegten Befestigungen der Alten Stadt - wurden no chSpüren

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