Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1928)
- Date
- 1928-09-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit 20. September 1928 Seite 2 Nr. 38 Gunst erbitten." „Herr", sagte der heruntergekommene Königssohn, „mich hungert und dürstet, und ich brauche ein Gewand." Der König ließ es ihm reichen, aber die Begnadigung hatte er sich verscherzt. Der Arme hatte sich ins Kleinliche verloren und sich nicht nach dem Großen gesehnt, das der König erwartete und das ihm auch das Kleine gegeben hätte. — Warum müssen wir immer nur das Kleinliche, das Geringe, das Vergängliche wünschen, wenn Gottes Abgesandter, der Jaum Kippur zu uns kommt? Warum wünschen und sehnen wir uns nicht, durch den heiligen Boten in Gottes heilige Vaternähe zu gelangen, in den Bereich des beglückenden religiösen Lebens getragen zu werden, den Abglanz der göttlichen Majestät über uns erstrahlen zu sehen? Warum tragen wir nicht Begehr nach dem Erhabenen, dem Großen, das am Ende auch das Kleine, dessen wir bedürfen, in sich schließt? Warum wollen wir stets nur die Nehmenden und nicht die Gebenden fern-, nehmen von Gott unseren Bedarf und ihm nicht geben unsere Liebe, nehmen von ihm seine Verzeihung und sie nicht geben unserem Bruder, von ihm verlangen das 'nn^v' aber es vorenthalten denen, die sich vielleicht danach sehnen? Einst trat ein Schüler vor seinen Lehrex hin und fragte: „Meister, woran können wir erkennen, daß Gott unsere Sünden verziehen?" „Daran, mein Sohn", entgegnete der Lehrer, „daß wir sie nicht mehr tun." — Greifen wir zu diesem reinen Mittel der Erprobung. Hören wir auf zu hassen, dann beginnt uns Gott zu lieben. Tragen wir .keine Feindschaft mehr im Herzen, dann hat uns Gott verziehen. Tun wir fernerhin nichts mehr gegen andere, was wir von anderen nicht erfahren möchten. Rufen wir einander zu, was wir von. Gott erflehen, sprechen wir mit Herz und Seele: ■>nrrt>0' „ich verzeihe", dann wird Gott ebenso sprechen. Dann hat der heilige Tag seine Wirkung schon bei seinem Einzug getan, und sein Ausgang wird nach sich ziehen ein frohes, glückliches und zufriedenes Jahr für uns und ganz Israel nach dem Worte der Schrift: iwi# Israel spricht: „das Jahr meiner Erlösung kommt". Möge es kommen für alle, die reinen Herzens sind, und sein ein Jahr des Segens und des Friedens aller, die Gott fürchten und sein Wohlgefallen suchen. Wochenrundschau. Nersöhmrngsgebeke für das Land der Anversöhnlichkeit. In allen Synagogen des Ostens werden dieses Jahr am heiligsten der Tage Gebete für die schweren Religionsverfolgungen ausgesetzten Brüder in Sowjetrußland eingeschaltet. Die Anordnung kommt vom „Chofez Chajim" und anderen Thoragrößen. Wir konnten im Kleinen Feuilleton der jüngsten Nummer das Gebet, das sich den von den Rabbinern vorgeschriebenen Psalmen anschließt, im hebräischen Wortlaute abdrucken. Es ist ergreifend und tief erschütternd in seiner Abfassung, ein Notschrei aus jüdischem Herzen um Hilfe für die bitterste aller Qualen, die Qualen der Seele und des Gewissens. Und im Hauptteile der gleichen Nummer war in einem Aufsätze, wie eine Illustration zur besagten Anordnung, eine endlose Liste von Städten und Gemeinden in Sowjetrußland aufgeführt, in denen die ’ysn aus der Jüdischen Sektion unter Anwendung brutaler Gewalt, oft sogar gegen den Willen der Zentralmacht, Synagogen beschlagnahmten und in Klub und Kino verwandelten, Thorarollen schändeten, Lehrhäuser schlossen, Kinder aus Chedarim Heimtrieben, Melamdim einsperrten und in die Verbannung schickten. Ein trauriges Bild, und, gesinnungs- und artverwandt, empfindet der gesamte jüdische O st e n — man war ja lange Jahrhunderte unter einem Dache im Lande des Zaren vereinigt — den Schmerz wie seinen eigenen,, betet und meint mit denen über der Grenze, betet und weint für sie —, weil es ihnen selber vielleicht verwehrt ist. Dürfen wir uns im Westen des Mitgefühls mit dieser geistigen Not unserer Brüder, die an die Zeit der spanischen Inquisition erinnert, entschlagen? BiOXULTDA Oie stark scfiäumencfe ^auersfoff-^ofjnßQSfd wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnvatta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 8V Pf. Bl OX-MUNDWASSER Flasche 1.