Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1928)
- Date
- 1928-09-27
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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‘Bfäffcr ifievausgegeßen von dev £andesovganlfa(Ion der Ngudar-Iisroel In Deulfcfilond. Jahrgang Hamburg, 27. September 1928/ 13. Tischri 5b88 Nummer 20 Schriftleitung: Wotf S Jacoösorr in KamVurg. Der Sinn des Sabbats — der Sinn der Agudas Zisroel.*) Aus der letzten Aentralratssitzung Hut Oberrabbrner Hirsch-Zwolle, der Begründer und Vorsitzende der holländischen Agudas Jisroel, beantragt, daß die 2. Kenestio Gedaulo die Kräfte aller gesetzestreuen Juden zusammenfasse zur Schaffung eines internationalen auf breitester Grundlage. Die inzwischen in Deutschland eingesetzten Bemühungen für eine SabHathilfe großen Stiles auf internationaler Basis find zweifellos auf diese Anregung des Herrn Oberrabbiners Hirsch '"2 zurückzuführen. „Als Gott -am siebenten Tage den ersten Menschen hart strafen wollte, trat der Sabat vor Ihn hin und sprach: „Herr der Welt, in den sechs Schöpfungstagen wurde niemand in der Welt getötet, willst Du nun gerade am Schabbos mit solcher Strafe beginnen? Ist dies meine besondere Heiligkeit, dies meine Segensfülle?" .So wurde der erste Mensch durch den Sabbat vom Gehinom gerettet. Als Adam diese Kraft des Sabbats spürte, begann er zu singen: w *11010 n 2 v n nvb' Da sprach der Sabbattzu ihm: Mir willst du eine Hymne singen? Du und ich, wir wollen Gott eine Hymne singen: ."'nb nmn1? 2to" I. So erzählt uns das Wort unserer Alten. Seinen tieferen Sinn wollen wir erspüren und unserm Leben und Streben nutzbar machen. Adam ist in Gefahr, dem Tode verfallen; Sabbat kommt und rettet ihn durch seine Fürsprache. Und Adam stimmt sein Lob- und Danklied an, zuSabbats Ehren. Aber der Sabbat wehrt ab. M i r willst du eine Hymne singen? Mir, was bin ich? Werkzeug und Diener Gottes nur wie du, Bote seines Willens nur wie du, als ewiges Zeichen und Zeugnis zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf in die Welt gestellt. Daß mein fürsprechendes Wort dich rettete, ist nicht mein, Verdienst, aus dem Segen, mit dem Gott mich schmückte, aus der Heiligung, die Gott mir gab, floh deine Rettung. Komm, lah uns gemeinsam singen, Ihm, dem Herrn zu Ehren: „Gut ist es, Gott zu huldigen!" Und so ist es geworden und geblieben: Im Hinblick auf Gott feiern wir den Sabbat, rüsten wir uns zu seinem festlichen Empfange, spüren wir ihn als das Heilige, das die Woche weiht, als den Segen, dey uns aus der Unrast der Tage, aus der Hast und dem Jagen des Erwerbs herausholt und hinaufträgt. Aus dem Lied zu Sabbats Ehre klingt die Huldigung. Gottes als des Gestalters und Erhalters des Universums. Sabbat ist Sabbat, nicht, weil wir Menschen an ihm nichts tun, sondern-weil Gott an ihm ruhte. Der Sabbat bringt den Menschen zu sich selbst, bringt ihn aber vor allem zu Gott. Die mrp naW' vom Sabbat geweckt und nicht beschwert durch den Kampf und die Hemmungen des Alltags, sucht Gott und findet Ihn. „Und Gott segnete den siebenten Tag, indem Er ihm von Seiner Heiligkeit gab." '"ab öim 712N" bedeutet in jener Ansprache Moses an das Volk in der Wüste nicht nur: „Heute ist Sabbat dem Ewigen", ihr habet Ihm diesen Tag als Weihegabe zu bringen, es bedeutet auch „Heute ist Sabbat des Ewigen", Gott spricht zu Euch durch diesen Tag. Diese aus dem Sabbat klingende Rede Gottes an