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Der Israelit · 1928-09-20 · Heft 38 (20.9.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 38 (20.9.1928)
Date
1928-09-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Der Israelit Nr. 38 Seite 5 20 .September 1928 , _ - ' Er tueiß es, wir die orthodoxe, agu- .distisch e Ingend stehen zu ihm, wir fo lg en dem Weg, den er uns zeigt. . Zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden. Frankfurt a. M., 19.. Sept. Die Ziehung der Wertlotterie zur Bekämpfung der. Tuberkulose unter den Juden, aus deren Reinertrag eine deutsehe Lungenheilstätte für jüdische Männer und Knaben errichtet werden soll, findet am Mittwoch, den 26. September, morgens 9 Uhr im großen Saal der Frankfurt-Loge Frankfurt a. M., Eschersh. Landftr. 27, statt. Wer das große Liebeswerk noch fördern und sich zugleich die Möglichkeit erlesen wertvoller Gewinne sichern will, möge sofort Lose in Frankfurt a. M. ,Holzgraben 2, Arbeitsgemeinschaft, bestellen. polen. Die Wahlen zur Jüdischen Kultusgemeinde in Lemberg. Lemberg, 10. Sept. Nach einer mehrere Wochen dauernden überaus scharfen Agitation fanden in Lemberg am 9. September die Wahlen zur jüdischen Kultusgemeinde statt. Die Wahlbeteiligung betrug 11368 von insgesamt 19 000 Wählern. Um vier Übr nachts veröffentlichte die Haupt-Wahl'-Kommission das Ergebnis, wonach der wirtschaftliche Block .3420 Stimmen und 8 Mandate, der „Bund" 426 Stimmen und 1 Mandat, die Hitachduth 327 Stimmen und 1 Mandat, die Agudah 2370 Stimmen und 3 Mandate; und die Zionisten 4180 Stimmen und 10 Mandate erlangt Haben. In der endgültigen Berechnung der Stimmen können noch unbedeutende Aenderungen Vorkommen. Lemberg, 11. Sept. - Das endgültige Wahlresultat der am 9. September Hier stattgehabten Wahlen zur Jüdischen Kultusgemeinde ergab 11 Mandate für die Bereinigten Zionistischen Parteien, 8 für den mit den Assimilanten vereinigten Wirtschaftsblock, 5 für die Aguda und ein Mandat für die Zusammengekoppelte Liste der Poale Zion und des „Bund". Die jetzigen Wahlen fanden zum erstenmal unter dem neuen Wahlreglement statt, das an Stelle des bisherigen Kuriensystems Proportionswahlenvorsieht. Die Wahlen zur Jüdischen Gemeinde in Zloczow ergaben 6 Zionisten, 4 Agu-disten, 1 Handwerker und 1 Bundist. In Rawa-Ruska erhielt die national-jüdische Liste 7 Mandate und die Chassidim 5 Mandate. Misrachi in Warschau. Warschau, 12. Sept. Die misrachistischen Veranstaltungen bei Anwesenheit von Rabbi Meier Berlin in Warschau sind nicht ganz ohne Zwischenfälle vor sich gegangen. Das Bankett, das angeblich zur Begrüßung des. Gastes, in Wahrheit aber als Propagandaveranstaltung für die hier ganz und gar links stehende N atio n als o nds-^V erwaltun g aufgezogen war, ging von radikalster Seite aus. Auf Einwirkung orthodoxer - Freunde Berlins erklärten zwar Rabbi Berlin und Farbstein, sich nur unter der Bedingung am Bankett zu beteiligen, daß der g e m i f ch 1 e Chor vom Programme abgesetzt werde. Man versprach es. Aber beim Erscheinen der Misrachiführer stimmte dennoch der gemischte Chor an, und damit nicht genug, sangen die Mädchen und Jünglinge, letztere mit entblößtem Haupte, den Psalms jvniu ‘»yint hebräischen Wortlaute unter wiederholibem Aussprechen des Schem, das alles in Gegenwart vieler misrachistischer.Rabbiner, die zur Feier eingeladen und auch gekommen waren. Einem Mitarbeiter des „Jud", der Rabbi Berlin interpellierte, erklärte dieserer sei von den Zionisten nasegeführt worden. Auf die ■ Frage, warum er nicht die einzig gegebenen Konsequenzen zog, antwortete er, er 'würde es noch in einer ihm konvenierenden Form tun. So brüskieren die Zionisten ihre eigenen Gesinnungsgenossen von der rechten Fakultät. Und man vergesse nicht: diese Veranstaltung soll das 'Präludium für eine große Sammelaktion zu Gunsten des Nationalfonds bei' den Gesetzestreuen bilden. Likauen. Die pogromartigen Vorfälle in Wilkowifchki. Kowno, 12. Sept. Nachdem in der ganzen Stadt, die eigentlichen Urheber der antijüdifchen Ausschreitungen