— und 2.— Ml. Gcgen lockere Zähne. Probe-Flasche gratis. Max Elb A. G., Dresden Es ist uns nicht bekannt, daß sich die deutschen Rabbiner der Anordnung ihrer östlichen Kollegen angeschlossen und die Gebete auch für unsere Synagogen empfohlen hätten. Aber es sollte kein Jude, wenn er am heiligen Tage, in sich gekehrt, von morgens bis abends vor seinem Gotte steht, versäumen, auch eine Träne zu weinen und ein Gebet aus tiefem Herzen zu beten für die schwerleidenden Brüder' im Osten. Die Tränen und Gebete werden, mit den anderen auf dem Erdrunde den Weg zum Himmel finden, daß sich n"2?n seines Volkes erbarmet und sich auch in diesem Sinne das Wort erfüllt: . nbs wtoa ]wai v'2 "sVV 'Ni'?«? „ Stadlonus " ist ein im zionistischen Kreise viel verschrieenes Wort, eine Galuthblüte. Jungjudentum will sich aber nichts erbitten und erbetteln, es will sein Recht fordern. Nun, so weit sind wir leider noch nicht. Und so lange es auch dem Zionismus nicht gelingt, das Galuth aufzuheben, wird man noch hie-und da auf Stadtlonuth, d. h. auf Intervention einflußreicher Männer am hohen Stellen für Gemeinde und Gemeinschaft angewiesen sein. Allein, wie Vertreter und Wortführer der jüdischen Sache geartet sein müssen, zeigt ein sehr lehrreicher Fall in Bukarest, über den im Nachrichtenteil der jüngsten Nummer des „Israelit" kurz berichtet ist. Ein um sein Volk und seine Gemeinde, um die Jugend und um den Sabbat tief besorgter Rabbiner war beim Minister vorstellig, um einen Schreibdispens für die jüdische Schuljugend an Sabbat und Feiertagen zu bewirken. Er konnte seine Wünsche mit einem Memorandum belegen, das mit den Unterschriften von vielen tausenden Vätern bedeckt war. Aber der Herr Minister wurde stutzig. Ex nannte den Namen eines „großen Juden", Inhabers eines großen Bankhauses, der auch Senator ist und, wie er, der Minister, glaubte, Führer und legitimer Vertreter der Judenheit sei. „Dieser Mann," sagte der Minister, „der euer Führer ist, hält ja sein Bankgeschäft am Sabbat auf, schreibt und verrichtet auch andere Arbeiten. Beweis genug, daß die Juden längst nicht mehr zum Sabbat halten." Oberrabbiner Schor konnte den Minister darüber aufklären, daß ein politisch und sozial hochstehender Mann jüdischer Konfession, der vermöge seiner Stellung ein Wort für seine Brüder einlegt, noch lange nicht gleichbedeutend mtt einem „guten Juden" im religiösen Sinne sei. Aber der Stachel blieb, das beschämende Gefühl, daß Teschuba. Zu naw nnw. Von Ruhelehrer B. Wolfs in Aurich. Wir stehen im Zeichen der Teschuba, der Rückkehr zu Gott und des Verlangens nach Wiedererlangung der göttlichen Gnade und des göttlichen Wohlgefallens.' Der Prophet ruft: n äx iaisi Dnm Q2»5? inp :-jnya jiVeo '3 'n "w ^xn®’ miss* •U’nSP ll'lv nat-sn 31B 77p1 Jiy Xü?n i>3 1’*>X liax „Kehre um Israel zum Herrn, deinem Gott, denn du bist gestrauchelt durch deine Sünde. Ihr braucht nur Worte nehmen und zum Herrn zurückzukehren, braucht nur zu ihm sprechen: „Vergib jede Schuld!" Dann hat jeder das Glück erworben, dann haben wir mit unfern Lippen Sühnefarren bezahlt." Weisen wir auf die wesentlichen Merkmale dieser Aufforderungen hin! In einem anderen Ausspruche ruft der Prophet aus: nanwi iaV 'n im zweiten verlangt er:m ns-Im ersten nennt er als Ursache und Folge ai uxsti *pt> xin '3; im zweiten 2iv npi pw nbvo '2- Welches find seine' Gründe für den unterschiedlichen Wortlaut? Ehe wir diese Frage beantworten, weisen wir auf die letzte Mischna in xav hin, die da lautet: D’aE?3B7 Q3’3X?D3flK 1NV» '»1 llNX '13 ’3S^ ^XIV' ll3'1VX na .'n Vx-iP’ mpa naixi '3i amnoi ll'iinv tra 03'i-x vipnn nax3s : iiRir nx maa n"apn rjx a'xavn nx nnva mpa „Israeliten, ihr seid glücklich zu preisen! Gedenket doch, vor wem ihr euch (von euren Sünden) reinigen könnt, und wer es ist, der euch reinigt! Euer Vater im Himmel! Denn es heißt (Ez. 36, 25): „Ich sprenge auf euch reines Wasser und ihr werdet rein." Und es heißt (Jirm. 17, 13): Israels Reinigungsquell ist der Ewige." Wie ein Quell die Unreinen reinigt, so reinigt der Heilige, gelobt sei er, Israel!" Unter den vielen Schwierigkeiten, die der Wortlaut dieser Mischna bietet, seien nur zwei hervorgehoben. Wenn wir von der Voraussetzung ausgehen, daß die Mischna sich des knappsten Ausdrucks überall befleißigt und niemals ein überflüssiges Wort sagt, so will es uns doch bedünken, als ob die beiden Fragen in der Mischna weiter nichts als eine Tautologie darstellen. Ebenso scheinen die beiden Antworten auf dieselbe Bedeutung hinauszulaufen und keinen Unterschied zu ergeben. Was will nun aber doch die Mischna mit der Doppelfrage und der Doppelantwort lehren? Hören wir zunächst noch eine kleine, eigentümliche Erzählung der Gemoroh in p^n pns S. 102 a: nnxi wxi -p -wmV naxirns nsan^ n"3pn lwm nnx xax i nax •xrjn xi> ’an 'x i>"x! sxia 'S' p? sxi3 ’a ^"x -ns? pa V”tn pi Nachdem der König Jerobeam I. nach der Teilung dev Reiches zwei goldene Kälber verfertigt.und ganz Israel zum Götzendienst verführt hatte, so erzählt Rabbi Aba, ergriff ihn der H. g. s. e. doch noch einmal bei seinem Kleide, sprechend: „Kehre um! und ich, du, und Jsais Sohn (d. i. König Dawid), wir werden uns dereinst im Garten Eden ergehen!" Da fragte Jerobeam: „Wer wird dann den Vortritt haben?" worauf denn die Antwort erfolgte: „Jsais Sohn wird den Vortritt haben." „Wenn dem so ist," -erwiderte Jerobeam, „dann will ich nicht!" Merkwürdige Erzählung. Was braucht der König Jerobeam noch zu fragen: „Wer wird den Vortritt haben?" Hatte Gott doch die Reihenfolge deutlich genug bezeichnet: ich, du und Jsais Sohn! Und Gott ist doch kein Mensch, daß ihn etwas gereue, und kein Erdensohn, daß er trüge. Aber warum ändert er doch nach dieser Frage die Reihenfolge? . Wenn wir nun diesen Maßstab an die vorhin' (unter 3) angeführte Stelle in pbn pna anleg,en, so wird sich hier kein Widerspruch ergeben. Als Gott der Herr nämlich den Jerobeam aufforderte, Teschuba zu tun, meinte er selbstverständlich eine Teschuba nanxa aus reiner Liebe. Diese hätte dann nach dem Lehrsatz von Resch Lakisch zur Folge gehabt, daß alle Sünden Jerobeams in verdienstliche Taten umgewandelt worden wären. Wer hätte sich wohl in diesem Falle mit Jerobeam messen können, mit dem Könige, von dem die Schrift berichtet: twram nx x'vn.ii xvn, er sündigte und verleitete die Mehrzahl Israels zur Sünde, und von dem die Weisen sagen, daß die Sünden Israels ihm.angerechnet werden? Wenn alle diese Sünden in ni’37 umgewandelt worden wären, dann hätte selbst 'v' p, der verdienstvolle König Dawid, sich nicht mit Jerobeam messen können: er hätte diesem den Vortritt lassen müssen, und die mnxa 'n hätte entsprechend der Versicherung Gottes wörtlich zur Folge gehabt: sraa 'S' pi nnxi wx- Mit dem Momente aber, mit welchem Jerobeam die Frage stellt sxi3 'a,läßt er auch schon für uns Menschen durchblicken. daß er für seine Teschuba eine Gegenleistung verlangt, und diese Kundgebung war nach dem andern Lehrsätze des Resch Lakisch doch nur imstande, seine Rückkehr zu einer Teschuba zweiten Grades zu machen, zurnxi'a^n die seine nunr nur in rmiv gewandelt hätte. In diesem' Falle jedoch war König Dawid, der doch wirklich noch ni'37 auszuweisen hatte, dem Jerobeam weit voraus, und darum lautet folgerichtig auf die Frage: sxiam die Antwort: sxia 's' pr Nach diesen Darlegungen lösen sich auch die Schwierigkeiten der Mischna. Die Doppelfrag,e wie die Doppelantwort sind berechtigt. Die erste Frage: -a '»*»