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Der Israelit · 1928-09-27 · Heft 39 (27.9.1928) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 39 (27.9.1928)
Date
1928-09-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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27. September 1928__ . Süd-Afrika. Drohende Spaltung unter der südafrikanischen Iudenheit. Kapstadt, 18. September. Wie die I. T. A. berichtet, hat die Jahresversammlung der Kapstädter jüdischen Kongregationen einen scharfen Protest gegen die Annahme und. fortgesetzte Führung des C h.i.e fra b b i - T i t e l-s durch Rabbiner Dr. Larrdau beschlossen. .Es wird befürchtet, daß es infolge dieser Resolution zu einer Spaltung zwischen den beiden -jüdischen Hauptgemeinden Südafrikas kommen könnte. . Welche innere Differenzen dieser Spaltung zu Grunde liegen, wird nicht mitgeteilt. Jugoslawien. Ausnahmezustand in Pekrovoselo. Belgrad, 16. September. Auf Intervention' des Großrabbiners von Jugoslawien, Dr. Jsak Älkälay,'verfügte der Ministerpräsident Dr. Anton Koroschet, der zugleich Innenminister ist, strengstes Vorgehen gegen Anstifter und Teilnehmer der judenfeindlichen Unruhen. Er machte den zuständigen Bezirksvorstand persönlich verantwortlich, falls den Juden, in Petrovofelo das Geringste zugefügt würde. Am,13. September delegierte der Ministerpräsident eine spezielle Kommission unter Führung .eines hohen Beamten nach Petrovosely. Die Kommission konstatierte ebenfalls die vollkommene Grundlosigkeit sämtlicher judenferndlicher - Gerüchte. Nachdem aber die Juden neuerlich bedroht'und ihre Häuser' beschmutzt wurden-, ist im Dorfe der Ausnahmezustand proklamiert worden-. Jodugai Die Marannen-Gemeinde in Vraganza. Lissabon, 18. September. Die kleine Märannengemeinde in Braganza breitet sich langsam, aber ständig aus. Es ist jetzt ständiger Gottesdienst für Freitag abend und Sabbath eingerichtet worden. AM Abend des 9. Ab hielt Dr. Teixeira einen Vortrag'über den Fall Jerusalems, über den Tempel, die Diaspora und die Zukunftskoffnungen des jüdischen Volkes. Interessant ist, daß gegen die Marannen-Bewegung in katholischen Kreisen eine leichte Gegenbewegung einzusetzen scheint. So hat eine Deputation katholischer Frauen sich an den Gouverneur von Bragänza mit der Bitte gewandt, ein- Verbot der Bildung einer jüdischen Gemeinde auszusprechen, da es sich um eine FreiMaurer-Loge handelt. Der Gouverneur hat die Antwort gegeben, daß die jüdische Religion zu respektieren sei, und daß mit demselben Recht von jüdischer Seite die Schließung einer katholischen Kirche verlangt werden könnte. Der Gouverneur selbst nahm Veranlassung, den Vorfall jüdisch-marannischen Kreisen mitzuteilen. Auch in Miranda do Douvo hat die Propaganda unter der marannifchen /Bevölkerung bereits Früchte getragen. Dje Arbeit liegt, in den Hängen der Herren Ruano pnd^Mrdoso, beide frühere Marannen. Es wird über jüdische Fragen diskutiertundeine Anzahl von Marannen ^at bereits ihren Anschluß an das Judentuni vollzogeji^" , 7 .H.T. Ä:) - i -er GeMeiüde In Kairo. Kairo, 13. Sept. Ein monumentaler Bau steht'tm Stadtviertel Jsmaila feiner Vollendung entgegen, -t>e? inseinem Halrptteile als Synagoge dienen wird. In einem eigenen geräumigen zweistöckigen Anbau wird die Bibliothek für di^'jüdische historische' Wissenschaft in Aegypten untergekracht werdLNl> :Hn dieser Bücheveil sind ^Ov wertvolle «und zum Teil seltene,hebräische Bücher und Manuskripte um tergebracht, nchen vielen - Hunderten non Schriften ist Ätrvpäisähen Sprachen, die sich mit Juden und Judentum besäßen ' .. .T. . .. . Palästina. =/ "!, Vertreter der Jüdischen Arbeiterorganisationetz - PÄSstimrs bei dem stellverkrefendän Dber- ,, kommiffar. »«tz-ernsMsU,' "14. Dptemh«^ '' Eine Dsltgatidn der allgemeinen jüdischen Arbeiter- Organisation überreichte dem steH»erhk^Ndey,,Otz?