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Der Israelit · 1928-09-27 · Heft 39 (27.9.1928) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 39 (27.9.1928)
Date
1928-09-27
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Seite 4 Nr. 39 Der Israelit 27. September 1928 sammenzuarbeiten." Auch hier kann eine „Organisation" m kleinem Maßstabe materiell von Nutzen sein und auch ideale Ziele zu gegenseitiger Freude fördern. — So oft der alte Ofenputzer aber den beiden Auftraggebern begegnete, stopfte er, wie im Verlegenheitszustande, sein Pfeifchen und lachte in dieses und in seinen Bart hinein. Er dachte an Hagenbutten und Sukkausblumen. Wie der Lubawitscher Rebbe im Kriegs) ahr 1914 zu Esrog und Lulow kam. Von Bas Zelofchod. Als ich in einer der jüngsten Nummern des „Israelit" den Aufsatz „Aus der Leidensgeschichte des Lubawitscher Rebbe" las, erinnerte ich mich, daß ich zum ersten Male im Jahre 1914 diesen Namen nennen hörte. Damals stand ich in regem Briefwechsel mit Judäus, dem Verfasser des Raw. Als ich das erste Exemplar des neu erschienenen Werkes erhielt — es ist noch mit den eigens von Judäus geschriebenen Korrekturen versehen — schrieb mir der Verfasser, daß der Lubawitscher Rebbe ein Enkel des „Raw" sei. 1914, einige Monate später — draußen war Krieg — tauchte der Lubawitscher Rebbe wieder in meinem Gesichtskreise auf, und zwar ereignete sich folgendes, was ich so gut als möglich — an Hand von Tagebuchaufzeichnungen wiederzugeben versuche. — Man wird sich wohl noch erinnern können, wieviel Schwierigkeiten in den Kriegsjahren die Beschaffung der Arba Minim, namentlich in den östlichen Ländern, machte. Als wir — nennen wir den Ort Leuchtingen — am ersten Tag aus Schul nach Hause — kamen, lag unter den zahlreich eingelaufenen Briefsachen ein Telegramm folgenden In-, Haltes: „Rabbiner Schneerfohn "Lubawitsch depeschiert: telegrakiez (hier folgte der Name meines Vaters) qu’il envoie Courier special pouvant voyager sabbat' chez notre fournisseur habituel Gustav Kreh Genua prendre20 calabriens voyager directement Stockholm Iss livrer a la maison Lux ou Monsieur Kahanowitz hotel imperial lequel les apportera en Russie Rabbiner Winkler. (Rabbiner Schneersohn Lubawitsch telegrafiert: telegrafieren Sie N. N., daß er einen Spezialkurrier Sabbat reisend zu unserem gewohnten Lieferanten -Gustav Kreh Genua schicke, holt dort zwanzig Kalabreser, reist direkt rcach Stockholm, liefert sie dort im Hause Lux oder an Herrn Kahanowitz im Hotel Imperial ab, welcher sie nach Rußland bringt.) Es hieß also vorerst ruhig Blut bewahren, denn am v"' ließ sich gar nichts tun — aber kaum war v"-> vorbei, als schon an Kreh telegrafiert wurde, da ein Kurier nicht gleich zur Stelle war; ohnedies wäre ja eine Reise nach Italien .so plötzlich nicht möglich gewesen. An. Zaum gedaljah kam von Kreh ein Antworttelegramm: Cedern Schnellzug abgesandt. Ein Telegramm ging nach Lubawitsch: „Courier apportera votre commande Stockholm." An demselben Mittag erschien im Leuchtinger Tageblatt ein Inserat: „C o urier für eine Besorgung nach Stockholm gesucht." Auf dieses Inserat meldeten sich 140 Bewerber, meist Kaufleute, Bankbeamte und ein Hotelier. Auf letzteren fiel die Entscheidung. Nun hatten wir alles — nur keine Esrogim. In meinem Elternhause drehte sich alles nur noch um die eine Frage: wer wird als erster Scheliach sich mit der Weiterbeförderung der Esrogim für den Lubawitscher befassen können? Mein, leider inzwischen verstorbener Bruder ging dauernd zum Bahnhöf, wartete, bis nachts um 2 Uhr der letzte Zug von Italien einfuhr — vergebens — die Esrogim waren nicht gekommen. Der Kurier war reisefertig — mein Vater berechnete die Zeit! So lange bis Stockholm, dann nach Lubawitsch, die Zeit ist knapp, 'n wird helfen! Am andern Morgen ging man zu Selichaus. Nach Schul ging mein Bruder wieder zum Bahnhof zur Expreßausgabe, um 6 Uhr war wieder ein Zug aus Italien eingelaufen. Um 7 Uhr telefonierte er, soeben seien ihm zwei Traubenkistchen mit je zehn Esrogim ausgehändigt worden. Der Kurier stand bereit, um 7 Uhr 35 ging schon der Zug nach Stockholm. Nie werde ich das strahlende Gesicht meines Vaters vergessen, strahlend in der echten rnss Als das Telefon eingehängt war, sagte er lebhaft: Da kann man Maseltow