der faszistischen Organisation „Der eiserne Wolf" bekannt waren, hat sich nun doch die Regierung entschlossen, gegen die Schuldigen oorzugehen. Sie verhaftete die Haupträdelsführer der pogromartigen Vorfälle und zwgr eitlen Beamten der Kriminalpolizei, einen Steuerinspektor und einen Sekretär der Gemeindeverwaltung, die ihrer; Aemter enthoben und den' Gerichten übergeben wurden. Es ist dies der erste- Fall, daß in Litauen Veranstalter von Judenexz essen verhaftet wurden. Me Woche. Berlin. In der neuen Nummer des Verwaktungsblatts des Preußische n L a n d e sv erbandes jüdischer Gemeinden ist u. a. der Entwurf einer Verfassung des Reichsverbandes der deutschen Juden abgedruckt, ferner der nun-' mehr dem Preußischen Ministerium für Wissenschaft, . Kunst und Volksbildung vorliegende Entwurf eines Gesetze s betreffend die jüdische Neligionsgemeinschaft in Preußen. Düsseldorf. Hier wurden vor einiger Zeit vier jüdische Damen und Herren von einer Horde von Hakenkreuzlern schwer mißhandelt. Das Gericht bezeichnete ihre Taten als „brutal, feige und gemein". Trotzdem wurden ihnen mildernde Umstände zugebilligt; sie kamen mit 200 Mark Geldstrafe davon. Reinbach. Vor kurzem berichtete man über die sechzigste Friedhofs sch ändüng. Die Zahl ist nun um zwei übertrofsen durch zwei Friedhofsschändungen in unserem Kreise, und zwar in Flamersheim und im benachbarten K i r ch h a i n. Auf beiden jüdischen Friedhöfen sind fast sämtliche Grabsteine umgeworfen und die Gräber selbst besudelt worden. Wien. Hier fand die feierliche Einweihung eines neuen j ü d i s ch e n F r i e d h o f s statt. Die Zeremonienhalle stellt einen architektonisch monumentalen Prachtbau dar. Die Kosten betragen 20 Milliarden Kronen. Der Friedhof ist Eigentum der Wiener Jüdischen Gemeinde. — Hier starb der jüdische Gelehrte und-frühere Rabbiner Dr. Siegmund Gelb haus im Alter von 76 Jahren. Sein Hauptwerk behandelt den Einfluß des Kabbalismus auf den Spinozismus. In der Hinterlassenschaft befindet sich ein großes Manuskript über die „Zusammenhänge zwischen Jslamismus und Mosaismus". Gelbhaus war ein berühmter Syrologe und Kabbalaforscher. Bukarest. Von der rumänischen Polizei wurde die Verbreitung von ITA. - Na chr i ch te n verboten. Budapest. Der Fürstprimas von Ungarn, Seredi, hat an die katholische Geistlichkeit einen Erlaß gerichtet, worin dieser untersagt, Eheschließungen zwischen Katholiken und Juden auf zeremonielle Weise vorzunehmen. Paris. In Erwiderung auf einen Brief des Grand Rabbin Jsr. Lern an den Kriegsminister, in dem er ihn bittet, den jüdischen Militärs die Erfüllung ihrer religiösen Pflichten anläßlich der bevorstehenden Feiertage zu erleichtern, hat der Kriegsminister ihn''informiert, daß ein Zirkular die Bedingungen festsetzt, unter denen die Urlaube den Militärs der verschiedenen Kulte bewilligt werden können, um ihnen zu gestatten, ihre religiösen Pflichten zu erfüllen, kowno. Die Krankenkasse hatte die Vornahme von Neuwahlen auf Rasch Haschono gelegt. Der Protest der Juden hatte den Erfolg, daß .die Wahlen verschoben wurden, und zwar auf Jom Kippur. Ein neuerlicher Protest bewirkte, daß die Wahlen nun endgültig auf Simchas Thora gelegt find. Man steht darin mit Recht eine - bewußte und gewollte Brüskverung der jüdischen Mitbürger. Warschau. Im Alter von 44 Jahren starb hier Rabbi Josef Kaplan, der als Rabbiner in M i n f k großen Ruf genoß. — Der Warschauer jüdische B ä ck e r o e r e i n sandte eine Delegation nach Amerika, um bei den dortigen jüdischen Bäckern eine Anleihe für die Warschauer Bäcker, die sich in großer Notlage befinden, zu bewirken. Beirut. 