^m-. missar Luke ein Memovandum,""»w'rtn 'sie' fÄgmde Fökt- -' Der Israelit Die Woche. Berlin. Das - Provinzialschulkollegium der Provinz Brandenburg und von Berlin hat auf Antrag des Landesverbandes Herrn-Studiendirektor Dr. Gutmann die Erlaubnisurkunde zur Einrichtung und Leitung einer vom Landesverbände bereits 1927 gegründeten Vorbereitungsanstalt für jüdische Volksschul- und Religionslehrer ausgefertigt. Die Schule unterliegt damit den gesetzlichen Vorschriften über die Privatschulen. — Die Anwesenheit des Ehepaares Selzer in der Synagoge benutzte ein Einbrecher am ersten Rosch Haschonotag, um in die Wohnung der Familie einzubrechen. Die Wirtschafterin, die dem Einbrecher entgegentrat, ebenso ein zweijähriges K i n d S e l z e r s wurden schwer verletzt Ein achtjähriges Kind schrie vom Balkon aus um Hilfe, worauf sich der Verbrecher beim Nahen der Polizei eine Kugel in den Kopf .jagte. Das Kind und die Wirtschafterin schweben in Lebensgefahr. — Seit einiger Zeit berichten die Blätter über Mißhandlungen eines jüdischen Schülersin der Fliegerschule zu Staken, die beinahe an die Äegleiterscheinungen der Fememorde erinnern. Nunmehr teilt das Reichsverkehrsministerium mit, daß. zwei der Haupträdelsführer entlasten und andere betraft wurden. Bremen. Antisemitische Rowdies treiben hier seit langer Zeit im Dun- - kel der Nacht ihr Unwesen. Regelmäßig, werden-jüdische Passanten überfallen und mißhandelt In einer der letzten Nächte wurde aber, der b r a silianische K o n s u l, den man wohl für einen- Juden hielt, insultiert und schwer verletzt. Nun wird wohl die Polizer^etwas energischer zupacken. München. Ein Hitlermann. seines Zeichens Redakteur, hatte bei der feierlichen Eidesleistung eines jüdischen Abgeordneten des Oberbayrischen Kreistages hineingerufen: „Judeneid". Er erhielt jetzt.vom Amtsgerichte 14 Tage Gefängnis. Hannover. Der rühmlichst bekannte Pastor Münchmeyer aus der Antisemiteninsel Borkum nannte in einer hiesigen Versammlung den Völkerbund eine „Affenkomödie", den Kellogg-Pakt eine „Machenschaft des internationalen- Juden, tums", die Ermordung Rathenaus ein „großes . Glück für Deutschland". In fünf Fällen rühmte er sich, sei er wegendes Ausdruckes „Judenr-epublik" freigesprochen worden. Bonn. Die Synagogengemeinde in Beuel feiert das 25 j ä h r i g e Jubiläum ihres Gotteshauses. Lowno. Der Magistrat hat beschlossen, eine Straße der Stadt Feinbergst r a ß e zu benennen. Feinberg, dessen Namen so verewigt ist, war eine hochstehende und im sozialen Leben sehr verdiente jüdische Persönlichkeit. —, An der Kownoer Universität werden feit langem keine j ü d i s ch e n Medizinstudenten mehr ausgenommen. Nach einer Erklärung des Rektorates läge der Grund einzig am Platzmangel in den Laboratorien. — Auch die „Jüdische Stimme" ist mit der offiziellen Presse der Ansicht, daß die Meldungenüber -Pogrome in der Provinz stark ü b e r t r t e hre n seien. Cs fanden wohl blutige Schläge- . ftatt, toie sie in litauischen Stätden nicht ungewöhnlich sind. Diese zu „Pogromen" -zu ' stempeln, fei Mache der polnischen Zeitungen, - die Interesse daran hätten, die Welt gegen nMauen zu- - stimmen. Uewyork. Beide Prasiv ,tz«ntschaftskandidaten Hob v e r und S m)i th haben zum Rosch Haschonofeste B o ts ch a f t e.n ' nn die amerikanische Iudenheit erlassen. Hbover betont u. a. die Hilfsarbeit der Juden und den P a l ä st i n a a u f b a u. Wilna. Die jüdische Gemeindeverwaltung hat. den,Abgeordneten Dr. Wigo'dz'ky zum Gemeinde- Präsidenten gewählt, was die Zionisten als .Sieg ihrer Agitation betrachten. Budapest. Der ' Büdapester Sta dta u s s ch u ß nahm .einstimmig einen Beschluß gegen den Nü- Me.rus clausus an. Die Christlich-Sozialen haben vor der Abstimmung den Saal verfassen. Jerusalem. Das amerikanische Konsu- ' lat wird von Beyrut nach Jerusalem ver- . - Mt. Der Verwaltungsbezirk umfaßt Palästina, den Libanon, Syrien und den Irak. Oppenheim a. Rh. Am Kolnidreabend wurden ^Mhreve.jstdifch^..,ji^ge Leute aus: Nierst ei n, " Sie äüf dem Heimwege aus der Oppenheimer "Synagoge waren, von aus Westhofen auf großen Lastautos durchkommenden H ktl e rleu - ,t^ n angefallen- und mit Schlagringen uNd ' Meffern bearbeitet. .Zwei der ganzwehrloser ' UeberfAlenen, daruNKr.ery Kr.iegsbeschL° e digt^r, Mt nutf eWst Arm haE wurden durch Messerstiche erheblich verletzt. Nr. 39 Seite 9 derungen stellte: Beschäftigung jüdischer Arbeiter durch die Munizipalitäten, wobei sie darauf