sein Volk, sie ist das köstliche Geschenk, das Gott aus Seiner Schatzkammer holte, *) Die nachstehenden Ausführungen erscheinen gleichseitig in den „Luach-Blättern der holländischen Jugendorganisation der A. I.". und Israel durch Moses bringen ließ! (Sabbat 10 b.) H. Alle Unternehmungen, die den Schutz der Sabbathut zum Ziel haben, sind nicht Dienst am Sabbat, sind Gottesdienst und Dienst am jüdischen Volk zugleich. So wie der Sabbat Gottes Botschaft an die Welt ist, so ist er im besonderen doch Israels Gefährte Ja, Gott selber machte Israel zum Partner des Sabbats, ergänzte den siebenten Tag durch Israel, wie den ersten durch den zweiten, den dritten durch den vierten, und rief in diesem Sinn Israel am Sinai zu: „Gedenk des Sabbattages, „wisse, daß du und der Sabbat zufammengehören, daß ihr e i n Paar seid! Feiert darum der Einzelne von uns den Sabbat, fließt ihm aus sabbatlicher Stimmung neue seelische Bereicherung, strömen ihm aus sabbatlicher Tat neue Lebenskräfte zu, so bucht die Volksgemeinde, die Gesamtheit diesen Gewinn, diesen Zuwachs an Kräften. Sabbat ist die Königin — raw rix n2*?an —, der ihr Volk huldigt, wenn Israel feiert, wenn es sich in die Kleider der Kostbarkeiten hüllt, die Lichter mit dem Segensspruch entzündet und alle Arbeit ruhen läßt. Der Sabbat bringt der Menschheit Gottes Gruß als Schöpfer des Alls — tvwx-d nwra^ 71*121 - Israel bringt er von der Heiligkeit Dessen, der das Volk am Anfang seines Werdens aus Aegypten geführt wsa nx’S’V 12T und bringt ihm Ahnung dessen, der das Volk am Ende der Tage wieder erhöht: nVi? i»V iV*m X2ir - Darum, wie einst der Sabhat selber, soll der mit dem Sabbat beschenkte Mensch, das durch den Sabbat geadelte Israel.im Sabbat Gott, dem Spender dieses köstlichen Gutes, huldigen, Sabbat nicht als Selbstzweck empfinden, sondern als Mittel, zu Gott vorzudringen, zu Seiner Heiligkeit und Herrlichkeit, die Er im Saöbat über uns ausgegossen. Des Juden 712V.1 ai^ i'V ii»w fließe aus den Tiefen der jüdischen Volksseele und steige hinauf, in huldigendem Danken, bis zu Gott: i'ab nmn*? 2iv III. Da der erste Mensch gesündigt hatte, fand er durch den Sabbat Rettung vor tödlicher Strafe, fand er durch den Sabbat sich selbst und seinen Gott wieder. Lenken wir den Blick vom ersten Menschenvater auf unsere Zeit und ihre Kinder, von frühestem Einst auf die jüngste Vergangenheit und das Jetzt. Adam,hörte nicht auf Gottes Stimme, ließ sich von der Schlange und ihrer verführerischen Rede betören — und verfiel der Sünde. Und wir? Im schillernden Kleid der „Aufklärung", der Emanzipation, trat die Verführung an, den jüdischen Menschen heran. Und so war ihre Sprache: „Wenn Gott nicht gewollt hätte, daß wir Juden am Tisch der Völker sitz' von ihrer Speise essen, ihr Kleid tragen, Hr Leben leben, daß wir im freien Spiel mit den andern unsere Kräfte zeigen, daß wir uns ihnen angleichen, unser Volkstum deklarieren nach ihren Begriffen und Politik teiben wie sie, hätte Er uns dann die Freiheit geschenkt? Hätte Gott den Baum in die Wüste des Gartens deshalb gestellt, daß wir — nicht davon genießen?" Israel war in höchster Gefahr! Doch wie einst der Sabbat den Adam vor dem Gehinom, so bewahrte seine zeitgenössischen Söhne vor völliger religiöser Entartung, vor völliger Artentfremdung — A g u das Iisr 0 e l. Sie wurde die große Retterin unserer Gemeinschaft. Sie lehrte uns Selbstbesinnung, Besinnung auf unsere