60 hebräische Lehrer Palästinas haben unter Führung von Dr. Eppstein, Professor Preß und Avissar Syrien und dem Libanon einen Besuch abgestattet, um das in diesen Ländern herrschende Schulsystem kennen zu lernen. Die jüdische Gemeinde von Damaskus veranstaltete für die Gäste einen herzlichen Begrüßungsabend. Das syrische Unterrichtsministerium in Damaskus veranstaltete für die Lehrer-Exkursion einen herzlichen Empfang. Kowno, 13. Sept. Die Unruhen in W i l kowischki, über die bereits kurz berichtet ist, stellen sich als noch weit ernster heraus, als zuerst angenommen wurde. Man zählt 6 0 Ver- 4» UHREN-Goldwaren FRITZ LANG Roflmarli!! chpiwj Kaiserstr.3l MN Alpina-Gruen-Dhren mundete. Die Organisation, die den Pogrom veranstaltet hat, ist nach der Art des amerikanischen „Ku-Kux- Klan" geformt. Auch in Sch au len ist es zu Unruhen gekommen. Von Koürno aus wurde eine Untersuchung eingeleitet. ««r IfENNWOm GUHR UHRtlt iS«»I SF-l ■/'‘min Schweiz. Weltkongreß der religiösen Kräfte für den Weltfrieden. Genf, 13. Sept, Am 12. September wurde hier durch den Dekan der theologischen Fakultät der Universität Chicago, Shailer M. Mathews, die Prälirninarkonferenz zur Vorbereitung eines Weltkongresses der religiösen Kräfte für den Weltfrieden eröffnet. An der Konferenz beteiligten, sich 124 Delegierte aus den verschiedensten Ländern, di'e die elf führenden Religionen der Welt repräsentieren. Die jüdische Religion wird durch den englischen Chiefrabbi Dr. Hertz vertreten. Der Vorsitzende der Präliminarkonferenz, Mathews, schilderte die. Ziele und Aufgaben der Konferenz, die vom kirchlichen Friedensverband in Amerika, einer Schöpfung des: verstorbenen Andrew Carnegie, einberufen worden ist. Als erster begrüßte die Konferenz in einer längeren eindrucksvollen Rede Rabbi Hertz, der u. a. betonte, daß ein') neuer Krieg die ganze Welt in Gefahr bringen und die menschliche Kultur und Zivilisation vernichten würde. Er erinnerte daran, daß allein in den ersten drei Monaten des Weltkriegs in England, Frankreich und Deutschland 1600 000 Menschenleben zugrunde gegangen sind. Dr. Hertz schilderte die Ergebnisse des Völkerbundes, des Locarno-Vertrages und zuletzt des Kellogg-Paktes, aber daniit tatsächlich der Weltfrieden herbeigeführt werde, müsse man die öffentliche Meinung erziehen, zivilisieren und moralisieren. .Man müsse die Herzen der Menschen gewinnen und dies könne nur die Religion erreichen. Wenn sie dies nicht vermag, dann hat die Religion keine Zukunft, weil dann auch die Menschheit keine Hoffnung hat. England. Die Konferenz der jüdischen Hilfsorganisationen in England. London, 10. Sept. An der heutigen Jahreskonserenz des Verbandes der jüdischen Hilfsorganisationen in England, die sich mit der Lage der Juden in Osteuropa befaßte, beteiligten sich Delegierte aller jüdischen - Gemeinden- Kongregationen und Organisationen in England wie auch Vertreter der jüdischen Zentren in Osteuropa. Nach Eröffnung der Konferenz durch eine Begrüßungsansprache von Chacham Dr. Gaster erstattete der Präsident des Verbandes, Dr. Jochelmann, den Rechenschaftsbericht. Es berichteten sodann Rabbi Moses Schor aus Warschau über die Lage der jüdischen Bevölkerung in Polen, der frühere litauische Minister, Dr. Rosenbaum, über ine Lage der Juden in Litauen, der ehemalige Rabbiner von Petersburg, Dr. Eisenstadt, und der JTA-Vertreter Smolar, der erst kürzlich von einem längeren Besuch aus Sowjetrußland zurückgekehrt ist, über die Lage der jüdischen Bevölkerung in Rußland und der Ukraine. Am Abend findet unter Leitung von Chief Rabbi Dr. Hertz ein feierlicher Empfang für die Teilnehmer an der Konferenz statt. « u n u u n , L&. <oepr. Die in London abgehaltene Konferenz des Verbandes der jüdischen Hilfsorganisationen stellt in der angenommenen Resolution fest, daß die Berichte über die traurige Lage der jüdischen Bevölkerung Osteuropas und hauptsächlich der Ukraine die Wichtigkeit der weiteren Tätigkeit des Verbandes erweisen. Die-Delegierten verpflichten sich, alles zu tun, um dem Verband die Durchführung seiner großen Hilfsarbeit zu ermöglichen. Die Konferenz beauftragt die' neue Exekutive, die Arbeit zugunsten der Emigranten und Transmigranten in Osteuropa zusammen mit den anderen Organisationen, die sich derselben Arbeit widmen, fortzusetzen. Die Konferenz drückt thre Befriedigung aus über die Mithilfe der jüdischen Gemeinden der Provinz und hofft,.

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