hinwies, daß, während die 48 000 Juden- Jerusalmes zwei Drittel der Gesamtbevölkerung der Stadt bilden, bei den von der Stadtverwaltung vergebenen Arbeiten nur 10 Prozent Juden beschäftigt sind; Vornahme von öffentlichen Arbeiten durch das Regierungs-Departement und Sicherung der Beschäftigung von Juden bei den Hafenbau-Arbeiten in Haifa. Zuletzt forderten die Arbeiter-Vertreter die Zulassung neuer jüdischer Einwanderung durch Bewilligung der von der Palästina-Exekutive angeforderten 1000 Zertifikate. Brief aus Palästina Wassermangel. — Jabokinsky. — Freude und Auftegung in Pelach Tikwah. — Haifaer Hafen. Jerusalem, 15. September. Der Wafsermangel in der Stadt macht sich nun immer schmerzlicher bemerkbar. „Hadabar" beschuldigt die Regierung und die Stadtbehörden, daß sie bei der Rationierung nicht gerecht und paritätisch vorgehen. Während auf der einen Seite die Aermsten der Armen nur tropfweise ihr knapp bemessenes Wasserquantum gebrauchen können, wird auf der anderen Wasser in großen Mengen für alle möglichen Zweck«, w^ Blumenzüchtung und anderen Luxusbedarf anstandslos hergegeben. Die Warnungen und Alarmrufe der Zeitungen haben zur Folge gehabt, daß eine wahre Hamsterei und „Schwarzgeschäfte" mit Wasser einsetzten, wodurch die Not für die Minderbemittelten noch großer wird-. Daß die Hilfe von den Behörden komme, wird nicht mehr erwartete Sie kann nur von oben kommen, in der Form des Herbstregens, um den wir hier am Sukkausfeste inbrüm stiger als je flehen werden. Die Einreifeverweigerung für Jabotinsky hat hier, wie zu erwartenwar, sehr viel Staub aufgewirbelt. Noch war man aus der Protesfftimmung - gegen die Schließung der Landestore vor Schwarzbart nicht, heraus, und nun dieser Schlag gegenden Mann-, in dem viele im. jungen Palästina best nationalen Heros sehen und feiern. Auch die gemäßigten Kreise um „Doar Hajvm" sprechen ein ^Mahnendes Wort. Jabotinsky, sagt das Blast, hatte für die jüdische, aber nicht zuletzt'auch für die englische Sache gekämpft, ihm .sollte das Ehrenbürgerrecht und nicht diese Schmach der .Landesverweisung zuteil werden. Man glaubt, daß die weiteren Verhandlungen, die zunächst daran gescheitert sind, daß Jabostnsky in die Bedingung der politischen Abstinenz nicht einwilligt, noch zu einenp-günstigen Ende führen. Inzwischen beeilte man sich schon, ihm den Direktorposten der Kolonisationsgesellschaft „Jehuda" zu übertragen. Die Ernennung bedarf aber ebenfalls der Bestätigung der Regierung. In der Mutterkokonie P e t a ch T i k w a h herrscht Freude und zugleich Aufregung. Freude infolge der zu Ende geführten Landesm-effungen und der Ueberreichung der „Kuschen" (Grundurkunden) nach dem. neu angelegten Grundbuche an.die Bauern. In der Kolonie, wurde aus diesem Anlaß ein Fest gefeiert unter B^testigüng der Kolonisten, der Arbiter und ^yon Beamten der englischen und Palästinaregisrung. — Weniger erbaut ist die Verwaltung der Koloße von dem kategorischen Befehl der Kreisregierüng, innerhalb zweier - Tage. das Budget der Kolonieverwaltung aufzustellen und -elnzureichen. In der Sitzung des Gem-einderates kam es — ein Novum in diesem bürgerlich ruhigen Gemeinwesen — bei der Beratung über den Etat zu stürmischen Szenen. Der Vorsitzende und mit ihm andere Räte erklärten es für unmöglich, in wenigen Tagen dem Befehle nachzukommen. Man könne sich nicht überstürzen. Es wird aber darauf hingewiesen, daß im Weigerungsfälle von Amts, wegen die Aufstellung des Etats vorgenommen wind. So seien bereits nach Tel Awiw zum gleichen Zwecke zwei engkische Beamte entsandt wrden. Manche halten es für. gut, -es darauf ankommen zu lassen. Bei der Beratung über den Beitrag: der Kolonie zur ,,K nesses Jrsro e l" kommt es zu turbulenten Szenen, als ein Antrag des Vertreters ^der Arbeiter, Heller, abgelehnt wird. Er ergeht sich in Beschimpfungen gegen das Präsidium, und einzelne Räte und wird da« sür für die nächste, Zeit von den Sitzungen ausgeschlossen. Es wird schließlich ein provisorisches Budget auf Grund der Zahlen von vorigem Jahre aufgestellt. Die Ausgaben belaufen sich auf 12127500 Pfd., die Einnahmen auf 10535 Pfd.

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