Vergangenheit und unsere Zukunft, auf unsere Volksart, unseren Daseinszweck und unsere Bestimmung. Sie erfüllte ihre große Aufgabe, den jüdischen Menschen in uns wieder lebendig und gottnah zu gestalten, mit programmatischen Worten und rastlosen Taten, sie formte den tonw’Wa mit der nun als Seele neu und rief ihr 'abmittenhinein in gottlose Zeiten und Massen. Sie wurde verkannt und begeifert, das machte ihre führenden Persönlichkeiten nicht zaghaft, sie wurde erkannt und umjubelt, das machte ihre großen Gründer und Former nicht übermütig. Sie wurde Träger eines neuen Lebens und zog alles in ihren Bann, dessen Ohr dem Ruf der Wahrheit nicht schon, ganz taub geworden war. Agudas Jisroel wurde — und ist! Jeder wahre Agudist lebt von dem Geist, den sie ausstromt, von der Kraft, die in ihren Gedanken lebt, schreibt ihren Namen auf die Fahne seines Lebens und weiß, aller Schmähung und Schmälung zum Trotz, daß der wahre brriV' bb> der bbs den i>rr*n7' nus darstellen soll und wird, nicht die Gemeinschaft der Geldfürsten und Machtsicheren, sondern die Gemeinschaft der Gottesgläubigen, der Toratreuen ist. Weiß, daß es nur eine Einheit des Judenvolkes gibt, die durch die nun konstituierte Einheit, nichts anderes sonst, llnd so läge es nahe, daß wir, hingebungsvolle/ganz von Agudas Jisroel überzeugte Agudisten nun hingingen und anstimmten das Lied der Agudas Jisroel, es uns genug sein liehen in der Sorge um den Ausbau ihrer Organisation, ihrer Zentrale und ihrer Landesverbände, ihrer Orts- und Jugendgruppen. Daß wir Agudas Jisroel dienten, um Agudas Jisroel willen und nichts Höheres kennen als ihre Organisation, sängen durch unser der Förderung ihrer Ziele und Aufgaben^ zugewandtes Leben: " •Vxiet» jmxV tip nara iv. " > -~r Aber wie der Sabbat einst dem Urvater, so ruft Agudas Jisroel uns Gegenwartsmenschen in der Agudas Jisroel zu: „Mir willst du eine Hymne singen? Du und ich, wir wollen Gott eine Hymne singen: 'ab 71111.1b 2iv Ich will nichts anderes sein als Mittel zum Zweck, dem Zweck der Zusammenfassung aller tw für den Dienst Gottes. Betrachte den Dienst an Agudas Jisroel als Gottesdienst, als Dienst am Volke, dem du dich mit reinen Händen und reinem Herzen hinzugeben hast. Wiste, daß du, wie durch den Sabbat, so auch durch mich, zu höherem, reinerem Gottesbegreifen kommen mußt. Wiste, daß der agudistische Mensch, gleich dem sabbatlichen, festliche Gottesliebe und hohe Menschenachtung im Herzen tragen muß, daß er im Kamps um Gottes Wahrheit stahlhart, abhold jeder Konzession, jedem Liebedienern, jedem der- Maste-Schmeicheln sein, im Ringen um die Seelen der Einzelnen gütig und mild, freundlich und selbstlos sein muß. Agudas Jisroel ist nicht Ziel, nur Weg. Das Ziel ist: Gott und Seine Lehre, 'Gott und sein ganzes, durch diese Lehre getragenes Volk, das Gottesvolk. Sei in deinem agudistischen Tun und Lasten, in deinem Ringen und Kämpfen zielbewußt, dieses Ziels bewußt. Agudist sein und dabei nicht gut sein, gut werden wollen und immer bester reiner, das wäre Lüge, Verrat an, dem Heiligen, dem du Diener sein willst. Agudas Jisroel will es selber nicht, daß s i e das Ziel deiner Strebungen ist, sie will, daß du über sie zu Gott gelangst, dich und jeden Volksgenossen zu Gott hinführst. Sie ruft dir zu:.1"2p.lb |1MM *10X: .171X1 ’JX? fiaOM 1Q1X .171X ^1! Ich, die in Agudas Jisroel lebende hohe Idee und du, der du um diese Idee ringst und um