Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1928)
- Date
- 1928-09-27
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 39 Der Israelit 27 September 1928 einige, aber sie konnten ihre Flucht nicht verhindern. Mit dem Rufe „Ihr Jubeln sollt es büßen", kehrten sie endlich von der zwecklosen Verfolgung zurück. 4. Wer heute als Kurgast nach Marienbad kommt, der sollte nicht versäumen, dem nahen Badeplatz Königswart einen Besuch abzustatten. Unmittelbar bei Marrenbad nimmt uns der Wald auf. Der Weg führt an gemütlichen Waldcafees vorbei auf die Landstraße, die direkt zum Jagdschlösse Glatze hinleitet, und zweigt von dieser bald nach links ab, um uns durch herrliche Tannen- und Buchenwälder an Pflanzenreichen Mooren vorbei in knapp zwei Stunden nach Königswart zu bringen. geben. An der Synagoge, die die anderen Häuser mäßig überragt, fällt eine kleine, schmucklose Kuppel auf. Das Ganze macht den gleichen Eindruck, den wir auch anderwärts schon häufig gewonnen haben: abgelegen, von außen gewollt einfach, von innen sicher desto behaglicher. Ueber der Synagogentür steht als Jahreszahl der Erbauung (5124 — 1364 nach üblicher Zeitrechnung). Zweimal ist das Gebäude renoviert worden, und auch diese Jahreszahlen sind angegeben. Ein kleiner Vorraum, über dem sich die Frauensynagoge befindet, wird durchschritten, und wir betreten vom Westen her den altehrwürdigen Raum, so daß der Blick sofort auf den prachtvollen Araun hakaudesch (die heilige Lade) fällt. Der „Almemor" unmittelbar vor ihr und das fehlende Gitter der Frauensynagoge lassen keinen Zweifel über den religiösen Wandel der Kultusihnen nachzuforschen; ihre Mühe wird sicherlich belohnt werden.) ' v Der Oraun hakaudesch zeigt eine Eigentümlichkeit; er ist in seinem unteren Teile im Stile der römischen Renaissance gehalten. Prächtige gewundene Säulen säumen ihn ein. In, katholischen Kirchen wurde diese Bauart im 15. Jahrhundert wohl häufig aNgewendet, in den Synagogen ganz selten. Auch der in der Mitte des Raumes hängende Leuchter muß dem aufmerksamen Besucher durch eine eigentümliche Zier auffallen. Ueber einer zentnerschweren messingnen Kugel erheht sich die Figur eines Adlers! In der Zeit, aus der er stammt, hat man doch gewiß das Verbot beachtet, derartige figürliche Darstellungen zu verwenden. Unser sachkundiger Führer, an den wir uns 3x#p»;W;feu' Pf» Mm •um UW öiiiä ■3f asa(;ip u UM Die Synagoge von Paramaribo. Eigenartige Synagogen-Typen: Die Ohel Rachel-Synagoge in Shanghai JQUISJX & üi wenden, klärt uns auf: Die Synagoge war während der politischen Unruhen, die der Verbrennung des Johannes Huß folgten, verwüstet worden. Die Juden hatten es büßen müssen, daß sie den Katholiken zur Flucht verholfen hatten. Als aber diese wieder Die Beth Aharon-Synagoge in Shanghai. Eigenartige Synagogen-Typen: Die Ohel Lea-Synagoge in Hongkong. Ein Blick auf der Karte unterrichtet über die Namen der Berge und Hügel, die die freundliche Landschaft einsäumen. Einer heißt Judenhau, was dem jüdischen Wanderer schon zu denken gibt. Wir schreiten an reizenden Villen und Hotels und an der Badeanstalt vorüber und gelangen endlich in das alte Stätchen ,das sich im weiten Berge bis zu dem im Tale gelegenen Metternichschen Schlosse hinzieht. Vom Marktplatze aus führt eine winklige Gaffe zur S y n a g 0 g e. Wir bleiben in einiger Entfernung von ihr stehen und lassen zuerst das Gesamtbild auf uns wirken. Eine enge Gaffe erweitert sich zu einem Hof, den die ursprünglich wohl ausschließlich für Gemeindebedürfniffe bestimmten Gebäude umgemeinde zu, die gegenwärtig nur aus fünf Familien besteht und nur durch einige in umliegende Orte versprengte Glaubensgenossen und die jüdischen Kurgäste einen allsabbatlichen Gottesdienst ermöglichen kann. Die Südseine nimmt die heizbare Wintersynagoge ein. An der Nordseite hängen unter einem Schutzvorhange mehrere kostbare alte Thoravorhänge und Mäntelchen, deren schwere Stickerei jeden Kenner entzücken wird. Einige von ihnen sind von Mitgliedernder adeligen Familie von Königswarter gestiftet worden. Auch andere durch Alter und künstlerischen Wert ausgezeichnete Einrichtungsgegenstände und Wimpeln sind vorhanden. Nur die silbernen Geräte und die sicherlich erhaltenen jüdischen Bücher werden nicht gezeigt. (Besucher, die über die nötige Zeit verfügen, sollten nicht versäumen. aus Deutschland zurückkehren konnten, da Zeigten sie ihren jüdischen Brüdern ihre Dankbarkeit. Sie halfen ihnen bei der Erneuerung ihres Gotteshauses; so kommt es, daß die heilige Lade im katholischen Stil hergestellt würde. Der große Leuchter aber ist ein Geschenk des Königs' W e nz e l. Da ihn die Juden nicht zurückweisen konnten, verstümmelten sie die Nase und einen Finger, um dem religiösen Gebote nicht zuwiderzuhandeln. Diese Veränderungen sind ganz deutlich zu erkennen. Auch über das Schicksal der Juden von Plan erkundigen wir uns. Sie siedelten sich später in der Nähe ihrer Heimat an und nannten den Ort Plan koton, d. h. das kleine Plan. Aus diesem Namen ist inr Laufe der Zeit Kuttenplan geworden.