sagen! Meine — leider auch inzwischen verstorbene Mutter — wischte sich die Tränen von den Augen und sprach: „Wie gerne wäre ich beim Auspacken dabei, um die Freude des Rebben und seiner Chassidim mitanzusehen!" — Durch das ganze Haus erscholl der freudige Ruf: „Die Esrogim für den Lubawitscher sind da!" Im Geiste „reisten" wir alle mit dm Esrogim. Sechs Tage später, als wir am Abend des Jomkippur von Schul nach Hause kamen, ward uns zum Anbeißen die Kunde laut Telegramm, daß der Courier gut angekommen fei und die Besorgung erledigt habe. — Am ersten Tage Sukkaus traf er wieder wohlbehalten in Leuchtingen ein und erzählte uns, daß er im Maison Lux in Stockholm auch noch Palmen gesehen habe, die für Lubawitsch bestimmt waren, zu diesen habe er seine Traubenkistchen gelegt. , Sukkaus kam und ging — wir hörten nichts mehr von unesrer Sendung und konnten auch infolge der Wirren des Krieges nicht erfahren, ob die große Mühe am Ende nicht doch noch umsonst gewesen war. Der Winter zog ins Land — allmählich vergaß man Kucrer und Esrogim. Im Frühjahr 1916 wars, da traf mein Bruder auf der Reife einen Chassidimrebben, der mit seinem eigenen Minjan aus Meran kam. Während der diversen Gespräche erzählte der Rebbe, daß er „zwei Jahre zurück beim Lubawitscher Lulow benschte, welche „Jener" via Schweiz aus Italien erhalten habe." — Also jetzt wußten wirs — unsere Esrogim waren noch vor Sukkaus an Ort und Stelle angelangt und hatten offenbar nicht nur dem Lubawitscher, sondern noch manchem andern zur Erfüllung der Mizwoh verholfen. (Das Jüdische Museum in Presov.) Ueber das Jüdische Museum in Presov, dessen feierliche Eröffnung kürzlich stattgefunden hat, schreibt Dr. L. Schik im „Prager Tageblatt": „In der Grabengasse in Presov fand.man anläßlich der Neutünchung eines Zimmers den hebräischen Namen Gottes in der Wand, und als der kunstsinnige ange. An den Wänden zahlreiche Bilder berühmter uden. Es soll womöglich eine komplette Sammlung aller großert Rabbiner in der Tschechoslowakei angelegt werden. Sehr interessant sind die bereits heute vorhandenen Photographien der einzelnen Tempel und Friedhöfe, speziell jener von Szebeskellenges und Hunsdorf, welche ja durch mehrere Jahrhunderte hindurch eine Art Ghetto für das ganze Komitat Saros und Zips bedeuten . . ." (Zum Tobe des jüdischen' Handelsministers in Frankreich, Bokanowski.) Von verschiedenen Seiten, so auch von der ITA., wurde versucht, den auf tragische Weise ums Leben gekommenen französischen Handelsminister auch als großen Juden hinzustellen. Diese Manier, in jedem verdienten Mann jüdischer Abstammung gleich auch den großen und musterhaften Judenzu suchen, wurde vor einiger Zeit in unserem Blatte an leitender-' Stelle von Fabins Schach ad absurdum geführt. Ueber die „Jüdischkeit" Vokanowskis weiß der Pariser Korrespondent des „Lodzer Tageblattes" einige interessante Züge mitzuteilen. Er ist aus dem Judentum nicht geflüchtet, er hat es aber auch nie gesucht. Ausfälle aus Juden und Judentum ließen ihn vollkommen kalt. Daß sein Vater einmal aus Polen als Emigrant nach Le Havre gekommen und von der dortigen jüdischen Gemeinde in die Lage gesetzt worden war, sich ein kleines Handelsgeschäft zu gründen, hatte er längst vergessen. Man erlebte es in letzter Zeit, daß Männer wie. Poincare, Briand, Herriot, Joireux u. o. a. für Juden und die Lösung jüdischer Probleme sich kräftig einsetzten. Den Namen Vokanowskis fand man nie in dieser Liste. Nicht vergesse wurde von den Juden im Elsaß Bokanowski ein Vorfall, der sich genau vor einem Jahre zutrug. Auf einem Bankett der Straßburger Handelskammer war Minister Bokanowski zugegen und er ließ es sich beim solennen Festmahle sehr wohl schmecken. Dieses Bankett fand aber in der Kol N i d r e - Nä ch t statt. Die' jüdischen Kaufleute hatten gegen diesen Ter-. min protestiert, konnten sich aber nicht durch-' ' setzen und blieben von der Festlichkeit weg.-- Man rechnete damit, daß Bokanowski, der? sich noch zur jüdischen Konfession zählte?:, auf eine Verlegung der Festlichkeit dringen würde. Er tat es nicht, und man emp-''' fand in den jüdischen Kreisen Straßburgs ' dieses Benehmen als eine tiefe Beleidigung' des jüdischen Empfindens. ■ (Für diese letztere Angabe wollen wir dem Lodzer Korrespondenten in Paris die Verantwortung überlassen.) Die letzten Zedern des Libanon. Miterbauer des Kaschauer großen Tempels, der Presover Architekt Eugen Barkany, die Uebertünchung auf sorgfältigste Weise entfernte, entdeckte man in zwei Zimmern allerhand altertümliche Malereien und dazwischen die für die hohen Festtage vorgeschriebenen Gebete. Da beschloß die Judenheit von Presow, ganz ohne Rücksicht auf ihre Parteistellung (eine Tatsache, die sich in dieser Stadt wohl zum ersten Male ereignet,) die Räume nicht mehr für profane Zwecke verwenden zu lassen, sondern sie zu einem jüdischen Museum auszugestalten ... In einer großen Vitrine sind die Schriften und Bücher zu sehen, die die Geschichte der Presover Juden betreffen: der Protest der Kaufleute gegen die ständige Niederlassung des eftten Juden Markus Holländer, dessen Nachkommen später iyr ungarischen Freiheitskampf eine große Rolle gespielt haben,-sehr interessante Publikationen des Rabbiners S. M. Schiller, der später Rabbiner und Universitätsprofessor in Cambridge war. Einige Schritte weiter fällt uns ein Protest der liberalen Judengemeinde gegen den Sikfoer orthodoxen Rabbi in die Augen, als erstes in einer ganzen Reihe von Dokumenten, die alle Phasen des vor einem Jahrhunderte begonnenen Kampfes zwischen der liberalen und konservativen Richtung im Judentum darlegen . . . eine Sammlung von Briefen berühmter Männer, ferner Mesuses, Menorahs, holggeschnittene, messingne, kupferne und eiserne große Trinkgefäße mit hebräischen ' Aufschriften, jahrhundertealte „Schnöderkasten", zahlreiche, in Synagogen verwendete Handarbeiten, bizarre Misrachtafeln, Kindbettafeln, viele Leuchter aus Holz, Blech und Eisen, kunstgestickte Vor- (Enkdeckung eines Friedhofs im altrömischen Solo na.) Der Nestor der europäischen Archäologen und Historiker, Monsignore, Dr. Fran Bulic, der berühmte Wiederentdecker der größten altrömischen Stadt an der Ostküste der Adria,. Salona bei; Split, Spalato in Dalmatien hat nach vierzigjährigem Forschen den Beweis erbracht/ daßH in Salona eine jüdische Gemeinde schön isst 3. Jahrhundert n. Chr. bestand. Die Resultate seiner Forschungen hat Dx. Fran Bulic in einer wissenschaftlichen Abhandlung unter dem Titel „Hebräische Denkmäler im römischen Dalmatien und der jüdische Friedhof in Salona" niedergelegt. Ausgegrabene Gemmen, Tonlampen mit jüdischen Symbolen, Menorah sind wichtige Beweismittel, aber der wichtigste Fund ist das Fragment ines Sarkophags mit massiv ausgearbert'eter Menorah, wie sie auch auf dem Titüsbogen in Rom zu sehen ist. Schon die bisherigen Ergebnisse sind geeignet, das größte Interesse zu erwecken, aber noch größeres Aufsehen werden die Funde erregen, wenn der jetzt noch verschüttete jüdische Friedhof in Salona ausgegraben fein wird, denn kein offener jüdischer Friedhof in Europa ist älter als 800 Jahre, während der in Salona ca. 1700 Jahre alt fein dürfte. Dieser Friedhof wäre somit in ganz Europa der älteste freie jüdische Friedhof — also außerhalb der Katakomben — der aus altrömischer Zeit stammt. Dr. F. Bulic, ein katholischer Priester, genannt „Der Heilige von Split" ersuchte den jüdischen Historiker, Dr. Lavoslav Sik in Zagreb, feine Entdeckung der jüdischen Welt zur Kenntnis zu bringen. Dr. F. Bulic hofft zuversichtlich, daß die ganze jüdische Welt seine Bemühungen um die Freilegung der heiligen jüdischen Stätte in Salona nach Kräften fördern-werde. Ein Rausch Haschono-Arkikel des Londoner 2DaNy Expreß".) Der Londoner „Daily Expreß" veröffentlicht anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes einen- Leitartikel, in dem die würdige Art, in der die Juden' die'Feier dieses Tages wie auch des' Versöhnungstages begehen, geschildert wird. 300000 großbritannische Juden weihen, heißt es u. a. in dem Artikel, das neue Jahr' ineiner Atmosphäre des Wohlwollens ein, das ihre Ahnen nicht kannten (? Red.). England hat nie Ursache gehabt, zu bedauern und werde es auch nie bedauern, den Juden gegenüber eine humane und gastfreundliche Haltung'eingenommen zu haben. Niemand ist patriotischer und nützlicher, -> als die Juden, deren lebender und nicht unterzukriegender Geist zu unserem und ihrem Wohle in Geschäft und« Philanthropie, Politik und Kunst in Erscheinung stritt.

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